Gibt es eine ETF Blase? Platzt sie 2022?

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ETFs erachten viele Anleger, zurecht, als einen einfachen und effizienten Weg, um ihr Geld in den Kapitalmarkt zu bringen. Immer wieder hört man aber auch von Kritikern, dass ETFs eine systemische Gefahr darstellen und es sogar eine "ETF-Blase" gibt - aber was ist wirklich daran dran?

Gibt es eine ETF Blase? Platzt sie 2022?

Wie groß sind ETFs wirklich?

Kleine Blasen gibt es immer und ständig. Mal konzentrieren sich diese auf bestimmte Rohstoffe, mal auf Kryptowährungen, dann wiederum kurzzeitig auf einzelne Sektoren, geografische Regionen oder Branchen. Blasen gehören fest zum Kapitalmarkt, vor allem wenn rückblickend jede gute Phase mit nachfolgendem Einbruch als "Blase" definiert wird.

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Entscheidend darüber, wie wichtig eine Blase überhaupt ist, ist deren Größe. Ein größeres "Platzen" wie zur Jahrtausendwende im NASDAQ oder 07/08 zur Weltwirtschaftskrise hat durchaus signifikante Folgen. Während sich das Platzen der DotCom-Blase vorrangig auf den Kapitalmarkt konzentrierte, war die Weltwirtschaftskrise durchaus im Alltag spürbar, selbst bei Menschen, die nicht investieren.

Ähnliches beschwören Kritiker herauf, wenn sie von einer ETF-Blase sprechen - mitunter noch mit dem Hinweis, diese würde 2022 schon bald platzen. An dieser Stelle ist eine Relation wichtig. Mitte des Jahres 2021 gab die "World Federation of Stock Exchanges Statistics" an, es seien aktuell rund 7 Billionen Euro in ETFs investiert - und 96 Billionen in Aktien.

Allein das spricht eher gegen eine Blasenbildung. Unter Privatanlegern mag der ETF zwar das präferierte Instrument sein, das "große Geld" aber investiert nach wie vor primär in Aktien - oder in Unternehmensbeteiligungen, die noch gar nicht öffentlich gelistet sind.

Infografik Markkapitalisierung

Die gesamte Marktkapitalisierung aller an den Börsen rund um den Globus notierten Wertpapiere belief sich Ende 2021 auf 124,5 Billionen USD, was einem Anstieg von 16,9 % gegenüber 2020, 4,1 % gegenüber H1 2021 und 4,8 % gegenüber Q3 2021 entspricht. Ein Vergleich der Regionen zeigt, dass auf Amerika 46 % der weltweiten Marktkapitalisierung entfielen, auf Asien/Pazifik (APAC) 32 % und auf Europa/Afrika/Naher Osten (EMEA) die restlichen 22 %.

Gibt es eine Blasenbildung wegen dem "ETF-Braindrain"?

Aktive Fondsmanager sprechen im angelsächsischen Raum gern vom "Braindrain". Gemeint ist damit, dass die ganzen passiven Anleger aus ETFs der Effizienz des Kapitalmarktes schaden. Sie investieren nur passiv und folgen damit quasi nur den Dominosteinen, die schon in Bewegung gesetzt sind. In der Folge werden Unternehmen mit bereits hohen Marktkapitalisierungen immer wertvoller, ohne wirklich durch den Kapitalmarkt auf den Prüfstand gestellt zu werden.


Die oben erwähnte Statistik mit der Verteilung des investierten Vermögens zwischen Aktien und ETFs beweist eigentlich schon ganz deutlich, dass dem nicht so ist. Das Ruder haben nach wie vor, mit großem Abstand, die aktiven Investoren in der Hand. Das zeigen auch deutlich die letzten Monate. Selbst Titel mit hoher Marktkapitalisierung, wie beispielsweise PayPal oder Shopify, wurden nach kleineren Verfehlungen der Erwartungen kompromisslos abverkauft und befinden sich teilweise 70 % vom ihrem Allzeithoch entfernt.


Im Gegenzug konnten all die World- und ESG-Investoren nicht den Vormarsch der Öl- und Gaskonzerne zuletzt stoppen. Diese befinden sich in großen ETFs eher in überschaubarer Gewichtung, in ESG-ETFs meist gar nicht. Trotzdem legten sie aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise eine Rallye hin, allen passiven Investoren zum Trotz. Dieses Vorurteil gegenüber ETFs ist also in der Vergangenheit wie auch jetzt in 2022 unbegründet. Überall am Kapitalmarkt, wo sich vermeintlich attraktive Chancen ergeben, werden die großen Institutionellen und vermögenden Experten sie ergreifen - und damit wieder für die nötige Balance sorgen.

Sind ETFs 2022 eine Gefahr für das Finanzsystem?

Auch das wird häufig in einem Atemzug mit der vermeintlichen Blase erwähnt. Das Argument der Kritiker geht so: In ETFs wird so viel Geld von unerfahrenen und schreckhaften Privatanlegern gebündelt, dass diese in turbulenten Zeiten aus Panik verkaufen und somit eine Lawine lostreten könnten. Demzufolge würden zunächst Kursverluste entstehen, dann geraten die ETF-Privatanleger in Panik und verkaufen, wodurch wiederum Optionen unter Druck geraten und letztlich ein Dominoeffekt auftritt, bei dem sich Kurse in freiem Fall befinden.

Schlimmstenfalls könnte das dazu führen, dass uns eine ähnliche Krise wie in 07/08 droht, also tatsächlich die Realwirtschaft und große Banken gefährdet seien. Auch das ist aber nicht richtig. Erneut ist hier vorzubringen, dass die ETFs gar nicht so viel Kapital in sich bündeln, wie man annehmen könnte. Zweitens sind ETF-Anleger statistisch eher langfristig orientiert und kümmern sich teilweise nicht einmal aktiv um ihr Depot, sondern lassen nur Sparpläne laufen.


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Ein weiteres Argument sieht vor, dass Swap-basierte ETFs ein hohes Ausfallrisiko bieten. Bei einem Crash könnten die Swaps nicht mehr bedient werden und der ETF fällt in sich zusammen. Historisch steht dieses Argument ebenfalls nicht auf zwei Beinen. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise war der relative Anteil der Swap-basierten ETFs höher als heute, trotzdem gerieten diese nicht in Bedrängnis. Seither geht der Trend zudem noch eindeutig zu physisch hinterlegten ETFs, das Swap-Risiko, sofern es denn je existierte, ist also eher kleiner geworden.

In Anbetracht des weitaus größeren Anleihen-, Devisen- und auch Optionsmarktes, stellen ETFs wohl eher noch das kleinste Risiko von den genannten Instrumenten dar.

Wird eine Blasenbildung durch ungenutzte/standardisierte Stimmrechte begünstigt?

Einige Kritiker behaupten, das vermehrte Investieren in ETFs führt auch deshalb zu einer Blase, weil das Management der börsengelisteten Konzerne nicht mehr ausreichend auf den Prüfstand gestellt wird, sondern durch sich enthaltende ETF-Emittenten quasi einen Freifahrtschein genießt.

Aber auch dem ist nicht so. Ob sie nun Vanguard oder BlackRock heißen, die großen ETF-Anbieter lassen ihr Stimmrecht in der Regel nicht verfallen und nicken ebenso nicht kommentarlos jeden Vorschlag des Managements ab. Es gibt unzählige Nachweise, dass sich die Emittenten sogar oftmals gegen Entscheidungen stellen. Deren Abstimmverhalten wird übrigens transparent dokumentiert, dazu dienen die sogenannten "Stewardship Reports".

Emittenten und Anleger haben bei ETFs außerdem vergleichbare Ziele. Die Emittenten möchten, dass möglichst viel Kapital in ihre ETF-Produkte fließt, denn sie verdienen an der jährlichen Gebühr dieser. Würden sie ihre Stimmrechte verfallen lassen und damit Unternehmen in der Theorie Tür und Tor für Missmanagement öffnen, könnten diese Unternehmen fortan schlechter performen - und damit zugleich der Index, für den die ETFs angeboten werden.

Es ist also absolut im Interesse der ETF-Anbieter, die erlangten Stimmrechte möglichst effizient und zum Vorteil der Anleger (und von sich selbst) zu nutzen.

Wird 2022 eine ETF-Blase platzen?

Was 2022 noch passiert, weiß zum aktuellen Zeitpunkt niemand. Was übrigens generell für den Kapitalmarkt gilt. Eine ETF-Blase gibt es definitiv nicht, dafür ist das investierte Volumen in diese einfach viel zu niedrig. Institutionelle, Hedgefonds und Co. legen weitaus mehr Geld direkt oder in Derivate an, entsprechend ist das Volumen dieser Märkte viel größer - vom Anleihenmarkt ganz zu schweigen.

Nicht auszuschließen ist natürlich, dass es generell irgendwo irgendeine Blase gibt. Mitunter gibt es die sogar an den Kapitalmärkten insgesamt, zum Beispiel in den USA mit den traditionell eher hohen Bewertungen der Unternehmen. Auf solch eine Blase haben die ETFs aber weder 2022 noch in irgendeinem Jahr zuvor nennenswerten Einfluss.

Sollten ETF-Investoren Angst haben?

Dafür gibt es keinen objektiven Grund. ETFs sind für Privatanleger nach wie vor die beste Möglichkeit das Geld in den Kapitalmarkt zu bringen und in Zeiten eines Niedrigzinsumfelds wenigstens irgendwie gegen die Inflation zu arbeiten. Zudem sollten ETF-Anleger berücksichtigen, dass ETFs ebenso wie Aktien zu dem Sondervermögen der Banken zählen, also von einer etwaigen Insolvenz sowieso nicht betroffen sind.

Sich für einen ETF mit physischer Abbildung der enthaltenen Werte zu entscheiden und gegen einen Swap-ETF, könnte zusätzliche Sicherheit geben. Tatsächlich ist aber aus den oben erwähnten Gründen nicht davon auszugehen, dass Swap-basierte ETFs unter aktuellen Bedingungen in die Bredouille geraten würden. Der passive Investor ist mit seinen ETFs also gut beraten, die oftmals am Kapitalmarkt vorherrschende apokalyptische Stimmung zu ignorieren und sich stattdessen auf die Grundwerte einer soliden Geldanlagestrategie verlassen: Breit streuen, Rücklagen bilden und halten und den Blick immer auf die langfristige Entwicklung richten, statt auf vermeintliche prophezeite Schreckensszenarien, die dann doch nicht eintreten.

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