Emerging Markets ETFs im Vergleich: Welche Fonds überzeugen?
Emerging MarketsETFETF-Vergleich
Anleger versprechen sich große Renditechancen in den Schwellenländern - nicht zuletzt deshalb, weil zu diesen China zählt. In der jüngeren Vergangenheit ist diese Euphorie, aufgrund des Bärenmarktes in China, verflogen. Vielleicht aber gerade deshalb Zeit, um sich mit EM-ETFs zu beschäftigen.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Alle Fonds- und Kostenangaben wurden zweiquellig (justETF und Emittent) geprüft; die Zusammensetzung der Indizes ändert sich laufend.
Großes Potenzial - aber auch großes Risiko?
Schwellenländer siedeln sich im ökonomischen Kontext zwischen Industrieländern wie Deutschland und den USA sowie Entwicklungsländern an. Hauptsächlich werden dazu Länder aus dem asiatischen Raum gezählt. Die größten Positionen in einem breiten Emerging Markets ETF sind heute Taiwan, Südkorea, China und Indien. Interessant: China war jahrelang mit Abstand die größte Position, wurde inzwischen aber von Taiwan überholt und liegt aktuell sogar hinter Südkorea. Dahinter folgen Länder wie Brasilien, Saudi-Arabien und Südafrika.

Die Schwellenländer haben ein riesiges Potenzial, weil ihre Wirtschaftsleistung pro Kopf noch nicht annähernd an die westliche Welt heranreicht. Ebenso sind sie aber für ihr hohes Risiko bekannt: Regulierung und Corporate Governance sind oft schwächer ausgeprägt als in Europa oder den USA. Vor allem besteht in vielen Schwellenländern ein erhebliches politisches Risiko. China bewegt sich zwischen staatlich gelenkter Wirtschaft und autoritärer Führung; auch Länder wie Indien, Brasilien oder Saudi-Arabien verfolgen ihren ganz eigenen politischen Kurs.
Genau deshalb kann sich die breite Streuung eines ETF lohnen: Das politische Risiko einzelner Länder wird über den Fonds verteilt. Verwerfungen wird es immer geben, sie können aber durch die Entwicklung anderer Länder teilweise aufgefangen werden.
Bevor du dir konkrete Fonds anschaust, solltest du diese Punkte im Hinterkopf behalten:
- Das Bewertungsniveau ist in Schwellenländern wegen der Unsicherheiten und des politischen Risikos meist niedriger als in Industrieländern.
- Durch viele unterschiedliche Währungen trägst du ein hohes, aber breit gestreutes Währungsrisiko.
- Was als "Schwellenland" klassifiziert wird, liegt im Auge des Index-Anbieters (dazu gleich mehr).
- Die Länderstruktur hat sich verschoben: Taiwan (rund 26 %), Südkorea (rund 22 %) und China (rund 17 %) sind heute die drei größten Gewichte im MSCI Emerging Markets IMI, gefolgt von Indien (rund 10 %). Stand: justETF, 29.05.2026.
Unterschied zwischen MSCI und FTSE Emerging Markets Index
FTSE und MSCI gelten als die beiden wichtigsten Index-Anbieter. FTSE steht für "Financial Times Stock Exchange", MSCI für Morgan Stanley Capital International. Ihre Indizes sind meist sehr ähnlich, unterscheiden sich für EM-Anleger aber in einem entscheidenden Punkt.

MSCI stuft Südkorea als Schwellenland ein, FTSE hingegen als Industrieland (Developed Market). Das hat zwei Konsequenzen: Basiert dein World- oder All-World-ETF auf MSCI, ist Südkorea dort nicht enthalten. Basiert er auf FTSE, ist Südkorea dort im Industrieländer-Teil enthalten. Spiegelbildlich gilt: MSCI-EM-ETFs enthalten Südkorea, FTSE-EM-ETFs nicht. Wichtig ist deshalb, den EM-Baustein zum Rest deines Portfolios passend zu wählen - sonst gewichtest du Südkorea entweder doppelt oder gar nicht. Bei einem Südkorea-Anteil von rund 22 % im MSCI EM ist dieser Effekt keineswegs zu vernachlässigen.
Diese Emerging Markets ETFs sind einen Blick wert
iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (Acc), ISIN IE00BKM4GZ66
Der bekannteste und größte Emerging Markets ETF kommt von iShares (BlackRock). Grundlage ist der MSCI Emerging Markets Investable Market Index (IMI) - Südkorea ist also enthalten, ebenso Small Caps. Mit rund 3.023 Positionen ist er der am breitesten diversifizierte EM-ETF. Die Erträge werden thesauriert, die Abbildung erfolgt physisch (Vollreplikation).
Das Fondsvolumen liegt bei rund 37,3 Mrd. Euro, die TER bei 0,18 % p.a. (Quellen: justETF und iShares/BlackRock). Die geografische Verteilung sieht aktuell so aus (Stand justETF, 29.05.2026):
- Taiwan: ~ 26,2 %
- Südkorea: ~ 22,1 %
- China: ~ 16,7 %
- Indien: ~ 10,0 %
- übrige Länder: ~ 25,1 %
Die größte Einzelposition ist mit deutlichem Abstand Taiwan Semiconductor (TSMC, rund 12,9 %), gefolgt von Samsung Electronics und SK hynix. Danach folgen chinesische Schwergewichte wie Tencent und Alibaba. Der ETF ist damit stark von der Halbleiter- und Technologiebranche geprägt - was die zuletzt starke Entwicklung Taiwans und Südkoreas erklärt.
Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF 1C, ISIN IE00BTJRMP35
Eine Alternative zu quasi identischen Konditionen kommt von Xtrackers (DWS). Das Fondsvolumen liegt bei rund 11,5 Mrd. Euro, die TER ebenfalls bei 0,18 % p.a. (Quellen: justETF und DWS/Xtrackers). Anders als der iShares-IMI bildet dieser ETF nur den "klassischen" MSCI Emerging Markets ohne Small Caps ab und ist damit etwas konzentrierter und weniger breit diversifiziert. Für Anleger, die die Standard-EM ohne Small-Cap-Beimischung wollen, ist er eine solide, günstige Option.
iShares MSCI EM UCITS ETF USD (Dist), ISIN IE00B0M63177
Der ausschüttende "kleine Bruder": Dieser ETF bildet den MSCI Emerging Markets (ohne IMI, also ohne Small Caps) ab und schüttet die Erträge in der Regel quartalsweise aus. Das Fondsvolumen liegt bei rund 9,0 Mrd. Euro, die TER bei 0,18 % p.a. (Quellen: justETF und iShares/BlackRock). Die ausschüttende Variante ist vor allem interessant, wenn du deinen Sparerpauschbetrag (1.000 € bzw. 2.000 € bei Zusammenveranlagung) ausnutzen möchtest oder laufende Erträge brauchst.
Die FTSE-Alternative
Die MSCI-Fonds unterscheiden sich untereinander kaum. Interessanter ist der Blick auf eine echte Alternative mit strukturellem Unterschied - die FTSE-Variante ohne Südkorea.
Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF (Dist), ISIN IE00B3VVMM84
Vanguard verwendet den FTSE-Emerging-Index. Der Fonds enthält große und mittelgroße Unternehmen. Wie erwähnt fehlt hier Südkorea - dementsprechend haben die übrigen Länder ein höheres Gewicht, insbesondere China, Taiwan und Indien. Das Fondsvolumen liegt bei rund 3,1 Mrd. Euro, die TER bei 0,17 % p.a. und damit sogar leicht unter den MSCI-Fonds (Quellen: justETF und Vanguard). Erträge werden quartalsweise ausgeschüttet, die Abbildung erfolgt physisch.
Der Unterschied zwischen MSCI und FTSE ist in erster Linie eine Frage der Länderabgrenzung (Südkorea), nicht der Qualität. Renditeunterschiede zwischen beiden Ansätzen entstehen vor allem durch das schwankende Gewicht Südkoreas und der Halbleiterbranche und lassen sich nicht in die Zukunft fortschreiben.
Ex-China-Varianten: China gezielt ausklammern
Wegen des politischen Risikos und der zeitweise schwachen Kursentwicklung chinesischer Aktien sind Ex-China-Produkte beliebter geworden. Sie bilden die Schwellenländer ohne China ab, sodass Taiwan, Südkorea und Indien deutlich stärker gewichtet werden. Wer China bereits über einen separaten Baustein abbildet oder das Länderrisiko bewusst begrenzen will, kann so gezielt steuern. Zwei real handelbare UCITS-Varianten (keine US-Ticker, sondern für DE-Privatanleger verfügbar):
- iShares MSCI EM ex-China UCITS ETF USD (Acc), ISIN IE00BMG6Z448 - TER 0,18 % p.a., Fondsvolumen rund 5,1 Mrd. Euro (Quellen: justETF und iShares/BlackRock).
- Amundi MSCI Emerging Ex China UCITS ETF (Acc), ISIN LU2009202107 - TER 0,15 % p.a., Fondsvolumen rund 4,9 Mrd. Euro (Quellen: justETF und Amundi).
Zu bedenken ist: Wer China ganz herausnimmt, verzichtet auf einen der größten und günstig bewerteten Aktienmärkte der Welt - eine bewusste Wette, die aufgehen kann oder auch nicht.
Die Risiken ehrlich betrachtet
Emerging-Markets-ETFs sind kein Renditeturbo ohne Kehrseite. Die wichtigsten Risiken:
- Klumpenrisiko Ostasien: Taiwan, Südkorea und China machen zusammen den Großteil des Index aus, dazu kommt eine hohe Konzentration auf wenige Halbleiter-Schwergewichte (allein TSMC rund 13 %). Ein Rückschlag in der Chipbranche trifft den ganzen Fonds.
- China-Konzentration und geopolitisches Risiko: Auch mit "nur" rund 17 % Gewicht bleibt China ein Faktor - Regulierungseingriffe, Immobilienkrise und die Taiwan-Frage können erhebliche Kursausschläge auslösen.
- Währungsrisiko: Du investierst indirekt in viele Schwellenländer-Währungen. Wertet der Euro auf, schmälert das die Rendite.
- Politik und Regulierung: Enteignungen, Kapitalverkehrskontrollen oder ein Ausschluss ganzer Länder aus dem Index (wie 2022 bei Russland) sind reale Szenarien.
Eine Kombination aus einem MSCI-World- und einem Emerging-Markets-ETF kann die Marktabdeckung erhöhen, steigert aber auch das Risiko. Weitere Hintergründe zu den vier gängigsten EM-Fonds findest du in unserem ausführlichen Ratgeber zu den besten Emerging Markets ETFs.
Wo kannst du Emerging-Markets-ETFs besparen?
Die genannten ETFs sind bei den meisten deutschen Neobrokern sparplanfähig. Zwei verbreitete Anbieter mit kostenlosen ETF-Sparplänen sind zum Beispiel Trade Republic und Scalable Capital. Achte beim Broker-Vergleich vor allem auf Sparplan-Kosten, verfügbare ISINs und die Ausführungsintervalle.
Fazit
Emerging-Markets-ETFs bieten Zugang zu Wachstumsmärkten - mit spürbaren Chancen, aber auch erheblichen Risiken. Der iShares Core MSCI EM IMI (IE00BKM4GZ66) ist wegen seiner Breite, seines Volumens und der niedrigen Kosten für viele Anleger die naheliegende Basislösung; der Xtrackers und die ausschüttende iShares-Variante sind gleichwertige Alternativen. Wer Südkorea bereits über einen FTSE-World abdeckt, greift zur FTSE-Variante von Vanguard. Und wer das China-Risiko bewusst steuern will, findet mit den Ex-China-UCITS-ETFs von iShares und Amundi passende Bausteine. Entscheidend bleibt, dass der EM-Baustein zum restlichen Portfolio passt und du die Risiken - Klumpenbildung in Ostasien, China-Politik und Währungsschwankungen - realistisch einschätzt. Wenn dich alternative Anlagestrategien interessieren, ist auch Warren Buffetts Value Investing einen Blick wert.
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