Wie Börsencrashs entstehen – und wie ETFs sich dabei darstellen

Wenn du investierst, dann dürfte der Begriff Börsencrash sicherlich das größte Schreckgespenst sein. Schließlich haben wir alle zumindest vom schwarzen Donnerstag Ende Oktober 1929 gehört, vom schwarzen Montag Mitte Oktober 1987 oder vom rasanten Corona-Crash im Frühjahr 2020. Fest steht: Solche Crashs kommen nicht von ungefähr, sondern sind immer der Endpunkt verschiedenster Mechanismen. In diesem Ratgeber zeigen wir dir die Gründe berühmter Crashs, wie eine solche Katastrophe generell entsteht und welche Rolle ETFs dabei spielen. Vor allem aber beantworten wir die Frage, die dich als Sparplan-Anleger wirklich umtreibt: Was solltest du im Crash tun?
Stand: Juli 2026. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und enthält keine Prognose zur aktuellen Marktlage.
Das Wichtigste zuerst: Was tun im Börsencrash?
Die ehrliche Antwort ist unbequem, weil sie so wenig spektakulär ist: Für die allermeisten Anleger mit einem breit gestreuten Welt-ETF ist die beste Reaktion auf einen Crash, nichts Übereiltes zu tun – also weder in Panik zu verkaufen noch den Sparplan zu stoppen. Das klingt banal, ist aber die verhaltensökonomisch schwierigste Übung überhaupt, weil ein Crash gezielt deine Angst anspricht.
Die vier wichtigsten Punkte für einen kühlen Kopf:
- Nicht in Panik verkaufen. Wer im Crash verkauft, verwandelt einen Buchverlust in einen echten, endgültigen Verlust – und verpasst regelmäßig die stärksten Erholungstage, die oft direkt auf die schlimmsten Tage folgen.
- Sparplan durchhalten – ein Crash ist der Rabatt. Wenn die Kurse fallen, kaufst du mit derselben monatlichen Rate mehr Anteile. Genau das ist der Kern des Cost-Average-Effekts (Durchschnittskosteneffekt): In günstigen Phasen sammelst du automatisch mehr Anteile ein, die dann in der Erholung an Wert gewinnen.
- Kein Market-Timing. Niemand – auch kein Profi – kann verlässlich den Tiefpunkt vorhersagen. Wer auf den „perfekten Wiedereinstieg“ wartet, sitzt erfahrungsgemäß viel zu lange in bar und verpasst die Erholung.
- Nur mit Geld investieren, das du nicht kurzfristig brauchst. Ein breiter Welt-ETF ist ein Langfrist-Investment (10 Jahre und mehr). Ein solider Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto sorgt dafür, dass du im Crash nie gezwungen bist, zu Tiefstkursen zu verkaufen.
Historische Erholungen: Der Markt kam bislang immer zurück
Der wichtigste Grund, im Crash ruhig zu bleiben, ist ein Blick in die Vergangenheit. Kein einziger der großen Einbrüche der letzten Jahrzehnte war das endgültige Ende – ein breit gestreuter Aktienmarkt hat sich bisher aus jeder Krise wieder erholt. Zwei besonders lehrreiche Beispiele:
- Finanzkrise 2007–2009: Der US-Leitindex S&P 500 fiel von seinem Hoch im Oktober 2007 (rund 1.565 Punkte) bis zum Tief am 9. März 2009 (rund 676 Punkte) um etwa 57 Prozent. Sein altes Rekordniveau erreichte er nominal erst im April 2013 wieder – also nach rund fünfeinhalb Jahren. Wer durchhielt und weiter besparte, kaufte über Jahre zu Ausverkaufspreisen ein.
- Corona-Crash 2020: Der Weltaktienindex MSCI World verlor zwischen dem 12. Februar und dem 23. März 2020 rund 34 Prozent – und das in nur 23 Handelstagen, einem der schnellsten Abstürze der Geschichte. Doch schon nach rund fünf Monaten hatte der Markt sein Vorkrisenniveau wieder erreicht. Panikverkäufer im März realisierten schwere Verluste, während geduldige Sparplan-Anleger den Rückschlag bis zum Jahresende weitgehend aufgeholt hatten.
Die Lehre ist nicht, dass jede Erholung gleich schnell kommt – 2008 dauerte es Jahre, 2020 nur Monate. Die Lehre ist, dass ein breit gestreuter Welt-ETF historisch jede dieser Krisen überstanden hat, sofern der Anleger investiert blieb. Vergangene Wertentwicklungen sind allerdings keine Garantie für die Zukunft.
Vorsicht vor „Crash-Propheten“ und Short-Produkten
In und rund um jeden Abschwung tauchen zuverlässig Stimmen auf, die den „ganz großen Crash wie niemals zuvor“ ausrufen – oft verbunden mit dem Verkauf von Büchern, Kursen, Gold-Beteiligungen oder komplizierten Finanzprodukten. Sei hier skeptisch: Wer jedes Jahr den Untergang prophezeit, hat irgendwann statistisch recht, ohne dir damit geholfen zu haben.
Besonders vorsichtig solltest du bei gehebelten und Short-Produkten sein (etwa Short-ETFs, Faktor-Zertifikate oder gehebelte ETPs). Sie versprechen, im fallenden Markt zu verdienen, sind aber wegen ihrer täglichen Neugewichtung und Pfadabhängigkeit für langfristige Anleger ungeeignet und können bei falschem Timing dein Kapital sehr schnell aufzehren. Für den langfristigen Vermögensaufbau bleibt ein simpler, breiter Welt-ETF-Sparplan das robustere Werkzeug.
So kannst du einen Sparplan konkret umsetzen
Wer im Crash diszipliniert weiterbesparen will, braucht vor allem einen kostengünstigen Sparplan, den er einmal einrichtet und dann laufen lässt. Kostenlose oder sehr günstige ETF-Sparpläne bieten in Deutschland zum Beispiel Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital. Wichtiger als der Anbieter ist aber, dass du den einmal aufgesetzten Sparplan gerade in schwachen Börsenphasen konsequent durchziehst – denn genau dann arbeitet der Cost-Average-Effekt für dich.
Steuerlicher Hinweis am Rande: Für thesaurierende ETFs fällt in Deutschland die Vorabpauschale an. Der maßgebliche Basiszins für das Jahr 2026 wurde vom Bundesfinanzministerium auf 3,20 Prozent festgelegt (2025: 2,53 Prozent). Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) bleibt sie steuerfrei.
Wie Börsencrashs überhaupt entstehen
Der Börsencrash oder -krach bezeichnet immer ein distinktives Ereignis: Aus irgendeinem Grund sinken die Kurse an einem (oder wenigen aufeinanderfolgenden) Handelstagen stark ab. Beispielsweise könnten profilierte Anleger der Meinung sein, die Kurssteigerungen würden sich nicht mehr länger fortsetzen.
In der Folge werden Aktien im großen Stil abgestoßen, um Gewinne mitzunehmen. Das erzeugt unter anderen Anlegern Panik. Diese verkaufen ebenfalls. Ohne weitere Schutzmechanismen entsteht so in Zeiträumen von teilweise Minuten ein Schneeball. Er kann – das ist der Wesenskern eines echten Börsenkrachs – viele verschiedene Aktien betreffen und sich meist auf mehrere Börsen erstrecken, teils sogar weltweit.
Die Folgen sind immer ähnlich:
- Binnen kürzester Zeit werden Milliardensummen an Börsenwert vernichtet.
- Unternehmen geraten in Schwierigkeiten, weil ihre Aktien dramatisch an Wert verloren haben.
- Sparer wollen mitunter Geld von ihren Konten abheben. Dadurch kann die Bargeldmenge vieler Banken überschritten werden. Das erzeugt weitere Panik, weit über den Aktienhandel hinaus.
In der Folge kann ein Crash Länder und teilweise sogar die ganze Weltwirtschaft in eine tiefe Depression stürzen. Die diesbezüglich schwerste Krise bislang hatten die USA zu verkraften – und zu verantworten: In Folge des Börsencrashs von 1929 kam es dort zur sogenannten Great Depression, einer Zeit enormer Arbeitslosigkeit und zahlreicher anderer wirtschaftlicher Probleme. Sie dauerte in den USA faktisch bis zum Eintritt des Landes in den Zweiten Weltkrieg (Dezember 1941).
1637: Der Tulpencrash
Was an Börsen gehandelt wird und was dort in einer bestimmten Epoche besonders „trendig“ ist, muss nicht unbedingt etwas mit reellen Werten oder besonders „wichtigen“ Handelsgütern zu tun haben. Ein Gut hat immer denjenigen Wert, den Anleger ihm beimessen.
Angesichts dessen sollte es dich nicht verwundern, dass der erste große, gut dokumentierte Börsencrash der Geschichte keine wichtigen Konsumgüter zum Auslöser hatte, sondern buchstäblich Tulpen – oder besser: Tulpenzwiebeln.
Um 1569 herum gelangten die ersten Tulpen in die heutigen Niederlande. Zuvor waren sie im alten Persien und später im Osmanischen Reich kultiviert worden. Diese Pflanze war neu, hatte einen Hauch des Exotischen und benötigte sehr kundige Pflege. Dadurch fachte die Tulpe in Westeuropa eine völlig neue Art der Gartenkultur an und gewann rasch viele Anhänger.
In den Jahrzehnten bis zum Ende des 16. Jahrhunderts gab es in Nordwesteuropa keinen kommerziellen Handel mit Tulpenzwiebeln. Vielmehr fand ein reger Tauschhandel unter den Fans der Pflanze statt. Um den Wechsel zum 17. Jahrhundert herum stiegen dann die ersten Importeure und Zwischenhändler in das lukrative Geschäft ein.
Damit begannen in den Niederlanden knapp vier Jahrzehnte einer gesamtgesellschaftlichen Leidenschaft, die in der Retrospektive in die Katastrophe führte:
- Zunächst waren Tulpen selten und exklusiv. Dadurch blieben sie höheren Ständen vorbehalten. Das erzeugte im Volk den Wunsch, ebenfalls Tulpen zu besitzen – Adelshäuser, große Handelsdynastien und ähnliche mächtige Kreise waren die großen Vorbilder für viele Menschen.
- Als der Handel mit Tulpenzwiebeln begann, wurden rasch für unterschiedliche Sorten unterschiedlich hohe Preise aufgerufen. Je anspruchsvoller und optisch aufsehenerregender eine Tulpe war, desto höher der Preis.
- Höhergestellte Kreise fürchteten um die Exklusivität ihrer Leidenschaft und suchten ständig nach neuen Züchtungen, die dem einfacheren Volk vorbehalten blieben.
Die damaligen Niederlande drehten sich hierdurch regelrecht eine Spirale der Tulpenmanie. Anfang 1637 wurden auf Versteigerungen im Schnitt fast 800 Gulden pro Zwiebel erzielt. Ab dem 5. Februar geschah jedoch das Unfassbare:
Bei einer Versteigerung in Haarlem erzielte keine einzige Tulpe den anvisierten Verkaufspreis – die heutige Forschung vermutet dahinter eine Art kollektive Verweigerungshaltung der Anwesenden. In den kommenden Tagen wiederholte sich dieses Schauspiel und die niederländische Bevölkerung konnte nur zuschauen.
Die Händler, die fest mit hohen und weiter steigenden Preisen gerechnet – und neue, teure Zwiebeln bestellt – hatten, sahen sich nun mit Erlösen konfrontiert, die weit unter dem Einkaufspreis lagen. Zudem hatten sie sich bei den Vorbestellungen verpflichtet, ähnlich hohe Preise zu zahlen.
Innerhalb weniger Wochen verfielen die Preise um unglaubliche 95 Prozent. Die Blumenhändler stritten sich, um wenigstens die neuen Verträge annullieren zu können. Das gelang zwar Ende Mai 1638. Dann aber war die Tulpenmanie längst beendet – und die zuvor sehr finanzstarke Handelsmacht glitt in einen Abstieg.
1929: Der Börsenkrach
Börslicher Handel wurde auch nach der Tulpenmanie weiter betrieben. Bis auf einen massiven Crash anno 1720 blieb die Welt jedoch über die kommenden Jahrhunderte von Schlimmerem verschont. Dann jedoch neigte sich das Jahr 1929 dem Ende entgegen und es entstand etwas, das bis heute als „die Mutter aller Börsencrashs“ gilt, weil kaum eine Nation unberührt blieb.
Zur Vorgeschichte musst du Folgendes wissen:
- Die 1920er-Jahre waren nach dem Ersten Weltkrieg eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs. Vor allem in den USA zogen viele Menschen vom Land in die Städte und nahmen dort gutbezahlte Arbeit in Industrie und Dienstleistung an. In der Folge stieg das verfügbare Vermögen rasant.
- Immer mehr Menschen konnten es sich leisten, am Aktienhandel zu partizipieren. Der Dow-Jones-Index blieb davon nicht unbeeindruckt: Ende 1924 hatte er nach längerem „Hängen“ die Marke von 110 Punkten durchbrochen. Am 3. September 1929 lag er schließlich bei 381,17 Punkten – damaliger Rekord.
- In Erwartung endlos steigender Kurse wurden immer mehr Aktienkäufe über Kredite getätigt. Da fast alle Anleger an eine Eternal Prosperity glaubten, genügte dazu oft die Aktie selbst als Sicherheit.
Damit waren alle Zutaten für eine klassische Spekulationsblase beisammen: Die Preise stiegen und stiegen und hatten den inneren (realen) Wert der Handelsobjekte rasch hinter sich gelassen. Das alles traf auf ein Land, in dem keine Börsenaufsicht nach heutigem Verständnis existierte.
Schon in den ersten Oktoberwochen 1929 waren viele Anleger nervös, als immer deutlicher wurde, wie sehr die Situation eine künstliche Blase war. Der Dow Jones sank auf zirka 300 Punkte. Experten glaubten jedoch, er würde sich lediglich auf hohem Niveau stabilisieren. Dann jedoch geschahen mehrere Ereignisse in rascher Folge:
- Donnerstag, 24. Oktober*: Schon zur Handelseröffnung zeigte sich eine hohe Fluktuation. Der Markt verlor an diesem Tag zeitweise stark durch Panikverkäufe. Die heutige Forschung vermutet, dass die Verhaftung des britischen Spekulanten Clarence Hatry am 20. September ein möglicher Auslöser war. Mehrere große Bankiers setzten sich zusammen und wählten Richard Whitney, den Vizepräsidenten der Börse, als „Retter“. Er kaufte unter anderem 25.000 US-Steel-Aktien deutlich über Marktwert und bremste die Panik. Abends hatte der Dow Jones daher nur 6,38 Punkte Verlust gemacht.
* Da die Auswirkungen in Europa erst am nächsten Tag zu spüren waren, ist dieser Tag in den USA als Black Thursday, bei uns hingegen als schwarzer Freitag bekannt.
- Montag, 28. Oktober: Viele Anleger sahen sich mit Margin Calls konfrontiert und zogen sich vom Markt zurück. Der Dow geriet ins Rutschen und verlor bis abends 38,33 Punkte.
- Dienstag, 29. Oktober & Mittwoch, 30. Oktober: Aufgrund der Ereignisse des Vortages kam es zu einer extremen Welle von Panikverkäufen. Über 16 Millionen Aktien wurden am Dienstag allein an der Wall Street abgestoßen, mehrere Milliarden Dollar vernichtet. William Durant, Mitbegründer von General Motors, und Teile der Rockefeller-Familie versuchten erneut, durch Käufe weit über Marktwert Zuversicht zu verströmen. Doch der Versuch scheiterte. Am Folgetag fanden erste Aktien ungeachtet des Preises keine Käufer mehr.
Bis zum 13. November sank der Dow Jones auf 198,60 Punkte. Erst Ende November 1954 erreichte er seinen Peak vom 3. September 1929 wieder.
Infolge der Oktober-Ereignisse geschah Folgendes:
- Zahlreiche Banken verzeichneten gigantische Kreditausfälle. Ein Drittel aller US-Kreditinstitute musste schließen.
- Es kam zu einer enormen Geldverknappung und Deflation, dadurch wiederum zu Masseninsolvenzen und Massenarbeitslosigkeit.
- Den USA gingen gigantische Steuersummen verloren, wodurch die Handlungsfähigkeit des Staates extrem eingeschränkt wurde.
In vielen anderen Nationen, die sich auf kurzfristige Kredite stützten, hatte das ähnliche Auswirkungen. Insbesondere Deutschland war betroffen, bis 1931 aber auch weitere Staaten – vor allem solche, die durch die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs ohnehin keinen sicheren Stand hatten und stark verschuldet waren. Die Wahlerfolge der NSDAP in Deutschland werden heute als direkte Folge dieser Massenverelendung angesehen.
1987: Der Black Monday
Es müssen nicht immer reine Spekulationsblasen sein, die einen Crash anstoßen. Ein perfektes Beispiel dafür ist der Krach von 1987. Er lässt sich zu gleichen Teilen auf verschiedene Auslöser zurückführen, darunter Fehlverhalten von Regierungen.
Nach dem Crash von 1929 hatten viele Länder Maßnahmen getroffen, um erneute Katastrophen dieses Stils zu verhindern. Unter anderem können Börsen den Handel einfach unterbrechen, um erdrutschartige Panikverkäufe zu unterbinden. Crashs können allerdings durch verschiedene andere Mechanismen entstehen. Damit wären wir im Jahr 1987 angelangt:
- Nach einer Rezession Anfang der 1980er (ausgelöst durch die zweite Ölkrise) hatte sich die US-Wirtschaft durch die wirtschaftsliberale Politik von Präsident Reagan erholt. Zwischen August 1982 und 1987 war der Dow von 776 auf 2.722 Punkte angestiegen.
- Am Mittwoch, 14. Oktober 1987, wurde in Washington ein Gesetz eingebracht, das die Steuervorteile bei Firmenzusammenschlüssen und fremdfinanzierten Übernahmen dramatisch reduzierte.
- Am selben Tag musste das US-Handelsministerium ein ungewöhnlich großes Außenhandelsdefizit einräumen.
- Im Tagesverlauf sank der Dow Jones um knapp 96 Punkte. Einen Tag später um 57,61 und freitags schließlich um 108,35 Punkte.
Dann kam das Wochenende und Anleger weltweit waren extrem nervös. Erste Computermodelle sagten starke Verkäufe für den Wochenbeginn voraus. Einige große Fonds boten zudem die Möglichkeit, Investitionen selbst am Wochenende zum Schlusspreis vom Freitag zurückzuziehen. Viele machten davon Gebrauch, wodurch die Geldreserven vieler Unternehmen überschritten wurden.
Als die New Yorker Börse am Montag, 19. Oktober, eröffnete, musste der Handel bei 95 der 500 S&P-Aktien gebremst werden, um die Verkäufe geordnet durchführen zu können. Das Futures-Geschäft eröffnete ebenfalls mit starken Verkäufen. Über den Tag hinweg schaukelte sich die Situation hoch, bis sie in den letzten 90 Minuten geradezu explodierte. Die Computersysteme wurden überwältigt, was die Verwirrung und Angst der Anleger und Händler nur verstärkte.
Am nächsten Tag wurden weitere Börsen rund um den Globus hineingezogen. Besonders stark betroffen – sogar stärker als die USA – war Hongkong: Hier verlor der Markt ganze 45,8 Prozent, während es in den USA 20 bis 29 Prozent waren.
Eigentlich hätte dieser Crash nun wie 1929 verlaufen können. Doch die US-Zentralbank (Fed) zog dienstags schnell, gründlich und effektiv die Reißleine:
- Zentralbank-Vorsitzender Alan Greenspan veröffentlichte ein Statement, wonach die Zentralbank als Liquiditätsgarant bereitstünde, um das Finanz- und Wirtschaftssystem zu stützen. Das hatte bereits beruhigende Wirkung auf die Märkte.
- Die Fed nutzte ihre Mittel, um Handel für rund 17 Milliarden Dollar zu tätigen. Ferner veranlasste sie Banken zur Kreditvergabe, indem sie die Summen praktisch bezuschusste.
Am Ende des Handelstages hatte die Zentralbank nicht weniger als sieben Prozent der monetären Basis der USA in den Markt injiziert. Ähnlich hart griffen die Zentralbanken anderer Länder durch, etwa West-Deutschlands. Der Erfolg: Obwohl der Dow Jones an einem Tag 508 Punkte verloren hatte, blieb der ganz große Crash aus.
Als weitere Sicherheitsmaßnahme wurde danach das Prinzip der Volatilitätsunterbrechung eingeführt. Es zeigte 2020 mehrfach seinen Wert: Zu Pandemiebeginn erlebte der Markt einen extrem schnellen Absturz, ohne jedoch eine langanhaltende Wirtschaftskrise einzuläuten.
Crash-Ursachen im Überblick
Ein Börsenkrach kommt immer dann ins Rollen, wenn Anleger Angst um ihr Geld bekommen. Aber warum tun sie das? Hier gibt es letztlich drei typische Auslöser:
Spekulationsblasen
Der Wert von Marktgütern kann steigen. Wenn jedoch der Börsenwert über den inneren Wert eines Handelsguts hinausschießt, entsteht eine Blase. Dies wird umso brisanter,
- je bedeutender das Handelsgut ist,
- je weiter sein Wert sich von der Realität verabschiedet und
- je mehr Käufe durch Kredite finanziert werden.
Die US-Immobilienblase 2007 ist ein hervorragendes Beispiel hierfür. Zu viele Banken hatten Immobilienkredite an eigentlich nicht kreditwürdige Personen vergeben und diese Hypotheken zu handelbaren Wertpapieren gebündelt. Die Blase platzte und zog die Weltwirtschaft mit sich.
Urplötzliche Weltereignisse
Manche Crashs werden durch externe Schocks ausgelöst – etwa Kriege, Pandemien oder abrupte Rohstoffpreis-Sprünge. In schöner Regelmäßigkeit lässt sich das beim Öl- und Erdgaspreis beobachten. Es gilt: Erzeugt ein solches Ereignis genügend Angst bei den Anlegern, genügt ein Funke, um die Krise zu zünden. Der Corona-Crash 2020 war ein Musterbeispiel für einen solchen externen Schock.
Der Sonderfall: Ursache unbekannt
Oft dauert es Jahre, bis die Ursachen eines Crashs analysiert sind. Über die Entstehungsdetails des 1929er-Crashs streiten Forscher bis heute, wenngleich die grundsätzlichen Ursachen bekannt sind. Die Vergangenheit ist zudem voller Beispiele für kleinere Handels-Verwirbelungen mit teils zweistelligen Verlustraten an einem Tag, ohne dass jemand eine klare Ursache ausmachen kann.
Nach Ansicht einiger Experten ist die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung der Börsen dafür besonders anfällig. Sie soll den Handel zwar schneller und kontrollierter gestalten, kann jedoch durch vielfach automatisiertes Vorgehen Kursstürze verursachen, hinter denen keine rationalen Gründe stehen.
ETFs im Crash: Echte Sicherheit?
ETFs erfreuen sich seit Jahren immer größerer Nachfrage – ETF-Sparpläne sind ein regelrechter Wachstumsmotor. Doch wie ist es um die Sicherheit börsengehandelter Fonds bei Börsencrashs bestellt? Eignen sie sich, um dein Geld gegen solche Verwerfungen zu schützen?
ETFs bei kleineren Crashs
Exchange Traded Funds sind in der Regel passiv verwaltete Fonds. Als solche bilden sie einen Index nach. Steigt dieser Index, steigt der Wert des ETFs – und umgekehrt. Gerade bei kleineren Crashs zeigt sich der Wert einer breiten Streuung: Damit ein Welt-ETF dramatisch an Wert verliert, muss schon ein gesamter, global gestreuter Aktienmarkt beträchtlich einbrechen. Es genügt nicht, wenn eine einzelne Branche oder Aktie einen Abschwung erlebt.
Das gilt vor allem dann, wenn du die wichtigste Regel aller Anleger beherzigst: cool bleiben und geduldig sein. Echte Crashs benötigen immer eine „Herde“, die Panikverkäufe tätigt. Bleibst du besonnen, kannst du solche Störungen der Märkte in aller Regel „abwettern“ – selbst wenn der Index deines ETFs kurzzeitig deutlich nach unten weist.
ETFs bei weltverändernden Crashs
Sind ETFs die sichere Option, um Weltwirtschaftskrisen wie 1929 zu überstehen? Nein – ebenso wenig wie jede andere Anlageform. Käme es nochmals zu einem wirklich weltverändernden Crash, wären ETFs genauso betroffen wie beliebige andere Aktien-Investments. Ein ETF ist kein Airbag, sondern ein Abbild des Marktes.
Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Mit jeder Finanzkrise lernen Länder, Börsenaufsichten und Zentralbanken dazu. Heute existieren zahlreiche Schutzmechanismen – von Handelsunterbrechungen über Volatilitätsunterbrechungen bis zu koordinierten Notenbank-Eingriffen –, die einen Verlauf wie 1929 sehr unwahrscheinlich machen.
„Heute würde es nicht mehr zu vergleichbaren Krisen kommen. Der Staat würde schon bei den ersten Anzeichen eingreifen und in Maßnahmen wie Konjunkturpakete investieren. Diese Eingriffe erfolgen auf nationaler sowie internationaler Ebene, beispielsweise innerhalb der EU. Sie werden von Maßnahmen der Notenbanken flankiert.“
(Prof. Dr. Alexander Szimayer, Universität Hamburg)
Fazit
Börsencrashs sind ein Risiko, mit dem du als Anleger immer rechnen musst – kein Anlass für kopflose Panikmache, aber auch kein Grund für blindes Vertrauen. Entscheidend ist dein Verhalten im Crash: Wer nicht panisch verkauft, seinen Sparplan durchhält und auf Market-Timing verzichtet, hat historisch jede große Krise überstanden und dabei sogar günstig nachgekauft.
Ein breit gestreuter Welt-ETF bietet zwar keine absolute Sicherheit – die kann kein Investitionsprodukt geben. Er hat sich aber als robustes, kostengünstiges Werkzeug erwiesen, um langfristig Vermögen aufzubauen und selbst schwere Abschwünge auszusitzen. Halte dich fern von „Crash-Propheten“ und komplizierten Short-Produkten und bleib deinem einfachen Plan treu.
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