Asset Allocation - Wechselwirkung verschiedener Anlageklassen ausnutzen
assetklassenETFAnleihenrohstoffe
Ein ETF ist eine gute Investitionsmöglichkeit. Du solltest nicht alles auf eine Karte setzen und in ETFs verschiedener Anlageklassen investieren. Diese Asset Allocation bietet eine gute Risikostreuung, da sich die verschiedenen Anlageklassen gegenseitig gut ergänzen können.
Stand: Juni 2026. Aktualisiert und faktengeprüft.
Was ist die Asset Allocation?
Die Asset Allocation beschreibt die Aufteilung deines Kapitals auf verschiedene Anlageklassen, um Risiko und Renditechancen in ein für dich passendes Verhältnis zu bringen. Stell dir vor, du investierst in einen ETF auf Aktien, der hohe Renditen verspricht, aber auch stärker schwankt. Um diese Schwankungen abzufedern, kombinierst du den Aktienanteil mit sichereren Bausteinen wie kurzlaufenden Anleihen oder Tagesgeld. So entsteht ein Portfolio, dessen Bausteine sich gegenseitig ergänzen.
Die Forschung ist sich seit Jahrzehnten einig, dass die Asset Allocation der wichtigste Hebel für das langfristige Ergebnis ist. Welche einzelnen Wertpapiere du wählst und wann du kaufst, spielt für viele Privatanleger eine kleinere Rolle als die grundsätzliche Frage: Wie viel Prozent stecken in schwankungsstarken, wie viel in schwankungsarmen Anlagen? Genau diese Aufteilung solltest du bewusst und an deine persönliche Situation angepasst treffen, statt sie dem Zufall zu überlassen.
Dein Risikoprofil: Tragfähigkeit und Bereitschaft
Bevor du Prozente festlegst, klärst du zwei Dinge. Die Risikotragfähigkeit ist objektiv: Wie lange kannst du dein Geld investiert lassen, hast du einen ausreichenden Notgroschen, und wärst du auf das Kapital angewiesen, wenn die Kurse über mehrere Jahre fallen? Wer in zwei Jahren eine Immobilie finanzieren will, hat eine andere Tragfähigkeit als jemand, der für die Rente in 30 Jahren spart.
Die Risikobereitschaft ist subjektiv: Wie ruhig bleibst du, wenn dein Depot zwischenzeitlich 30 oder 40 Prozent im Minus steht? Solche Rückgänge sind bei einem reinen Aktienportfolio historisch keine Ausnahme, sondern kommen vor. Ein Portfolio nützt dir nur dann, wenn du es auch in einer Krise durchhältst und nicht panisch verkaufst. Die ehrlichste Aufteilung orientiert sich am kleineren der beiden Werte aus Tragfähigkeit und Bereitschaft.
Risikoarmer und risikoreicher Teil
Ein bewährtes und einfaches Modell teilt das Depot in zwei Töpfe. Der risikoreiche Teil besteht typischerweise aus breit gestreuten Aktien-ETFs und sorgt für die langfristige Rendite. Der risikoarme Teil dient als Stabilitätsanker und besteht aus Anlagen mit geringem Schwankungs- und Ausfallrisiko, etwa Tagesgeld, kurzlaufenden Staatsanleihen hoher Bonität oder einem Geldmarkt-ETF.
Die Aufteilung steuert dein Gesamtrisiko fast vollständig. Eine 70/30-Aufteilung (70 Prozent Aktien, 30 Prozent risikoarm) schwankt deutlich weniger als ein reines Aktiendepot, gibt aber langfristig auch etwas Rendite ab. Es gibt hier kein universell richtiges Verhältnis. Die Faustregel lautet: Den risikoarmen Teil so groß wählen, dass du den maximal vorstellbaren Rückgang des risikoreichen Teils emotional und finanziell aushältst. Welche Bausteine sich konkret eignen, zeigt unsere Übersicht zu den verschiedenen Assetklassen.
Anlageklassen, in die du über ETFs investieren kannst
Es gibt verschiedene Anlageklassen, die du über ETFs abbilden kannst:
- Aktien: Die wichtigste Renditequelle für langfristige Anleger. Sie bieten hohe Renditechancen, schwanken aber stark. Der ETF-Markt für Aktien ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Das weltweit in ETFs verwaltete Vermögen erreichte laut ETFGI Ende 2025 mit rund 19,85 Billionen US-Dollar einen Rekord, nach etwa 14,85 Billionen US-Dollar Ende 2024.
- Anleihen: Staats- oder Unternehmensanleihen. Sie schwanken in der Regel weniger als Aktien, bieten dafür meist geringere Renditen. Nach der Zinswende von 2022 und 2023 werfen Anleihen wieder spürbare laufende Erträge ab, was sie als Stabilitätsbaustein attraktiver gemacht hat. Mehr dazu findest du in unserem Artikel über iBonds ETFs.
- Immobilien: Über Immobilien-ETFs (häufig auf börsennotierte Immobiliengesellschaften, sogenannte REITs) kannst du am Immobilienmarkt teilnehmen, ohne selbst Objekte zu kaufen. Steigende Zinsen haben diesen Sektor zuletzt belastet, da höhere Finanzierungskosten auf den Bewertungen lasten. Wenn dich die steuerlichen Aspekte interessieren, lies unseren Artikel über Immobilien und Erbschaftssteuer.
- Rohstoffe: ETFs beziehungsweise ETCs auf Edelmetalle oder Energie können das Portfolio diversifizieren, schwanken aber ebenfalls deutlich. In Deutschland dürfen Wertpapiere mit dem Namen ETF aus regulatorischen Gründen nicht nur auf einen einzelnen Rohstoff lauten, weshalb Gold meist über ETCs abgebildet wird. Gold gilt vielen Anlegern als Krisenbaustein. Mehr dazu in unserem Artikel über Xetra Gold & Co.
- Geldmarkt: Geldmarkt-ETFs bilden sehr kurzfristige Euro-Zinsen ab (heute über den Referenzzins €STR, der den früheren EONIA abgelöst hat). Sie eignen sich für den risikoarmen Teil und für kurzfristig benötigte Liquidität. Weitere Informationen findest du in unserem Artikel über Geldmarktfonds vs. Tagesgeld.
Als Einsteiger musst du nicht in alle diese Klassen investieren. Schon ein breit gestreuter Aktien-ETF für den risikoreichen Teil und Tagesgeld für den risikoarmen Teil ergeben eine sinnvolle, einfache Aufteilung.
Der Weltportfolio-Ansatz
Für die meisten Privatanleger ist ein global gestreutes Aktienportfolio die solideste Basis. Bei der Asset Allocation zählt nicht nur die Mischung der Anlageklassen, sondern auch die Streuung über Länder und Branchen, denn die Wirtschaft entwickelt sich nicht überall gleich.
Ein ETF auf den MSCI World deckt rund 23 Industrieländer ab und bündelt etwa 1.300 bis 1.400 große und mittelgroße Unternehmen. Wer noch breiter aufgestellt sein möchte, ergänzt Schwellenländer (zum Beispiel über einen MSCI Emerging Markets ETF) oder greift direkt zu einem Index wie dem MSCI All Country World Index (ACWI) oder dem FTSE All-World, die Industrie- und Schwellenländer in einem Produkt vereinen. Schwellenländer bieten zusätzliche Wachstumschancen, schwanken aber stärker und sind anfälliger für politische Risiken. Wer noch weiter in junge Märkte schauen möchte, findet Hintergründe in unserem Artikel über Frontier Markets.
Ein typisches Weltportfolio kann damit so aussehen: ein bis zwei Aktien-ETFs für die weltweite Streuung als risikoreicher Teil, plus Tagesgeld oder ein Geldmarkt-ETF als risikoarmer Anker. Diese Einfachheit ist ein Vorteil, denn sie macht das Portfolio günstig, nachvollziehbar und gut durchhaltbar.
Rebalancing: das Portfolio im Gleichgewicht halten
Durch unterschiedliche Wertentwicklungen verschiebt sich deine Aufteilung mit der Zeit. Steigen die Aktien stark, wächst ihr Anteil über die Zielquote hinaus, und dein Portfolio wird riskanter, als du es geplant hast. Beim Rebalancing stellst du die ursprüngliche Zielallokation wieder her.
Dafür gibt es zwei gängige Regeln. Beim zeitbasierten Rebalancing prüfst du dein Depot in festen Abständen, etwa einmal im Jahr. Beim schwellenbasierten Rebalancing wirst du erst aktiv, wenn eine Position um mehr als eine festgelegte Bandbreite (zum Beispiel 5 Prozentpunkte) abweicht. Am einfachsten und steuerschonend gelingt das Anpassen, indem du neue Sparraten gezielt in die untergewichtete Anlageklasse lenkst, statt Bestände zu verkaufen. Verkäufe können in Deutschland Abgeltungsteuer auslösen, deshalb ist Rebalancing über Zuflüsse oft die günstigere Variante. Rebalancing zwingt dich außerdem antizyklisch zu handeln, also tendenziell günstig nachzukaufen, was viele Anleger emotional schwer alleine schaffen.
Asset Allocation über den Lebenszyklus
Deine ideale Aufteilung ist nicht in Stein gemeißelt, sondern verändert sich mit deinem Anlagehorizont. In jungen Jahren hast du in der Regel einen langen Zeithorizont und kannst Kursrückgänge aussitzen. Daher fällt der risikoreiche Aktienanteil meist hoch aus.
Je näher du einem festen Ziel kommst, etwa dem Renteneintritt oder einer geplanten größeren Ausgabe, desto wichtiger wird der Kapitalerhalt. Dann verschiebst du Schritt für Schritt Gewicht vom risikoreichen in den risikoarmen Teil, damit ein Crash kurz vor dem Ziel dich nicht hart trifft. Eine bekannte, aber sehr grobe Faustregel lautet, den risikoarmen Anteil etwa dem Lebensalter anzunähern. Sie ist nur ein Ausgangspunkt und ersetzt keine individuelle Betrachtung von Tragfähigkeit, Bereitschaft und Zielen. Wichtig ist, das Risiko geplant und schrittweise zu reduzieren, statt erst in der Krise zu reagieren.
Aktuelle Marktentwicklungen und Trends
Der ETF-Markt wächst weiter dynamisch. Laut ETFGI erreichte das global in ETFs verwaltete Vermögen Ende 2025 mit rund 19,85 Billionen US-Dollar einen Rekord, ein Plus von etwa 33,7 Prozent gegenüber dem Jahresende 2024. Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung: Vanguards S&P-500-ETF (VOO) überholte Anfang 2026 den lange führenden SPDR-Fonds (SPY) als weltgrößter ETF und überschritt am 2. Juni 2026 als erster ETF überhaupt die Marke von einer Billion US-Dollar.
Auch aktiv gemanagte ETFs gewinnen an Bedeutung. Ihr verwaltetes Vermögen stieg laut ETFGI Ende 2025 auf einen Rekord von rund 1,92 Billionen US-Dollar, nach etwa 1,17 Billionen Ende 2024. Sie versuchen, die Vorteile der ETF-Hülle (Handelbarkeit, Transparenz) mit aktiven Anlageentscheidungen zu verbinden, sind aber meist teurer als klassische Index-ETFs. Für die langfristige Kernanlage bleiben breite, kostengünstige Index-ETFs für die meisten Privatanleger die solidere Wahl.
Daneben bleibt das Thema Nachhaltigkeit präsent: ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) sind besonders in Europa fest etabliert, und die EU hat die Transparenzregeln für solche Produkte verschärft. Stärker schwankungsanfällig sind hingegen Krypto-Produkte. Spot-Bitcoin-ETFs bieten einen regulierten Zugang zu Bitcoin, bleiben aber hochvolatil und gehören allenfalls als kleine Beimischung ins Depot. Mehr dazu in unserem Artikel über den BlackRock Bitcoin-ETF.
Das richtige Portfolio aufbauen
Wenn du mit der Asset Allocation startest, legst du zuerst deine Zielquote zwischen risikoreichem und risikoarmem Teil fest, abgeleitet aus Horizont, Tragfähigkeit und Bereitschaft. Danach füllst du den risikoreichen Teil mit ein bis zwei breit gestreuten Aktien-ETFs und den risikoarmen Teil mit Tagesgeld oder einem Geldmarkt-ETF. Mehr als drei Bausteine braucht kaum jemand für den Einstieg.
Für die Umsetzung brauchst du ein günstiges Depot mit Sparplan-Funktion, damit du automatisiert und kostenarm investieren kannst. Bei Trade Republic laufen ETF-Sparpläne ohne Ausführungsgebühr, was vor allem bei kleinen monatlichen Raten viel ausmacht. Wer ein besonders großes Sparplan-Universum und eine optionale Flatrate sucht, findet das bei Scalable Capital. Welcher Anbieter zu deinem Anlagestil passt, zeigt unser Broker-Vergleich.
Zur Orientierung: Diese global ausgerichteten Aktien-ETFs gehören zu den größten und günstigsten Bausteinen für ein Weltportfolio (Stand: Juni 2026):
| ETF | Abgebildeter Index | Laufende Kosten (TER) | Größenordnung Fondsvolumen |
|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc), ISIN IE00B4L5Y983 | MSCI World (23 Industrieländer) | 0,20% p.a. | über 120 Mrd. EUR |
| Vanguard FTSE All-World UCITS ETF | FTSE All-World (Industrie- und Schwellenländer) | 0,22% p.a. | zweistelliger Milliarden-EUR-Bereich |
| iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF | MSCI Emerging Markets IMI (Schwellenländer) | 0,18% p.a. | zweistelliger Milliarden-EUR-Bereich |
Die genannten Kosten und Volumina können sich ändern. Prüfe vor einem Kauf stets das aktuelle Factsheet des Anbieters und die Daten bei einem Vergleichsportal wie justETF.
Fazit: Asset Allocation ist der Hebel für die langfristige Anlage
Die Asset Allocation ist die wichtigste Entscheidung beim Vermögensaufbau. Wer Kapital bewusst auf einen risikoreichen und einen risikoarmen Teil aufteilt, die Aufteilung an die eigene Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft anpasst und regelmäßig ein Rebalancing durchführt, schafft ein Portfolio, das sich auch in turbulenten Phasen durchhalten lässt. Ein breit gestreutes Weltportfolio aus kostengünstigen ETFs, ergänzt um einen ausreichend großen Stabilitätsanker und über den Lebenszyklus angepasst, ist für die meisten Privatanleger die solide Grundlage. Renditen der Vergangenheit sind keine Garantie für die Zukunft, und Kursverluste sind möglich. Diese Inhalte dienen der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung dar.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links (mit /og/ gekennzeichnet). Wenn du über einen solchen Link ein Konto oder Depot eröffnest, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Die redaktionelle Einschätzung bleibt davon unberührt.
Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.
Mehr zum Thema:
assetklassenETFAnleihenrohstoffe