Value Investing: So investiert Warren Buffett

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Möchtest Du erfolgreich investieren wie Warren Buffett, dann solltest Du Dich für Value Investing interessieren. Diese Strategie wurde von Benjamin Graham entwickelt. Dabei kommt es darauf an, Aktien und andere Wertpapiere nach ihrem eigentlichen Wert zu beurteilen.

Value Investing: So investiert Warren Buffett

Stand: Juni 2026. Value Investing klingt nach einer einfachen Idee: Kaufe Unternehmen, die weniger kosten, als sie wert sind. In der Praxis steckt dahinter eine ganze Denkschule, die von Benjamin Graham begründet und von Warren Buffett über Jahrzehnte verfeinert wurde. Dieser Artikel erklärt die Grundlagen, die wichtigsten Kennzahlen und warum die ehrliche Wahrheit für die meisten Privatanleger lautet: Ein breiter ETF ist oft die bessere Wahl als die eigene Aktienauswahl.

Was bedeutet Value Investing?

Value Investing bedeutet wertorientiertes Investieren. Die Strategie wird vor allem beim Aktienhandel angewendet, lässt sich in abgewandelter Form aber auch auf ETFs übertragen. Entwickelt wurde sie in den 1930er Jahren von Benjamin Graham, dem Mentor von Warren Buffett. Das Standardwerk schuf Graham 1934 zusammen mit David Dodd unter dem Titel Security Analysis. Im Zentrum steht die Sicherheitsmarge: die Differenz zwischen dem inneren Wert einer Anlage und ihrem Marktpreis. Je größer dieser Abstand, desto kleiner das Risiko für den Anleger.

Im Kern geht es darum, unterbewertete Aktien zu finden und langfristig zu halten. Die Grundlage dafür ist die Fundamentalanalyse, also die Ermittlung des inneren Werts eines Unternehmens. Buffett, der wohl bekannteste Anhänger dieser Schule, hat den Ansatz über die Jahre weiterentwickelt. Wer einen Überblick über verschiedene Ansätze sucht, findet ihn in unserem Beitrag zu den beliebten ETF-Anlagestrategien.

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So lässt sich Buffetts Stil über ETFs nachbilden.

Was macht den inneren Wert eines Wertpapiers aus?

Value-Investoren wie Buffett kaufen nur, wenn der Marktpreis unter dem inneren Wert liegt. Genau das ergibt eine positive Sicherheitsmarge. Der innere Wert, auch intrinsischer oder fairer Wert genannt, ist eine Einschätzung, welchen Mehrwert ein Unternehmen künftig für seine Eigentümer erwirtschaftet.

Ermittelt wird er über die Fundamentalanalyse. Dabei betrachtet man Kennzahlen wie Kapitalrenditen, Verschuldung, das historische Wachstum des Buchwerts, den Liquiditätsgrad und den freien Cashflow. Sie zeigen, wie effizient ein Unternehmen wirtschaftet und wie stabil es langfristig Gewinne erzielt. In den vergangenen Jahren sind Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) als zusätzliche Bewertungsdimension hinzugekommen. Mehr dazu liest du in unserem Beitrag zum ethischen Investment.

Eine gängige Methode zur Schätzung des inneren Werts ist das Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF). Dabei werden die erwarteten künftigen Cashflows eines Unternehmens auf den heutigen Wert abgezinst. Wichtig zu verstehen: Jede DCF-Rechnung steht und fällt mit ihren Annahmen über Wachstum und Zinsen. Kleine Änderungen bei diesen Annahmen verändern das Ergebnis erheblich. Der innere Wert ist deshalb keine exakte Zahl, sondern eine begründete Schätzung mit großer Spannbreite.

Grundlagen von Value Investing nach Benjamin Graham

Graham störte sich daran, dass Aktien eher als Spekulationsobjekte galten und weniger als Unternehmensbeteiligungen. Von ihm stammt der Satz: Price is what you pay, value is what you get. Der Preis ist, was du bezahlst, der Wert ist, was du bekommst. Anleger sollten sich nach Grahams Ansicht nicht an vagen Zukunftsfantasien einer Branche orientieren, sondern am gegenwärtigen Wert des Unternehmens.

Graham betonte die Sicherheitsmarge und unterschied klar zwischen Investieren und Spekulieren. Eine gründliche Analyse der Fundamentaldaten, also der Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, Einnahmen und Ausgaben, war für ihn die Voraussetzung jeder Anlageentscheidung. Wer den Unterschied zur kursbasierten Betrachtung verstehen will, findet ihn in unserem Überblick zur technischen Analyse.

Was einen intelligenten Investor ausmacht

Graham prägte den Begriff des intelligenten Investors. Gemeint ist nicht Intelligenz im Sinne von Wissen, sondern eine Reihe von Charaktereigenschaften: Geduld, Disziplin und die Bereitschaft, dazuzulernen. Der intelligente Investor denkt selbstständig und hat seine Emotionen im Griff.

Konkret heißt das: nicht in Panik verkaufen, wenn die Kurse fallen, und nicht euphorisch nachkaufen, wenn alle Welt optimistisch ist. Stattdessen zählt der Blick auf die langfristigen Fundamentaldaten. Wer ehrlich mit sich ist, weiß allerdings, dass genau diese emotionale Disziplin der schwierigste Teil ist. Studien zum Anlegerverhalten zeigen seit Jahren, dass viele Privatanleger durch falsches Timing schlechter abschneiden als der Markt, in den sie investieren.

Kennzahlen von Value Investing

Wer Unternehmen selbst bewerten möchte, kommt um einige zentrale Kennzahlen nicht herum:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Es setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung hindeuten, kann aber auch ein Warnsignal für schwache Aussichten sein. Zum Vergleich: Der iShares Edge MSCI World Value Factor ETF wies zuletzt ein KGV von rund 14 aus, während breite Welt-Indizes deutlich höher bewertet sind.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Es vergleicht den Börsenwert mit dem bilanziellen Eigenkapital. Klassische Value-Strategien suchen Aktien mit niedrigem KBV. Der genannte Value-ETF lag hier zuletzt bei etwa 1,4.
  • Kapitalrenditen: Eigen- und Gesamtkapitalrendite zeigen, wie viel ein Unternehmen aus dem eingesetzten Kapital erwirtschaftet.
  • Verschuldung: Schulden können kurzfristig Gewinne hebeln, belasten langfristig aber die Substanz. Betrachtet werden das Verhältnis von langfristigen Schulden zu Eigenkapital und zum operativen Ergebnis.
  • Freier Cashflow: Er sollte mindestens auf Höhe der ausgewiesenen Gewinne liegen. Der freie Cashflow zeigt, wie viel Geld nach allen Ausgaben tatsächlich übrig bleibt.
  • Innerer Wert: Der abgezinste Wert der künftig entnehmbaren Mittel. Er ist die zentrale, aber zugleich am schwersten greifbare Kennzahl.

Der Burggraben, im Englischen moat, ist für Buffett ein eigenständiges Qualitätskriterium. Gemeint ist ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil, der Konkurrenten fernhält: eine starke Marke, Netzwerkeffekte, Patente oder Kostenvorteile durch Größe. Ein breiter Burggraben schützt die Margen eines Unternehmens über viele Jahre und macht die künftigen Cashflows berechenbarer.

Value Investing nach Warren Buffett

Buffett übernahm als Schüler Grahams zunächst dessen Methoden, stellte aber fest, dass sie nach dem Wiederaufschwung der Nachkriegszeit immer schlechter funktionierten. Klar unterbewertete Unternehmen im Sinne Grahams wurden seltener. Sein langjähriger Partner Charlie Munger überzeugte ihn, nicht bloß auf billige, sondern auf qualitativ hochwertige Unternehmen zu setzen. Die Devise wandelte sich: lieber wenige sehr gute Unternehmen als viele günstige.

Ein klassisches Beispiel ist Coca-Cola, das Buffett Ende der 1980er Jahre kaufte und bis heute hält. Auch Apple wurde über Jahre zu einer der größten Positionen von Berkshire Hathaway, obwohl es eher als Wachstumswert gilt. Buffett begründet das mit der starken Marke und der hohen Kapitalrendite, also einem breiten Burggraben.

Wichtig für die Einordnung 2026: Warren Buffett ist seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr CEO von Berkshire Hathaway. Diese Rolle hat sein langjährig aufgebauter Nachfolger Greg Abel übernommen. Buffett, mittlerweile 95 Jahre alt, bleibt jedoch Chairman des Verwaltungsrats und kommt nach eigenen Angaben weiterhin regelmäßig ins Büro. Die Anlagephilosophie von Berkshire soll unter Abel im Kern bestehen bleiben. Wie sich Buffetts Stil über Fonds nachbilden lässt, zeigt unser Beitrag zu Growth-Aktien im Vergleich zu klassischem Value.

Value Investing nach Peter Lynch

Auch der frühere Fidelity-Manager Peter Lynch hat das Value Investing geprägt. Er teilt Unternehmen in Kategorien ein und achtet besonders auf das Verhältnis von Bewertung und Wachstum. Als Faustregel gilt: Das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (PEG), also das KGV geteilt durch die erwartete Wachstumsrate, sollte unter 1 liegen, damit eine Aktie attraktiv erscheint.

Lynch war bekannt dafür, Unternehmen mit Potenzial früh zu erkennen, oft aus seinem Alltag heraus. Sein Rat lautete sinngemäß: Investiere in das, was du verstehst. Genau hier liegt für Privatanleger die Gefahr, eine vertraute Marke mit einer guten Aktie zu verwechseln. Vertrautheit ersetzt keine Bewertung.

Wie du Value-Unternehmen identifizieren kannst

Um wertvolle Unternehmen im Sinne Buffetts zu erkennen, helfen vier Leitfragen:

  • Ist das Unternehmen finanziell solide? Es sollte stabil aufgestellt und möglichst gering verschuldet sein.
  • Ist die Wettbewerbsposition dauerhaft tragfähig? Ein breiter Burggraben und Raum für weiteres Wachstum sind entscheidend.
  • Handelt das Management aufrichtig und im Sinne der Eigentümer? Offene, ehrliche Kommunikation ist ein gutes Zeichen.
  • Liegt der Kurs deutlich unter dem inneren Wert? Nur dann besteht eine ausreichende Sicherheitsmarge.

Je mehr dieser Kriterien erfüllt sind, desto interessanter ist ein Unternehmen. Gleichzeitig gilt: Diese Analyse erfordert Zeit, Erfahrung und den Zugriff auf verlässliche Geschäftszahlen. Steigende Zinsen, Inflation und hohe Marktvolatilität verschieben zudem laufend die Bewertungen und können die Sicherheitsmarge schnell aufzehren. Wie sich ein Umfeld steigender Zinsen auf Anlagen auswirkt, beleuchtet unser Beitrag richtig investieren bei steigenden Zinsen.

Ehrlich betrachtet: Für die meisten ist ein breiter ETF die bessere Wahl

Hier die unbequeme Wahrheit, die in vielen Buffett-Artikeln fehlt: Aktives Value-Picking ist schwer. Es erfordert Zeit für die Analyse, Zugang zu Daten, emotionale Disziplin über Jahre und die Einsicht, dass auch sorgfältige Schätzungen des inneren Werts oft danebenliegen. Selbst professionelle Fondsmanager schlagen ihren Vergleichsindex über lange Zeiträume mehrheitlich nicht, nach Kosten erst recht nicht.

Für die meisten Privatanleger ist deshalb ein breit gestreuter, kostengünstiger ETF die sinnvollere Lösung. Wer einen Index wie den MSCI World bespart, verteilt sein Geld automatisch über tausende Unternehmen weltweit, spart sich die Einzelanalyse und vermeidet das Risiko, mit wenigen Fehlentscheidungen viel zu verlieren. Buffett selbst empfiehlt dem durchschnittlichen Anleger seit Jahren genau das: einen günstigen Index-Fonds, gehalten über lange Zeit.

Praktisch umsetzen lässt sich beides ohne großen Aufwand über einen günstigen Online-Broker. Anbieter wie Trade Republic oder Scalable Capital bieten kostenlose oder sehr günstige ETF-Sparpläne und niedrige Ordergebühren, sodass sowohl ein breiter Welt-ETF als auch ein gezielter Value-Faktor-ETF mit kleinen monatlichen Beträgen bespart werden kann. Einen strukturierten Überblick liefert unser ETF-Broker-Vergleich.

Value Investing auch bei ETFs?

Bei ETFs lässt sich nicht jede einzelne Aktie eines Index bewerten. Beim DAX mit 40 Werten ist das noch überschaubar, beim S&P 500 oder dem MSCI World praktisch unmöglich. Eine Annäherung an den Value-Gedanken gelingt aber über zwei Wege: erstens eine grobe Fundamentalanalyse des abgebildeten Marktes, zweitens spezielle Faktor-ETFs, die systematisch nach Value-Kriterien filtern.

Zwei verbreitete Beispiele für solche Value-Faktor-ETFs sind der iShares Edge MSCI World Value Factor und der iShares Edge MSCI Europe Value Factor. Beide bündeln Aktien, die nach Kennzahlen wie Kurs-Buchwert und Kurs-Gewinn als vergleichsweise günstig bewertet gelten, und nehmen dir die Einzelauswahl ab. Wichtig: Auch Value als Faktor durchläuft lange Phasen der Unter- und Überrendite gegenüber dem breiten Markt. Eine Garantie für bessere Ergebnisse ist die Value-Ausrichtung nicht.

iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF USD (Acc)

Dieser ETF (ISIN IE00BP3QZB59) bildet den MSCI World Enhanced Value Index ab und investiert in über 380 Industrieländer-Aktien, die nach Value-Kennzahlen ausgewählt werden. Die laufenden Kosten (TER) liegen bei 0,25 Prozent pro Jahr, die Erträge werden thesauriert, also automatisch wieder angelegt. Das Fondsvolumen lag zuletzt im mittleren einstelligen Milliardenbereich (Euro).

iShares Edge MSCI Europe Value Factor UCITS ETF EUR (Acc)

Dieser ETF (ISIN IE00BQN1K901) folgt dem MSCI Europe Enhanced Value Index und konzentriert sich auf europäische Value-Aktien. Die Auswahl beruht auf drei Kennzahlen: Kurs-Buchwert, Kurs-Gewinn auf Basis erwarteter Gewinne sowie dem Verhältnis von Unternehmenswert zum operativen Cashflow. Auch hier beträgt die TER 0,25 Prozent pro Jahr, die Erträge werden thesauriert. Das Fondsvolumen lag zuletzt bei rund 2,6 Milliarden Euro.

Fazit: Value Investing setzt auf den inneren Wert

Value Investing heißt, den inneren Wert eines Unternehmens zu schätzen und nur mit ausreichender Sicherheitsmarge zu kaufen. Begründet von Benjamin Graham, weiterentwickelt von Warren Buffett und Charlie Munger, geht es weniger um billige als um wirklich gute Unternehmen mit einem breiten Burggraben. Buffett hat seine Rolle 2026 verändert, er ist seit Jahresbeginn nicht mehr CEO von Berkshire Hathaway, sondern bleibt als Chairman im Hintergrund, während Greg Abel das operative Ruder übernommen hat.

Für Privatanleger bleibt die ehrliche Einschätzung: Die eigene Aktienauswahl nach Value-Kriterien ist anspruchsvoll und gelingt selbst Profis selten dauerhaft besser als der Markt. Wer den Aufwand und das Risiko scheut, fährt mit einem breit gestreuten, günstigen ETF in der Regel besser. Wer den Value-Gedanken dennoch abbilden möchte, kann auf Value-Faktor-ETFs wie die hier vorgestellten zurückgreifen, sollte aber wissen, dass auch sie lange Durststrecken haben können. Einen Einstieg in die Geldanlage mit ETFs findest du in unserem ausführlichen Ratgeber.


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