4 ETF-Strategien nach Gerd Kommer

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Um erfolgreich in ETFs zu investieren, kommt es auf eine gute Strategie an. Die ETF-Strategie nach Gerd Kommer 2020 kann dabei helfen. Sie nennt sich Weltportfolio und besteht aus einem risikoarmen Teil mit einem Anleihen-ETF und einem risikobehafteten Teil mit einem Aktien-ETF.

4 ETF-Strategien nach Gerd Kommer

Stand: Juni 2026. Dieser Artikel wurde vollständig überprüft und aktualisiert.

Wer ist Gerd Kommer?

Gerd Kommer ist ein deutscher Vermögensverwalter, Finanzautor und einer der bekanntesten Verfechter des passiven Investierens im deutschsprachigen Raum. Nach Stationen bei verschiedenen Banken im In- und Ausland gründete er die Gerd Kommer Invest GmbH in München, die Privatanleger und institutionelle Investoren berät. Bekannt wurde er vor allem durch sein Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs" und das darin beschriebene Konzept des Weltportfolios. 2020 startete er zusätzlich einen eigenen Robo-Advisor. Seit 2023 hat er gemeinsam mit Legal & General Investment Management (LGIM) einen eigenen Welt-ETF auf den Markt gebracht, der seine Anlagephilosophie in einem einzigen Produkt bündelt. Mehr zu diesem ETF weiter unten.



Erfolgreich investieren mit dem Weltportfolio

Kommers Grundüberzeugung ist einfach: Aktives Fondsmanagement schafft es im Durchschnitt nicht, den Markt nach Kosten dauerhaft zu schlagen. Statt teurer Stockpicker setzt er deshalb auf breit streuende, kostengünstige Indexfonds. In seinem Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs" beschreibt er das sogenannte Weltportfolio. Es fußt auf der Portfoliotheorie und der Idee weitgehend effizienter Märkte und zielt darauf ab, das Risiko durch maximale Streuung zu senken, ohne Renditechancen zu verschenken. Eine Gewinngarantie ist das nicht, denn der risikobehaftete Teil schwankt. Kommer entwickelt das Konzept laufend weiter, etwa bei der Frage der Ländergewichtung oder beim Thema Faktorprämien. Mehr zu den Vorteilen breit gestreuter ETFs liest du auch in unserem Beitrag zum ETF-Sparplan auf den MSCI World.

Investieren in zwei Schritten

Das Weltportfolio besteht aus zwei Bausteinen: einem risikobehafteten Teil, der die Rendite liefern soll, und einem risikoarmen Teil, der als Stabilitätsanker dient. Investiert wird weltweit in Industrie- und Schwellenländer, über alle Unternehmensgrößen hinweg (Large, Mid und Small Caps). Diese Streuung soll Klumpenrisiken reduzieren. Wie du ein solches Depot später wieder verzehrst, zeigen wir im Artikel über ETF-Entnahmepläne.

Schritt 1: Die Level-1-Asset-Allokation

Im ersten Schritt legst du fest, wie du risikobehaftete und risikoarme Anteile mischst. Vier Kriterien helfen bei der Entscheidung:

  • Liquiditätsbedarf
  • Renditeerwartung
  • Anlagehorizont
  • Risikotragfähigkeit

Diese Faktoren hängen zusammen. Faustregel: Je höher der Aktienanteil, desto höher die erwartete Rendite, aber auch die Schwankungen. Wer weniger Risiko möchte, wählt einen kleineren Aktienanteil. Für langfristige Anleger ist ein Verhältnis von 70 Prozent risikobehaftet (Aktien) zu 30 Prozent risikoarm (kurzlaufende Anleihen oder Tagesgeld) eine gängige Orientierung. Konservativere Sparer fahren mit 50:50 oder 30:70. Wichtig: Der risikoarme Teil dient bewusst der Stabilität, nicht der Rendite. Wenn du dich zusätzlich für Einzelwerte interessierst, hilft unser Beitrag Welche Aktien aktuell kaufen? weiter.

Schritt 2: Die Level-2-Asset-Allokation

Im zweiten Schritt füllst du die beiden Bausteine mit konkreten ETFs. Kommer beschreibt dafür mehrere Umsetzungsvarianten, gestaffelt nach Aufwand und Erfahrung des Anlegers. Wo du diese ETFs am günstigsten besparst, zeigt unser Vergleich kostenloser Wertpapierdepots. Bei klassischen Sparplan-Brokern wie Trade Republic oder Scalable Capital lassen sich die meisten der hier genannten ETFs kostenfrei oder zu sehr geringen Gebühren besparen.

Variante 1: Einfache Strategie ohne Factor-Investing

Diese Variante ist ideal für Einsteiger. Ein einziger breit gestreuter ETF, etwa auf den MSCI ACWI IMI, deckt den risikobehafteten Teil komplett ab. Der Index umfasst Industrie- und Schwellenländer über alle Unternehmensgrößen. Ein passender Fonds ist der SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (ISIN IE00B3YLTY66). Alternativ bietet der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN IE00BK5BQT80) eine vergleichbare weltweite Abdeckung.

Für den risikoarmen Teil eignen sich kurzlaufende Staatsanleihen hoher Bonität in Euro, zum Beispiel der iShares eb.rexx Government Germany 0-1yr UCITS ETF oder ein Geldmarkt-ETF. Wer auf etwas längere Laufzeiten setzt, kann den iShares Euro Government Bond 1-3yr UCITS ETF (ISIN IE00B14X4Q57) nutzen. Angesichts wieder positiver Zinsen ist für viele Anleger schlicht Tagesgeld eine pragmatische Alternative zum Anleihen-ETF.


Variante 2: Ohne Factor-Investing, aber mit Beimischung

Ebenfalls einsteigerfreundlich, aber mit mehreren Bausteinen. Statt eines einzigen Welt-ETFs kombinierst du beispielsweise einen Industrieländer-ETF mit einem Schwellenländer-ETF und kannst so die Gewichtung selbst steuern. Für die Schwellenländer eignet sich der iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF (ISIN IE00BKM4GZ66), für die Industrieländer der iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00B4L5Y983). Diese Aufteilung ist gerade dann interessant, wenn du den Schwellenländer-Anteil bewusst höher gewichten möchtest, als es eine reine Marktkapitalisierung vorgeben würde, ganz im Sinne von Kommers BIP-Gedanken (dazu unten mehr).

Für den risikoarmen Teil kannst du einen Anleihen-ETF ohne Fremdwährungsrisiko wählen, etwa den Xtrackers II Eurozone Government Bond 1-3 UCITS ETF (ISIN LU0290355717).


Variante 3: Einfaches Multi-Factor-Investing

Diese Variante ist komplexer und eher für erfahrene Anleger gedacht. Kommer setzt hier auf wissenschaftlich gut dokumentierte Faktorprämien wie Size (kleine Unternehmen), Value (niedrig bewertete Unternehmen), Quality und Momentum. Für einzelne Faktoren gibt es passende ETFs, etwa den SPDR MSCI World Small Cap UCITS ETF (ISIN IE00BCBJG560) für Small Size oder den iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF (ISIN IE00BP3QZB59) für Value. Wichtig zu wissen: Faktorprämien sind langfristige Phänomene und können über viele Jahre hinter dem breiten Markt zurückbleiben. Wer sie nutzen will, braucht Geduld. Mehr dazu in unserem Beitrag Mit Factor Investing eine höhere Rendite bei ETFs erzielen?.


Variante 4: Integriertes Multi-Factor-Investing

Hier stecken mehrere Faktoren in einem einzigen ETF. Ein Beispiel ist der iShares Edge MSCI World Multifactor UCITS ETF (ISIN IE00BZ0PKT83), der Industrieländer weltweit abdeckt und Size, Value, Quality und Momentum kombiniert. Den risikoarmen Teil gestaltest du wie in den vorherigen Varianten, etwa mit kurzlaufenden Euro-Staatsanleihen. Die konsequenteste Umsetzung dieser Idee ist allerdings Kommers eigener ETF, der zusätzlich Schwellenländer und eine BIP-Komponente integriert. Darum geht es im nächsten Abschnitt.


Der Gerd Kommer ETF: Kommers Strategie in einem Produkt

Seit Juni 2023 lässt sich Kommers Ansatz auch direkt kaufen. Gemeinsam mit Legal & General Investment Management hat er den L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF aufgelegt, der die zentralen Bausteine seiner Philosophie in einem einzigen Welt-Aktien-ETF vereint. Die thesaurierende Variante trägt die ISIN IE0001UQQ933 (WKN WELT0A); zusätzlich gibt es eine ausschüttende Variante mit der ISIN IE000FPWSL69 (WKN WELT0B).

Die wichtigsten Eckdaten, Stand Juni 2026:

  • TER: 0,45 % pro Jahr. Das ist deutlich teurer als ein klassischer Welt-ETF (oft 0,12 bis 0,22 %), aber günstiger als die meisten aktiv gemanagten Fonds.
  • Fondsvolumen: rund 1,2 Milliarden Euro, der ETF hat sich also bereits etabliert.
  • Index: Solactive Gerd Kommer Multifactor Equity. Der Index umfasst rund 5.000 Titel, der ETF bildet ihn über optimiertes Sampling mit über 4.000 Einzelwerten physisch nach.
  • Ländergewichtung: je zur Hälfte nach Marktkapitalisierung und nach Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dadurch erhalten Schwellenländer mehr Gewicht als in einem reinen Marktkapitalisierungs-Index.
  • Faktoren: Size, Value, Quality, Investment und Momentum fließen in die Einzeltitel-Gewichtung ein.
  • Klumpen-Schutz: Kein Einzeltitel darf zum Rebalancing-Stichtag mehr als ein Prozent wiegen. Die großen US-Tech-Konzerne dominieren das Portfolio also nicht so stark wie im MSCI World.
  • Rebalancing: quartalsweise.

Für wen lohnt sich das? Der ETF nimmt dir die Arbeit ab, Marktkapitalisierung, BIP-Gewichtung und mehrere Faktoren selbst zu kombinieren, alles in einem Sparplan-fähigen Produkt. Der Preis dafür ist die höhere TER. Wer Kommers Gesamtkonzept überzeugend findet und keine Lust auf mehrere ETFs hat, bekommt hier eine bequeme Komplettlösung. Wer dagegen vor allem auf niedrige Kosten achtet, fährt mit einem schlichten FTSE-All-World- oder MSCI-ACWI-ETF günstiger. Eine ausführliche Gegenüberstellung mit dem MSCI World findest du in unserem Artikel Der neue Gerd Kommer ETF: Besser als MSCI World?. Besparen lässt sich der ETF unter anderem bei Scalable Capital und Trade Republic.


Marktkapitalisierung oder BIP? Der Kern der Debatte

Ein wiederkehrendes Streitthema in Kommers Konzept ist die Ländergewichtung. Klassische Welt-Indizes wie der MSCI World oder der FTSE All-World gewichten Länder nach ihrer Börsen-Marktkapitalisierung. Das führt dazu, dass die USA aktuell deutlich über 60 Prozent eines solchen Index ausmachen. Kommer hält das für riskant und gewichtet im eigenen ETF zur Hälfte nach Bruttoinlandsprodukt. So bekommen Schwellenländer wie China oder Indien, deren Wirtschaftsleistung größer ist als ihr Börsengewicht, mehr Raum.

Ob die BIP-Gewichtung langfristig eine Mehrrendite bringt, ist unter Fachleuten umstritten und historisch nicht eindeutig belegt. In den vergangenen Jahren hat die starke US-Gewichtung klassischer Indizes sogar besser abgeschnitten. Die BIP-Idee ist also weniger eine Rendite-Wette als eine Diversifikations-Entscheidung gegen ein zu hohes US-Klumpenrisiko. Welche Variante besser ist, weiß niemand vorab. Beide sind vertretbar.

Globale Aktienmarkt-Indizes im Überblick

Die meisten der hier genannten ETFs bilden einen dieser breiten Welt-Indizes ab:

  • MSCI World Index (Industrieländer)
  • MSCI ACWI / MSCI ACWI IMI (Industrie- und Schwellenländer)
  • FTSE All-World Index
  • FTSE Global All Cap Index
  • Solactive Gerd Kommer Multifactor Equity

Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Länder und Unternehmensgrößen sie abdecken und wie sie gewichten. Warum breite Streuung so wichtig ist, erklären wir im Beitrag Diversifikation mit ETFs.

Kosten im Blick behalten

Bei allen Strategien gilt Kommers wichtigster Ratschlag: Achte auf die Kosten. Klassische Welt-ETFs sind heute für TERs von rund 0,12 bis 0,22 Prozent pro Jahr zu haben. Faktor- und Multifactor-ETFs sind in der Regel teurer, weil ihr Index aufwendiger gepflegt wird. Über Jahrzehnte machen schon kleine Kostenunterschiede einen spürbaren Teil der Rendite aus. Was die Gesamtkostenquote genau umfasst, erklärt unser Glossar-Eintrag zur TER (Total Expense Ratio).

Fazit: Eine fundierte Grundlage, kein Renditeversprechen

Die ETF-Strategie nach Gerd Kommer bietet einen klaren, wissenschaftlich begründeten Rahmen für den langfristigen Vermögensaufbau: zuerst die Aufteilung zwischen risikobehaftetem und risikoarmem Teil, dann die Auswahl breit gestreuter, kostengünstiger ETFs. Die vier Varianten reichen vom simplen Ein-ETF-Depot bis zum integrierten Multifactor-Ansatz. Wer es maximal bequem mag, kann mit Kommers eigenem ETF (ISIN IE0001UQQ933) sein Gesamtkonzept in einem Produkt kaufen, zahlt dafür aber eine höhere TER von 0,45 Prozent.

Entscheidend ist am Ende weniger die exakte Variante als die Disziplin: breit streuen, Kosten niedrig halten, ruhig bleiben und langfristig dranbleiben. Welche Gewichtung oder welcher Faktor sich am Ende auszahlt, lässt sich nicht vorhersagen. Genau deshalb setzt Kommer auf maximale Streuung statt auf Wetten.


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