Value Investing - So funktioniert die Anlagestrategie

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Der Börsenmogul Warren Buffett konnte in den letzten Jahrzehnten Gewinne von teils mehreren Tausend Prozent an der Börse realisieren. Kein Wunder also, dass das Interesse an seiner Anlagestrategie wächst. Doch wie genau funktioniert dieses sogenannte Value Investing eigentlich?

Value Investing - So funktioniert die Anlagestrategie

Value Investing gehört zu den bekanntesten und ältesten Anlagestrategien der Welt. Die Idee klingt einfach: Kaufe gute Unternehmen, wenn sie an der Börse weniger kosten, als sie eigentlich wert sind. Warren Buffett hat mit diesem Ansatz ein Milliardenvermögen aufgebaut. Doch wie funktioniert die Strategie konkret, welche Kennzahlen zählen und wie kannst Du Value Investing praktisch umsetzen, ohne selbst zum Vollzeit-Analysten zu werden? Dieser Artikel erklärt die Methode Schritt für Schritt.

Stand: Juli 2026

Was ist Value Investing?

Value ist Englisch und bedeutet „Wert". Genau darum geht es: Value Investoren betrachten eine Aktie nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt, sondern als verbrieften Anteil an einem realen Unternehmen. Die zentrale Frage lautet immer: Was ist das Unternehmen tatsächlich wert und wie viel kostet es gerade an der Börse?

Der Kern der Strategie ist die Unterscheidung zwischen dem Marktpreis (dem Kurs, zu dem die Aktie gehandelt wird) und dem inneren Wert (dem sogenannten intrinsischen Wert, also dem geschätzten „wahren" Wert des Unternehmens). Value Investoren suchen gezielt Aktien, deren Kurs deutlich unter ihrem inneren Wert liegt. Solche Titel gelten als unterbewertet und bieten Kurspotenzial, wenn der Markt den fairen Wert später erkennt.


Die Value-Strategie des Benjamin Graham erklärt
Benjamin Graham war der Mentor von Investorenlegende Warren Buffett. Er ist der Vater der fundamentalen Wertpapieranalyse, die als Grundlage für Value Investing dient.
Value Investing: So investiert Warren Buffett
Möchtest Du erfolgreich investieren wie Warren Buffett, dann solltest Du Dich für Value Investing interessieren. Dabei kommt es darauf an, Aktien nach ihrem eigentlichen Wert zu beurteilen.

Der Ursprung: Benjamin Graham und die Margin of Safety

Obwohl Warren Buffett heute das bekannteste Gesicht des Value Investing ist, stammt die Strategie von seinem Lehrmeister Benjamin Graham. Gemeinsam mit David Dodd veröffentlichte Graham 1934 das Standardwerk „Security Analysis"; 1949 folgte sein bis heute populäres Buch „The Intelligent Investor".

Grahams wichtigste Idee ist die Sicherheitsmarge (englisch „Margin of Safety"). Sie beschreibt den Abstand zwischen dem geschätzten inneren Wert und dem tatsächlichen Kaufpreis. Je größer dieser Puffer, desto geringer das Risiko, bei einer Fehleinschätzung Geld zu verlieren. Ein Beispiel: Schätzt Du den fairen Wert einer Aktie auf 100 Euro und kaufst sie für 65 Euro, beträgt Deine Sicherheitsmarge 35 Prozent. Diese Reserve fängt Bewertungsfehler und unerwartete Rückschläge ab und dient dem Kapitalerhalt.

Wie funktioniert Value Investing in der Praxis?

Value Investing ist eine systematische, fundamental ausgerichtete Strategie. Statt auf Charttechnik oder kurzfristige Kursbewegungen zu setzen, analysierst Du das Unternehmen selbst. Buffett hat Grahams quantitativen Ansatz um qualitative Kriterien erweitert. Vier Leitfragen fassen den Prozess zusammen:

1. Wie steht das Unternehmen wirtschaftlich da?

Erwirtschaftet das Unternehmen stabile Gewinne und einen soliden Cashflow? Ist die Verschuldung überschaubar? Je gesünder die finanzielle Verfassung, desto tragfähiger die Investition.

2. Wie stark ist die Wettbewerbsposition?

Buffett bevorzugt Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil, den er als „ökonomischen Burggraben" (Economic Moat) bezeichnet. Das können starke Marken, Patente, Netzwerkeffekte oder Kostenvorteile sein, die Konkurrenten fernhalten.

3. Wie gut ist das Management?

Handelt die Führung wie verantwortungsvolle Eigentümer, geht sie sorgsam mit dem Kapital der Aktionäre um und kommuniziert ehrlich? Ein fähiges, integres Management ist ein wichtiger Werttreiber.

4. Ist die Aktie unterbewertet?

Erst wenn die ersten drei Punkte überzeugen, folgt die Preisfrage: Liegt der Kurs spürbar unter dem geschätzten inneren Wert? Nur dann ist die nötige Sicherheitsmarge gegeben.

Die wichtigsten Kennzahlen im Value Investing

Um Unter- oder Überbewertung einzuschätzen, greifen Value Investoren auf klassische Bewertungskennzahlen zurück. Diese ersetzen keine gründliche Analyse, liefern aber schnelle Anhaltspunkte:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung hindeuten, ist aber je nach Branche unterschiedlich zu bewerten.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): vergleicht den Kurs mit dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie. Werte unter 1 gelten traditionell als Hinweis auf eine mögliche Unterbewertung. Klassische Value-Indizes wie der MSCI Enhanced Value nutzen unter anderem diese Kennzahl.
  • Dividendenrendite: zeigt, welchen Anteil der Ausschüttung Du gemessen am Kurs erhältst. Viele Value-Titel zählen zu den soliden Dividendenzahlern.
  • Verschuldungsgrad und Eigenkapitalquote: geben Aufschluss über die finanzielle Stabilität und die Krisenfestigkeit eines Unternehmens.

Wichtig: Eine einzelne Kennzahl sagt wenig aus. Ein niedriges KGV kann günstig sein, aber auch eine „Value Trap" markieren, also ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell dauerhaft schrumpft. Die Kennzahlen sind Werkzeuge, nicht die Antwort selbst.

Ehrlich betrachtet: Warum aktives Value-Picking schwer ist

So logisch die Strategie klingt, in der Praxis ist erfolgreiches Value Investing anspruchsvoll. Den inneren Wert eines Unternehmens verlässlich zu schätzen, erfordert Erfahrung, Zeit und die Fähigkeit, Jahresberichte und Geschäftsmodelle einzuordnen. Selbst Profis liegen regelmäßig daneben.

Hinzu kommt: Der Value-Ansatz durchläuft lange Schwächephasen. Im Jahrzehnt von 2010 bis 2019 hinkte der Value-Faktor den wachstumsstarken Technologiewerten deutlich hinterher; der akademisch gemessene Value-Faktor lieferte in diesen Jahren im Schnitt sogar eine leicht negative Prämie. Erst ab etwa 2022 kehrte die Value-Prämie zeitweise zurück. Über sehr lange Zeiträume war der Value-Faktor historisch positiv, doch niemand kann garantieren, dass sich die Vergangenheit wiederholt, und Durststrecken können viele Jahre dauern. Wer auf Value setzt, braucht daher Geduld und starke Nerven.

Value Investing einfach umsetzen: mit Value-ETFs

Die gute Nachricht: Du musst nicht selbst zum Aktienanalysten werden, um vom Value-Prinzip zu profitieren. Mit Value-ETFs lässt sich die Strategie breit gestreut und regelbasiert umsetzen. Diese Fonds bilden einen Index nach, der Aktien anhand von Value-Kennzahlen wie KBV, Kurs-Gewinn-Verhältnis und Cashflow-Bewertung auswählt, ganz ohne dass Du einzelne Unternehmen bewerten musst.

Ein verbreiteter Standard ist der MSCI World Enhanced Value Index, der Value-Aktien aus den Industrieländern bündelt. Zwei große, für deutsche Privatanleger handelbare UCITS-ETFs auf diesen Index sind (Stand Juli 2026):

  • iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF (ISIN IE00BP3QZB59), thesaurierend, laufende Kosten von 0,25 Prozent pro Jahr, Fondsvolumen rund 6,2 Milliarden Euro.
  • Xtrackers MSCI World Value UCITS ETF 1C (ISIN IE00BL25JM42), thesaurierend, laufende Kosten von 0,25 Prozent pro Jahr, Fondsvolumen rund 4,1 Milliarden Euro.

Bitte prüfe die aktuellen Daten vor einem Kauf selbst, etwa bei justETF oder direkt beim Anbieter, da sich Kosten, Volumen und Indexzusammensetzung ändern können. Beachte auch: Ein Value-ETF ist kein Ersatz für einen breit gestreuten Welt-ETF, sondern eine gezielte Faktorwette. Er unterliegt denselben langen Schwächephasen wie der Value-Faktor insgesamt.

Wer sich erst mit der Börse vertraut machen möchte, für den kann es sinnvoll sein, zunächst in breit gestreute ETFs zu investieren und Value später als Beimischung zu ergänzen.

Wo Du Value-ETFs kaufen kannst

Value-ETFs lassen sich über nahezu jeden Online-Broker und per Sparplan besparen. Zwei in Deutschland weit verbreitete, kostengünstige Anbieter sind:

  • Trade Republic, ein Neobroker mit sehr günstigen Konditionen und großer Sparplan-Auswahl.
  • Scalable Capital, ebenfalls mit breitem ETF-Angebot und Sparplänen, wahlweise mit Flatrate-Modell.

Ein Hinweis zur aktuellen Rechtslage: Seit dem 1. Juli 2026 ist das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF) in der EU vollständig verboten (MiFIR Art. 39a). Vergleiche daher vor der Wahl eines Brokers die konkreten Handels- und Sparplankosten.

Value Investing: Für wen eignet sich die Strategie?

Value Investing ist kein Schnellreichtum-Programm, sondern ein langfristiger, disziplinierter Ansatz. Er passt zu Anlegern, die geduldig sind, Kursschwankungen aushalten und einen langen Anlagehorizont mitbringen. Neben der Strategie selbst zählen Eigenschaften wie Ausdauer, innere Ruhe und ein realistisches Erwartungsmanagement.

Wer Einzelaktien selbst bewerten möchte, sollte bereit sein, sich intensiv einzuarbeiten, und trotzdem breit diversifizieren, um Einzelrisiken zu begrenzen. Wer den Aufwand scheut, findet in Value-ETFs eine pragmatische Alternative. So oder so gilt: Diversifikation und ein kühler Kopf sind mindestens so wichtig wie die Auswahl der einzelnen Titel.


Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links (mit „/og/" gekennzeichnet). Kommt über einen solchen Link ein Vertrag zustande, erhalten wir eine Provision. Für Dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Angaben ohne Gewähr, Stand: Juli 2026.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.





Rechtliche Hinweise: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die in den Artikeln erwähnten ETFs und anderen Finanzprodukte stellen keine Kaufempfehlung dar. Wir können keine Finanzberatung oder ähnliches anbieten. Der Wert von Aktien, ETFs und ETCs, die über ein Wertpapierdepot gekauft wurden, kann sowohl steigen als auch fallen. Börsengeschäfte stellen ein erhebliches Risiko dar, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. etf.capital haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden. Der Autor besitzt keinen der genannten ETFs. Keiner der Inhalte stellt ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Kryptoassets sind hochvolatile unregulierte Anlageprodukte. Es existiert kein EU-Anlegerschutz.

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