Assetklassen: Risikostreuung für dein ETF-Portfolio
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Beim Erwerb von ETF-Anteilen denken die meisten Anleger an Aktien-ETFs. Es gibt jedoch noch andere Assetklassen. So kannst Du mit unterschiedlichen Anlageklassen für eine gute Risikostreuung in Deinem ETF-Portfolio sorgen. Die Zusammenstellung kannst Du nach Deiner Risikobereitschaft vornehmen.
Stand: Juni 2026
Wer in ETFs einsteigt, landet fast automatisch bei Aktien. Kein Wunder: Die bekanntesten Indizes wie der DAX, der NASDAQ 100 oder der MSCI World sind allesamt Aktienindizes. Aktien sind aber nur eine von mehreren Anlageklassen, die sich über ETFs abbilden lassen. Anleihen, Rohstoffe, Immobilien und der Geldmarkt verhalten sich in Krisen oft anders als der Aktienmarkt, und genau dieser Unterschied ist der Hebel für ein robusteres Depot.
Eine Assetklasse fasst Wertpapiere mit ähnlichen Eigenschaften zusammen. Aktien sind eine Klasse, Staats- und Unternehmensanleihen eine andere, Rohstoffe wieder eine eigene. Weil sich diese Klassen unterschiedlich entwickeln, bewegen sich ihre Kurse selten im Gleichschritt. Fällt der eine Markt, hält der andere im Idealfall dagegen. Das ist der Kern von Diversifikation: nicht möglichst viel Rendite, sondern ein besseres Verhältnis von Rendite zu Schwankung.
Risiko und Rendite: Was die Historie zeigt
Über sehr lange Zeiträume stehen Aktien an der Spitze, aber sie schwanken auch am stärksten. Die wohl belastbarste Datenbasis dazu stammt von den Finanzökonomen Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton, die Renditezeitreihen über mehr als ein Jahrhundert zusammengetragen haben. Für den Zeitraum 1900 bis 2018 ergaben sich folgende inflationsbereinigte (reale) Durchschnittsrenditen pro Jahr, vor Kosten und Steuern:
- Aktien (global): rund 5,0 % real p. a.
- Wohnimmobilien (global): rund 2,4 % real p. a.
- Langfristige Staatsanleihen: rund 1,9 % real p. a.
- Geldmarkt / Bankguthaben: rund 0,8 % real p. a.
- Gold: rund 0,6 % real p. a.
- Rohstoffe: rund 0,3 % real p. a.
Diese Zahlen sind real, also nach Abzug der Inflation. Nominal liegen die Werte höher. Der MSCI World etwa hat seit den 1970er-Jahren je nach Berechnungsmethode und Währung im Schnitt grob 7 bis 9 Prozent pro Jahr gebracht. Wichtig: Das sind Durchschnitte über Jahrzehnte mit zwischenzeitlichen Einbrüchen von 40 Prozent und mehr. Einzeljahre sehen völlig anders aus. Für die Zukunft kalkulieren viele Anleger vorsichtiger, eher mit etwa 6 Prozent nominal beim breiten Aktienmarkt.
Die Lehre daraus ist nicht, alles auf Aktien zu setzen. Sondern: Aktien liefern langfristig den größten Renditebeitrag, die anderen Klassen dämpfen die Schwankungen auf dem Weg dorthin. Wie viel Schwankung du aushältst, ohne in der Krise zu verkaufen, entscheidet über die Mischung mehr als jede Renditeprognose.
Die fünf wichtigsten Assetklassen für ETFs
Über ETFs lassen sich fünf Hauptklassen abbilden, geordnet grob von chancenreich bis risikoarm.
Aktien
Aktien sind die bekannteste ETF-Assetklasse. Du beteiligst dich anteilig an Unternehmen und profitierst von Kurssteigerungen und Dividenden. Bei einem ausschüttenden Fonds bekommst du die Dividende ausgezahlt, bei einem thesaurierenden ETF wird sie automatisch wieder angelegt. Die Kehrseite der hohen Renditechance ist das Risiko: In Crashs verlieren breite Aktienindizes zeitweise einen erheblichen Teil ihres Werts. Ein Beispiel für einen Aktien-ETF auf den deutschen Leitindex:
iShares Core DAX UCITS ETF (DE), ISIN DE0005933931, WKN 593393. Bildet die 40 größten deutschen Unternehmen aus dem DAX vollständig physisch ab.
- Fondsvolumen: rund 8.500 Mio. Euro
- Gesamtkostenquote (TER): 0,16 Prozent p. a.
- Replikation: vollständig physisch
- Ertragsverwendung: thesaurierend
Den passenden ETF kaufst oder besparst du am günstigsten über einen Neobroker. Sparpläne sind bei Anbietern wie Trade Republic oder Scalable Capital auf viele ETFs kostenlos möglich, was gerade bei kleinen monatlichen Raten den Unterschied macht.
Anleihen
Anleihen, auch Renten genannt, sind Schuldverschreibungen. Du leihst einem Staat oder Unternehmen für eine feste Laufzeit Geld und bekommst dafür Zinsen plus die Rückzahlung am Ende. Nach der Emission werden Anleihen frei gehandelt, ihre Kurse schwanken mit dem Zinsniveau: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, und umgekehrt. In klassischen Aktienkrisen wirken hochwertige Staatsanleihen oft als Stabilisator, das ist aber keine Garantie, wie das Zinsjahr 2022 gezeigt hat, als Aktien und Anleihen gemeinsam fielen. Ein Beispiel:
iShares Emerging Asia Local Government Bond UCITS ETF, ISIN IE00B6QGFW01, WKN A1JTNB. Investiert in Staatsanleihen asiatischer Schwellenländer in lokaler Währung, also deutlich risikoreicher als Bundesanleihen.
- Replikation: physisch durch Sampling
- Ertragsverwendung: ausschüttend (halbjährlich)
- Hinweis: Schwellenländeranleihen tragen Währungs- und Bonitätsrisiken und eignen sich eher als Beimischung
Wenn du den Unterschied zwischen Direktanlage in Anleihen und Anleihen-ETFs verstehen willst, lohnt unser Artikel Anleihen vs. ETF: Welche Anlageform rentiert mehr?.
Immobilien (REITs)
In Immobilien investierst du über ETFs nicht direkt in Häuser, sondern in börsennotierte Immobiliengesellschaften und REITs (Real Estate Investment Trusts). Diese bewirtschaften Büros, Einzelhandelsflächen oder Wohnungen, schütten einen Großteil ihrer Mieterträge aus und sind über die Börse jederzeit handelbar. Du partizipierst an Mieteinnahmen und Wertentwicklung, trägst aber auch das Kursrisiko des Aktienmarkts, denn REIT-Aktien korrelieren stärker mit Aktien als viele erwarten. Ein Beispiel für einen Immobilien-ETF:
Amundi Index FTSE EPRA NAREIT Global UCITS ETF DR EUR (D), ISIN LU1737652823, WKN A2H9Q1. Bündelt die größten börsennotierten Immobilienunternehmen der Industrieländer.
- Replikation: vollständig physisch
- Ertragsverwendung: ausschüttend (jährlich)
Geldmarkt
Geldmarkt-ETFs halten sehr kurzfristige, hochliquide Papiere und kommen Bargeld am nächsten. Der Kurs schwankt kaum, dafür ist die Rendite niedrig und orientiert sich am kurzfristigen Zinsniveau. In der Niedrigzinsphase war die reale Rendite oft negativ. Mit den höheren Leitzinsen der vergangenen Jahre sind Geldmarkt-ETFs als Parkplatz für die liquide Reserve wieder interessanter geworden, ein langfristiger Renditebringer sind sie aber nicht. Ein Beispiel:
Deka Deutsche Boerse EUROGOV Germany Money Market UCITS ETF, ISIN DE000ETFL227, WKN ETFL22. Hält kurzlaufende deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 1 bis 12 Monaten.
- Replikation: vollständig physisch
- Ertragsverwendung: ausschüttend (quartalsweise)
Rohstoffe
Rohstoffe werden über Terminkontrakte gehandelt. In Deutschland sind ETFs auf einen einzelnen Rohstoff nicht zugelassen, daher decken Rohstoff-ETFs immer einen Korb ab, etwa Energie, Industrie- und Edelmetalle. Die langfristige reale Rendite von Rohstoffen ist historisch gering, dafür laufen sie zeitweise gegen Aktien und können in Inflationsphasen stützen. Sinnvoll sind sie deshalb als kleine Beimischung, nicht als Kernbaustein. Ein Beispiel:
BNP Paribas Easy Energy & Metals Enhanced Roll UCITS ETF EUR, ISIN LU1291109616, WKN A2AE6P. Gibt Zugang zu Edelmetallen, Industriemetallen und Energie.
- Replikation: synthetisch
- Ertragsverwendung: thesaurierend
Edelmetalle und Rohstoffe lassen sich über dieselben Broker handeln wie Aktien-ETFs, etwa Trade Republic oder Scalable Capital.
Korrelation: Warum die Mischung mehr ist als die Summe
Der eigentliche Nutzen mehrerer Assetklassen liegt in ihrer Korrelation, also dem Maß, in dem sich zwei Anlagen im Gleichschritt bewegen. Eine niedrige oder negative Korrelation bedeutet: Wenn die eine Klasse fällt, fällt die andere nicht zwingend mit. Kombinierst du Anlagen, die unterschiedlich auf Konjunktur, Zinsen und Krisen reagieren, sinkt die Gesamtschwankung des Depots stärker, als es der einzelne Baustein vermuten lässt.
Ein realistischer Vorbehalt: Korrelationen sind nicht stabil. In schweren Marktkrisen rücken viele Risikoanlagen zusammen und fallen gemeinsam, genau dann, wenn man die Diversifikation am dringendsten bräuchte. 2022 fielen Aktien und Anleihen parallel, weil die Zinswende beide traf. Diversifikation verhindert keine Verluste, sie macht das Depot über die Zeit nur ruhiger und planbarer.
Unterkategorien der Assetklassen
Jede Assetklasse zerfällt in Unterkategorien mit eigenem Risiko-Rendite-Profil. Bei Anleihen unterscheidet man Staats- und Unternehmensanleihen, kurze und lange Laufzeiten, hohe und niedrige Bonität. Aktien lassen sich nach Region, Branche oder Unternehmensgröße sortieren. In Krisen reagieren diese Unterkategorien unterschiedlich, was zusätzliche Streuung erlaubt. Wer die Risiken realistisch einschätzen will, sollte auch den Extremfall kennen: unser Artikel zum Risiko eines Totalverlusts bei ETFs ordnet das ein.
Strategische und taktische Asset Allocation
Die strategische Asset Allocation legt eine langfristige Zielaufteilung fest, etwa 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen, und hält daran fest. Über regelmäßiges Rebalancing kehrt das Depot immer wieder zur Zielquote zurück. Diese Methode passt zu Anlegern, die nicht ständig auf Marktbewegungen reagieren wollen.
Die taktische Asset Allocation erlaubt kurz- bis mittelfristige Abweichungen, um vermeintliche Marktchancen zu nutzen. Das klingt verlockend, erfordert aber aktives Beobachten und gelingt selbst Profis selten dauerhaft besser als das simple Festhalten am Plan. Für die meisten Privatanleger ist die strategische Variante die robustere Wahl. Wie ETFs technisch überhaupt funktionieren, erklärt unser Beitrag Wie funktionieren ETFs hinter der Fassade?.
ETF-Auswahl und Risikomanagement
Bei der konkreten ETF-Auswahl zählen Kostenquote, Fondsvolumen, Replikationsmethode und die Abbildungsgüte gegenüber dem Index. ETFs legen ihre Bestände täglich offen, das schafft Transparenz. Entscheidend bleibt aber, dass die Mischung der Assetklassen zu deiner Risikotoleranz und deinem Anlagehorizont passt. Regelmäßiges Rebalancing sorgt dafür, dass eine gut gelaufene Klasse nicht unbemerkt das Risikoprofil verschiebt. Mehr dazu in unserem Artikel Mit ETF-Rebalancing für den Ausgleich im Portfolio sorgen.
All-in-One-ETF-Portfolios
Wer sich die Mischung nicht selbst zusammenstellen will, greift zu einem All-in-One-ETF. Solche Multi-Asset-ETFs kombinieren Aktien und Anleihen in einer festen Quote in einem einzigen Fonds und rebalancieren automatisch. Das ist die einfachste Form einer Set-and-Forget-Strategie und es gibt sie in verschiedenen Risikostufen, von defensiv bis wachstumsorientiert. In Europa sind dafür etwa die Vanguard-LifeStrategy-ETFs verbreitet. Worauf du beim Kauf achten solltest, steht in ETF kaufen: Auf diese Kriterien solltest Du achten.
Asset Allocation nach Risikoprofil
Kennst du die Klassen und ihr Risiko-Rendite-Profil, ergibt sich die Aufteilung fast von selbst. Ein chancenorientierter Anleger gewichtet Aktien-ETFs hoch und hält nur eine kleine Position in Anleihen oder Geldmarkt. Ein sicherheitsorientierter Anleger dreht das um, etwa 70 Prozent Anleihen- und Geldmarkt-ETFs, 30 Prozent Aktien und eine kleine Rohstoffbeimischung. Es gibt kein objektiv richtiges Verhältnis, nur eines, das zu deinem Zeithorizont und deiner Nervenstärke passt. Faustregel: Je länger der Anlagehorizont und je gelassener du bei Kursrückgängen bleibst, desto höher darf der Aktienanteil sein.
Fazit: Streuung über Klassen schlägt Renditejagd
Aktien, Anleihen, Immobilien, Geldmarkt und Rohstoffe haben unterschiedliche Risiko-Rendite-Profile und reagieren verschieden auf Krisen. Genau deshalb senkt eine durchdachte Mischung die Schwankung deines Depots, ohne die langfristige Rendite stark zu opfern. Aktien liefern dabei den Renditemotor, die anderen Klassen die Ruhe. Lege deine Zielaufteilung nach Anlagehorizont und Risikobereitschaft fest, halte sie über Rebalancing stabil und verzichte auf hektische taktische Wetten. Die ETFs dafür kaufst oder besparst du kostengünstig über Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital.
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