ETFs: Europa-Aktien stark gekauft – Chancen für Anleger?
Europas ETF-Markt im Aufwind: €6,3 Mrd. flossen 2024 in Aktien-ETFs, Marktanteil bei 30%. Günstigere Bewertungen vs. USA, Zinssenkungsfantasie der EZB & Suche nach Diversifikation sind Treiber. Erfahren Sie mehr über die Hintergründe, beliebte ETFs & Sektoren.

Der europäische ETF-Markt im Aufwind – Was steckt dahinter?
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Allein im Jahr 2024 flossen netto rund 6,5 Milliarden Euro in europäische Aktien-ETFs. Das ist zwar immer noch weniger als die beeindruckenden 38 Milliarden Euro, die in US-Aktien-ETFs investiert wurden, aber der Trend ist unverkennbar. Der Marktanteil europäischer ETFs an den gesamten Aktien-ETF-Zuflüssen ist auf knapp 30 % gestiegen. Das Interesse ist also real und wächst.
Was treibt diesen Wandel an? Es ist eine Mischung aus wirtschaftlichen Faktoren, Bewertungen und einer gewissen Sättigung bei den bisherigen Favoriten. Viele Anleger suchen nach Diversifikation und finden sie nun wieder verstärkt vor der eigenen Haustür.
Günstige Bewertungen locken Investoren an
Einer der Hauptgründe für das neu erwachte Interesse an europäischen Aktien ist die Bewertung. Anfang 2025 waren europäische Aktien im Schnitt rund 41 % günstiger bewertet als ihre Pendants in den USA. Das ist eine erhebliche Differenz, vor allem wenn man bedenkt, dass der historische Bewertungsabschlag Europas "nur" bei etwa 16 % liegt. Klar, günstig allein ist kein Kaufgrund, aber wenn die Fundamentaldaten stimmen, ist eine attraktive Bewertung ein starkes Argument.
Dieser Bewertungsunterschied bietet potenziell mehr Spielraum für Kurssteigerungen, sollte sich die wirtschaftliche Lage in Europa weiter aufhellen oder die US-Märkte eine Korrektur erfahren. Viele sehen hier schlichtweg mehr 'Value for Money' als bei den oft schon sehr hoch bewerteten US-Titeln.
Zinswende und Konjunkturhoffnung: Rückenwind für Europa?
Die Geldpolitik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Während die US-Notenbank Fed noch zögert, hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits signalisiert oder sogar erste Schritte unternommen, die Leitzinsen zu senken. Niedrigere Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Konsumenten und können so die Wirtschaft ankurbeln. Das schürt die Hoffnung auf eine bessere konjunkturelle Entwicklung in der Eurozone.
Parallel dazu hat sich die Konsumstimmung in Europa zuletzt leicht verbessert – ein zartes Pflänzchen der Hoffnung, das aber von Investoren wahrgenommen wird. Die Kombination aus potenziell sinkenden Zinsen und einer sich (hoffentlich) stabilisierenden Wirtschaft macht europäische Aktien attraktiver.


Welche Europa-ETFs stehen im Rampenlicht?
Wenn Anleger auf Europa setzen, dann meist über breit gestreute Indexfonds. Besonders beliebt sind ETFs, die große, etablierte Indizes abbilden. Hier sind einige der Favoriten:
- Amundi STOXX Europe 600 UCITS ETF: Dieser ETF ist ein echter Riese mit einem Fondsvolumen von über 10 Milliarden Euro. Er bildet den STOXX Europe 600 Index ab, der 600 der größten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern umfasst. Mit einer Gesamtkostenquote (TER) von nur 0,07 % pro Jahr ist er zudem sehr günstig.
- iShares MSCI Europe UCITS ETF: Eine weitere beliebte Wahl, die den MSCI Europe Index nachbildet. Dieser Index deckt etwa 85 % der Marktkapitalisierung in den entwickelten europäischen Ländern ab. Auch hier sind die Kosten meist wettbewerbsfähig.
- Xtrackers DAX UCITS ETF: Für Anleger, die gezielter auf den deutschen Markt setzen wollen, bleibt der DAX-ETF eine Kernkomponente. Er bildet die Wertentwicklung der 40 größten deutschen Unternehmen ab.
- Amundi MSCI EMU UCITS ETF: Dieser ETF konzentriert sich auf die Eurozone und bildet den MSCI EMU Index ab, der Large- und Mid-Cap-Aktien aus den Ländern der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion umfasst.
Die Wahl des richtigen Index hängt von deiner Strategie ab. Der STOXX Europe 600 und der MSCI Europe bieten eine sehr breite Streuung über verschiedene Länder (inklusive UK und Schweiz), während der MSCI EMU sich auf die Euro-Länder konzentriert und der DAX einen spezifischen Länderschwerpunkt setzt.
Blick auf die Sektoren: Wo fließt das Geld hin?
Innerhalb Europas gibt es klare Sektoren-Favoriten. Besonders im Fokus stehen derzeit:
- Industrie: Dieser Sektor macht oft einen erheblichen Anteil in breit gestreuten Europa-ETFs aus (teilweise bis zu 29 %). Ein Treiber hier sind die erwarteten steigenden Verteidigungsausgaben vieler europäischer Länder, die von rund 2 % auf bis zu 3 % des Bruttoinlandsprodukts anwachsen könnten. Davon profitieren Rüstungs- und Industrieunternehmen.
- Finanzen: Banken und Versicherungen (oft über 10 % Anteil) könnten von einem verbesserten Zinsumfeld und steigenden Kreditvergaben profitieren. Nach Jahren der Zurückhaltung sehen einige Analysten hier Nachholpotenzial.
- Technologie und Gesundheitswesen: Auch wenn Europa nicht die Tech-Giganten der USA hat, gibt es hier global führende Unternehmen. Namen wie ASML (Halbleiterausrüstung) oder SAP (Software) im Tech-Bereich sowie Novo Nordisk (Pharma/Gesundheit) sind oft Top-Positionen in europäischen Indizes und ziehen entsprechend Investorengelder an.
Diese Sektoren spiegeln eine Mischung aus zyklischen Hoffnungen (Industrie, Finanzen) und defensiven Qualitäten mit globaler Reichweite (Gesundheit, Technologie) wider.
Europa vs. Rest der Welt: Ein Performance-Vergleich
Wie schneiden Europa-ETFs im globalen Vergleich ab? Wie erwähnt, sind die Zuflüsse in US-ETFs immer noch deutlich höher (37,6 Mrd. Euro vs. 6,3 Mrd. Euro für Europa in 2024). Die USA bleiben der größte und liquideste Aktienmarkt der Welt. Auch die Performance der US-Indizes war in den letzten Jahren oft stärker, getrieben vom Technologiesektor.
Allerdings bedeutet das nicht, dass Europa uninteressant ist. Die steigenden Zuflüsse zeigen, dass eine Diversifizierung weg von einer reinen US-Konzentration stattfindet. Anleger scheinen die Chancen in Europa neu zu bewerten. Der gestiegene Marktanteil von fast 30 % bei den Nettozuflüssen ist ein klares Signal, dass Europa wieder auf dem Radar ist – nicht unbedingt als Ersatz für die USA, aber als wichtige Ergänzung im globalen Portfolio.
Kosten im Check: Was zahlst du für Europa-ETFs?
Ein großer Vorteil von ETFs sind die geringen Kosten. Das gilt auch für Europa-ETFs. Die Gesamtkostenquote (TER) für breit gestreute europäische Indizes liegt typischerweise in einem sehr attraktiven Bereich:
- Die günstigsten ETFs auf Indizes wie den FTSE Developed Europe oder den STOXX Europe 600 starten bei einer TER von nur **0,05 % bis 0,07 % pro Jahr**.
- Selbst für spezialisiertere Indizes oder ETFs mit bestimmten Merkmalen (z.B. ESG-Filter) liegen die Kosten oft nur bei **0,15 % bis 0,30 % p.a.**
Besonders physisch replizierende ETFs (die die Aktien im Index tatsächlich kaufen) auf große Indizes wie den Euro Stoxx 50 oder den STOXX Europe 600 sind oft extrem günstig. Achte bei der Auswahl nicht nur auf die TER, sondern auch auf die Tracking Difference und die Liquidität (Spread beim Handel).
Risiken und Nebenwirkungen: Nicht alles Gold, was glänzt
Trotz der positiven Argumente solltest du die Risiken nicht ausblenden. Ein Investment in europäische Aktien ist kein Selbstläufer:
- Konjunkturabhängigkeit: Die europäische Wirtschaft ist stark exportorientiert und hängt von der globalen Nachfrage ab. Eine weltweite Konjunkturabkühlung würde Europa empfindlich treffen.
- Politische Unsicherheiten: Die EU ist ein komplexes Gebilde mit unterschiedlichen nationalen Interessen. Politische Entscheidungen, Wahlen oder geopolitische Spannungen (wie der Krieg in der Ukraine) können die Märkte belasten. So verzeichneten beispielsweise deutsche und britische Large-Cap-ETFs 2024 trotz des allgemeinen Trends teilweise Abflüsse, was auf länderspezifische Sorgen hindeutet.
- Strukturelle Herausforderungen: Themen wie Demografie, Bürokratie und die im Vergleich zu den USA langsamere Digitalisierung bleiben langfristige Herausforderungen für den Kontinent.
- Branchenkonzentration: Auch wenn Indizes wie der STOXX 600 breit sind, können Sektor- oder Themen-ETFs eine hohe Konzentration auf wenige Titel aufweisen. Teilweise entfallen 50 % des Gewichts auf nur 10 Positionen, was das Risiko erhöht.
- Währungsrisiko: Wenn du in Euro investierst, aber der ETF Aktien aus Ländern außerhalb der Eurozone (z.B. Schweiz, UK, Schweden) hält, besteht ein Währungsrisiko.
Eine Investition sollte immer im Kontext deines persönlichen Risikoprofils und Anlagehorizonts erfolgen.
Für wen eignen sich Europa-ETFs?
Europa-ETFs sind eine sinnvolle Ergänzung für fast jedes breit aufgestellte Portfolio. Sie eignen sich besonders für:
- Langfristige Anleger: Wer einen Anlagehorizont von mehreren Jahren (idealweise 10+) hat, kann von den potenziellen Vorteilen der europäischen Märkte profitieren und kurzfristige Schwankungen aussitzen.
- Diversifikations-Suchende: Wenn dein Portfolio bisher sehr US-lastig ist, bieten Europa-ETFs eine gute Möglichkeit zur geografischen Streuung und zur Reduzierung des Klumpenrisikos.
- Kostenbewusste Investoren: Dank der niedrigen TERs sind Europa-ETFs eine sehr effiziente Möglichkeit, am europäischen Aktienmarkt teilzuhaben.
- Sparplan-Nutzer: Viele der großen Europa-ETFs sind bei Online-Brokern sparplanfähig, oft schon ab kleinen Beträgen wie 25 Euro pro Monat. Das ermöglicht einen einfachen und regelmäßigen Vermögensaufbau.
ETFs wie der Lyxor Core EURO STOXX 50 (TER: 0,07 %) oder der bereits genannte Amundi STOXX Europe 600 sind klassische Basisinvestments für den europäischen Teil eines Portfolios.
So investierst du: Handelsplätze und Sparpläne
Der Zugang zu Europa-ETFs ist denkbar einfach. Die meisten Online-Broker bieten eine breite Auswahl an. Gehandelt werden sie hauptsächlich über elektronische Börsenplätze:
- Xetra (Deutsche Börse): Dies ist der wichtigste Handelsplatz für ETFs in Deutschland und Europa. Hier findest du die größte Auswahl (über 1.500 ETFs) und in der Regel die höchste Liquidität, was zu engen Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) führt. Das monatliche Handelsvolumen auf Xetra liegt oft bei über 11 Milliarden Euro.
- Andere Börsen: ETFs können auch an anderen Börsen wie Stuttgart, Tradegate oder Gettex gehandelt werden, manchmal mit anderen Handelszeiten oder Gebührenmodellen.
Wie erwähnt, sind ETF-Sparpläne eine sehr beliebte Methode, um regelmäßig und automatisiert zu investieren. Du legst einen festen Betrag fest (z.B. 100 Euro pro Monat), und der Broker kauft dafür Anteile des gewählten Europa-ETFs. Das nutzt den Cost-Average-Effekt und nimmt die Emotionen aus der Kaufentscheidung.
Ausblick: Was bringt die Zukunft für Europa-ETFs?
Der europäische ETF-Markt ist dynamisch und entwickelt sich weiter. Einige Trends zeichnen sich ab:
- Wachstum bei Aktiven ETFs: Obwohl passive Index-ETFs dominieren, gewinnen aktiv verwaltete ETFs an Beliebtheit. Die Zuflüsse in diesem Segment haben sich 2024 auf über 19 Milliarden Euro fast verdreifacht. Sie versuchen, den Markt durch gezielte Aktienauswahl zu schlagen, haben aber meist höhere Kosten.
- Thematische Investments: Neben breiten Markt-ETFs werden auch Themen-ETFs stärker nachgefragt, die auf spezifische Trends wie Saubere Energie (Clean Energy), Künstliche Intelligenz (AI) oder Cybersicherheit setzen. Auch hier gibt es europäische Varianten.
- ESG-Fokus (mit Herausforderungen): Nachhaltige Geldanlagen (ESG) bleiben ein wichtiges Thema. Allerdings haben neue, strengere Reporting-Vorschriften in der EU zuletzt das Wachstum bei ESG-ETFs etwas gebremst (Zuflüsse -24 % im Vergleich zum Vorjahr). Dennoch bleibt das verwaltete Vermögen in europäischen ETFs insgesamt auf Rekordniveau (über 2,1 Billionen Euro).
Die Frage wird sein, ob Europa seine aktuelle relative Attraktivität aufrechterhalten kann und ob die erhoffte wirtschaftliche Erholung tatsächlich eintritt.
Fazit: Europa ist zurück auf der Investment-Landkarte
Die verstärkten Käufe von Europa-Aktien-ETFs sind kein Zufall. Sie basieren auf handfesten Argumenten wie der attraktiveren Bewertung im Vergleich zu den USA, der Hoffnung auf sinkende Zinsen und der Stärke in bestimmten Sektoren. Für dich als Anleger bieten Europa-ETFs eine kostengünstige und breit gestreute Möglichkeit, von diesen Entwicklungen zu profitieren und dein Portfolio geografisch besser zu diversifizieren.
Natürlich bleiben Risiken bestehen, und niemand kann garantieren, dass Europa die USA in den nächsten Jahren outperformen wird. Aber die aktuellen Signale deuten darauf hin, dass der alte Kontinent wieder eine wichtigere Rolle in den globalen Anlagestrategien spielt.
Wenn du überlegst, dein Engagement in Europa zu erhöhen, informiere dich gründlich über die verschiedenen Indizes und ETFs. Achte auf Kosten, Replikationsmethode und Streuung. Und wie immer gilt: Investiere nur Geld, das du langfristig nicht benötigst.
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