Fear and Greed Index: Aktuelle Gefühlslage von Anlegern messen
indexFear and Greedindikatoren
Der Fear and Greed Index ist kein Index, in den Du mit einem ETF investieren kannst. Es handelt sich um eine Art Barometer, das die aktuelle Gefühlslage von Anlegern an der Börse anzeigt. Dieser Index zeigt an, ob das Anlageverhalten eher von Angst oder von Gier geprägt ist.
Fear and Greed Index: das Stimmungsbarometer von CNN
Der Fear and Greed Index ist kein Index, in dem Aktien oder andere Wertpapiere gelistet sind und in den Du mit einem ETF investieren kannst. Er wurde vom US-Sender CNN Business entwickelt und misst, welche Emotion an den US-Aktienmärkten gerade dominiert: Angst (Fear) oder Gier (Greed). Der Wert bewegt sich auf einer Skala von 0 bis 100. Je niedriger der Wert, desto ängstlicher sind die Anleger, je höher, desto gieriger. Ähnliche Barometer gibt es inzwischen auch für Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum, die aber von anderen Anbietern stammen und anders berechnet werden.
Wichtig gleich vorweg: Der Fear and Greed Index ist ein Stimmungsindikator, kein Timing-Wundermittel. Er sagt Dir, wie nervös oder euphorisch der Markt gerade ist, aber nicht, ob morgen die Kurse steigen oder fallen. Für langfristig orientierte Buy-and-hold-Anleger, die regelmäßig an den Börsen per Sparplan investieren, ist er nachrangig. Als Einordnung der Marktpsychologie ist er dennoch lehrreich.
Stand: Juli 2026.
Die Skala: von extremer Angst bis extremer Gier
CNN teilt die Skala von 0 bis 100 in fünf Zonen ein:
- 0 bis 25 = Extreme Angst (Extreme Fear)
- 25 bis 45 = Angst (Fear)
- 45 bis 55 = Neutral
- 55 bis 75 = Gier (Greed)
- 75 bis 100 = Extreme Gier (Extreme Greed)
Der Index wird börsentäglich neu berechnet. Anfang Juli 2026 lag er im neutralen Bereich bei rund 45 Punkten, die Anleger waren also weder besonders ängstlich noch besonders gierig. Solche Werte ändern sich schnell, deshalb sagt eine einzelne Momentaufnahme wenig aus.
Wie Angst und Gier die Börsenkurse beeinflussen
Anleger werden stark von den beiden Emotionen Angst und Gier getrieben. Herrscht Angst, können Aktien unter das Niveau fallen, das aus fundamentaler Sicht gerechtfertigt wäre, sie sind dann tendenziell unterbewertet. Bei Gier kaufen Anleger verstärkt in der Hoffnung auf weitere Gewinne, wodurch Kurse über den fundamental gerechtfertigten Wert steigen können. Chancen und Risiken beim Trading lassen sich mit dem Verständnis dieser Emotionen besser einordnen. Zu beachten ist aber: Überbewertung kann lange andauern, und ein niedriger Wert ist keine Garantie für steigende Kurse.
Der Kreislauf der Marktphasen
Der Fear and Greed Index illustriert einen Kreislauf von Marktphasen, die sich in ähnlicher Form wiederholen. Steigen die Kurse, wächst die Zuversicht und mündet mitunter in Gier. Anleger werden mutiger, immer mehr wollen investieren, auch bereits investierte stocken auf. Das kann in eine Blasenbildung münden, deren Euphorie am Ende einer Aufwärtsbewegung steht. Ein Blick auf die Dotcom-Blase zeigt, wie solche Phasen enden können. Dieser Kreislauf ist ein anschauliches Erklärmodell, aber keine präzise prognostizierbare Mechanik.
Wie wird der Fear and Greed Index berechnet?
CNN misst bei jedem der sieben Indikatoren, wie weit dieser von seinem eigenen jüngeren Durchschnitt abweicht, und setzt das ins Verhältnis zur normalerweise üblichen Schwankung. Anschließend werden alle sieben Faktoren gleich gewichtet und zu einem Wert zwischen 0 und 100 zusammengefügt. Die sieben Indikatoren sind:
- Verhältnis von Put- und Call-Optionen
- Marktvolatilität
- Stärke der Aktienkurse
- Breite der Aktienkurse
- Nachfrage nach sicheren Häfen
- Marktmomentum
- Nachfrage nach Schrottanleihen (Junk Bonds)
Für eine umfassendere Bewertung der eigenen Anlagesituation ist die Asset Allocation deutlich relevanter als ein Stimmungsindikator.
Die sieben Faktoren im Detail
Um den Fear and Greed Index besser zu verstehen, lohnt ein Blick auf die einzelnen Faktoren:
- Verhältnis von Put- und Call-Optionen (Verkaufs- und Kaufoptionen)
Kaufoptionen (Calls) stehen für Optimismus, Verkaufsoptionen (Puts) für Pessimismus. Steigt das Put-Call-Verhältnis, werden die Anleger nervöser, ein Zeichen für Angst. Ein niedriges Put-Call-Verhältnis deutet auf Gier hin. - Marktvolatilität
Die erwartete Schwankungsbreite wird über den Volatilitätsindex VIX gemessen, der sich auf den S&P 500 bezieht. Eine hohe Volatilität signalisiert Angst, ruhigere Märkte werden eher mit Zuversicht verbunden. (In Deutschland gibt es mit dem VDAX ein vergleichbares Maß, das CNN aber nicht verwendet.) - Stärke der Aktienkurse
Dieser Indikator vergleicht die Zahl der Aktien mit 52-Wochen-Hochs und 52-Wochen-Tiefs an der New York Stock Exchange (NYSE). Überwiegen die Tiefs, deutet das auf Angst hin, überwiegen die Hochs, spricht das für Gier. - Breite der Aktienkurse
Hier wird das Handelsvolumen steigender gegenüber fallenden Aktien an der NYSE betrachtet. Ein sinkendes Volumen bei den Gewinnern wertet CNN als Angstsignal, eine breite Aufwärtsbewegung als Gier. - Nachfrage nach sicheren Häfen (Safe Haven Demand)
Verglichen wird die Rendite von Aktien mit der von Staatsanleihen über die vergangenen rund 20 Handelstage. Laufen Aktien deutlich besser, wechseln Anleger von der Sicherheit ins Risiko, ein Zeichen für Gier. Auch Corporate Bonds spielen im Anleiheumfeld eine Rolle. - Marktmomentum
Das Momentum misst, wie weit der S&P 500 über oder unter seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 125 Handelstage liegt. Deutlich über dem Durchschnitt deutet auf Gier hin, darunter auf Angst. - Nachfrage nach Schrottanleihen
Betrachtet wird der Renditeabstand zwischen Anleihen mit Investment-Grade und hochverzinslichen Schrottanleihen (Junk Bonds). Ein enger Abstand bedeutet, dass Anleger bereit sind, für mehr Rendite ins Risiko zu gehen, ein Zeichen für Gier. Ein weiter Abstand signalisiert Vorsicht und Angst.
Contrarian-Idee: gierig sein, wenn andere ängstlich sind
Der bekannteste Gedanke rund um Angst und Gier stammt von Warren Buffett: Man solle gierig sein, wenn andere ängstlich sind, und ängstlich, wenn andere gierig sind. Diese antizyklische Haltung passt gut zur Logik des Index: In Phasen extremer Angst sind Aktien oft günstig bewertet, in Phasen extremer Gier oft teuer.
Aber Vorsicht vor der einfachen Gleichung Angst = Kaufsignal: Der Index sagt nicht, wann die Angst ihren Tiefpunkt erreicht. 2008 fiel er im September auf 12, der Aktienmarkt selbst fand seinen Boden aber erst im März 2009, Monate später. Wer allein auf einen niedrigen Indexwert hin gekauft hätte, hätte zwischenzeitlich deutliche Buchverluste ausgehalten. Der Index ist eine Orientierung für die Marktpsychologie, kein Einstiegssignal mit Stoppuhr.
Für die meisten Privatanleger ist das antizyklische Prinzip ohnehin bereits eingebaut, wenn sie per Sparplan investieren: In schwachen Phasen kauft man automatisch mehr Anteile zum niedrigeren Kurs. Wer eine Summe wie beim Anlegen von 10.000 Euro mit ETFs investieren möchte, sollte die Entscheidung an der eigenen Strategie und am Anlagehorizont ausrichten, nicht an einem Tageswert des Fear and Greed Index.
Historische Beispiele: extreme Werte an Wendepunkten
Der Fear and Greed Index beruht auf sieben Marktdaten, hat aber keinen strengen wissenschaftlichen Prognosewert. Historische Beispiele illustrieren dennoch das Zusammenspiel von Stimmung und Kursen:
Rund um die Pleite von Lehman Brothers im September 2008 fiel der Index auf etwa 12 Punkte, während der S&P 500 ein Mehrjahrestief erreichte. Angst und Börsenabschwung gingen einher. Der endgültige Boden des S&P 500 kam jedoch erst im März 2009.
Während des Corona-Crashs war der Index im März 2020 einstellig (rund 2 Punkte) und damit nahe am Maximum der Angst. Der S&P 500 fand seinen Tiefpunkt am 23. März 2020, danach folgte eine der schnellsten Erholungen der Geschichte. Beide Beispiele zeigen: Extreme Angst markiert eher eine Zone erhöhter Chancen als einen exakten Kauftag. In unsicheren Phasen greifen manche Anleger zu defensiveren Bausteinen wie Konsum-ETFs oder besonders sicheren Aktien, das ersetzt aber keine durchdachte Gesamtstrategie.
Normale Marktphasen unter dem Einfluss von Angst und Gier
Angst und Gier sind auch in normalen Marktphasen mehr oder weniger stark vorhanden. Ein gesundes Maß an Zuversicht kann Kurse tragen, während aufkommende Angst häufig zu verstärkten Verkäufen führt. Wer sich antizyklisch verhält, kauft eher in Angstphasen mit niedrigen Kursen. Übertriebene Gier führt zu Blasenrisiken, übertriebene Angst zu Panikverkäufen. In beiden Extremen handeln Anleger oft unvernünftig und trennen sich zum Beispiel von soliden Werten, obwohl das zugrunde liegende Unternehmen gar nicht in Schwierigkeiten ist. Für eine tiefere fundamentale Einordnung einzelner Unternehmen kann ergänzend der Altman Z-Score herangezogen werden.
Faustregeln und ihre Grenzen
Der Fear and Greed Index liefert keine präzisen Handlungsanweisungen. Als grobe Faustregel gilt, dass sehr niedrige Werte (extreme Angst) auf einen tendenziell günstig bewerteten Gesamtmarkt hindeuten, während sehr hohe Werte (extreme Gier) zur Vorsicht mahnen. Der Index bezieht sich dabei stets auf den Gesamtmarkt, nicht auf einzelne Aktien. Er zeigt weder das Ende eines Trends noch garantiert er eine Trendwende, Seitwärtsphasen und Fortsetzungen sind ebenso möglich. Ein hoher Wert ist deshalb kein automatisches Verkaufssignal, und ein niedriger Wert kein automatisches Kaufsignal.
Fazit: nützliches Barometer, kein Kompass
Der Fear and Greed Index von CNN Business bündelt sieben Marktindikatoren zu einem Wert zwischen 0 und 100 und zeigt so, ob Angst oder Gier die Stimmung prägt. Er ist ein anschauliches Barometer für die Marktpsychologie und hilft, das eigene Verhalten in extremen Phasen zu hinterfragen. Als alleiniges Instrument fürs Market-Timing taugt er nicht: Extreme Werte markieren Zonen, keine exakten Zeitpunkte, und die Kurse können der Stimmung lange vorauslaufen oder hinterherhinken.
Für langfristig orientierte ETF-Anleger bleibt die wichtigste Botschaft schlicht: Ein durchdachter, breit gestreuter Sparplan und eine passende ETF-Strategie schlagen jeden Versuch, mit einem Stimmungsindikator den perfekten Ein- und Ausstieg zu erwischen. Wer regelmäßig und günstig investieren möchte, findet bei Anbietern wie Scalable Capital passende ETF-Sparpläne. Deutlich extremere Strategien wie ETF auf Kredit erhöhen dagegen das Risiko erheblich und eignen sich nur für erfahrene Anleger, die die Gefahren kennen.
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