Emerging Markets ETFs im Vergleich: Welche Fonds überzeugen?

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Anleger versprechen sich große Renditechancen in den Schwellenländern - nicht zuletzt deshalb, weil zu diesen China zählt. In der jüngeren Vergangenheit ist diese Euphorie, aufgrund des Bärenmarktes in China, verflogen. Vielleicht aber gerade deshalb Zeit, um sich mit EM-ETFs zu beschäftigen.

Emerging Markets ETFs im Vergleich: Welche Fonds überzeugen?

Großes Potenzial - aber auch großes Risiko?

Schwellenländer siedeln sich im ökonomischen Kontext zwischen Industrieländern wie Deutschland und den USA sowie Entwicklungsländern wie weiten Teilen Afrikas an. Hauptsächlich werden dazu Länder aus dem asiatischen Raum gezählt. Die größte Position in so ziemlich jedem Emerging Markets ETF, wenn sie nicht konkret exkludiert wird, macht immer China aus. Die größte Volksrepublik ist zwar, hinsichtlich ihrer Wirtschaftsleistung, schon eher ein Industrieland, zählt in der Welt des Kapitalmarktes aber dennoch zu den Schwellenländern. Hinter China befinden sich da noch Länder wie Taiwan, Südkorea, Indien, Brasilien und Russland. Als Vertreter des afrikanischen Kontinents ist auch Südafrika in den Top-10 enthalten.

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Die Schwellenländer haben zunächst einmal ein riesiges Potential: da das Bruttoinlandsprodukt und die Produktivität nicht annähernd an die westliche Welt heranreichen. Ebenso aber sind Schwellenländer für ihr hohes Risiko bekannt: Kritiker würden sagen, dass da nicht immer alles so "korrekt" und "reguliert" stattfindet, wie wir es aus Ländern wie Deutschland, generell Europa oder den USA kennen. Außerdem besteht in vielen Schwellenländern ein enormes politisches Risiko. China bewegt sich irgendwo zwischen sozialistischer Volksrepublik und kommunistischer Diktatur, Brasilien, Indien, Russland oder auch Saudi-Arabien sind ebenfalls für ihren ganz eigenen politischen Kurs bekannt.

Eine Investition in einen Emerging Markets ETF lohnt sich aber mitunter speziell deshalb: durch eine breite Streuung in verschiedene "Emerging Markets", kannst du das politische Risiko einzelner Länder in dem Fonds effektiv reduzieren. Zu Verwerfungen wird es in diesen Ländern zwar immer kommen, diese könnten aber durch die (positive) Entwicklung der anderen Länder aufgefangen werden.

Bevor du dir anschaust, welche Emerging Markets ETFs in Frage kommen, solltest du also diese Fakten im Hinterkopf behalten:

  • das Bewertungsniveau ist in Schwellenländern, aufgrund der Unsicherheiten und des politischen Risikos, immer niedriger
  • du trägst aufgrund vieler unterschiedlicher Währungen ein hohes, aber breitgestreutes Währungsrisiko mit
  • was als "Schwellenland" klassifiziert wird, liegt manchmal im Auge des Betrachters (dazu gleich mehr)
  • seit der Globalisierung befinden sich Schwellenländer noch stärker im Fokus der Anleger

Unterscheidung zwischen dem MSCI und FTSE Emerging Markets Index

FTSE und MSCI gelten als die zwei wichtigsten Kräfte in der Welt der Indizes. FTSE steht kurz für "Financial Times Stock Exchange", MSCI hingegen für "Morgan Stanley Capital International". Während sie zwar meist nicht identisch sind, sind sie doch häufig sehr, sehr ähnlich zueinander. Speziell wenn du in einen EM-ETF investieren möchtest, muss dir aber ein gravierender Unterschied bewusst sein, der deine Anlageentscheidung maßgeblich beeinflussen kann.

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MSCI stuft nämlich Südkorea als Schwellenland ein, FTSE hingegen nicht. Das bedeutet für dich zwei Sachen: Wenn du zum Beispiel schon einen World/All World ETF hast, der auf den MSCI basiert, dann wird da kein Südkorea enthalten sein. Basiert dein World/All World ETF hingegen auf dem FTSE-Index, ist Südkorea da enthalten. Selbiges gilt dann für die Emerging Markets. MSCI EM-ETFs haben Südkorea, die von FTSE nicht. Wichtig sollte für dich also eine Abstimmung deines restlichen Portfolios auch auf die Emerging Markets ETFs sein. Anderenfalls kommst du schlimmstenfalls in eine Situation, wo du entweder Südkorea übergewichtest (weil sowohl im World- als auch EM-Teil enthalten) oder das Land gar nicht in deinem Depot enthalten ist (weil du FTSE- und MSCI-Indizes ungünstig miteinander kombiniertest).

Diese Emerging Markets ETFs sind einen Blick wert

iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (ISIN: IE00BKM4GZ66)

Der wohl bekannteste und auch größte Emerging Markets ETF kommt von iShares (BlackRock). Als Grundlage dient, wie anhand seiner Bezeichnung schon deutlich wird, der MSCI-Index. Südkorea ist hier also enthalten. Im iShares World-ETF hingegen nicht. Insgesamt kommt der ETF auf eine stattliche Anzahl von knapp 3.000 Positionen, wobei die Top-10 rund 21,50 % ausmacht.

Die Erträge und Dividenden werden thesauriert, eine Abbildung erfolgt physisch. Die Fondsgröße beziffert sich aktuell auf 15,41 Milliarden Euro, geführt wird der Fonds in USD. Die TER beziffert sich auf 0,18 %, die TD auf lediglich 0,11 % - was für einen Schwellenland-Index/ETF ein sehr guter Wert ist.

Die geografische Verteilung gestaltet sich wie folgt:

  • China: ~ 30 %
  • Taiwan: ~ 15 %
  • Südkorea: ~ 13,5 %
  • Indien: ~ 12,3 %
  • Brasilien: ~ 5 %
  • Russland, Saudi-Arabien und Südafrika: ~ 3 %

Du siehst also, dass der "Südkorea-Effekt" definitiv nicht zu vernachlässigen ist, da das Land normalerweise, wenn es denn enthalten ist, rund 1/8 des ganzen Fonds ausmacht. Die geografische Verteilung wirst du in einer ähnlichen Form natürlich auch in allen anderen MSCI-ETFs vorfinden, da die Fonds ja lediglich den Index abbilden.

Die größte Unternehmensposition ist mittlerweile Taiwan Semiconductor, welche Alibaba nach den jüngsten Kursstürzen in China ablösten. Ansonsten findest du in dem ETF noch namhafte Positionen wie Tencent, Samsung, Meituan oder den weltgrößten Miner Vale S.A. aus Brasilien. Obgleich Tech mit rund 20 % die größte Position ausmacht, sind Emerging Markets ETFs typischerweise nicht ganz so Tech-lastig wie solche für die Industrienationen.

Seit seiner Auflage im Juni 2014 machte der Fonds durchschnittlich 7,56 % p.a., was sich ein gutes Stück hinter der Durchschnittsrendite der Industrieländer ansiedelt - die vor allem durch den Nasdaq beziehungsweise die FAANG-Titel getrieben wurde. Die bisher moderate Rendite ist aber häufig auch Argument der Befürworter solcher Emerging Markets Fonds: da sie von den moderaten Bewertungen ausgehend noch mehr Luft nach oben sehen.

Weitere MSCI-Fonds

Der ETF von iShares ist mit großem Abstand der am breitesten diversifizierte, da die anderen ETFs häufig nur einen Teil des MSCI-Index abbilden und irgendwann die "Reißlinie" ziehen. Eine weitere Option mit identischer TER und sogar TD kommt zum Beispiel von Xtrackers.

Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF (ISIN: IE00BTJRMP35)

Der Fonds hat etwas mehr als 5,17 Milliarden Euro investiert und unterscheidet sich gegenüber dem von iShares in den reduzierten Positionen. Enthalten sind hier "nur" 1.011 Positionen, die Top-10 macht 25,25 % aus. Du bekommst also einen etwas stärker konzentrierten und etwas weniger diversifizierten ETF zu quasi identischen Konditionen.

iShares MSCI EM UCITS ETF USD (Dist) (ISIN: IE00B0M63177)

Der kleine Bruder vom anderen iShares-Fonds, hier mit einer regelmäßigen Ausschüttung der Erträge. Außerdem enthält dieser ETF ebenfalls nur eine etwas reduzierte Auswahl. Beim thesaurierenden ETF sind auch kleine Unternehmen (Small Caps) enthalten, hier lediglich große und mittelgroße Unternehmen. Die TD ist erstaunlicherweise dennoch bei diesem ETF höher angesiedelt. Eigentlich ist die ausschüttende Variante aber sowieso nur interessant, wenn du noch Steuerfreibetrag über hast oder auf Dividendenerträge angewiesen bist.

Die FTSE-Alternative

Die MSCI-Fonds unterscheiden sich nicht wirklich großartig: der Platzhirsch von iShares ist der Größte, weil er auch Small Caps enthält, die anderen meist nur große und mittelgroße Unternehmen. Hinsichtlich der TER/TD gibt es gegenüber dem von iShares auch kaum Optimierungspotential, weshalb du mit diesem auch nichts falsch machst. Interessanter wird nun, sich eine wirkliche Alternative mit "wirklichen" Unterschieden anzuschauen.

Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF (Dist) (ISIN: IE00B3VVMM84)

Ebenfalls aus seinem Namen heraus ersichtlich: Vanguard verwenden den FTSE-Index zur Abbildung. Die Positionen beziffern sich auf rund 1.850, wie Vanguard selbst angeben lediglich von großen und mittelgroßen Unternehmen - wobei speziell die mittelgroßen Unternehmen etwas vager als bei MSCI interpretiert werden. Wie im Laufe dieses Artikels schon mehrfach erwähnt, fehlt hier Südkorea. Demzufolge haben alle anderen Länder auch einen höheren Anteil, da sie nun anteilig mehr vom Fonds ausmachen. China kommt so beispielsweise auf rund 38 %, Taiwan auf etwa 17 % und Indien auf rund 13,5 %. Logischerweise fehlen auch die Vertreter Südkoreas in den Top-10.

Den ETF gibt es schon etwas länger als den von iShares, nämlich seit Mai 2012. Seit der Auflage hat er eine Rendite von 6,61 % p.a. erzielt, was ebenso unter dem Niveau der Industrieländer angesiedelt ist. Was das fehlende Südkorea zumindest anteilig ausmacht, zeigt ein Blick auf die 5-Jahres-Rendite. Dieser Fonds hier kommt auf rund 7,35 % p.a., der von iShares mit Südkorea hingegen auf 8,35 %. Das liegt natürlich auch an der jüngsten, starken Entwicklung der Chip- und Halbleiterindustrie, die in Südkorea stark vertreten ist. Der ETF von Vanguard ist außerdem etwas teurer, kommt auf eine TER von 0,22 % und eine TD von 0,24 %. Erträge werden zudem ausgeschüttet, die Abbildung erfolgt physisch. Auch das alles spielt bei der 5-Jahres-Rendite natürlich ein.

Insgesamt werden die meisten Anleger daher mit dem ETF von iShares weitaus besser fahren, vor allem wenn sie auch den passenden MSCI-World-ETF im Depot haben. Für viele Anleger dürften die jüngsten Kurs-Rückgänge in China mitunter auch eine Kaufchance darstellen - zumindest, wenn langfristig investiert wird.

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