Tradegate: Die Berliner Wertpapierbörse für Privataufträge

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Handelst Du bei einem Online-Broker mit Aktien oder ETFs, wird Dir vielleicht schon der Handelsplatz Tradegate begegnet sein. Es handelt sich um eine Wertpapierbörse für Privataufträge. Möchtest Du dort handeln, solltest Du Öffnungszeiten, Handelszeiten, aber auch Vorteile und Nachteile kennen.

Tradegate: Die Berliner Wertpapierbörse für Privataufträge

Stand: Juli 2026. Handelst Du bei einem Online-Broker mit Aktien oder ETFs, ist Dir der Handelsplatz Tradegate vermutlich schon begegnet. Seit dem 1. Januar 2026 firmiert er offiziell als Tradegate Berlin Stock Exchange (kurz Tradegate BSX) – entstanden aus der Fusion der bisherigen Tradegate Exchange mit der traditionsreichen Börse Berlin. Im Alltag sprechen Broker und Anleger weiterhin schlicht von „Tradegate“. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Handelsplatz funktioniert, welche Handelszeiten gelten und welche Vor- und Nachteile Du kennen solltest.

Was ist Tradegate?

Tradegate ist eine elektronische Wertpapierbörse mit Sitz in Berlin, die sich auf Aufträge von Privatanlegern spezialisiert hat. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 2001 zurück, als in Deutschland das erste elektronische außerbörsliche Handelssystem startete. 2009 erhielt die Tradegate Exchange GmbH ihre Börsengenehmigung, der erste Handelstag war der 4. Januar 2010. Zum 1. Januar 2026 wurden die Tradegate Exchange und die Börse Berlin zur Tradegate Berlin Stock Exchange zusammengeführt; die parallelen Orderbücher und der Regulierte Markt der Börse Berlin gingen dabei im gemeinsamen Handelsplatz auf.

Als Privatanleger handelst Du nicht direkt an der Börse, sondern über einen Online-Broker oder eine Direktbank, die Tradegate als Handelsplatz anbietet. Möchtest Du dort handeln, solltest Du die Handels- und Öffnungszeiten kennen. Du kannst eine Order aber auch außerhalb der Handelszeiten platzieren – sie wird dann zum nächsten möglichen Zeitpunkt ausgeführt.

Trägergesellschaft ist weiterhin die Tradegate Exchange GmbH. Die Anteile halten die Deutsche Börse Group (rund 42,84 Prozent), die Tradegate AG Wertpapierhandelsbank (rund 42,84 Prozent) sowie der Verein Börsenplatz Berlin e.V. (rund 14,32 Prozent).

Elektronischer Wertpapierhandel mit Börsengenehmigung

Tradegate ist ein Geregelter Markt im Sinne der EU-Finanzmarktrichtlinie (MiFID II) und unterliegt dem deutschen Börsengesetz. Beaufsichtigt wird der Handelsplatz durch die Berliner Börsenaufsicht sowie eine unabhängige Handelsüberwachungsstelle. Für Dich als Anleger bedeutet das Transparenz und geregelte Abläufe – anders als bei rein außerbörslichen Systemen ohne Börsenstatus.

Die 2009 erteilte Börsengenehmigung war seit der Genehmigung für die Börse Stuttgart im Jahr 1861 die erste neu vergebene Börsenlizenz in Deutschland. Tradegate war zudem die erste Börse, die den Ordertyp „Quote-Request“ anbot, mit dem Anleger vor der Ausführung ein verbindliches Kursangebot einholen können.

Handeln bei Tradegate über Online-Broker

Du kannst Tradegate bei zahlreichen Online-Brokern und Direktbanken als Handelsplatz auswählen. Der Handel ist unter anderem über folgende Anbieter möglich:

Im Juni 2024 startete außerdem der Broker tradegate.direct, der einen gebührenfreien Handel unmittelbar an der Tradegate-Börse anbietet und Privatanlegern damit eine kosteneffiziente Alternative eröffnet.

Wichtig zur Einordnung: Nicht jeder Neobroker leitet Orders automatisch an Tradegate. Trade Republic hat seine Infrastruktur 2026 umgebaut und bietet Zugang zu mehreren Handelsplätzen; historisch wurde vor allem über die LS Exchange (Lang & Schwarz) gehandelt. Scalable Capital nutzt schwerpunktmäßig Gettex sowie seit Ende 2024 die eigene Börse EIX. Welcher Handelsplatz für Dich verfügbar ist, hängt also vom jeweiligen Broker ab – ein Blick in die Handelsplatzauswahl Deines Depots lohnt sich.

Wertpapierhandel für Privatanleger als Hauptgeschäftsfeld

Der Handel für Privatanleger ist das Hauptgeschäftsfeld von Tradegate. Aktiv sind mehr als 30 Handelsteilnehmer aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Großbritannien. Insgesamt sind über den Handelsplatz mehr als 23.000 Wertpapiere handelbar, darunter unter anderem:

  • rund 4.100 Aktien
  • rund 2.400 Anleihen
  • rund 2.000 Investmentfonds
  • rund 1.700 ETPs (börsengehandelte Produkte)

Unter den ETPs machen die ETFs den Hauptanteil aus; daneben werden ETNs (Exchange Traded Notes) und ETCs (Exchange Traded Commodities) gehandelt. Es fallen keine börsenplatzabhängigen Entgelte oder Courtagen an; der Handelsplatz verdient über den Spread zwischen Geld- und Briefkurs. Ein Nachteil kann sein, dass die Auswahl bei sehr speziellen Titeln kleiner ist als an den großen Referenzbörsen. Dem stehen die schnelle Ausführung und die günstige Kostenstruktur gegenüber.

Neben einfachen Orders, die bei passendem Gegenstück ausgeführt werden, stehen spezielle Ordertypen zur Verfügung:

  • Trailing-Stop-Limit: Der Stop-Kurs hält einen festen Abstand zum aktuellen Kurs und wird bei günstiger Entwicklung automatisch nachgezogen.
  • One-Cancels-Other: Kombination aus Stop-Loss und Verkaufslimit – wird ein Teil ausgeführt, verfällt der andere.
  • All or None: vermeidet Teilausführungen – es wird entweder die komplette Stückzahl oder gar nichts ausgeführt. Solche Orders haben eine geringere Priorität und werden nicht immer bedient.

Handelszeiten bei Tradegate

Tradegate zeichnet sich durch besonders lange Handelszeiten aus. Von Montag bis Freitag wird börsentäglich von 07:30 bis 22:00 Uhr gehandelt, an über 250 Handelstagen im Jahr und auch an vielen Feiertagen. Das geht deutlich über die Kernzeiten der meisten anderen Börsen hinaus und ermöglicht eine flexible Orderausführung – etwa als Reaktion auf US-Handelsimpulse am Abend.

Dabei gelten je nach Wertpapierart unterschiedliche Zeiten: Aktien und ETPs werden über die volle Zeitspanne gehandelt, Anleihen und Fonds in einem etwas engeren Fenster. An Wochenenden sowie an handelsfreien Tagen – dazu zählen bestimmte Feiertage sowie Heiligabend und Silvester – findet kein Handel statt. Zum Vergleich: Die Referenzbörse Xetra ist nur von Montag bis Freitag zwischen 09:00 und 17:30 Uhr geöffnet.

Tradegate im Vergleich: Vor- und Nachteile

Tradegate informiert auf seiner Webseite laufend über Kurse – auch außerhalb der Handelszeiten und mobil. So verschaffst Du Dir jederzeit einen Überblick und kannst während der Handelszeiten schnell auf Kursbewegungen reagieren. Zu den wichtigsten Vorteilen zählen:

  • lange Handelszeiten von 07:30 bis 22:00 Uhr
  • viele Orderzusätze und -arten zur präzisen Steuerung
  • günstige Kosten, da auf Maklergebühren verzichtet wird
  • vollständig elektronische Abwicklung und dadurch schnelle Ausführung
  • Zeitstempel für jede Order (Bearbeitung in Eingangsreihenfolge)
  • hohe Liquidität im Orderbuch, insbesondere bei den meistgehandelten Titeln
  • Handel aller Wertpapierarten, einschließlich Nebenwerten

Dem stehen einige Nachteile gegenüber, die Du ehrlich einkalkulieren solltest: Da das Handelsvolumen kleiner ist als an den großen Referenzbörsen, kann es bei wenig liquiden Titeln zu einer Spreadausweitung kommen, die Stopps auslöst. Außerhalb der Xetra-Kernzeiten – also früh morgens und am Abend – sind Spreads tendenziell breiter und Ausführungskurse ungünstiger. Zudem tritt Tradegate über verbundene Market Maker selbst als Handelspartner auf. Das ist marktüblich, kann aber einen Interessenkonflikt bedeuten. Für größere Orders und weniger liquide ETFs lohnt daher oft der Vergleich mit Xetra während der Kernhandelszeit. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest Du in unserem Ratgeber Xetra oder Tradegate.

Tradegate beliebt bei Nebenwerten

Beim Handel mit Nebenwerten (Small Caps) ist Tradegate häufig attraktiv. Illiquide Aktien werden an den großen Börsen wie an Tradegate nur unregelmäßig gehandelt, weshalb sich ein Vergleich der Geld- und Briefkurse über die Handelsplatzauswahl Deines Brokers lohnt. Nicht selten sind die Kurse bei Tradegate günstiger als an Xetra – bei Small Caps kann das eine spürbare Zusatzrendite bedeuten. Größere Aufträge lassen sich zudem splitten, um bessere Durchschnittskurse zu erzielen.

Orderausführung bei Tradegate

Ein zentraler Vorteil von Tradegate ist die schnelle Orderausführung. Eine unlimitierte Order kann nahezu in Echtzeit ausgeführt werden – gerade bei hoher Volatilität entscheidend, wenn Sekunden über Gewinn oder Verlust bestimmen. Anders als an Xetra, wo bei Überschreiten bestimmter Volatilitätsschwellen Handelspausen mit anschließender Auktion eingelegt werden, werden Orders bei Tradegate meist auch in volatilen Phasen weiter ausgeführt. So kannst Du schnell auf kursrelevante Nachrichten reagieren.

Wie wichtig der Handelsplatz für Privatanleger ist, zeigt das Volumen: 2025 erreichte Tradegate ein Rekord-Handelsvolumen von rund 447,6 Milliarden Euro (2024: rund 334,5 Milliarden Euro) – ein Marktanteil von über 40 Prozent im deutschen Privatanlegerhandel. Die hohe Liquidität des Orderbuchs trägt wesentlich dazu bei, dass Orders schnell und zu wettbewerbsfähigen Preisen ausgeführt werden.

PFOF-Verbot 2026: Was sich für Anleger ändert

Seit dem 1. Juli 2026 ist in der EU das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF) vollständig verboten – also die Praxis, dass Broker Zahlungen dafür erhalten, Kundenorders an bestimmte Handelsplätze oder Market Maker weiterzuleiten. Betroffen ist vor allem das Geschäftsmodell einiger Neobroker. Für Dich als Anleger heißt das: Die Weiterleitung von Orders muss künftig an der bestmöglichen Ausführung ausgerichtet sein, nicht an Rückvergütungen. Viele Broker haben ihre Ertragsquellen bereits über Jahre umgestellt, sodass kurzfristig keine großen Preissprünge zu erwarten sind – ein bewusster Blick auf Ausführungsqualität und Handelsplatzauswahl bleibt aber sinnvoll.

Fazit: Schnelle Ausführung und lange Handelszeiten

Tradegate – seit 2026 offiziell Tradegate Berlin Stock Exchange – ist eine elektronische Wertpapierbörse mit Sitz in Berlin, die sich auf Aufträge von Privatanlegern spezialisiert hat. Ihre Stärken sind die schnelle Ausführung, die langen Handelszeiten von 07:30 bis 22:00 Uhr und eine breite Auswahl an Ordertypen bei günstiger Kostenstruktur. Nachteile können ungünstigere Ausführungskurse außerhalb der Xetra-Kernzeiten und breitere Spreads bei wenig liquiden Titeln sein. Für den Alltag gilt: Bei großen Orders und illiquiden ETFs lohnt der Kursvergleich mit Xetra; für flexibles Handeln am Rand der klassischen Börsenzeiten spielt Tradegate seine Stärken aus. Über verschiedene Ordertypen steuerst Du Deine Aufträge dabei präzise.


Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Beitrag sind Partnerlinks. Nutzt Du sie zur Depoteröffnung, erhalten wir ggf. eine Vergütung. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

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