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Wertpapierleihe bei ETF: Welches Risiko gehen Anleger ein?

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Was macht der Emittent mit den Wertpapieren, die in einem ETF enthalten sind? Bei einer physischen Replikation kann er mit der Wertpapierleihe die Performance verbessern. Er verleiht die im abgebildeten Index gelisteten Wertpapiere. Mit welchem Risiko ist das für die Anleger verbunden?

Wertpapierleihe bei ETF: Welches Risiko gehen Anleger ein?

Wenn Du in einen physisch replizierenden ETF investierst, kaufst Du indirekt die im Index enthaltenen Wertpapiere. Viele große Anbieter lassen diese Titel aber nicht einfach liegen: Sie verleihen sie zeitweise gegen Gebühr an andere Marktteilnehmer. Diese sogenannte Wertpapierleihe erzeugt Zusatzerträge, die den Fonds verbessern und die effektiven Kosten senken können. Zugleich bleibt ein Restrisiko. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Wertpapierleihe funktioniert, wie ETFs sie absichern, woran Du sie im Factsheet erkennst und was der Unterschied zur synthetischen Replikation ist.

Stand: Juli 2026. Alle Angaben zu Gebühren, Quoten und Anbietern haben wir zum Redaktionsschluss geprüft. Fondsdaten und Ertragsbeteiligungen können sich ändern; maßgeblich sind stets die aktuellen Unterlagen des Emittenten.

Was ist die Wertpapierleihe?

Bei einem physisch replizierenden ETF hält der Emittent die im Index gelisteten Wertpapiere tatsächlich im Fondsvermögen. Bei einem synthetisch replizierenden Fonds bildet er den Index dagegen über ein Tauschgeschäft mit einer Bank nach, ohne die Titel direkt zu besitzen. Diese Fonds nennt man Swaps.

Die Wertpapierleihe (englisch securities lending) ist eine etablierte Praxis physisch replizierender Fonds: Der Emittent verleiht einzelne im Fonds gehaltene Wertpapiere für kurze Zeit gegen eine Gebühr an einen Leihnehmer. Die Titel bleiben rechtlich Eigentum des Fonds, der Leihnehmer muss Sicherheiten stellen. Der Emittent verfolgt damit drei Ziele:

  • zusätzliche Erträge und damit eine bessere Rendite erzielen,
  • die effektiven Kosten des Fonds senken und die Gesamtkostenquote (TER) verbessern,
  • die Wertentwicklung des Index möglichst genau nachbilden oder leicht übertreffen (Tracking-Differenz verringern).

iShares (BlackRock), der weltweit größte ETF-Emittent, betreibt die Wertpapierleihe regelmäßig und in großem Umfang. Die daraus erzielten Einnahmen fließen anteilig zurück in den Fonds und kommen so den Anlegern zugute.


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Wie funktioniert die Wertpapierleihe?

Der Emittent verleiht ein oder mehrere im ETF enthaltene Wertpapiere über eine begrenzte Dauer an einen Leihnehmer, oft nur über wenige Tage. Als Leihnehmer treten institutionelle Investoren auf, etwa Investmentbanken oder Manager von Hedge-Fonds. Diese nutzen die geliehenen Titel häufig für Leerverkäufe: Sie verkaufen Wertpapiere, die sie gar nicht besitzen, und spekulieren darauf, sie später günstiger zurückzukaufen.

Um das Risiko für Fonds und Anleger gering zu halten, muss der Leihnehmer Sicherheiten hinterlegen, deren Wert den der verliehenen Titel übersteigt. Diese Übersicherung liegt bei den großen UCITS-Anbietern typischerweise zwischen rund 102,5 und 112 Prozent, abhängig von der Kombination aus verliehenem Papier und Art der Sicherheit. Zusätzlich zahlt der Leihnehmer am Ende der Leihperiode eine Leihgebühr. Vor jedem Geschäft prüfen die Emittenten die Bonität des Leihnehmers, und die Positionen werden börsentäglich bewertet.

Für den Leihnehmer lohnt sich das Geschäft, weil er den geliehenen Titel für seine Strategie braucht. Für den Fonds und damit für Dich als Anleger entsteht durch die Leihgebühr ein Zusatzertrag, der die Kosten senken kann.

Sicherheiten und Besicherung

ETF-Emittenten wie BlackRock (iShares) würden keine Wertpapierleihe betreiben, wäre das Risiko für sie und die Anleger zu groß. Sie sichern sich deshalb mehrfach ab. Die verliehenen Wertpapiere und die erhaltenen Sicherheiten werden börsentäglich (meist automatisch) bewertet. Fällt die Besicherungsquote unter die vereinbarte Mindestquote, muss der Leihnehmer noch am selben Tag nachschießen.

Der Leihnehmer haftet mit seinem gesamten Vermögen für die Rückgabe der Wertpapiere, und der Emittent hat unmittelbaren Zugriff auf die hinterlegten Sicherheiten. Als Sicherheiten sind nur bestimmte, qualitativ hochwertige Vermögenswerte zugelassen, zum Beispiel:

  • Staatsanleihen bonitätsstarker Staaten (etwa der G10-Staaten),
  • Unternehmensanleihen mit hoher Bonität,
  • liquide Aktien aus anerkannten Industrieländer-Märkten.

Die Sicherheiten werden getrennt vom übrigen Fondsvermögen bei einer unabhängigen Verwahrstelle gehalten. Wichtig ist außerdem, dass viele große Anbieter, darunter BlackRock, eine Freistellung gegen Ausfall des Leihnehmers gewähren: Kann ein Leihnehmer die Titel nicht zurückgeben und reichen die verwerteten Sicherheiten nicht aus, gleicht der Anbieter die Differenz aus. Diese Freistellung ist eine freiwillige Zusage des Anbieters, keine gesetzliche Garantie.

Ablauf der Wertpapierleihe

Ein typisches Leihgeschäft läuft in diesen Schritten ab:

  1. Der Leihnehmer fragt beim Emittenten ein bestimmtes Wertpapier an. Ist der Emittent einverstanden, werden die zu stellenden Sicherheiten vereinbart, meist Aktien oder Staatsanleihen.
  2. Der Leihnehmer übergibt die Sicherheiten und erhält im Gegenzug die gewünschten Wertpapiere.
  3. Die Sicherheiten werden zugunsten des Fonds getrennt vom übrigen Fondsvermögen verwahrt.
  4. Dividenden oder Zinserträge, die während der Leihzeit anfallen, führt der Leihnehmer an den Fonds ab.
  5. Am Ende der Leihperiode gibt der Leihnehmer das Wertpapier plus Leihgebühr zurück.
  6. Der Emittent gibt die hinterlegten Sicherheiten zurück.

Wertpapierleihe, physische und synthetische Replikation

Die Wertpapierleihe betrifft ausschließlich physisch replizierende ETFs, denn nur dort liegen echte Wertpapiere im Fonds, die verliehen werden können. Sie erfolgt vorrangig bei Aktien-ETFs, teilweise auch bei Anleihen-ETFs. Bei ETFs auf Rohstoffe, Edelmetalle oder Kryptowährungen gibt es keine verleihbaren Wertpapiere.

Ein synthetisch replizierender Swap-ETF bildet den Index dagegen über ein Tauschgeschäft mit einer Bank nach. Dort betreibt der Fonds keine klassische Wertpapierleihe, hat aber ein vergleichbares Kontrahentenrisiko: nämlich gegenüber dem Swap-Partner statt gegenüber dem Leihnehmer. Beide Konstruktionen sind reguliert und über Besicherung begrenzt, aber nicht völlig risikofrei. Details zur synthetischen Variante findest Du in unserem Ratgeber zum Swap-ETF.


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Welche ETF-Emittenten betreiben Wertpapierleihe?

Nicht jeder physisch replizierende ETF betreibt Wertpapierleihe, und die Anbieter handhaben sie unterschiedlich:

  • iShares (BlackRock): betreibt Wertpapierleihe regelmäßig und in großem Umfang. Standardmäßig fließen 62,5 Prozent der Bruttoerträge zurück in den Fonds, BlackRock behält 37,5 Prozent und trägt dafür die operativen Kosten. Zusätzlich gewährt BlackRock eine Freistellung gegen Leihnehmer-Ausfall.
  • UBS: setzt Wertpapierleihe vor allem bei Aktien-ETFs ein.
  • Vanguard: betreibt Wertpapierleihe eher konservativ und gibt die Nettoerträge weitgehend an die Fonds weiter.
  • State Street (SPDR): nutzt Wertpapierleihe nur bei einem Teil der Aktien-ETFs.
  • Amundi: einer der größten europäischen Anbieter. In Amundi ging auch die frühere Marke Lyxor auf, die seit der Übernahme nicht mehr eigenständig geführt wird.

Die genaue Ertragsbeteiligung und der Umfang der Leihe stehen in den Fondsunterlagen des jeweiligen Anbieters und können sich ändern.

Wertpapierleihe im Factsheet erkennen

Wie viel ein ETF verleiht und wie er das absichert, kannst Du vor dem Kauf selbst nachlesen. Diese Quellen helfen Dir:

  • Factsheet und Fondsprospekt: Hier steht, ob der Fonds Wertpapierleihe betreibt und wie die Ertragsbeteiligung geregelt ist.
  • Halbjahres- und Jahresbericht: Enthalten den Umfang der verliehenen Wertpapiere, die erhaltenen Sicherheiten und die daraus erzielten Erträge, oft mit Angabe des durchschnittlich und maximal verliehenen Anteils.
  • Website des Emittenten: Große Anbieter veröffentlichen die Wertpapierleih-Erträge häufig monatlich oder quartalsweise.
  • Datenportale: Portale wie justETF weisen bei vielen ETFs aus, ob und wie Wertpapierleihe betrieben wird.

Achte darauf, wie hoch der maximal verliehene Anteil ist, welche Sicherheiten akzeptiert werden und ob eine Ausfall-Freistellung besteht. Ein transparenter Anbieter, der einen großen Teil der Erträge an den Fonds zurückgibt, ist für Dich vorteilhaft.

Risiken der Wertpapierleihe

Die Wertpapierleihe ist reguliert und mehrfach abgesichert, aber nicht völlig risikofrei. Die wichtigsten Restrisiken:

  • Ausfall des Leihnehmers: Wird der Leihnehmer zahlungsunfähig, muss der Emittent die hinterlegten Sicherheiten verwerten, um die Titel zurückzukaufen. Reicht der Erlös nicht, entsteht dem Fonds ein Verlust, sofern keine Freistellung greift.
  • Marktbewegung bei den Sicherheiten: Fallen die Marktwerte von verliehenem Titel und Sicherheit an einem Tag stark auseinander, kann die Besicherung kurzzeitig unter 100 Prozent rutschen, bis nachgeschossen wird.
  • Reinvestition von Barsicherheiten: Werden Barsicherheiten wieder angelegt, entsteht dort ein zusätzliches Risiko. Emittenten legen sie deshalb meist nur in sehr sichere Geldmarktprodukte an.
  • Verteilung von Ertrag und Risiko: Der Anbieter behält einen Teil der Erträge, während das Ausfallrisiko wirtschaftlich beim Fonds liegt, sofern keine Freistellung besteht.

In der Praxis sind diese Risiken bei etablierten UCITS-Anbietern gering, weil sowohl an die Leihnehmer als auch an die Sicherheiten strenge Anforderungen gelten und die Positionen börsentäglich bewertet werden. Wichtig zu wissen: Die verliehenen Wertpapiere bleiben Teil des Sondervermögens und sind damit im Insolvenzfall des Emittenten geschützt. Die Wertpapierleihe verändert nicht diesen Grundschutz, sondern fügt ein separates Kontrahentenrisiko gegenüber dem Leihnehmer hinzu.

Vorteile der Wertpapierleihe für Anleger

Bei einem ETF eines namhaften Emittenten überwiegen für die meisten Anleger die Vorteile. Der wichtigste ist der Zusatzertrag aus den Leihgebühren, der zumindest anteilig in den Fonds zurückfließt. Für weniger liquide Titel kleinerer Unternehmen fallen dabei höhere Gebühren an als für gut handelbare Standardwerte. Unterm Strich kann ein ETF mit Wertpapierleihe dadurch effektiv kostengünstiger sein, eine niedrigere Tracking-Differenz aufweisen und im günstigen Fall eine leicht bessere Rendite erzielen als ein vergleichbarer Fonds ohne Wertpapierleihe.

Wo Du solche ETFs handelst

Ob ein ETF Wertpapierleihe betreibt, hängt vom Emittenten ab, nicht vom Broker. Für die Umsetzung brauchst Du lediglich ein Depot, über das Du die entsprechenden ETFs kaufen oder besparen kannst. Ein breit aufgestellter Anbieter mit großer ETF-Auswahl und Sparplan-Angebot ist zum Beispiel Scalable Capital. Vergleiche vor der Auswahl in jedem Fall die Kosten, das ETF-Angebot und die Sparplan-Konditionen.

Fazit: geringes Restrisiko, spürbarer Nutzen

Die Wertpapierleihe ist eine etablierte, regulierte Praxis, mit der physisch replizierende ETFs Zusatzerträge erzielen und ihre effektiven Kosten senken. Die Emittenten sichern sich durch Übersicherung, strenge Sicherheitenkriterien, tägliche Bewertung und oft eine Ausfall-Freistellung ab. Ein Restrisiko, vor allem der Ausfall eines Leihnehmers bei gleichzeitig unzureichenden Sicherheiten, bleibt bestehen, ist bei großen UCITS-Anbietern in der Praxis aber gering. Prüfe vor dem Kauf im Factsheet und Jahresbericht, ob und in welchem Umfang ein ETF verleiht und wie transparent der Anbieter darüber informiert. Wenn Du erfahren möchtest, wie Du Dein Risiko darüber hinaus streust, lies unseren Ratgeber zur Diversifikation mit ETFs.


Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält einen Partnerlink (mit „/og/“ gekennzeichnet). Schließt Du über einen solchen Link ab, erhalten wir ggf. eine Vergütung. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Der Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

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