Steigen die Aktien weiter? Die ehrliche Antwort
Steigen die Aktien weiter? Die ehrliche Antwort: Niemand weiß es. Warum das für langfristige Anleger auch gar nicht die entscheidende Frage ist – und was stattdessen wirklich zählt.
Die ehrliche Antwort vorweg
Steigen die Aktien weiter? Die kurze, ehrliche Antwort lautet: Niemand weiß es. Weder wir, noch die Bank um die Ecke, noch die Analysten großer Investmenthäuser können zuverlässig vorhersagen, wo die Kurse nächste Woche, nächsten Monat oder nächstes Jahr stehen. Wer dir etwas anderes verspricht, verkauft dir eine Illusion.
Das klingt zunächst ernüchternd. Doch die gute Nachricht ist: Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die Frage „steigen die Aktien weiter?" gar nicht die entscheidende. Viel wichtiger ist, wie du mit der Ungewissheit umgehst. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Warum niemand den Markt zuverlässig timen kann
Die Vorstellung, kurz vor einem Absturz zu verkaufen und kurz vor der Erholung wieder einzusteigen, ist verführerisch. In der Praxis scheitert sie fast immer, und zwar aus einem einfachen Grund: Wer erfolgreich timen will, muss zweimal richtig liegen. Einmal beim Ausstieg und einmal beim Wiedereinstieg. Schon eine falsche Entscheidung genügt, um die Rechnung zu ruinieren.
Besonders tückisch ist, dass die stärksten Börsentage oft unmittelbar auf die schwächsten folgen, mitten in der Panik, wenn die meisten längst ausgestiegen sind. Auswertungen der Kapitalmarktdaten zeigen, dass Anleger, die nur eine Handvoll der besten Börsentage über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten verpassen, ihre Gesamtrendite dramatisch schmälern. Wer aus Angst an der Seitenlinie steht, verpasst genau diese entscheidenden Tage.
Deshalb gilt an der Börse der alte Grundsatz: „Zeit im Markt schlägt das Timing des Marktes." Nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt entscheidet über den Anlageerfolg, sondern die Dauer und die Konsequenz, mit der man investiert bleibt.
Was die Geschichte tatsächlich zeigt
Statt in die unbekannte Zukunft zu blicken, lohnt der Blick zurück, auf verlässliche, langfristige Daten. Das Global Investment Returns Yearbook (heute von der UBS und der London Business School herausgegeben, zuvor von Credit Suisse) wertet die Wertentwicklung der Kapitalmärkte über 125 Jahre in dutzenden Ländern aus. Die zentralen Erkenntnisse:
- Langfristige reale Rendite: Global gestreute Aktien erzielten seit 1900 im Durchschnitt rund 5 % reale Rendite pro Jahr, also nach Abzug der Inflation. Nominal liegt der Wert höher. Anleihen und Bargeld lagen deutlich darunter (rund 1,7 % bzw. unter 1 % real). Aktien waren über lange Zeiträume die ertragreichste breite Anlageklasse.
- Langfristig positiv, kurzfristig ungewiss: Der US-Leitindex S&P 500 hat historisch über jeden rollierenden 20-Jahres-Zeitraum eine positive Rendite geliefert, auch über Zeiträume, die schwere Crashs und Krisen enthielten.
Wichtig: Diese Zahlen sind Durchschnittswerte über sehr lange Zeiträume und keine Garantie. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Doch sie zeigen ein robustes Muster, und dieses Muster entsteht nicht durch geschicktes Timing, sondern durch geduldiges Investiertbleiben.
Korrekturen und Crashs sind normal, nicht die Ausnahme
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Kursrückgänge seien Störungen im System. Tatsächlich sind sie ein völlig normaler Teil des Börsengeschehens. Rücksetzer von 10 % (Korrekturen) treten historisch etwa einmal pro Jahr auf, größere Bärenmärkte mit Verlusten von 20 % und mehr im Schnitt alle paar Jahre.
Wer langfristig investiert, muss solche Phasen zwangsläufig durchstehen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob es zu Rücksetzern kommt, sondern wie du darauf reagierst. Und hier gilt eine einfache Faustregel: Wenn dir Kursrückgänge um 10, 20 oder 30 % den Schlaf rauben, hast du wahrscheinlich zu viel Kapital in eine einzige Anlageklasse investiert. Dein Portfolio sollte so aufgestellt sein, dass du auch in stürmischen Zeiten ruhig schlafen kannst.
Was stattdessen wirklich funktioniert
Wenn Timing nicht funktioniert, was dann? Die Antwort ist unspektakulär, aber wirksam:
- Buy and hold: Breit gestreut investieren (etwa über einen weltweiten Aktien-ETF) und diese Position über viele Jahre halten, unabhängig von Schlagzeilen und Tagesprognosen.
- Sparplan statt Markt-Timing: Ein regelmäßiger ETF-Sparplan investiert automatisch feste Beträge in gleichmäßigen Abständen. So kaufst du in fallenden Phasen mehr Anteile und in steigenden weniger, der berühmte Durchschnittskosteneffekt. Vor allem aber nimmt dir der Sparplan die emotionale Entscheidung ab, den „richtigen" Zeitpunkt zu finden.
- Den Zinseszinseffekt arbeiten lassen: Über Jahrzehnte summieren sich Renditen und reinvestierte Erträge zu einem beeindruckenden Ergebnis. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Zinseszinseffekt.
- Liquiditätspuffer getrennt halten: Geld, das du in den nächsten Jahren brauchst, gehört nicht in Aktien, sondern auf ein Tagesgeldkonto oder Festgeld. So musst du in einer Krise nicht zu ungünstigen Kursen verkaufen.
Für den Einstieg brauchst du ein Wertpapierdepot. Anbieter wie Trade Republic oder Scalable Capital bieten kostenlose ETF-Sparpläne und niedrige Gebühren, ein sinnvoller Ausgangspunkt, um langfristig und diszipliniert zu investieren. Vergleiche die Konditionen in Ruhe und wähle das Angebot, das zu deiner Strategie passt.
Fazit: Die falsche Frage, die richtige Haltung
„Steigen die Aktien weiter?" ist letztlich die falsche Frage, weil sie niemand seriös beantworten kann. Die richtige Frage lautet: Bin ich so aufgestellt, dass ich die Ungewissheit aushalten kann?
Wer breit gestreut, langfristig und mit einem klaren Plan investiert, muss den nächsten Kursverlauf nicht vorhersagen. Die Geschichte der Kapitalmärkte belegt: Nicht das Timing macht Anleger erfolgreich, sondern Geduld, Disziplin und ein kühler Kopf in turbulenten Zeiten. Volatilität ist der Preis, den man für langfristige Renditen zahlt, kein Grund zur Panik, sondern ein normaler Teil des Wegs.
Stand: Juli 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Aktienmärkte unterliegen Kursschwankungen, Verluste bis zum Totalverlust sind möglich. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
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