Rohstoff-ETFs an Rohstoffbörsen handeln
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Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Weizen werden nicht an der Wertpapierbörse gehandelt, sondern an spezialisierten Rohstoffbörsen. Als Privatanleger kommen Sie dort nicht direkt rein. Was Sie kaufen können, sind Rohstoff-ETFs und ETCs, die die Preisentwicklung über Terminkontrakte abbilden. Das funktioniert, hat aber Tücken, die bei Aktien-ETFs niemanden interessieren - allen voran die Rollverluste. Stand: Juni 2026. Aktuelle Marktbewegungen finden Sie in unseren ETF- & Aktien-Markt Kurznachrichten.
Welche Rohstoffbörsen es gibt
Die wichtigsten Börsen für Rohstoffe sitzen in den USA und in London. Drei Namen sollten Sie kennen:
- CME Group (Chicago): der weltweit größte Terminbörsen-Betreiber. Zur CME Group gehören seit der Übernahme 2008 auch die NYMEX (Energie wie WTI-Rohöl und Erdgas) und die COMEX (Gold, Silber, Kupfer). COMEX ist die zentrale Referenzbörse für Gold-Futures.
- ICE (Intercontinental Exchange): betreibt unter anderem ICE Futures Europe in London. Dort wird der wichtigste Ölkontrakt der Welt gehandelt, das Brent-Rohöl. Brent ist die globale Preisreferenz für Rohöl.
- London Metal Exchange (LME): der größte Marktplatz für Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink, Blei und Zinn. Über die LME laufen jährlich rund 176 Millionen Kontrakte.
Daneben gewinnen asiatische Börsen an Gewicht, etwa die Shanghai Futures Exchange (SHFE) bei Industriemetallen. Für deutsche Anleger bleibt der Zugang aber praktisch immer indirekt: über Produkte, die an Xetra, der Börse Frankfurt, Stuttgart oder München notieren.
Wie Privatanleger in Rohstoffe investieren
Physisch sinnvoll lagern lassen sich nur Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und Palladium. Ein Fass Öl oder eine Tonne Weizen will niemand im Keller haben. Für die breite Masse der Rohstoffe greifen Anleger deshalb zu zwei Produktarten:
- ETCs (Exchange Traded Commodities): Schuldverschreibungen, die einen einzelnen Rohstoff oder einen Korb abbilden. Edelmetall-ETCs sind oft physisch hinterlegt, der Emittent lagert also echtes Gold. ETCs auf Öl, Industriemetalle oder Agrarrohstoffe arbeiten dagegen mit Futures.
- Rohstoff-ETFs: Fonds, die einen Rohstoff-Index abbilden, etwa den Bloomberg Commodity Index. Sie streuen über viele Rohstoffe und mehrere Sektoren hinweg.
Ein gut handelbares Beispiel für einen breiten Index ist der iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF. Die in Irland aufgelegte Variante (ISIN IE00BDFL4P12) bildet den Bloomberg Commodity Index synthetisch ab, kostet 0,19 Prozent pro Jahr und verwaltet rund 1,9 Milliarden Euro. Die ältere, in Deutschland aufgelegte Variante (ISIN DE000A0H0728) ist mit 0,46 Prozent pro Jahr deutlich teurer - bei gleichem Index ein klarer Punkt für die irische Tranche. Wer auf eine rolloptimierte Strategie setzen will, findet sie etwa im L&G Multi-Strategy Enhanced Commodities UCITS ETF (ISIN IE00BFXR6159), der mit einem Backwardation-Tilt-Index arbeitet und 0,30 Prozent TER kostet.
Das eigentliche Problem: Rollverluste
Hier wird es unbequem, und genau das verschweigen viele Übersichten. Anders als ein physischer Gold-ETC bilden Öl-, Metall- oder Agrarprodukte den Preis über Futures ab. Diese Kontrakte laufen aus und müssen regelmäßig in den nächsten Liefermonat gerollt werden. Ist der spätere Kontrakt teurer als der auslaufende (Fachbegriff: Contango), zahlt der Fonds beim Rollen drauf. Über Jahre kann das selbst dann an der Rendite zehren, wenn der reine Rohstoffpreis seitwärts läuft.
Das ist kein Randdetail. Bei Öl-Produkten haben Anleger in Contango-Phasen schon zweistellige Prozentverluste pro Jahr allein durch das Rollen gesehen, während der Ölpreis am Markt kaum gefallen war. Den Gegeneffekt gibt es auch: Ist der spätere Kontrakt billiger (Backwardation), entstehen Rollgewinne. Genau hier setzen rolloptimierte Indizes wie die RICI-Reihe oder der erwähnte L&G-Backwardation-Tilt an: Sie suchen gezielt Kontrakte mit günstiger Rollkurve. Sie schalten das Problem aber nicht ab, sie mildern es.
Die ehrliche Konsequenz: Ein Futures-basiertes Rohstoffprodukt ist kein Kaufen-und-Liegenlassen-Investment wie ein breit gestreuter ETF. Wer den langfristigen Vermögensaufbau im Blick hat, fährt mit einem Aktien-ETF in aller Regel besser. Rohstoffe taugen eher als kleine Beimischung zur Diversifikation und als Inflationsschutz, weil sie sich oft anders bewegen als Aktien und Anleihen.
Unterschiede zwischen den Rohstoff-ETFs
Grob lassen sich zwei Bauarten unterscheiden. Die einen bilden einen Futures-Korb ab, etwa quer über Energie, Metalle und Agrar. Die anderen kaufen Aktien von Rohstoffunternehmen, also Minenbetreiber oder Ölkonzerne. Letztere sind streng genommen Aktien-ETFs und reagieren auch so, mit allem, was dazugehört: Dividenden, Bilanzrisiken, Aktienmarkt-Korrelation.
Innerhalb der Futures-Variante gibt es Sub-Indizes für einzelne Sektoren. Wer Agrarrohstoffe und Lebendvieh ausklammern will, findet etwa Indexvarianten "ex Agriculture". Für den Energiebereich existiert mit dem EUR Hedged RICI Enhanced Brent Crude Oil Index ETC von BNP Paribas ein Produkt, das den Ölpreis rolloptimiert und währungsgesichert abbildet; für Industriemetalle das Pendant EUR Hedged RICI Enhanced Industrial Metals Index ETC. Wer sich nur für den Stromhandel interessiert, findet Details unter Strompreis-Handel mit ETFs und Futures.
Agrarrohstoffe und Tierprodukte sind als Einzelwette riskant: Eine Missernte oder eine Tierseuche kann den Preis sprunghaft bewegen. Eine breite Streuung über einen Multi-Rohstoff-Index dämpft solche Einzelrisiken, nimmt sie aber nicht weg.
Zusammensetzung der Rohstoff-Indizes
Bevor Sie einen Rohstoff-ETF kaufen, sollten Sie wissen, was drinsteckt. Die gängigen Indizes mischen typischerweise diese Kategorien:
- Energie (Rohöl, Erdgas)
- Industriemetalle (Kupfer, Aluminium, Nickel)
- Edelmetalle (Gold, Silber)
- landwirtschaftliche Erzeugnisse (Weizen, Mais, Kaffee)
- Lebendvieh
Die Gewichtung macht den Unterschied. Energie-lastige Indizes wie die S&P-GSCI-Familie schwanken stärker mit dem Ölpreis, während der Bloomberg Commodity Index breiter und ausgewogener verteilt ist. Varianten "ex Agriculture" lassen Agrar und Vieh komplett weg. Rohstoffpreise entstehen an Börsen wie der NYMEX durch Angebot und Nachfrage, unterliegen aber auch Saisonalität, Wetter und seit einigen Jahren verstärkt geopolitischen Spannungen. Wer das asiatische Wachstum als Treiber der Metallnachfrage mitspielen will, kann das mit einem China Aktien ETF ergänzen.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Vier Kriterien helfen beim Aussortieren:
- Fondsvolumen: Unter etwa 100 Millionen Euro steigt das Risiko, dass das Produkt mangels Wirtschaftlichkeit geschlossen wird.
- Alter des Fonds: Mindestens ein paar Jahre Historie, damit Sie die Wertentwicklung über verschiedene Marktphasen beurteilen können.
- Gesamtkostenquote (TER): Breite Rohstoff-ETFs gibt es ab rund 0,19 Prozent pro Jahr, das sind 19 Euro auf 10.000 Euro Anlagesumme. Rolloptimierte und währungsgesicherte Produkte kosten meist 0,30 bis 0,40 Prozent. Wichtig: Die TER deckt nicht die Rollverluste ab, die kommen obendrauf.
- Ertragsverwendung: Die meisten Rohstoff-ETFs thesaurieren, legen Erträge also automatisch wieder an.
Die TER ist hier weniger ausschlaggebend als bei Aktien-ETFs, weil die Rollkosten die laufenden Gebühren oft in den Schatten stellen. Schauen Sie deshalb genauso auf die Rollmethodik wie auf den Preis. Wenn Sie nachhaltige Schwerpunkte suchen, ist der Rohstoffsektor übrigens der falsche Ort; ein UmweltBank ETF passt dann besser ins Profil.
Rohstoffe kaufen und besparen: die passenden Broker
Den Zugang zu Rohstoff-ETFs und ETCs liefert jeder gängige Online-Broker. Bei Trade Republic sind Sparpläne in der Ausführung kostenlos, ab einem Euro Sparrate, und es stehen Sparpläne auf zahlreiche Rohstoff-ETFs und Edelmetall-ETCs bereit. Einzelkäufe kosten dort pauschal einen Euro Fremdkostenpauschale.
Wer gezielt Edelmetall- und Rohstoff-ETCs besparen will, findet bei justTRADE ein passendes Angebot: ETCs auf Gold, Silber, Platin oder CO₂-Zertifikate sind sparplanfähig ab 25 Euro im Monat, ohne Orderprovision (nur der Handelsplatzspread fällt an), die Depotführung ist kostenfrei. Eine breite ETF-Auswahl mit vielen kostenlosen Sparplänen bietet daneben auch Scalable Capital. Welcher Anbieter beim Einmalkauf am günstigsten ist, zeigt unsere Übersicht zu günstigen Anbietern für den Wertpapierkauf.
Für unterwegs lohnt ein Blick auf die besten mobilen Apps für ETFs und Sparpläne. Vorsicht dagegen bei CFDs auf Rohstoffe: Sie hebeln und eignen sich nur für kurzfristige Spekulation, nicht für den Vermögensaufbau.
Fazit: Rohstoffe als kleine Beimischung, nicht als Hauptbaustein
Über Rohstoff-ETFs und ETCs nehmen Sie indirekt am Geschehen an CME, ICE und LME teil, ohne selbst an die Terminbörse zu müssen. Der Preis dafür sind hohe Schwankungen und vor allem die Rollverluste bei Futures-basierten Produkten, die einen langfristigen Buy-and-Hold-Ansatz untergraben. Als Inflationsschutz und zur Diversifikation kann ein breit gestreuter Rohstoff-ETF trotzdem seinen Platz haben, sinnvollerweise als kleine Beimischung von wenigen Prozent des Depots. Physische Edelmetall-ETCs umgehen das Rollproblem und sind die ruhigere Variante. Wer nach weiteren Bausteinen abseits der klassischen Anlageklassen sucht, kann sich auch den Kauf von Bitcoin ansehen.
Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Artikel sind Affiliate-Links. Schließen Sie über einen solchen Link ab, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten, und unsere redaktionelle Einschätzung bleibt davon unberührt. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung; Rohstoffanlagen sind mit Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust verbunden.
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