Immobilie ersteigern: So klappt es
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Immobilie über die Zwangsversteigerung ersteigern: Ablauf beim Amtsgericht, Wertgrenzen (5/10 und 7/10), Sicherheitsleistung und die Risiken – sachlich erklärt, Stand Juli 2026.
Immobilie ersteigern: der Weg über die Zwangsversteigerung
Eine Immobilie über eine Zwangsversteigerung zu erwerben, kann günstiger sein als der freie Markt – aber der Prozess ist rechtlich streng geregelt und mit echten Risiken verbunden. Anders als beim normalen Kauf gibt es kein Rückgaberecht, keine Gewährleistung für Mängel und oft keine Besichtigung von innen. Dieser Leitfaden erklärt den Ablauf beim Amtsgericht, die entscheidenden Wertgrenzen (5/10 und 7/10) und die Risiken, die du vor einem Gebot kennen musst.
Stand: Juli 2026. Rechtsgrundlage ist das Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung (ZVG). Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Wie viele Immobilien werden in Deutschland zwangsversteigert?
Zwangsversteigerungen sind kein Nischenphänomen, aber auch kein Massenmarkt. Laut dem Fachverlag Argetra kamen 2025 bundesweit rund 14.082 Immobilien unter den Hammer. Die Zahl der angesetzten Termine stieg gegenüber 2024 (13.445) um 4,7 Prozent, der gesamte aufgerufene Verkehrswert um 10,7 Prozent auf etwa 4,76 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent der versteigerten Objekte waren Wohnimmobilien, davon etwa die Hälfte Ein- und Zweifamilienhäuser (49,9 Prozent) und knapp ein Fünftel Eigentumswohnungen (19,9 Prozent). Der durchschnittliche Verkehrswert lag bei 337.839 Euro.
Der Unterschied: freie Auktion und Zwangsversteigerung
Beide Begriffe werden oft vermischt, meinen aber Verschiedenes. Bei einer freien Immobilienauktion beauftragt ein Eigentümer freiwillig ein Auktionshaus mit dem Verkauf. Eine Zwangsversteigerung ist dagegen ein gerichtliches Verfahren: Ein Gläubiger (etwa eine Bank) betreibt sie, weil der Eigentümer seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Sie findet öffentlich beim zuständigen Amtsgericht statt und folgt festen gesetzlichen Regeln. Dieser Ratgeber behandelt schwerpunktmäßig die Zwangsversteigerung, weil sie in Deutschland der weitaus häufigere Weg zum ersteigerten Eigenheim ist.
Schritt 1: Objekte finden und das Verkehrswertgutachten lesen
Anberaumte Termine werden im offiziellen Justizportal für Zwangsversteigerungen (zvg-portal.de) sowie in Aushängen und Amtsblättern der Amtsgerichte veröffentlicht. Zu jedem Objekt gehört ein Verkehrswertgutachten, das ein vom Gericht bestellter Sachverständiger erstellt. Der Verkehrswert nach § 194 BauGB ist die zentrale Bezugsgröße des gesamten Verfahrens – an ihm hängen später die Wertgrenzen und die Sicherheitsleistung.
Lies dieses Gutachten gründlich. Es enthält Angaben zu Lage, Zustand, Baujahr und häufig auch zu bestehenden Mietverhältnissen. Prüfe außerdem einen aktuellen Grundbuchauszug: Dort können Rechte Dritter eingetragen sein – etwa Wohnrechte oder Nießbrauch –, die auch nach dem Zuschlag bestehen bleiben (§ 44 ZVG, „bestehenbleibende Rechte“). Solche Belastungen können den tatsächlichen Wert deutlich mindern.
Schritt 2: Finanzierung, Sicherheitsleistung und Budget
Kläre deine Finanzierung vor dem Termin verbindlich mit der Bank. Kalkuliere nicht nur das Gebot, sondern auch die Nebenkosten: Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland etwa 3,5 bis 6,5 Prozent), Gerichtskosten für den Zuschlag sowie mögliche Sanierungs-, Räumungs- und Nachzahlungskosten.
Wer mitbieten will, muss auf Verlangen sofort im Termin eine Sicherheitsleistung von 10 Prozent des Verkehrswerts nachweisen (§§ 67 ff. ZVG). Wichtig: Seit 2007 ist Bargeld dafür nicht mehr zugelassen. Zulässig sind eine rechtzeitige Überweisung auf das Konto der Gerichtskasse (der Zahlungseingang muss im Termin nachgewiesen sein), ein Bundesbank- oder Verrechnungsscheck oder eine unbefristete Bankbürgschaft. Kläre den genauen Weg vorab mit dem Gericht und deiner Bank – ein reiner Einzahlungsbeleg genügt in der Regel nicht.
Schritt 3: Der Versteigerungstermin und die Wertgrenzen
Der Termin läuft in festen Phasen ab. Zuerst verliest die Rechtspflegerin oder der Rechtspfleger die Bekanntmachungen und die Versteigerungsbedingungen. Danach folgt die mindestens 30-minütige Bietzeit, in der Gebote abgegeben werden. Wer bietet, muss sich ausweisen und gegebenenfalls die Sicherheitsleistung nachweisen. Am Ende steht die Entscheidung über den Zuschlag.
Zwei Wertgrenzen schützen im ersten Termin die Beteiligten:
- 5/10-Grenze (§ 85a ZVG): Erreicht das höchste Gebot nicht 50 Prozent des Verkehrswerts, muss das Gericht den Zuschlag von Amts wegen versagen. Diese Grenze schützt den Schuldner vor einer Verschleuderung.
- 7/10-Grenze (§ 74a ZVG): Liegt das Höchstgebot unter 70 Prozent des Verkehrswerts, kann ein berechtigter Gläubiger die Versagung des Zuschlags beantragen. Sie wirkt also nur auf Antrag, nicht automatisch.
Wichtig für die Strategie: Wird ein Termin wegen Unterschreitens einer dieser Grenzen ergebnislos beendet, fallen beide Grenzen im nächsten Termin weg. Dann kann ein Objekt theoretisch auch für weniger als die Hälfte des Verkehrswerts den Zuschlag erhalten – was das Bieterinteresse erhöht.
Schritt 4: Zuschlag, Bargebot und danach
Erhältst du den Zuschlag, wirst du mit dem Zuschlagsbeschluss zivilrechtlich Eigentümer – ein notarieller Kaufvertrag ist bei der Zwangsversteigerung nicht nötig. Der Zuschlag ist bindend; ein Rücktritt ist nicht vorgesehen.
Fällig wird nun das Bargebot, also der zu zahlende Betrag abzüglich bestehenbleibender Rechte und geleisteter Sicherheit. Es muss zum sogenannten Verteilungstermin bereitstehen, der meist einige Wochen nach dem Zuschlag angesetzt wird. Bis dahin ist das Bargebot zu verzinsen. Kannst du nicht zahlen, drohen ernste Folgen bis hin zu einer erneuten Versteigerung auf deine Kosten.
Ist das Objekt noch bewohnt, verschafft dir der Zuschlagsbeschluss zwar einen Räumungstitel gegen den früheren Eigentümer. Ein Räumungsverfahren kann sich jedoch hinziehen und Kosten verursachen. Bestehende Mietverhältnisse übernimmst du grundsätzlich; ein Sonderkündigungsrecht ist nur unter engen Voraussetzungen möglich.
Die Risiken ehrlich betrachtet
Die Zwangsversteigerung ist kein garantierter Schnäppchenweg. Diese Punkte solltest du nüchtern abwägen:
- Keine Innenbesichtigung, keine Gewährleistung: Du kaufst das Objekt so, wie es ist. Für versteckte Mängel haftet niemand.
- Altlasten und Rechte Dritter: Bestehenbleibende Grundbuchrechte, Erschließungsbeiträge oder Sanierungsstau können den Preisvorteil auffressen.
- Bewohnte Objekte: Laufende Mietverhältnisse oder eine notwendige Räumung kosten Zeit, Geld und Nerven.
- Bietkampf: Bei attraktiven Objekten wird häufig bis nahe an den Verkehrswert geboten.
- Kein Rücktritt: Der Zuschlag ist verbindlich. Fehlkalkulationen lassen sich nicht rückgängig machen.
Deshalb gilt: Recherche im Grundbuch, sorgfältiges Lesen des Verkehrswertgutachtens und eine gesicherte Finanzierung sind Pflicht, bevor du ein Gebot abgibst. Für Einsteiger kann es sinnvoll sein, zunächst einige Termine nur als Zuschauer zu besuchen.
Häufige Fragen
Kann ich im Termin mit Bargeld bezahlen?
Welche Risiken gibt es beim Ersteigern einer Immobilie?
Kann ich eine ersteigerte Immobilie zurückgeben?
Was bedeuten die 5/10- und 7/10-Grenze?
Kann ich das Objekt schon vor dem Termin erwerben?
Fazit: Chance mit klaren Bedingungen
Die Zwangsversteigerung kann ein Weg zum Eigenheim oder zur Kapitalanlage sein – aber nur für gut vorbereitete Käufer. Wer das Verkehrswertgutachten und das Grundbuch versteht, seine Finanzierung samt Sicherheitsleistung im Griff hat und ein diszipliniertes Höchstgebot einhält, kann die Chancen nutzen. Wer dagegen auf ein garantiertes Schnäppchen hofft, unterschätzt die Risiken von fehlender Besichtigung, Altlasten und Räumung. Wäge nüchtern ab, ob dieser Weg zu deiner Risikobereitschaft und Erfahrung passt.




Transparenzhinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Angaben zu Zahlen und Rechtsgrundlagen: Stand Juli 2026, ohne Gewähr. Statistische Angaben nach dem Argetra-Jahresbericht 2025; rechtliche Angaben nach dem ZVG. Prüfe jedes Objekt und deine Finanzierung individuell und ziehe im Zweifel fachkundigen Rat hinzu.
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