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ETF ohne USA: Klumpenrisiko vermeiden

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ETFs ohne US-Beteiligung bieten Anlegern in Deutschland die Möglichkeit zur Diversifikation, indem sie das Klumpenrisiko des US-Marktes umgehen. Der Xtrackers MSCI World ex USA ETF ist ein Beispiel mit einer Gesamtkostenquote von 0,15%.

ETF ohne USA: Klumpenrisiko vermeiden

Stand: Juli 2026. Dieser Artikel wurde vollständig überarbeitet und die Produktdaten (ISIN, TER, Fondsgröße) zweiquellig über justETF und die jeweiligen Anbieter geprüft.

Warum ETFs ohne USA gerade jetzt ein Thema sind

Wer den Klassiker unter den Welt-ETFs kauft, hält vor allem eines: die USA. Im MSCI World, der 23 Industrieländer abbildet, machten US-Aktien Mitte 2026 rund 70 % des Index aus. Ein „Welt"-Portfolio ist also faktisch zu großen Teilen ein US-Portfolio. Wer dieses US-Klumpenrisiko reduzieren möchte, greift zunehmend zu ETFs, die die USA gezielt ausschließen.

Die Motive dahinter sind nachvollziehbar: hohe Bewertungen am US-Markt, die starke Konzentration auf wenige Technologiekonzerne und der Wunsch, nicht die eigene wirtschaftliche Zukunft an eine einzige Volkswirtschaft zu koppeln. Wichtig ist aber die ehrliche Einordnung: Die USA aktiv auszuschließen ist eine bewusste Wette gegen den mit Abstand größten Aktienmarkt der Welt – und der hat über viele Jahre stärker abgeschnitten als der Rest. Mehr dazu weiter unten.

Wie stark ist das US-Klumpenrisiko wirklich?

Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein Portfolio zu stark auf einzelne Länder, Branchen oder Unternehmen konzentriert ist. Beim MSCI World ist das durchaus gegeben:

  • US-Aktien machen im MSCI World rund 70 % aus.
  • Die zehn größten Einzelwerte kommen zusammen auf über 20 % des Index – überwiegend US-Technologiekonzerne.
  • Damit hängt die Wertentwicklung eines Welt-ETFs faktisch am Wohl und Wehe einiger weniger US-Unternehmen.

Wer diese Dominanz einzelner Aktien reduzieren will, kann entweder auf einen breiteren Welt-Index ausweichen, die Ländergewichtung deckeln – oder die USA konsequent aussparen. Wie der klassische Welt-Index im Detail aufgebaut ist, erklären wir im MSCI-World-ETF-Ratgeber.

Handelbare UCITS-ETFs ohne USA (Stand Juli 2026)

Die naheliegendste Lösung ist ein ETF auf den MSCI World ex USA. Dieser Index bildet dieselben Industrieländer wie der MSCI World ab – nur eben ohne die USA. Japan ist dann mit rund 20 % die größte Position, gefolgt von Großbritannien und Kanada (je rund 10 %) sowie Frankreich (rund 8 %). Zwei für deutsche Anleger real handelbare, thesaurierende UCITS-ETFs:

  • Xtrackers MSCI World ex USA UCITS ETF 1C – ISIN IE0006WW1TQ4, TER 0,15 % p. a., thesaurierend, aufgelegt im März 2024. Mit rund 5,9 Mrd. Euro Fondsvolumen der mit Abstand größte ETF auf diesen Index.
  • iShares MSCI World ex-USA UCITS ETF USD (Acc) – ISIN IE000R4ZNTN3, TER 0,15 % p. a., thesaurierend, aufgelegt im Januar 2025, Fondsvolumen rund 2,9 Mrd. Euro.

Beide bilden denselben Index (MSCI World ex USA) zu identischen laufenden Kosten ab. Der Xtrackers ist wegen der längeren Historie und des größeren Volumens etwas etablierter. Ein reines „ex-USA"-Produkt lässt allerdings die Schwellenländer weg – es ist ein Industrieländer-ohne-USA-ETF, kein echter Welt-ohne-USA-ETF.

Wer auch Schwellenländer abdecken will

Einen fertigen UCITS-ETF auf „All Country World ex USA" (Industrie- und Schwellenländer ohne USA) gibt es in Deutschland derzeit nicht in nennenswerter Größe. Wer die Welt ohne USA möglichst vollständig abbilden möchte, kombiniert deshalb zwei Bausteine:

  • iShares Core MSCI Europe UCITS ETF EUR (Dist) – ISIN IE00B1YZSC51, TER 0,12 % p. a. – als europäischer Schwerpunkt, oder alternativ der oben genannte World-ex-USA-ETF für alle Industrieländer außerhalb der USA.
  • iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF USD (Acc) – ISIN IE00BKM4GZ66, TER 0,18 % p. a. – für die Schwellenländer, mit rund 3.200 Titeln sehr breit gestreut.

Wer bei den Schwellenländern zusätzlich den hohen China-Anteil begrenzen möchte, findet Alternativen in unserem Überblick zu Emerging-Market-ETFs ohne China.


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Wie sinnvoll ist der Verzicht auf US-Aktien? Eine ehrliche Einordnung

So verlockend das Argument gegen das Klumpenrisiko klingt: Der Ausschluss der USA ist keine „sichere" Entscheidung, sondern eine aktive Abweichung vom Marktdurchschnitt. Dafür sprechen mehrere Punkte, die man kennen sollte.

Was für US-Aktien spricht

  1. Historische Rendite: Über die vergangenen rund 15 Jahre hat der US-Markt die meisten anderen Regionen deutlich geschlagen. Wer die USA ausschloss, verzichtete rückblickend auf Rendite.
  2. Innovationskraft: Große Technologie-, Software- und Biotech-Konzerne sitzen überwiegend in den USA – Branchen, die in Europa oder Japan schwächer vertreten sind.
  3. Tiefe und Liquidität: Der US-Kapitalmarkt ist der größte und liquideste der Welt.

Der Haken an der historischen Rendite: Vergangene Wertentwicklung ist keine Garantie für die Zukunft. Ein Teil der US-Outperformance stammt aus gestiegenen Bewertungen – und hohe Bewertungen sind zugleich das zentrale Gegenargument der ex-USA-Befürworter.

Was für ein geringeres US-Gewicht spricht

  • Bewertung: US-Aktien sind im historischen Vergleich und gegenüber anderen Regionen hoch bewertet. Niedrigere Einstiegsbewertungen in Europa oder Schwellenländern können langfristig höhere erwartete Renditen bedeuten.
  • Diversifikation: Ein geringeres US-Gewicht verteilt das Risiko auf mehr Volkswirtschaften und Währungen.
  • Rückkehr zum Mittelwert: Regionen wechseln sich historisch in der Führung ab. Jahrzehntelange US-Dominanz muss nicht ewig anhalten.

Ein Mittelweg statt Alles-oder-nichts

Für die meisten Anleger ist der Totalverzicht auf die USA zu radikal. Zwei pragmatische Alternativen:

  1. US-Gewicht senken statt streichen: Einen Welt-ETF mit einem World-ex-USA- oder Europa/EM-Baustein kombinieren und so das US-Gewicht z. B. von 70 % auf 40–50 % drücken.
  2. BIP-Gewichtung oder gedeckelte Indizes: ETFs, die Länder nach Wirtschaftsleistung gewichten oder Einzelpositionen deckeln, reduzieren das US-Übergewicht, ohne die USA ganz auszuschließen.

Grundlagen zum Aufbau eines breit gestreuten Depots findest du in unserem ETF-Einsteiger-Ratgeber.


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Der Xtrackers MSCI World ex USA im Detail

Als größter und günstigster ETF auf den MSCI World ex USA ist der Xtrackers ein guter Referenzpunkt. Er investiert in rund 750 Unternehmen aus den Industrieländern außerhalb der USA, wird thesaurierend geführt und bildet den Index physisch (per Vollreplikation) ab. Die folgende Kursentwicklung zeigt, wie sich der Fonds seit Auflage schlägt:

Ein Blick auf die Kennzahlen und die aktuelle Zusammensetzung:

Was diesen ETF attraktiv macht: breite Streuung über Japan, Europa, Kanada und weitere Industrieländer bei sehr niedrigen laufenden Kosten. Der Preis dafür ist der bewusste Verzicht auf die renditestarken US-Titel der vergangenen Jahre – eine Wette, die aufgehen kann, aber nicht muss.

Fazit: ETFs ohne USA als bewusste Entscheidung

ETFs ohne USA sind ein legitimes Werkzeug, um das US-Klumpenrisiko im Depot zu senken und stärker von Europa, Japan und den Schwellenländern zu profitieren. Mit dem Xtrackers und dem iShares World ex USA sowie der Kombination aus Europa- und EM-ETF stehen dafür günstige, in Deutschland handelbare UCITS-Produkte bereit.

Entscheidend ist die ehrliche Einordnung: Der Ausschluss der USA ist eine aktive Wette gegen den historisch stärksten Aktienmarkt. Wer das nicht komplett tun will, senkt das US-Gewicht besser schrittweise, statt es ganz zu streichen. In jedem Fall gilt: Die eigene Risikobereitschaft und der Anlagehorizont sollten die Entscheidung leiten – nicht kurzfristige Marktstimmungen.


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