ETF-Strategie für junge Menschen: Vermögensaufbau zur Volljährigkeit und darüber hinaus
In jungen Jahren mit dem Investieren in ETFs zu beginnen, kann einen erheblichen Vorteil im langfristigen Vermögensaufbau bieten. Durch regelmäßige, kleine Beträge und die Nutzung des Zinseszinseffekts lassen sich über die Zeit beachtliche Summen ansparen.
Wer für das eigene Kind bis zur Volljährigkeit anlegt, hat einen unschlagbaren Verbündeten: die Zeit. Ein Anlagehorizont von 15 oder 18 Jahren glättet Kursschwankungen und lässt den Zinseszinseffekt wirken. Dieser Ratgeber zeigt, wie ein ETF-Sparplan auf den Namen des Kindes funktioniert, welche steuerlichen Vorteile ein Junior-Depot bietet, worauf du bei Familienversicherung und BAföG achten musst und was passiert, wenn das Kind mit 18 die volle Kontrolle übernimmt. Stand: Juli 2026. Dies ist eine allgemeine Information und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Depot auf den eigenen Namen oder auf den Namen des Kindes?
Für den Vermögensaufbau zugunsten eines Kindes gibt es zwei grundsätzliche Wege, die sich steuerlich und rechtlich deutlich unterscheiden.
- Depot auf deinen Namen: Du bleibst rechtlich Eigentümer, behältst jederzeit die volle Kontrolle und kannst frei über das Geld verfügen. Nachteil: Die Erträge zählen zu deinen Kapitaleinkünften und belasten deinen eigenen Sparerpauschbetrag.
- Junior-Depot auf den Namen des Kindes: Das Kind ist wirtschaftlicher Eigentümer, du und der andere Elternteil verwaltet das Depot als gesetzliche Vertreter. Der große Vorteil ist steuerlicher Natur (siehe unten). Der Preis dafür: Mit dem 18. Geburtstag gehört das Vermögen rechtlich vollständig dem Kind.
Der Steuervorteil des Junior-Depots
Ein Kind ist steuerlich eine eigenständige Person mit eigenen Freibeträgen. Genau hier liegt der Reiz eines Depots auf Kindesnamen: Kapitalerträge lassen sich in der Regel komplett steuerfrei vereinnahmen, solange das Kind keine weiteren nennenswerten Einkünfte hat. Drei Bausteine greifen ineinander:
- Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro pro Jahr sind über einen Freistellungsauftrag steuerfrei. Dieser Betrag steht dem Kind zusätzlich zu deinem eigenen zu.
- Grundfreibetrag: Für 2026 liegt der steuerliche Grundfreibetrag bei 12.348 Euro. Über eine sogenannte Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanzamt können Kapitalerträge bis zu dieser Höhe steuerfrei bleiben.
- Sparer-Pauschbetrag plus Grundfreibetrag: In der Praxis lassen sich so hohe vierstellige Beträge an Kapitalerträgen pro Jahr steuerfrei realisieren, deutlich mehr als bei einem Elterndepot.
Auf Aktien-ETFs greift zudem die Teilfreistellung von 30 Prozent: Nur 70 Prozent der Erträge sind überhaupt steuerpflichtig. Die reguläre Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag (effektiv rund 26,375 Prozent), fällt beim korrekt genutzten Junior-Depot aber oft gar nicht erst an.
Achtung: Familienversicherung und BAföG-Grenzen
Der steuerliche Vorteil hat eine Kehrseite, die viele Eltern übersehen. Das Vermögen und die Einkünfte des Kindes können an anderer Stelle Nachteile auslösen:
- Familienversicherung (GKV): Ein Kind kann beitragsfrei familienversichert bleiben, solange sein Gesamteinkommen eine bestimmte monatliche Grenze nicht überschreitet. Hohe Kapitalerträge im Junior-Depot können diese Grenze sprengen und eine kostenpflichtige eigene Versicherung nötig machen. Prüfe die aktuell gültigen Einkommensgrenzen bei deiner Krankenkasse.
- BAföG: Beantragt das Kind später BAföG, wird eigenes Vermögen oberhalb eines Freibetrags angerechnet und kann die Förderung mindern oder ausschließen. Ein prall gefülltes Junior-Depot kann sich hier direkt auf den Studienbeginn auswirken.
Wer diese Wechselwirkungen früh einplant, vermeidet böse Überraschungen. Eine ehrliche Abwägung zwischen Steuerersparnis und möglichen Folgekosten gehört zu jeder seriösen Strategie.
Die richtige ETF-Auswahl: breit, günstig, langfristig
Für einen Anlagehorizont bis zur Volljährigkeit eignet sich ein breit gestreuter, kostengünstiger Aktien-ETF als Kern. Ein Welt-ETF auf den MSCI World deckt mit einem einzigen Produkt rund 1.280 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab (Stand 30.06.2026). Alternativ oder ergänzend bildet der S&P 500 die 500 größten US-Konzerne ab.
Ein konkretes Beispiel für einen solchen Welt-ETF ist der Amundi MSCI World Swap II UCITS ETF (ISIN FR0010315770), der den MSCI World nachbildet und laut justETF eine laufende Kostenquote (TER) von 0,30 Prozent pro Jahr aufweist. Er ist 2026 für Privatanleger in Deutschland handelbar. Die Marke Lyxor, unter der dieser ETF früher lief, wurde eingestellt und in Amundi überführt.
Junior-Depot eröffnen: Anbieter und Konditionen
Ein Junior-Depot lässt sich bei vielen Brokern und Banken kostenlos eröffnen. Wichtig sind niedrige oder keine Depotführungsgebühren, ein breites Angebot an kostenlosen ETF-Sparplänen und niedrige Ausführungskosten. Drei in Deutschland etablierte Anbieter:
- comdirect JuniorDepot: Speziell auf Minderjährige zugeschnitten, mit kostenloser Depotführung und einer großen Auswahl an ETF-Sparplänen. Details zur Kontoeröffnung findest du beim comdirect JuniorDepot.
- Scalable Capital: Bietet ein Depot für Minderjährige mit günstigen Sparplan-Konditionen an. Zum Angebot von Scalable Capital.
- Trade Republic: Ermöglicht ebenfalls ein Depot für Kinder mit provisionsfreien ETF-Sparplänen. Mehr bei Trade Republic.
Zur Eröffnung eines Junior-Depots benötigst du in der Regel die Geburtsurkunde des Kindes, die Steueridentifikationsnummer des Kindes, die Ausweise beider gesetzlicher Vertreter und je nach Anbieter einen Meldenachweis. Beide sorgeberechtigten Elternteile müssen der Eröffnung meist zustimmen.
Übertrag und Schenkung: Vermögen ins Kinderdepot bringen
Statt monatlich zu sparen, kannst du auch bereits vorhandene Wertpapiere ins Depot des Kindes übertragen. Ein solcher Depotübertrag von Eltern auf Kind gilt als Schenkung. Der reine Übertrag löst dabei keine Veräußerungsgewinnsteuer aus, weil die ursprünglichen Anschaffungsdaten mitwandern und erst bei einem späteren Verkauf abgerechnet werden.
Schenkungen sind bis zu bestimmten Freibeträgen steuerfrei. Zwischen einem Elternteil und einem Kind liegt der Schenkungsteuer-Freibetrag bei 400.000 Euro, und dieser Betrag steht alle zehn Jahre erneut zur Verfügung. Für die allermeisten Kinderdepots liegt das Vermögen deutlich darunter. Wie ein solcher Übertrag praktisch abläuft, erklären wir im Detail unter Aktien verschenken.
Mit 18: Das Kind bekommt die volle Kontrolle
Der entscheidende Punkt, den viele Eltern zu spät bedenken: Mit dem 18. Geburtstag endet das Verwaltungsrecht der Eltern. Das Kind ist dann voll geschäftsfähig und kann frei über das gesamte Depot verfügen, es weiter besparen, umschichten oder komplett auflösen und ausgeben.
Die Chance: Ein junger Erwachsener startet mit einem soliden finanziellen Polster ins Leben, kann eine Ausbildung finanzieren, den Grundstein für die Altersvorsorge legen oder das Depot einfach weiterlaufen lassen und den Zinseszinseffekt weiter für sich arbeiten lassen.
Das Risiko: Es gibt keine rechtliche Handhabe, das Geld zweckgebunden zu halten. Wer befürchtet, dass ein größerer Betrag mit 18 nicht sinnvoll verwendet wird, sollte abwägen, ob ein Depot auf den eigenen Namen mit späterer, kontrollierter Schenkung nicht der bessere Weg ist. Beide Modelle haben ihre Berechtigung, die Entscheidung hängt von Vertrauen, Vermögenshöhe und Familiensituation ab.
Vertiefende Ratgeber
Diese Artikel gehen auf einzelne Aspekte des Themas genauer ein:
- Sparen für das Kind – Strategien und Produkte für die Zukunftsvorsorge
- Kosten für ein Kind bis 18 – was ein Kind wirklich kostet und wie sich das planen lässt
Für die Kleinen vorsorgen: ETF für Kinder und JugendlicheFür den Nachwuchs mit einem separaten Depot und eigenen ETFs vorzusorgen, lohnt sich zweifelsohne - denn so maximierst du die Zeit, in der der Zinseszinseffekt dir beziehungsweise den Kids in die Hände spielt. Je früher du beginnst, desto besser: Wir zeigen dir wie!etf.capital Redaktionetf.capitalGeldanlage für Kinder: Zukunftssicher dank ETFs?Suchst Du nach einer Geldanlage für Deine Kinder, kommt es auf eine gute Rendite an. Du kannst für Deinen Nachwuchs ein Wertpapierdepot eröffnen und in einen ETF-Sparplan investieren. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus eignen sich Festgeld und Sparbücher nicht als langfristige Anlagen.etf.capital Redaktionetf.capital
Fazit
Ein Junior-Depot auf den Namen des Kindes ist ein steuerlich starkes Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau bis zur Volljährigkeit: eigener Sparerpauschbetrag, Grundfreibetrag und die 30-prozentige Teilfreistellung auf Aktien-ETFs machen Erträge oft komplett steuerfrei. Die Kehrseite sind die Wechselwirkungen mit Familienversicherung und BAföG sowie der Umstand, dass das Kind mit 18 uneingeschränkt über das Vermögen verfügt. Wer diese Punkte ehrlich abwägt, breit und günstig anlegt und das Kind früh finanziell bildet, schafft einen soliden Start ins Erwachsenenleben.
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