Sechs Gründe in Sachwerte zu investieren mit Aktien und ETFs

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In Krisenzeiten und Zeiten niedriger Zinsen suchen viele Privatanleger nach Alternativen zu Sparbüchern, Festgeld oder Tagesgeld. Es gibt verschiedene Sachwerte wie Immobilien, Gold oder Sammlerstücke, die eine Überlegung wert sind.

Sechs Gründe in Sachwerte zu investieren mit Aktien und ETFs

Stand: Juli 2026. In Zeiten schwankender Inflation und unsicherer Zinsen suchen viele Privatanleger nach Alternativen zu Sparbuch, Fest- und Tagesgeld. Sachwerte wie Immobilien, Gold oder Infrastruktur gelten als Schutz vor Geldentwertung. Doch wer keine ganze Immobilie kaufen oder Goldbarren im Tresor lagern will, kann über Aktien-ETFs mittelbar in solche Sachwerte investieren. Dieser Ratgeber zeigt, wie das funktioniert, welche konkreten UCITS-ETFs es 2026 gibt und wo die Grenzen des Inflationsschutzes liegen.

Was genau sind Sachwerte?

Bevor wir uns ansehen, wie man mit ETFs oder Aktien in Sachwerte investiert, sollte geklärt sein, was Sachwerte überhaupt sind. Vereinfacht handelt es sich um den Wert einer realen Sache. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) versteht darunter körperliche Gegenstände. Diese Definition ist jedoch unscharf, denn im weiteren Sinne werden auch Aktien und teilweise ETFs zu den Sachwerten gezählt. Sie sind zwar keine körperlichen Gegenstände, sondern Wertpapiere. Wer aber Aktien oder ETF-Anteile kauft, erwirbt einen Anteil an einem realen Unternehmen oder an einem Korb von Vermögenswerten.

Sachwerte werden auch als Güter definiert, die weitgehend unabhängig von reinen Geldwertschwankungen sind und deren Wert die Inflation über lange Zeiträume teilweise ausgleichen kann. Auch das trifft nicht uneingeschränkt zu: Aktien, ETFs, der Goldpreis und Immobilienpreise unterliegen allesamt Schwankungen. Entscheidend ist, dass hinter einem Sachwert eine reale Substanz steht, während der reine Geldwert die Gegenseite bildet.

Verschiedene Arten von Sachwerten

Wer in Sachwerte investieren möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Die wichtigsten Gruppen sind:

  • Immobilien
    Immobilien sind beliebte Anlageobjekte. Sie dienen zur Eigennutzung, zur Vermietung und als Baustein der Altersvorsorge. Als Direktanlage bieten sie jedoch nur geringe Liquidität, in Krisen ist ein Verkauf oft nur mit Abschlägen möglich. Mittelbar kannst Du über einen Immobilien-ETF oder REIT-ETF in börsennotierte Immobiliengesellschaften investieren.
  • Rohstoffe
    Zu den Rohstoffen zählen vor allem Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin. Sie gelten in Krisen als wertstabil. Investieren kannst Du physisch, über ETCs oder über einen Rohstoff-ETF. In Deutschland dürfen ETFs wegen der Diversifikationsvorschriften nicht auf einen einzelnen Rohstoff lauten, sondern nur auf einen Korb. Eine Alternative sind Aktien-ETFs auf Rohstoffproduzenten, etwa Minengesellschaften.
  • Sammlerstücke
    Kunst, Oldtimer, Münzen oder Schmuck können hohe Werte erreichen, sind aber hochspekulativ, schwer zu bewerten und oft illiquide. Ein Investment über Aktien oder ETFs ist hier praktisch nicht möglich.

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Sind Aktien Sachwerte?

Aktien werden zu den Sachwerten gezählt, weil Du damit einen Anteil an einem real existierenden Unternehmen erwirbst. Sie haben aber nicht alle klassischen Eigenschaften eines Sachwerts: Der Kurs hängt von Angebot und Nachfrage ab, von der wirtschaftlichen und politischen Lage sowie von der Branche und dem Unternehmen selbst. Krisen wirken sich meist negativ aus, und je nach Titel kann es dauern, bis sich ein Kurs erholt. Einzelaktien sind daher vergleichsweise riskant. Wer breiter streuen will, greift zu einem Aktien-ETF, der einen ganzen Index abbildet. Besonders stabil gelten dabei Blue-Chip-Aktien.

Wichtig: „Sachwert über die Aktie" ist immer mittelbar

Ein zentraler Punkt, der oft untergeht: Wer über einen Aktien-ETF in Immobilien, Infrastruktur oder Gold investiert, hält keinen physischen Sachwert, sondern Aktien von Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind. Damit bleibt das Aktienrisiko vollständig erhalten. In einem Börsencrash fallen auch Immobilien-, Infrastruktur- und Rohstoffaktien, häufig sogar stärker als der Gesamtmarkt, weil viele dieser Unternehmen stark fremdfinanziert sind.

Der Inflationsschutz ist zudem begrenzt und verzögert. Immobilien- und Infrastrukturunternehmen können gestiegene Kosten oft erst mit zeitlichem Abstand über höhere Mieten oder regulierte Tarife weitergeben. Steigen die Zinsen, wie in den Jahren 2022 und 2023 geschehen, geraten gerade zinssensible REITs und Infrastrukturwerte unter Druck. Ein Aktien-ETF auf Sachwerte ist also eine Beimischung mit realwirtschaftlichem Bezug, aber kein Garant gegen Wertverluste und kein Ersatz für physisches Gold oder direkt gehaltene Immobilien.

Ist ein ETF ein Sachwert?

Ähnlich wie Aktien können ETFs im weiteren Sinne Sachwerte darstellen. Über einen Aktien-ETF erwirbst Du anteilig viele Unternehmen, über einen Rohstoff-ETF einen Korb an Rohstoffen (ohne physischen Besitz). Ein ETF vereint einige Vorteile von Sachwerten, hat aber nicht alle, und er teilt auch nicht alle Nachteile. Wichtig für die rechtliche Einordnung: ETF-Anteile gelten als Sondervermögen und sind bei einer Insolvenz des Anbieters geschützt.

Vorteile von Sachwerten im Vergleich mit ETFs

  • Krisensicherheit
    Physische Sachwerte sind körperliche Gegenstände und können bestimmte Krisen überdauern; Risiken sind Zerstörung oder Wertminderung. Ein ETF ist kein körperlicher Gegenstand und unterliegt Kursschwankungen.
  • Inflationsschutz
    Vor allem Edelmetalle und Immobilien gelten in Inflationsphasen als beliebt. Ein ETF kann in solchen Phasen dagegen auch fallen, insbesondere wenn steigende Zinsen die Bewertungen drücken.
  • Stabilität und begrenzte Vermehrbarkeit
    Sachwerte lassen sich nicht beliebig vermehren; Förderung und Herstellung kosten Geld. Über ETFs auf Rohstoffproduzenten kannst Du an dieser Knappheit teilhaben.
  • Gebrauchswert
    Immobilien, Fahrzeuge oder Rohstoffe haben einen Nutzwert im Alltag; ein ETF hat diesen nicht.

Nachteile von Sachwerten

  • Spekulation
    Kunstobjekte, Einzelaktien, aber auch enge Themen-ETFs können hochspekulativ sein.
  • Wertschwankungen
    Sowohl ETFs als auch Immobilien und Rohstoffe schwanken im Wert.
  • Mangelnde Liquidität
    Immobilien und Sammlerstücke lassen sich nicht immer schnell verkaufen. ETF-Anteile kannst Du börsentäglich handeln.
  • Über- oder Unterbewertung
    Der faire Wert von Immobilien oder Sammlerstücken ist schwer zu bestimmen. Bei einem börsennotierten ETF bilden Angebot und Nachfrage laufend einen Preis.

Mit Aktien-ETFs in Sachwerte investieren: konkrete UCITS-ETFs 2026

Für Anleger aus Deutschland kommen ausschließlich in der EU zugelassene UCITS-ETFs in Frage. Die folgenden Beispiele sind an deutschen Börsen und bei gängigen Brokern handelbar. Alle Angaben nach Emittent und justETF, Stand Juli 2026. Es handelt sich um Beispiele zur Orientierung, nicht um Kaufempfehlungen.

ETFAnlagethemaISINTER p.a.Ertragsverwendung
iShares Global Infrastructure UCITS ETFInfrastrukturaktien (FTSE Global Core Infrastructure)IE00B1FZS4670,65 %ausschüttend
iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETFImmobilienaktien / REITs (FTSE EPRA/NAREIT Developed Dividend+)IE00B1FZS3500,59 %ausschüttend
iShares Gold Producers UCITS ETFGoldminenaktien (S&P Commodity Producers Gold)IE00B6R520360,55 %thesaurierend

Infrastruktur-Aktien-ETF

Der iShares Global Infrastructure UCITS ETF (ISIN IE00B1FZS467, TER 0,65 % p.a.) bildet den FTSE Global Core Infrastructure Index ab und bündelt große börsennotierte Infrastrukturunternehmen wie Versorger, Betreiber von Mautstraßen, Flughäfen oder Pipelines. Solche Unternehmen erzielen häufig regulierte, teilweise inflationsindexierte Einnahmen, weshalb Infrastruktur als teilweiser Inflationsschutz gilt. Der Fonds schüttet quartalsweise aus.

Immobilien- und REIT-Aktien-ETF

Der iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF (ISIN IE00B1FZS350, Ticker IWDP, TER 0,59 % p.a.) bildet den FTSE EPRA/NAREIT Developed Dividend+ Index ab. Enthalten sind börsennotierte Immobiliengesellschaften und REITs aus Industrieländern mit einer erwarteten Dividendenrendite von mindestens 2 Prozent. Auch hier gilt: Du investierst in Immobilienaktien, nicht in Beton, und trägst damit das volle Aktien- und Zinsrisiko.

Rohstoff- und Goldminen-Aktien-ETF

Wer Rohstoffe über Aktien abbilden will, kann etwa auf den iShares Gold Producers UCITS ETF (ISIN IE00B6R52036, TER 0,55 % p.a.) schauen. Er bündelt die größten Goldminengesellschaften weltweit (S&P Commodity Producers Gold) und ist thesaurierend. Goldminenaktien können sich anders entwickeln als der Goldpreis selbst, da Förderkosten, Verschuldung und Management eine Rolle spielen. Für reines Preis-Exposure auf Gold ist ein physisch besicherter Gold-ETC die direktere Alternative.

Wo Du solche ETFs kaufen kannst

ETFs kaufst Du über einen Wertpapierbroker oder eine Bank. Für kostengünstige Sparpläne und Einmalkäufe sind Neobroker verbreitet. Beispielsweise bietet Trade Republic ein sehr großes ETF-Sparplan-Angebot ohne Ausführungsgebühr, während Scalable Capital mit einem Flatrate-Modell (Prime-Abo) und einem breiten Sparplanangebot punktet. Welcher Broker zu Dir passt, hängt von Sparplangebühren, Ordergebühren und dem verfügbaren ETF-Universum ab; unser ETF-Sparplan-Vergleich hilft bei der Auswahl.

Fazit: ETF als flexible Beimischung, nicht als Sachwert-Ersatz

Sachwerte wie Immobilien, Rohstoffe und Infrastruktur können ein Portfolio stabilisieren und einen Teil des Inflationsrisikos abfedern. Über Aktien-ETFs lassen sich diese Bereiche schon mit kleinen Beträgen, breit gestreut, liquide und kostengünstig abbilden, ohne eine ganze Immobilie oder physisches Gold kaufen zu müssen. Entscheidend ist die ehrliche Einordnung: Ein Aktien-ETF auf Sachwerte bleibt eine Aktienanlage mit vollem Kursrisiko, und der Inflationsschutz ist begrenzt und wirkt oft verzögert. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Weltportfolio können solche ETFs sinnvoll sein, als alleinige „Krisenversicherung" taugen sie nicht.


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