12 beliebte ETF-Strategien die du kennen solltest

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In unserem Blog-Artikel befassen wir uns mit beliebten ETF-Strategien wie Buy & Hold, Value Investing und der Dividenden-Strategie. Jede Methode hat ihre Vorteile und Risiken: Von langfristiger Stabilität und Kosteneffizienz bis zu gezielten Wachstumschancen und regelmäßigen Einnahmen.

12 beliebte ETF-Strategien die du kennen solltest
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Stand: Juli 2026. ETF-Strategien gibt es viele, und im Netz wird gern der Eindruck erweckt, du müsstest die perfekte Kombination finden, um erfolgreich zu investieren. Die ehrliche Wahrheit vorweg: Für die allermeisten Privatanleger reicht ein einziger breit gestreuter Welt-ETF vollkommen aus. Alles Weitere ist Feinjustierung, keine Voraussetzung. Dieser Artikel stellt die bekanntesten Strategien vor, ordnet sie ehrlich ein und sagt dir, wann sich der Mehraufwand lohnt und wann nicht.

1. Buy-and-hold: Der breite Welt-ETF als Ein-Fonds-Lösung

Die Buy-and-hold-Strategie gehört zu den beliebtesten Ansätzen unter ETF-Investoren, und das aus gutem Grund. Der Grundgedanke ist simpel: einmal in einen breit gestreuten ETF investieren, per Sparplan kontinuierlich weiterkaufen und dann einfach halten. Kein Timing, kein Umschichten, keine Prognosen.

Wer einen globalen Aktien-ETF kauft, streut über tausende Unternehmen aus vielen Ländern und Branchen. Fällt der Kurs eines Unternehmens, können andere den Verlust ausgleichen. Diversifikation ist hier das Schlüsselwort. Historisch haben breite Aktienmärkte über lange Zeiträume rund 6 bis 8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt (nominal, vor Steuern und Inflation), allerdings mit teils heftigen zwischenzeitlichen Rückschlägen. Diese Zahl ist ein historischer Durchschnitt und keine Garantie für die Zukunft.

Konkret genügt für diese Strategie ein einziger Fonds. Zwei gängige Ein-Fonds-Lösungen für deutsche Anleger:

  • iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00B4L5Y983, thesaurierend), TER 0,20 % p. a., bildet rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Schwellenländer sind nicht enthalten.
  • Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (thesaurierend IE00BK5BQT80 alias VWCE, ausschüttend IE00B3RBWM25), TER 0,19 % p. a., deckt zusätzlich zu den Industrieländern auch die Schwellenländer ab und ist damit noch breiter aufgestellt.

Der größte Vorteil: Du sparst dir häufige Transaktionen und die damit verbundenen Kosten. Der Kauf-und-halten-Ansatz reduziert unnötige Gebühren und Steuerstundungseffekte gehen nicht durch ständiges Umschichten verloren. Die Kehrseite: In einer längeren Korrektur musst du Kursverluste aushalten können, ohne panisch zu verkaufen. Wer das durchhält, hat mit einer der günstigsten und robustesten Strategien überhaupt gearbeitet. Wo du einen solchen ETF am günstigsten besparst, zeigt unser Broker-Vergleich.

Nützlichkeit Fakt
Diversifikation Verteilt Risiken auf verschiedene Sektoren und Regionen
Historische Rendite ca. 6-8 % pro Jahr über lange Zeiträume (nominal, keine Garantie)
Kosteneffizienz Weniger Transaktionskosten
Steuervorteile Weniger Steueraufwand durch geringere Umschichtungen
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2. 70/30-Portfolio: Industrieländer plus Schwellenländer

Die 70/30-Strategie ist der Klassiker unter den selbstgebauten Zwei-ETF-Portfolios. Dabei werden 70 Prozent des Kapitals in einen Industrieländer-ETF (MSCI World) und 30 Prozent in einen Schwellenländer-ETF (MSCI Emerging Markets) investiert. Die 30 Prozent Schwellenländer entsprechen ungefähr deren höherem Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung, verglichen mit ihrer kleineren Gewichtung in reinen Industrieländer-Indizes.

Ein praktisches Beispiel mit 100.000 Euro: 70.000 Euro in den iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983, TER 0,20 %) und 30.000 Euro in den iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF (ISIN IE00BKM4GZ66, thesaurierend, TER 0,18 % p. a.), der über 3.000 Unternehmen aus Schwellenländern abbildet.

  • Höhere Schwellenländer-Gewichtung: mehr Gewicht auf wachstumsstarke Regionen als ein reiner World-ETF.
  • Kontrolle über die Quote: du bestimmst das Verhältnis selbst und kannst es anpassen.
  • Nachteil: zwei Fonds bedeuten Rebalancing-Aufwand. Und ob die 30 Prozent Schwellenländer langfristig mehr Rendite bringen, ist historisch keineswegs sicher.

Ehrlich gesagt: Ein einzelner FTSE-All-World-ETF liefert eine ähnliche Streuung fast ohne Aufwand. Das 70/30-Portfolio lohnt vor allem dann, wenn du die Schwellenländer bewusst höher gewichten willst als der Weltmarkt es tut. Die Details erklären wir im 70/30-Portfolio-Ratgeber.

Broker-Tipp: Ein 70/30-Portfolio lässt sich bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital mit zwei Sparplänen kostengünstig automatisieren. Wer lieber bei einer Direktbank bleibt, findet bei der ING ebenfalls ETF-Sparpläne.

3. Core-Satellite: Stabiler Kern, gezielte Beimischung

Die Core-Satellite-Strategie kombiniert einen großen, kostengünstigen Kern (Core) mit kleineren, gezielten Beimischungen (Satellites). Der Kern besteht aus einem breit gestreuten Welt-ETF und sollte etwa 70 bis 90 Prozent des Portfolios ausmachen. Die Satelliten, jeweils nur wenige Prozent, setzen bewusste Schwerpunkte, etwa auf Schwellenländer, Small Caps oder ein Thema, an das du glaubst.

Ein Beispiel: 80 Prozent iShares Core MSCI World oder Vanguard FTSE All-World als Kern, dazu je 5 bis 10 Prozent Schwellenländer und Small Caps als Satelliten. Wichtig: Alle Bausteine sollten UCITS-ETFs sein, die in Deutschland handelbar sind. US-Produkte wie der ARK Innovation ETF sind für Privatanleger hierzulande in der Regel nicht erhältlich.

  • Kostenkontrolle: Der günstige Kern hält die Gesamtkosten niedrig.
  • Flexibilität: Du kannst gezielt Akzente setzen, ohne das Fundament zu gefährden.
  • Nachteil: Mehr Positionen bedeuten mehr Pflege und mehr Gelegenheiten, sich zu verzetteln. Halte die Zahl der Satelliten klein.

Wie du den Kern sauber aufbaust, zeigt unser Leitfaden zum ETF-Kernportfolio.

4 ETF-Strategien nach Gerd Kommer
Um erfolgreich in ETFs zu investieren, kommt es auf eine gute Strategie an. Die ETF-Strategie nach Gerd Kommer 2020 kann dabei helfen. Sie nennt sich Weltportfolio und besteht aus einem risikoarmen Teil mit einem Anleihen-ETF und einem risikobehafteten Teil mit einem Aktien-ETF.

Core Satellite Strategie mit ETFs umsetzen: 4 Beispiele
Ursprünglich stammt der Begriff “Core Satellite Strategie” aus der Welt des Stockpickings und der Anleihen: also eines aktiven verwalteten Portfolios. Das bedeutet aber noch längst nicht, dass sich ähnliches nicht auch mit ETFs umsetzen lässt - oftmals für Privatanleger sogar kosteneffizienter.

4. Pantoffel-Portfolio: Aktien-ETF plus Sicherheitsbaustein

Das Pantoffel-Portfolio, bekannt gemacht von Stiftung Warentest, ist die vielleicht bequemste Strategie überhaupt. Sie kombiniert nur zwei Bausteine: einen breit gestreuten Aktien-ETF für das Wachstum und einen Sicherheitsbaustein für die Stabilität. Das klassische Mischungsverhältnis liegt bei 50/50, lässt sich aber je nach Risikobereitschaft verschieben, etwa auf 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Sicherheit.

Als Aktienteil eignet sich ein Welt-ETF wie der Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80). Für den Sicherheitsbaustein kamen früher Tagesgeld oder ein Anleihen-ETF infrage. Bei den 2026 wieder gestiegenen Zinsen (EZB-Einlagesatz 2,25 % seit Juni 2026) sind auch verzinste Tagesgeldkonten oder Geldmarkt-ETFs eine sinnvolle Option.

  • Denkbar einfach: zwei Positionen, ein Verhältnis, fertig.
  • Risikosteuerung über die Quote: Je höher der Sicherheitsanteil, desto ruhiger das Portfolio.
  • Ideal für Einsteiger, die es unkompliziert und schwankungsärmer mögen.

Die konkrete Umsetzung mit aktuellen Bausteinen findest du in unserem Pantoffel-Portfolio-Ratgeber.

5. Dividendenstrategie: Regelmäßige Ausschüttungen

Die Dividendenstrategie zielt auf regelmäßige Einkünfte. Über ausschüttende ETFs sammelst du die Dividenden der enthaltenen Unternehmen ein, meist quartalsweise. Das kann als Zusatzeinkommen dienen oder reinvestiert werden.

Ein breit gestreutes Beispiel ist der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF (ISIN IE00B8GKDB10, ausschüttend, TER 0,29 % p. a.), der über 2.300 dividendenstarke Unternehmen weltweit abbildet. Die erwartete Ausschüttungsrendite lag zuletzt bei rund 2,5 % p. a. Als Indexgrundlagen dienen Dividenden-Indizes wie der FTSE All-World High Dividend Yield.

Ehrliche Einordnung: Eine hohe Dividende ist keine höhere Rendite. Ausschüttungen mindern den Kurs entsprechend, und in Deutschland lösen sie sofort Steuern aus, was den Zinseszinseffekt bremst. Für den reinen Vermögensaufbau ist ein thesaurierender Welt-ETF meist effizienter. Die Dividendenstrategie ist vor allem dann attraktiv, wenn du bewusst einen laufenden Zahlungsstrom willst, etwa im Ruhestand. Zudem sind Dividenden nicht garantiert und können schwanken.

Nützlichkeit Fakt
Stabiles Einkommen Regelmäßige Dividendenausschüttungen
Rendite Höher als traditionelle Sparprodukte
Reinvestition Dividenden können weiter investiert werden
Verlässlichkeit Fokus auf etablierte Unternehmen
Dividenden-ETFs im Vergleich: Welche sind sinnvoll?
ETF-Anteile kaufen, Risikostreuung nutzen und mindestens einmal jährlich eine Dividende ausgezahlt bekommen - das erscheint verlockend. Solche Dividenden-ETFs bilden einen Dividendenindex mit den dividendenstärksten Titeln aus einem bekannten Aktienindex ab. Wie sinnvoll sind solche ETFs wirklich?

6. Faktor- und Smart-Beta-Strategien

Faktor-ETFs, oft auch Smart Beta genannt, gewichten einen Index nicht nach Marktwert, sondern nach bestimmten Merkmalen (Faktoren) wie Momentum, geringe Volatilität, Qualität oder Value. Die Idee: Diese Faktoren haben in der Wissenschaft langfristig eine leichte Mehrrendite gezeigt, wenn auch nicht in jeder Phase.

Ein Beispiel für den Momentum-Faktor ist der iShares Edge MSCI World Momentum Factor UCITS ETF (ISIN IE00BP3QZ825, thesaurierend, TER 0,25 % p. a.), der Industrieländer-Aktien mit starker Kursdynamik übergewichtet. Für Value, Quality oder Minimum Volatility gibt es entsprechende Pendants der MSCI-World-Familie.

  • Renditechance: Faktoren können langfristig eine Prämie liefern.
  • Höhere Kosten und Komplexität: TER liegt über einem simplen World-ETF, und Faktoren können jahrelang hinter dem Markt zurückbleiben.
  • Nachteil: Wer zwischen Faktoren hin- und herspringt, verliert die Prämie meist wieder. Faktor-Investing erfordert Durchhaltevermögen.

Für die meisten Anleger sind Faktor-ETFs bestenfalls ein kleiner Satellit, kein Ersatz für den breiten Kern.

Momentum ETF: Welcher lohnt sich?
Eine hohe Kursdynamik, die in der jüngeren Vergangenheit nur den Weg nach oben kannte: Genau das versuchen Momentum-ETFs zu erfassen, indem sie quasi auf jüngste und kommende Kurssteigerungen zugleich setzen. Damit setzt du also auf die Gewinner der letzten Monate: Wir zeigen dir mit welchem ETF.

Smart Beta ETFs: Lohnt sich das für deutsche Anleger?
In diesem Artikel erfährst du, was Smart Beta ETFs sind, wie sie funktionieren und welche Vor- und Nachteile sie für deutsche Anleger bieten. Lohnt sich das Investment?

Rebalancing: Die Klammer über alle Mehr-ETF-Strategien

Sobald du mehr als einen ETF hältst, verschiebt sich die Gewichtung im Lauf der Zeit. Rebalancing bringt dein Portfolio auf die Zielallokation zurück, etwa indem du beim nächsten Sparplan-Kauf die unterrepräsentierte Position auffüllst. Das lässt sich einfach über die Sparraten steuern, ohne zu verkaufen und damit ohne unnötige Steuern. Einmal jährlich prüfen reicht in der Regel völlig.

Mit ETF Rebalancing für den Ausgleich im Portfolio sorgen
Benutzt Du ein Portfolio mit verschiedenen ETFs, ist von Zeit zu Zeit ein Rebalancing notwendig. Es dient der Wiederherstellung der strategischen Anlagestruktur. Ein ETF kann sich verändern. Du trennst Dich von ETFs, die keinen Gewinn mehr abwerfen, und investierst in neue, gewinnträchtige ETFs.

Wie viel Strategie brauchst du wirklich?

Die wichtigste Botschaft dieses Artikels: Lass dich nicht zum Overengineering verleiten. Ein einziger breiter Welt-ETF (etwa ein FTSE-All-World-Fonds), regelmäßig per Sparplan bespart und über Jahrzehnte gehalten, schlägt in der Praxis die meisten komplizierten Konstruktionen, allein schon durch niedrige Kosten und wenig Fehlerquellen.

Ein Snapshot zum breiten Weltmarkt-Index MSCI ACWI, den viele als Ein-Fonds-Lösung nutzen:

Erst wenn du bewusste Überzeugungen hast (mehr Schwellenländer, ein bestimmter Faktor, ein Sicherheitspuffer), lohnt sich der Schritt zu 70/30, Core-Satellite oder Pantoffel-Portfolio. Alles darüber hinaus kostet meist mehr Aufwand und Nerven, als es an Rendite bringt.

Weltportfolio mit MSCI ACWI ETF aufbauen
Msci Acwi: Alles was du wissen musst, um mit ETFs und Sparplänen langfristig ein Vermögen aufzubauen.

Fazit: Einfachheit schlägt Komplexität

Die Welt der ETF-Strategien ist vielfältig, aber du musst sie nicht ausreizen. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist der breite Welt-ETF im Buy-and-hold-Ansatz für die meisten die beste Wahl. 70/30, Core-Satellite und das Pantoffel-Portfolio sind sinnvolle Varianten, wenn du bestimmte Schwerpunkte setzen willst. Dividenden- und Faktor-Strategien haben ihre Berechtigung, sind aber eher etwas für Anleger mit klarem Ziel.

Zur Orientierung eine Übersicht der gängigen Strategien mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen:

Strategie Vorteil Nachteil
Buy & Hold Geringe Kosten und Diversifikation Risiko bei langen Korrekturphasen
Value Investing Unterbewertete Schnäppchen Markt erkennt Werte nicht immer sofort
Dividenden-Strategie Regelmäßiges Einkommen Schwankende Dividenden
Sektor-ETFs Gezielte Wachstumschancen Höheres Sektorrisiko
Momentum-Strategie Dynamische Gewinne Anfällig für schnelle Marktänderungen
Rebalancing Risikoausgleich Erfordert Disziplin
Weltportfolio Langfristiges Wachstum Lange Wartezeiten
Core-Satelite Flexibel und Risikoreduzierung Erfordert mehr Zeitaufwand
Small-Cap-Strategie Hohes Potenzial Volatilität und Risiko
70/30 (World/EM) Mehr Gewicht auf Schwellenländer Zwei Fonds, Rebalancing nötig
Smart Beta Erhöhte Renditechancen Komplexität bei der Auswahl

Unabhängig von der gewählten Strategie gilt: niedrige Kosten, breite Streuung und Geduld sind die entscheidenden Hebel. Welche Strategie am besten passt, hängt von deinen Zielen, deinem Zeithorizont und deiner Risikobereitschaft ab.


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