Gaming ETF: Wie sinnvoll sind ETF-Fonds für eSports?
Gaming und eSports sind nicht erst seit der Corona-Pandemie Zukunftsbranchen. Das Interesse vor allem jüngerer Menschen daran wird immer größer. Auch die Emittenten von ETFs haben das erkannt und ihre ersten Fonds zu diesen Themen aufgelegt. Lohnt es sich, in einen solchen ETF zu investieren?
Gaming und eSports als Zukunftsbranchen
Die Gaming- und eSports-Branche zählt zu den strukturell am schnellsten wachsenden Konsumsektoren weltweit. Der Boom während der Corona-Pandemie hat einen Trend beschleunigt, der schon vorher angelegt war: Videospiele sind vom Nischenhobby zum globalen Massenmarkt geworden, der klassische Unterhaltungsbranchen wie Kino und Musik längst hinter sich gelassen hat. Für Anleger stellt sich die Frage, ob sich ein spezialisierter Gaming-ETF lohnt oder ob es sich um ein Thema mit hohem Klumpenrisiko handelt. Dieser Beitrag ordnet zwei handelbare UCITS-ETFs ein und beleuchtet Chancen wie Risiken ehrlich. Stand: Juli 2026.
Gaming und eSports sind kein kurzfristiger Hype, sondern haben sich als Wachstumsbranchen etabliert. Das Interesse wächst vor allem bei jüngeren Menschen stetig. Wer sich breiter aufstellen und nicht ausschließlich auf ein einzelnes Thema setzen möchte, sollte einen Themen-ETF stets nur als Beimischung zu einem global gestreuten Kern begreifen. Für langfristige Anlagestrategien kann auch ein ETF Sparplan oder Robo Advisor sinnvoll sein.
Übrigens: Wenn Du speziell an der reinen Videospiel-Wertschöpfung interessiert bist – also Entwickler, Publisher und Chip-Hersteller im Fokus – lohnt sich ergänzend unser vertiefender Beitrag zu Video-Games- und eSport-ETFs. Dieser Artikel hier legt den Schwerpunkt stärker auf die Einordnung des Klumpen- und Themenrisikos sowie den konkreten Kauf per Sparplan.
Studie zeigt starken Wachstumstrend
Der weltweite Umsatz mit Videospielen bewegt sich 2025/2026 nach Branchenschätzungen (u. a. Newzoo) in der Größenordnung von rund 190 bis 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr, mit weiter steigender Tendenz über die kommenden Jahre. Die Zahl der Spielenden weltweit wird auf über 3 Milliarden Menschen geschätzt – bei einer Weltbevölkerung von rund 8 Milliarden eine beeindruckende Durchdringung. In Deutschland spielen laut Branchenverband game / GfK mehrere zehn Millionen Menschen regelmäßig.
Wichtig für die Einordnung: Wachstumsprognosen sind keine Renditegarantie. Ein wachsender Endmarkt bedeutet nicht automatisch steigende Aktienkurse, da Bewertung, Wettbewerb und Margendruck eine große Rolle spielen. Für Anleger, die sich für andere wachstumsstarke Branchen interessieren, kann auch ein Biotech ETF eine Option sein.
Steigende Nachfrage nach Aktien aus dem Gaming-Sektor
Die Nachfrage nach Gaming-Aktien ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. eSports-Wettbewerbe werden inzwischen weltweit ausgetragen, in einigen Ländern ist eSports als offizielle Sportart anerkannt, und auch in Deutschland haben sich professionelle Strukturen etabliert.
Einzelaktien wie Nintendo oder Electronic Arts haben Potenzial, doch bei der Geldanlage kommt es auf eine breite Risikostreuung an. Ein ETF bietet hier die Möglichkeit, das Risiko über mehrere Titel zu streuen und dennoch am Thema teilzuhaben. Wer breiter diversifizieren möchte, kann auch einen Vergleich von US-ETFs heranziehen.
Welche Risiken hat ein Gaming ETF?
So aussichtsreich das Thema ist – die Risiken sind erheblich und sollten nicht unterschätzt werden:
- Themen- und Klumpenrisiko: Ein Gaming-ETF hält oft nur 25 bis 45 Titel. Beim VanEck-ETF machen die Top 10 rund 61 Prozent des Fondsvermögens aus. Fällt ein Schwergewicht wie NetEase, Tencent oder Nintendo, schlägt das unmittelbar durch. Eine echte Diversifikation wie in einem MSCI-World-ETF besteht nicht.
- Sektor- und Stilrisiko: Viele Titel sind zugleich Technologie- und Wachstumsaktien mit hoher Bewertung. In Phasen steigender Zinsen oder von Tech-Korrekturen können die Kurse überdurchschnittlich schwanken.
- Regulatorik und Geopolitik: Ein hoher Anteil chinesischer und asiatischer Unternehmen macht den ETF empfindlich für Regulierung (etwa Spielzeitbeschränkungen in China) und für geopolitische Spannungen zwischen den USA und China.
- Produktrisiko: Die Branche lebt von einzelnen Titeln. Verfehlt ein wichtiges Spiel die Erwartungen, kann das Umsatz und Kurs des Herstellers stark belasten.
Wer sich für die Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf andere Branchen interessiert, kann auch einen Palladium ETF betrachten.
Gaming-ETF Nr. 1: VanEck Video Gaming and eSports UCITS ETF (ESPO)
Der bekannteste und größte Gaming-ETF ist der VanEck Video Gaming and eSports UCITS ETF (ESPO), ISIN IE00BYWQWR46, WKN A2PLDF. Der Fonds ist thesaurierend, wird physisch (Vollreplikation) abgebildet und hat ein Fondsvolumen von rund 511 Millionen Euro (Stand: Juli 2026). Er bildet den MarketVector Global Video Gaming & eSports Screened Index ab (vormals MVIS Global Video Gaming and eSports). Aufgenommen werden Unternehmen, die mindestens die Hälfte ihres Umsatzes mit Videospielen, eSports oder zugehöriger Hard- und Software erzielen.
Die zehn größten Positionen (Stand: Juli 2026):
- NetEase, China, rund 7,9 Prozent
- Unity Software, USA, rund 7,2 Prozent
- Electronic Arts, USA, rund 6,9 Prozent
- Tencent Holdings, China, rund 6,5 Prozent
- Take-Two Interactive, USA, rund 6,2 Prozent
- Nintendo, Japan, rund 6,1 Prozent
- Aristocrat Leisure, Australien, rund 5,8 Prozent
- International Games System, Taiwan, rund 5,0 Prozent
- Roblox, USA, rund 4,9 Prozent
- KONAMI Group, Japan, rund 4,4 Prozent
Der ETF hält rund 25 Einzeltitel. Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 0,55 Prozent pro Jahr. Regional dominieren die USA und Japan, gefolgt von China und weiteren asiatischen Märkten – eine spürbare geografische Konzentration, die das oben beschriebene Klumpenrisiko unterstreicht.
Gaming-ETF Nr. 2: Global X Video Games & Esports UCITS ETF
Die kleinere Alternative ist der Global X Video Games & Esports UCITS ETF, ISIN IE00BLR6Q544, WKN A2QKQ5. Der Fonds wurde im Dezember 2020 aufgelegt, ist thesaurierend und bildet den Solactive Video Games & Esports v2 Index physisch ab.
In der Zusammensetzung unterscheidet sich der Global-X-ETF vom VanEck-Produkt: Er hält mit rund 42 Titeln mehr Positionen und gewichtet die Einzeltitel etwas gleichmäßiger. Zu den größten Positionen zählen (Stand: Juli 2026) unter anderem Take-Two Interactive, International Games System, Electronic Arts, Krafton und NetEase, jeweils in einer Spanne von etwa 5 bis 6 Prozent. Regional liegt der Schwerpunkt auf Japan, den USA und China.
Die Gesamtkostenquote (TER) dieses ETFs liegt bei 0,50 Prozent pro Jahr. Zu beachten ist das mit rund 5,8 Millionen US-Dollar (Stand: Juli 2026) sehr geringe Fondsvolumen. Kleine Fonds tragen ein höheres Risiko einer Schließung durch den Anbieter und können unter geringerer Handelsliquidität leiden – ein Punkt, der bei der Auswahl mehr Gewicht haben sollte als eine Kostendifferenz von 0,05 Prozentpunkten.
Lohnt sich ein Sparplan auf einen Gaming und eSports ETF?
Beide ETFs sind grundsätzlich sparplanfähig und lassen sich über gängige Neobroker besparen. Mit einem Sparplan baust Du langfristig auch mit kleinen monatlichen Beträgen Vermögen auf und glättest über den Cost-Average-Effekt die hohen Schwankungen eines Themen-ETFs.
Wer den größeren, liquideren VanEck-ETF (ESPO) besparen möchte, findet ihn bei vielen Brokern mit kostenlosen oder günstigen Sparplänen. Bei Trade Republic und Scalable Capital lassen sich viele ETF-Sparpläne bereits ab 1 Euro einrichten. Prüfe vor der Einrichtung stets in der aktuellen ETF-Suche des jeweiligen Brokers, ob der gewünschte ETF sparplanfähig ist – gerade beim sehr kleinen Global-X-ETF ist die Verfügbarkeit eingeschränkt. Wer alternative Anlageklassen vergleichen will, kann auch einen Blick auf ETFs vs. P2P-Kredite werfen.
Fazit: ETFs auf Gaming und eSports mit Chancen und klaren Risiken
Die Gaming- und eSports-Branche wächst strukturell, und beide vorgestellten ETFs bieten einen einfachen Zugang zu diesem Thema. Der VanEck Video Gaming and eSports UCITS ETF (ESPO) ist mit über 500 Millionen Euro Fondsvolumen deutlich größer, liquider und für die meisten Anleger die naheliegendere Wahl. Der Global X Video Games & Esports UCITS ETF ist breiter aufgestellt, aber mit unter 6 Millionen US-Dollar Volumen sehr klein.
Beide Produkte sind jedoch klar als spekulative Beimischung einzuordnen: hohes Klumpen- und Sektorrisiko, deutliche geografische Konzentration und überdurchschnittliche Schwankungen. Als Ergänzung zu einem breit gestreuten Weltportfolio – etwa mit maximal 5 bis 10 Prozent Depotanteil – können sie sinnvoll sein, als Basisinvestment sind sie ungeeignet. Wer sich für weitere Themen interessiert, kann auch einen Blick auf den Global Clean Energy ETF werfen.
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