Welchen ETF kaufen? Kriterien für die Auswahl
Von einem ETF kannst Du Anteile mit Einmalzahlung kaufen, doch kannst Du auch in einen Sparplan einzahlen. Wichtig ist die Wahl des richtigen ETFs. Du solltest auf Anlageklasse, Fondsvermögen, Gesamtkostenquote und Entwicklung der Rendite achten.
Stand: Juni 2026. Dieser Artikel bietet Orientierung und Bildung, keine Anlageberatung.
"Welchen ETF soll ich kaufen?" ist die Frage, an der die meisten Einsteiger hängen bleiben. Bei über 2.000 in Deutschland handelbaren ETFs ist das verständlich. Die gute Nachricht: Für den langfristigen Vermögensaufbau musst Du keine exotischen Nischenprodukte studieren. In den allermeisten Fällen reicht ein einziger, breit gestreuter Welt-ETF als Fundament. Dieser Artikel zeigt Dir, welche Kriterien wirklich zählen, und nennt konkrete Beispiele mit ISIN und Kosten zum Stand Juni 2026.
Die kurze Antwort: ein breiter Welt-ETF als Basis
Wenn Du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Ein global gestreuter Aktien-ETF ist für die meisten Privatanleger das sinnvolle Kernstück des Depots. Er bündelt hunderte bis tausende Unternehmen aus aller Welt in einem einzigen Produkt. Statt einzelne Aktien oder Branchen zu wetten, kaufst Du damit ein Stück Weltwirtschaft. Drei Indizes dominieren diese Kategorie:
- MSCI World – rund 1.300 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern. Schwellenländer sind nicht enthalten.
- FTSE All-World – rund 3.700 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Die etwas breitere Variante.
- MSCI ACWI (IMI) – das gesamte investierbare Universum aus Industrie- und Schwellenländern, in der IMI-Variante mit Small Caps sogar über 4.000 Titel.
Der wichtigste Unterschied: Der MSCI World deckt nur Industrieländer ab, während FTSE All-World und MSCI ACWI auch Schwellenländer wie China, Indien oder Taiwan einschließen. Wer mit einem einzigen ETF wirklich die ganze Welt abbilden möchte, greift daher eher zum FTSE All-World oder zum MSCI ACWI. Wer den MSCI World wählt, kann Schwellenländer separat beimischen (dazu unten mehr).
Konkrete Beispiel-ETFs (Stand Juni 2026)
Die folgenden ETFs sind etablierte, große Vertreter ihrer Kategorie. Sie dienen als Orientierung, nicht als Empfehlung oder Anlageberatung. Prüfe vor einem Kauf immer das aktuelle Factsheet des Anbieters, da sich Kosten und Volumen ändern können.
MSCI World
Der iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc), ISIN IE00B4L5Y983, WKN A0RPWH ist einer der größten Welt-ETFs überhaupt. Er repliziert physisch, ist thesaurierend (Erträge werden automatisch reinvestiert) und kostet 0,20 % pro Jahr (TER). Das Fondsvolumen liegt bei rund 120 Milliarden Euro – Liquidität und Stabilität sind hier also keine Sorge.
FTSE All-World
Den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF gibt es in zwei Varianten: thesaurierend (ISIN IE00BK5BQT80, WKN A2PKXG, Fondsvolumen rund 40 Mrd. Euro) und ausschüttend (ISIN IE00B3RBWM25, WKN A1JX52, rund 60 Mrd. Euro, vierteljährliche Ausschüttung). Beide kosten 0,19 % TER, replizieren physisch über optimiertes Sampling und enthalten mit rund 3.700 Titeln auch Schwellenländer. Wer Industrie- und Schwellenländer in einem Produkt will, ist hier richtig.
MSCI ACWI IMI
Noch breiter geht der SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (Acc), ISIN IE00B3YLTY66, WKN A1JJTD: Mit über 4.500 Positionen deckt er Industrieländer, Schwellenländer und Small Caps ab – das ist nahezu der gesamte investierbare Aktienmarkt. Die TER liegt bei günstigen 0,17 %, das Fondsvolumen bei rund 5,6 Milliarden Euro. Etwas kleiner als die anderen beiden, aber weiterhin deutlich über der kritischen Schwelle.
Solche Welt-ETFs lassen sich bei jedem gängigen Broker per Einmalkauf oder Sparplan erwerben. Wenn Du noch kein Depot hast: Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital bieten viele dieser ETFs sparplanfähig und oft ohne Ordergebühr an. Wer lieber bei einer klassischen Bank bleibt, findet bei der ING ein breites Sparplanangebot.
Schwellenländer beimischen – ja oder nein?
Wenn Du Dich für einen reinen MSCI-World-ETF entschieden hast, fehlen Dir die Schwellenländer. Manche Anleger ergänzen daher einen Emerging-Markets-ETF, etwa den iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (Acc), ISIN IE00BKM4GZ66, WKN A111X9 (TER 0,18 %, Fondsvolumen rund 36 Milliarden Euro). Eine verbreitete Aufteilung ist 70 % Industrieländer zu 30 % Schwellenländer, orientiert grob an der Wirtschaftsleistung.
Ehrlich gesagt: Pflicht ist das nicht. Eine Zwei-ETF-Lösung musst Du selbst regelmäßig rebalancen, und ein FTSE All-World oder MSCI ACWI erledigt die Schwellenländer-Beimischung automatisch in einem einzigen Produkt. Für Einsteiger, die es einfach mögen, ist die Ein-ETF-Lösung daher meist die entspanntere Wahl.
Worauf Du bei der ETF-Auswahl achten solltest
Egal welchen Index Du wählst – diese Kriterien helfen Dir, einen soliden ETF von einem problematischen zu unterscheiden:
Kosten (TER und mehr)
Die Gesamtkostenquote (TER, Total Expense Ratio) zeigt die laufenden jährlichen Kosten. Bei breiten Welt-ETFs liegt sie heute meist zwischen 0,12 % und 0,25 %. Die TER ist aber nicht alles: Auch die Tracking Difference – die tatsächliche Abweichung der ETF-Rendite vom Index – kann den ETF in der Praxis günstiger oder teurer machen, als die TER vermuten lässt. Manche ETFs mit höherer TER schneiden durch Quellensteuer-Optimierung oder Wertpapierleihe netto sogar besser ab. Mehr dazu in unserem Artikel ETF Sparplan optimieren: So holst Du das Maximum aus Deinen ETFs.
Fondsvolumen
Ein hohes Fondsvolumen ist ein Zeichen für Stabilität. Als Faustregel gelten mindestens 100 bis 500 Millionen Euro, damit der ETF wirtschaftlich tragfähig ist und nicht so schnell geschlossen oder verschmolzen wird. Alle oben genannten Welt-ETFs liegen weit darüber.
Replikation: physisch oder synthetisch
Physisch replizierende ETFs kaufen die im Index enthaltenen Aktien tatsächlich (bei sehr breiten Indizes oft per "Sampling", also einer repräsentativen Auswahl). Synthetisch replizierende ETFs bilden den Index über ein Tauschgeschäft (Swap) mit einer Bank ab. Synthetische ETFs sind nicht per se schlecht – bei schwer zugänglichen Märkten können sie sogar genauer abbilden –, doch die meisten Privatanleger bevorzugen aus Transparenzgründen die physische Replikation.
Ausschüttend oder thesaurierend
Thesaurierende ETFs reinvestieren die Dividenden automatisch – ideal für den langfristigen Vermögensaufbau, weil der Zinseszins-Effekt voll wirkt. Ausschüttende ETFs zahlen die Dividenden aus, was praktisch ist, wenn Du den jährlichen Sparerpauschbetrag (1.000 Euro pro Person) gezielt ausnutzen oder ein passives Einkommen aufbauen möchtest. Beides ist legitim; die Wahl hängt von Deinem Ziel ab.
Alter und Historie
Ein ETF, der bereits einige Jahre existiert, hat eine belastbare Historie und meist ein höheres Volumen. Für ganz neue Produkte fehlt diese Datenbasis oft noch.
Welcher ETF passt zu welchem Anlageziel?
Bevor Du kaufst, lohnt der Blick auf Dein Ziel. Für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge sind breit gestreute, thesaurierende Welt-ETFs erste Wahl. Über einen Aktien-Sparplan investierst Du regelmäßig kleine Beträge und nutzt den Cost-Average-Effekt. Diese Strategie passt gut zum langfristigen Buy-and-Hold-Ansatz, bei dem Du investiert bleibst und Marktschwankungen aussitzt.
Für kurzfristige Ziele (Geld in ein bis drei Jahren wieder gebraucht) sind reine Aktien-ETFs dagegen riskant, weil der Kurs zum Auszahlungszeitpunkt im Minus stehen kann. Hier kommen je nach Risikoneigung eher Anleihen- oder Geldmarkt-ETFs ins Spiel.
ETFs jenseits von Aktien: weitere Anlageklassen
Aktien-ETFs sind die wichtigste, aber nicht die einzige Kategorie. Zur Einordnung ein Überblick über weitere Anlageklassen – als Beimischung, nicht als Ersatz für das Welt-ETF-Fundament.
Aktien (das Fundament)
Die meisten ETFs bilden Aktienindizes ab. Wer gezielt auf den deutschen Markt setzen möchte, findet im Amundi DAX UCITS ETF DR, ISIN FR0010655712, WKN A0REJQ ein Beispiel: Er investiert in die 40 DAX-Unternehmen. Als Klumpenrisiko auf ein einzelnes Land taugt der DAX allerdings nicht als Depot-Basis. Mehr dazu in unserem Artikel DAX Werte ETF: In deutsche Aktien investieren.
Anleihen
Anleihen-ETFs bündeln Kredite an Staaten oder Unternehmen und liefern laufende Zinsen. Ein Beispiel ist der iShares Core € Govt Bond UCITS ETF, der in europäische Staatsanleihen investiert. Nach den Zinsanhebungen der vergangenen Jahre bieten Anleihen wieder spürbare Renditen und können ein Aktiendepot stabilisieren. Staatsanleihen gelten als sicherer, Unternehmensanleihen bieten höhere Renditen bei mehr Schwankung. Auch nachhaltige Varianten existieren, etwa über Green Bonds. Den grundsätzlichen Vergleich findest Du unter Anleihen vs. ETF.
Rohstoffe
Rohstoff-ETFs investieren in Edelmetalle, Energie oder Agrarprodukte und gelten als möglicher Inflationsschutz – allerdings bei höherer Schwankung. Ein breit gestreutes Beispiel ist der iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (DE), ISIN DE000A0H0728, WKN A0H072. Wer einen einzelnen Rohstoff-Trend verfolgt, findet Anregungen in unserem Artikel Lithium ETF: Explodiert die Nachfrage?.
Immobilien
Immobilien-ETFs investieren in börsennotierte Immobiliengesellschaften und REITs – Du profitierst von Wertsteigerung und Mieteinnahmen, ohne selbst eine Immobilie kaufen zu müssen. Ein Beispiel ist der SPDR Dow Jones Global Real Estate UCITS ETF, ISIN IE00B8GF1M35, WKN A1J3PB. Bei steigenden Zinsen können solche ETFs stärker schwanken, da Finanzierungskosten steigen. Hintergründe in unserem Artikel zu Real Estate Investment Trusts (REIT).
Geldmarkt
Geldmarkt-ETFs parken Kapital sehr sicher und profitieren von kurzfristigen Zinsen. Ein Beispiel ist der Xtrackers Fed Funds Effective Rate Swap UCITS ETF 1C, ISIN LU0321465469, WKN DBX0A0, der den US-Geldmarktzins (Federal Funds Effective Rate) abbildet. Solche Produkte eignen sich für konservative Anleger, die Geld kurzfristig sicher unterbringen wollen. Mehr dazu unter Geldmarkt.
Nachhaltigkeit und Währungsrisiko
Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, findet ESG- und SRI-Varianten der großen Indizes, etwa den MSCI World SRI. Diese filtern Unternehmen nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien. Beachte, dass die Auswahlmethoden je nach Anbieter stark variieren. Mehr dazu in unserem Artikel Umweltschutz: Mit ETFs nachhaltig investieren.
Das Währungsrisiko ist bei Welt-ETFs ein häufiges Missverständnis. Da die enthaltenen Unternehmen ohnehin weltweit wirtschaften, ist die Fondswährung (oft US-Dollar) für die langfristige Rendite zweitrangig – Du trägst das Risiko der zugrunde liegenden Aktien, nicht primär den Dollar-Kurs. Währungsgesicherte ("hedged") ETFs gibt es, sie sind aber teurer und für langfristige Aktien-Anleger meist unnötig.
Fazit: Einfach starten statt perfekt optimieren
Die Frage "Welchen ETF soll ich kaufen?" hat für die meisten Anleger eine erstaunlich einfache Antwort: einen breit gestreuten, kostengünstigen Welt-ETF auf MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI als Fundament. Achte auf eine niedrige TER, ein ausreichendes Fondsvolumen, physische Replikation und die zu Deinem Ziel passende Ertragsverwendung. Schwellenländer, Anleihen oder Rohstoffe kannst Du später als Beimischung ergänzen – müssen aber nicht von Anfang an im Depot sein. Wichtiger als die perfekte Auswahl ist, überhaupt diszipliniert und langfristig dabeizubleiben.
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