FED, Leitzinsen, Tapering: Welchen Einfluss haben Notenbanken auf Aktien?

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Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve System (kurz FED) nimmt bereits seit einigen Jahren immer stärker Einfluss auf Bewegungen am Kapitalmarkt. Das ist zwar nicht neu, das Ausmaß veränderte sich aber zusehends. Die Gründe dafür sind vielfältig: Hier erfährst du mehr.

FED, Leitzinsen, Tapering: Welchen Einfluss haben Notenbanken auf Aktien?

Notwendigkeit und Aufgabe der FED und anderer Notenbanken

Die zwei mächtigsten Notenbanken der Welt, die FED sowie das europäische Pendant dazu EZB, sind in der jüngeren Vergangenheit (unfreiwillig) zu Kurstreibern am Kapitalmarkt geworden. Das hat weniger mit ihrem Mandat zu tun, sondern ist eine konkrete Auswirkung realökonomischer Probleme, die wiederum eng mit der Geldpolitik verwoben sind, die wiederum die Notenbanken festlegen.

Gegründet wurde die FED im Jahr 1913. Damals lag ihr Mandat primär darin, die Liquidität und Stabilität der einzelnen Banken, teilweise ansässig in ganz unterschiedlichen US-Bundesstaaten, zu gewährleisten. Über die Jahre wurde das Mandat konsequent erweitert. Notwendig war das zunächst zu Zeiten der Great Depression zwischen 1929 und 1933, als die FED sich gezwungen sah eine expansive Geldpolitik zu etablieren, um die aus der wirtschaftlichen Depression resultierende Deflation zu bekämpfen. Direkt in den Folgejahren sah sie sich zur Stabilisierung der Liquidität und des US-Dollars zur Einlagerung erheblicher Goldreserven gezwungen.

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Eng mit der Ausweitung des FED-Mandats ist Roosevelts New Deal verknüpft, der damals eine Reihe wirtschaftlicher Maßnahmen und Regulierungen etablierte, um die USA aus der Rezession und Depression zu hieven. Über die Jahrzehnte wurde der Dunstkreis der FED konsequent erweitert, den vorläufigen (aber nicht bisherigen) Höhepunkt fand diese Entwicklung in den späten 70er- bis 80er-Jahren. Paul Volcker, damaliger FED-Chef, reagierte auf eine aus den Rudern gelaufene Inflation in den USA mit massiven Anhebungen des Leitzinses auf sporadisch bis zu 20 %.

Sein damals vergleichsloses Vorgehen sollte die USA für einen erheblichen Wirtschaftswachstumsschub in den späten 80er- und kompletten 90er-Jahren positionieren, gleichermaßen wurden Begriffe wie eben der Leitzins und der damit verbundene Zinsentscheid konsequent wichtiger für Kapitalmärkte. Das intensivierte sich noch einmal zur Weltwirtschaftskrise 2007-2009, als die Notenbank erneut, gemeinsam mit der Politik, erhebliche Garantien bereitstellen musste, um ins Wanken geratene Banken und damit nicht zuletzt die globale Wirtschaft abzusichern. Ebenfalls legte die Weltwirtschaftskrise den Grundstein für QE (kurz für Quantitative Easing). Unter dem Begriff werden eine Reihe von unkonventionellen Maßnahmen zur Geldmengenerweiterung und Geldbasis verstanden, die auch heute noch präsent sind.

Die FED und ihr Einfluss auf Aktien heute

Das ausgeweitete FED-Mandat besteht heute aus zwei Teilen:

  1. Preisstabilität
  2. Beschäftigungsmaximierung

Die FED soll mit ihrer Geldpolitik also eine gemäßigte Preisstabilität gewährleisten, die den Nährboden für kontinuierliches Wirtschaftswachstum bei zugleich relativ geringer Inflation legt. Die angestrebten Richtwerte für die Inflation variieren häufiger, normalerweise werden etwa 2 bis 2,5 % anvisiert. Der regelmäßig stattfindende Zinsentscheid sowie das Gremium FOMC (Federal Open Market Committee) spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Der Zinsentscheid ist im Endeffekt nichts anderes, als die letzte beziehungsweise aktuellste Entscheidung der FED betreffend dem Leitzins. Gemeint ist damit speziell die Federal Funds Rate. Das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken über Nacht Geld leihen können. Ebenfalls eine Rolle spielt der Zinsentscheid, da an diesen auch potentielle Strafzinsen zur Einlagerung von Kapital bei der Notenbank selbst gekoppelt sind.

Mittlerweile haben der Zinsentscheid sowie öffentliche Ansprachen vom aktuellen FED-Chef Powell oder anderen Gremien eine Eigendynamik entwickelt. Natürlich behielt der Markt schon seit jeher einen genauen Blick auf das, was die Notenbank als wichtigste und höchste Bank des Landes zu sagen hat. Insbesondere die Entwicklungen der letzten zwei Jahre verstärkten diesen Effekt aber noch. Warum ist das so?

Der Zusammenhang zwischen den Notenbanken und Aktienkursen

Vorweg ist zu unterscheiden, zwischen mittel- und langfristigen Effekten sowie unmittelbarer Volatilität bei Verkündung von einem aktualisierten Zinsentscheid. Steht ein Zinsentscheid der Notenbank bevor oder spricht ihr Chef öffentlich, werden die Aktienmärkte volatiler. Das liegt auch an dem mittlerweile ausgesprochen hohen Optionsmarktvolumen, welches regelmäßig das der eigentlichen Basiswerte übersteigt. Dynamik am Optionsmarkt resultiert bekanntlich in Volatilität am Basismarkt. An einem solchen Tag nimmt die FED also maßgeblich, durch die Auswirkungen ihrer Entscheidung, Einfluss auf die Aktienmärkte.

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Mittel- und langfristig zeigt sich ein differenziertes, aber kein gegenteiliges Bild. Geldpolitische Entscheidungen der Notenbank sind aus dreierlei Gründen prägend für den Kapitalmarkt

  • sie beeinflussen in direkter Art und Weise die wirtschaftlichen Aussichten von Marktteilnehmern
  • sie beeinflussen die Renditeaussichten existenten Kapitals
  • sie beeinflussen realwirtschaftliche Preise indirekt, durch inflationsverändernde Maßnahmen

Dabei wäre der Gedanke, dass ein niedriger Leitzins automatisch in höheren Aktienkursen resultiert, zu simpel und faktisch falsch. Statistisch zeigt sich sogar, dass die Kapitalmärkte ausgesprochen gute Renditen in Zeiten von regelmäßigen Zinserhöhungen abliefern - zumindest mittelfristig. Der Grund dafür ist, dass Leitzinserhöhungen nur dann stattfinden, wenn sowohl der Arbeitsmarkt intakt ist als auch die Gesamtwirtschaft wächst. Rendite entsteht dann also durch ein positives wirtschaftliches Umfeld.

Ebenso können Aktienkurse, dann aus anderen Gründen, im Niedrigzinsumfeld oder bei einem Zinsentscheid, mit dem die Zinsen gesenkt werden, steigen. Dafür sind vor allem zwei Gründe verantwortlich. Einerseits erleichtert ein niedriger Leitzins die Fremdfinanzierung. Das betrifft vor allem Unternehmen, die sich günstig Geld leihen, mit diesem wirtschaften und aufgrund niedriger Zinsen eine höhere Marge generieren. Privatverbraucher spielen aber ebenso eine Rolle, denn diese können sich durch günstige Finanzierungskonditionen Anschaffungen und Verschuldung leisten, was wiederum den Konsum hochtreibt, wovon wiederum Unternehmen profitieren.

Simultan führt ein niedriger Leitzins zwangsläufig dazu, dass mehr Geld im Umlauf ist, da sich dieses zu leihen eben so günstig ist. Ein niedriger Leitzins kommt also mit dem Symptom einer gesteigerten Inflation daher. Weitere Maßnahmen aus dem Instrumentenkasten des Quantitative Easings können diesen Effekt verstärken, beispielsweise Helikoptergeld oder Anleihenkäufe (Tapering). Rückläufig wäre solch ein Effekt erst dann, wenn der Leitzins wieder angehoben wird. Insbesondere bei Krediten mit flexiblen Konditionen steigen die Kreditkosten und damit verbundene Rückzahlungen, Menschen haben also weniger Geld für Konsum über und müssen mehr Kapital zur Schuldentilgung aufwenden. Gleichermaßen müssen Unternehmen strikter kalkulieren, da Fremdkapital mit höherem Leitzins teurer ist und so die Marge (die Gewinnaussichten) verringert.

Die Gefahr einer Leitzinsanhebung

Leitzinsen anzuheben ist eine Entscheidung, die sich die FED (und andere Notenbanken) nicht leicht macht. Sie hat sowohl realökonomische Folgen als auch Einfluss auf den Kapitalmarkt, der wiederum auch realökonomische Effekte auslöst.

Die größte Gefahr, die von einer (zu schnellen) Leitzinsanhebung ausgeht, ist das "Abwürgen" des Wachstums. Werden Unternehmen und Haushalte durch steigende Zinsen zu schnell zu stark belastet, treten beide kürzer. Haushalte sparen mehr und tilgen stärker Schulden, Unternehmen nehmen beispielsweise Personalkürzungen vor oder lassen Lohnerhöhungsrunden aus. In beiden Fällen besteht die Gefahr eines Rückgangs der Wirtschaft, schlimmstenfalls mit einer steigenden Arbeitslosenquote.

Gleichermaßen muss die Notenbank die gegenteilige Gefahr, nämlich die einer zu starken Inflation, abwiegen. Außerdem ist es im Interesse der Notenbank für den Ernstfall, also eine ökonomische Krise, weiterhin das Instrument der Zinssenkung nutzen zu können - was nur funktioniert, wenn sie nicht schon vorher auf dem Nullpunkt sind.

Die aktuelle Situation: das TINA-Prinzip

Speziell in der heutigen Zeit sind FED-Entscheidungen für den Kapitalmarkt von besonderer Wichtigkeit. Im Zuge der Bekämpfung der Auswirkungen der Corona-Pandemie reduzierte die Notenbank nicht nur den Leitzins, nachdem dieser bis 2018 sukzessive angehoben wurde, sondern etablierte auch ein umfassendes Anleihenkaufprogramm, über welches wiederum politische Maßnahmen, wie die Stimulus-Checks in den USA, finanziert wurden.

Im Ergebnis dieser Entscheidungen steht eine erhebliche Geldmengenvermehrung gepaart mit realwirtschaftlich hoher Inflation von zuletzt rund 7 %. Hier kommt das für viele Anleger so wichtige TINA-Prinzip ins Spiel. TINA steht kurz für "there is no alternative". Gemeint ist damit, dass Geldanlagen in Aktien, ETFs und andere renditegenerierende Assets alternativlos geworden sind, da die Kaufkraft des Kapitals anderenfalls stetig rückläufig ist.

Mit quasi non-existenten Renditen auf dem Anleihenmarkt, Tagesgeld- und Girokonto, sehen sich Anleger gezwungen überall da Rendite zu suchen, wo sie zumindest theoretisch noch existiert. Das sind speziell Aktien und damit auch ETFs, aber beispielsweise auch Immobilien, Private Equity oder Kryptowährungen. Deshalb kommt jedem Zinsentscheid eine besondere Bedeutung zu. Solange die Zinsen nicht angehoben werden und Geld weiterhin günstig bleibt, wird auch die Inflation kaum rückläufig sein. Gleichermaßen lässt sich aufgrund günstiger Finanzierungskosten Rendite über Fremdkapital generieren.

Eine Umkehr dieses Mechanismus wird frühestens mit einer deutlichen Anhebung des Leitzinses stattfinden - muss sie aber nicht unbedingt. Die Inflation erfolgreich zu bekämpfen, kann für den Aktienmarkt ebenso vorteilhaft sein. Insbesondere, wenn simultan die Wirtschaft konsequent wächst und sich der Arbeitsmarkt der Vollbeschäftigung annähert.

In der aktuellen Situation bleibt die Notenbank aber weiterhin der wichtigste Taktgeber des Kapitalmarktes. Speziell deshalb sieht diese sich gezwungen, mit größter Vorsicht vorzugehen. Ein Rückzug von viel Kapital aus dem Markt würde gleichbedeutend mit einem Investitionsrückgang und damit ausbleibendem Wachstum sein. Simultan muss die Notenbank die Märkte wieder daran gewöhnen, auf eigenen Beinen zu stehen.

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