Wie viel Geld braucht man, um in Rente zu gehen?
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Planen Sie für den Ruhestand, doch unsicher, wie viel Geld Sie brauchen? Erfahren Sie, wie individuelle Ziele und Lebensstandards die benötigte Summe beeinflussen und welche Rolle die 4%-Regel sowie persönliche Vorsorge spielen.
Die goldene Frage: Wie viel Geld braucht man für den Ruhestand?
Es ist eine der wichtigsten Fragen, die sich Privatanleger stellen: Wie viel Geld muss ich eigentlich für den Ruhestand ansparen? Die Antwort ist ebenso individuell wie unbequem, denn eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht. Während der eine von einem ruhigen Leben am See träumt, möchte der andere im Alter die Welt bereisen. Fest steht: Die gesetzliche Rente allein reicht in den meisten Fällen nicht, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.
Statt einer Wunschzahl liefert dieser Beitrag zwei nachvollziehbare Rechenwege: Zuerst ermitteln wir deine Rentenlücke (was fehlt monatlich?), danach den Kapitalbedarf über die 25x-Regel und die 4-%-Entnahmeregel (wie viel Vermögen deckt diese Lücke?). Anschließend zeigen wir ehrlich, wo diese Faustformeln an ihre Grenzen stoßen. Das ist eine Information zur Selbsteinschätzung, keine individuelle Finanzberatung. Stand: Juli 2026.
Schritt 1: Die Rentenlücke ermitteln
Als grobe Orientierung nimmt man an, dass im Ruhestand rund 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens nötig sind, um den Lebensstandard zu halten. Der Bedarf sinkt gegenüber dem Berufsleben oft, weil Sparraten, berufsbedingte Ausgaben und in der Regel auch die Kreditrate fürs abbezahlte Eigenheim wegfallen. Das ist aber nur ein Startwert: Wer im Alter viel reisen oder Angehörige unterstützen will, braucht eher mehr; wer sehr sparsam lebt, weniger. Am belastbarsten ist es, die eigenen erwarteten Monatsausgaben tatsächlich durchzurechnen.
Dieser Bedarf trifft auf die gesetzliche Rente. Zur Einordnung ein paar aktuelle Werte (Stand 2026):
- Das Rentenniveau vor Steuern liegt bei 48,0 Prozent. Es beschreibt die Rente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittslohn im Verhältnis zum aktuellen Durchschnittslohn, nicht dein persönliches Verhältnis von Rente zu Netto.
- Die Standardrente für 45 Rentenpunkte beträgt seit dem 1. Juli 2026 rund 1.913 Euro brutto pro Monat (nach der Rentenerhöhung von 4,24 Prozent). Davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie ggf. Steuern ab.
- Die tatsächlich gezahlte Durchschnittsrente liegt deutlich darunter: im Mittel bei rund 1.100 bis 1.200 Euro monatlich, mit spürbaren Unterschieden zwischen Männern und Frauen.
Deine persönliche Rentenprognose steht in deiner jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Wichtig: Die dort ausgewiesenen Beträge sind brutto und werden durch die Inflation bis zum Rentenbeginn real entwertet.
Schritt 2: Kapitalbedarf über die 25x-Regel und die 4-%-Regel
Steht die jährliche Lücke fest, lässt sich der grobe Kapitalbedarf abschätzen. Die bekannteste Faustformel ist die 4-%-Regel: Man entnimmt im ersten Ruhestandsjahr 4 Prozent des angelegten Vermögens und passt diesen Betrag danach jährlich an die Inflation an. Die Kehrseite derselben Medaille ist die 25x-Regel: Das benötigte Kapital entspricht dem 25-Fachen der jährlichen Ausgaben, die aus dem Depot gedeckt werden müssen (denn 1 geteilt durch 4 Prozent ergibt 25).
Zwei weitere Orientierungspunkte, korrekt gerechnet: Ein Vermögen von 500.000 Euro erlaubt nach der 4-%-Regel im ersten Jahr 20.000 Euro (rund 1.667 Euro pro Monat). Bei 1.000.000 Euro sind es 40.000 Euro im ersten Jahr (rund 3.333 Euro pro Monat). Ob das reicht, hängt allein von deinen persönlichen Ausgaben ab.
Die ehrlichen Grenzen der 4-%-Regel
Die 4-%-Regel ist ein nützlicher Startpunkt, aber keine Garantie. Vier Punkte solltest du kennen, bevor du dein Leben darauf aufbaust:
- Sequence-of-Returns-Risiko: Fällt der Markt stark in den ersten Ruhestandsjahren, während du bereits entnimmst, kann sich das Depot dauerhaft nicht mehr erholen, selbst wenn die Durchschnittsrendite später stimmt. Die Reihenfolge der Renditen ist entscheidend, nicht nur ihr Mittelwert.
- Inflation: Die Regel schreibt die inflationsangepasste Entnahme vor, doch anhaltend hohe Teuerung zehrt real am Kapital. Deine Renteninformation und dein Sparziel sollten in heutiger Kaufkraft gedacht werden.
- Steuern: Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fallen in Deutschland Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an (rund 26,375 Prozent, ggf. Kirchensteuer). Der Sparerpauschbetrag (1.000 Euro bzw. 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) und die Teilfreistellung von 30 Prozent bei Aktien-ETFs mildern das, heben es aber nicht auf. Die 4 Prozent sind brutto vor Steuer gedacht, netto bleibt weniger.
- Langlebigkeit: Die Lebenserwartung bei Geburt liegt in Deutschland aktuell bei rund 83 Jahren für Frauen und rund 79 Jahren für Männer, mit steigender Tendenz. Wer bei Renteneintritt 65 ist, hat statistisch noch etliche Jahre vor sich, ein Ruhestand über 30 Jahre ist realistisch. Ein zu knapp kalkuliertes Depot kann dann vorzeitig aufgebraucht sein.
Konsequenz: Rechne konservativ. Ein niedrigerer Entnahmesatz (etwa 3 bis 3,5 Prozent), ein Cash-Puffer für schwache Börsenjahre und eine flexible Entnahme (in guten Jahren mehr, in schlechten weniger) erhöhen die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass das Kapital reicht.
Lebenserwartung und individuelle Bedürfnisse
Die Lebenserwartung bestimmt maßgeblich, wie lange die angesparten Mittel vorhalten müssen. Bedenke, dass die medizinische Versorgung fortschreitet und Menschen künftig womöglich noch länger leben als heute erwartet. Für die Planung heißt das: eher großzügig ansetzen.
Hinzu kommen individuelle Bedürfnisse. Es ist ein großer Unterschied, ob du einen beschaulichen Lebensabend auf dem Land planst oder in der Stadt wohnst, reist und kulturelle Veranstaltungen besuchst. Eine durchdachte Planung des eigenen Lebensstils im Alter ist deshalb unerlässlich, denn sie liefert die Ausgabenzahl, aus der sich Rentenlücke und Kapitalbedarf überhaupt erst ergeben.


Von der Kalkulation zur Kapitalanlage: Der Weg in die Rente
Wenn du dir ein Bild deiner gewünschten Rentenphase gemacht hast, geht es an die konkrete Kalkulation. Dabei spielt auch die Inflation eine Rolle, denn sie sorgt dafür, dass Geld über die Zeit an Kaufkraft verliert. In vier Schritten:
- Bestimme deine erwarteten Lebenshaltungskosten im Ruhestand (in heutiger Kaufkraft, Inflation gedanklich eingeplant).
- Ziehe laufende Einkünfte im Alter ab, etwa gesetzliche Rente, Betriebsrente oder Mieteinnahmen.
- Die verbleibende jährliche Lücke ist der Betrag, den dein Vermögen decken muss.
- Multipliziere diese Lücke mit 25 (bzw. mit einem höheren Faktor bei konservativerer Entnahme), um den groben Kapitalbedarf zu erhalten.
Damit das Vermögen nicht untätig auf dem Konto liegt, sollte es breit gestreut investiert sein. Eine Diversifikation über Anlageklassen wie Aktien-ETFs, Anleihen und ggf. Immobilien hilft, Risiko zu streuen und Renditechancen zu nutzen. Wer den benötigten Kapitalstock und den passenden Sparplan durchspielen will, kann das mit einem Rechner tun.
Finanzielle Freiheit mit dem Rechner ermitteln zeigt Schritt für Schritt, wie viel Kapital du für deine Wunschentnahme brauchst. Wer früher aussteigen will, findet in unserem Überblick zur FIRE-Bewegung die wichtigsten Strategien und ihre Grenzen.
Für den langfristigen Vermögensaufbau per ETF-Sparplan bieten sich kostengünstige Broker an. Bei Trade Republic und Scalable Capital lassen sich ETF-Sparpläne mit kleinen Raten und geringen Gebühren einrichten. Vergleiche Konditionen und Sparplanangebot in Ruhe, bevor du dich entscheidest.
Der Übergang: Rechtzeitig vom Ansparen zum Entnehmen wechseln
Ein oft unterschätzter Teil der Planung ist der Übergang vom Vermögensaufbau zur Entnahme. Genau in den Jahren rund um den Renteneintritt schlägt das Sequence-of-Returns-Risiko am härtesten zu. Es kann daher sinnvoll sein, das Portfolio in den letzten Jahren vor der Rente schrittweise defensiver aufzustellen und einen Liquiditätspuffer aufzubauen, damit man in einer Baisse nicht zum Verkauf gezwungen ist.
Wie realistisch muss die Planung sein?
Die Planung der Altersvorsorge erfordert eine realistische Einschätzung von Lebenserwartung, Lebenshaltungskosten und Rendite. Weder zu pessimistisch noch zu optimistisch: Es empfiehlt sich, mehrere Szenarien durchzurechnen und unvorhergesehene Ereignisse wie steigende Gesundheitskosten einzuplanen. Ein finanzielles Polster für Unvorhergesehenes gehört ebenfalls dazu.
Das Prinzip der Vorsicht ist einschlägig: Rechne lieber mit einer längeren Lebenserwartung und niedrigeren Renditen, um auf der sicheren Seite zu sein. Dennoch sollte die Planung flexibel bleiben, um auf Veränderungen im Leben oder am Finanzmarkt reagieren zu können.
Finanzielle Vorsorge trifft auf Lebensqualität
Die finanzielle Vorsorge ist nur ein Teil eines gelungenen Ruhestands. Mindestens ebenso wichtig ist, dass du dich auf diese Lebensphase freuen kannst. Diese psychologische Komponente solltest du nicht unterschätzen. Es lohnt sich, frühzeitig zu überlegen, wie du deinen Ruhestand gestalten und wie du entsprechend vorsorgen möchtest.

Manche Menschen arbeiten schrittweise weniger oder engagieren sich ehrenamtlich, um sich langsam an den Ruhestand zu gewöhnen. Andere suchen Hobbys, die auch ohne Erwerbseinkommen Struktur und Erfüllung bieten. Es geht also nicht nur darum, das erforderliche Kapital zu ermitteln, sondern auch um die Gestaltung eines erfüllenden Lebensabschnitts.
Zusammenfassung: Schritte zum finanziellen Ruhestand
Es gibt keinen Pauschalbetrag und keine Strategie, die für jeden passt. Diese Schritte helfen bei der Planung:
- Ermittle deinen erwarteten Lebensstandard und deine Lebenshaltungskosten im Alter.
- Kalkuliere deine Einkünfte im Alter, inklusive gesetzlicher und betrieblicher Rente (Basis: deine Renteninformation).
- Bilde die Differenz aus Ausgaben und Einkünften, das ist deine Rentenlücke.
- Leite über die 25x-Regel den Kapitalbedarf ab und plane einen konservativen Puffer für Steuer, Inflation und Langlebigkeit ein.
- Entwickle eine zum Risikoprofil passende Anlagestrategie und überprüfe die Planung regelmäßig.
Erinnere dich: Es ist nie zu früh oder zu spät, mit der Planung zu beginnen. Je früher du anfängst, desto mehr Spielraum hast du, um deine finanzielle Sicherheit im Alter zu erhöhen.
FAQs
Wie viel Vermögen muss man angespart haben, um in Rente gehen zu können?
Kann man mit 1 Million Euro aufhören zu arbeiten?
Wie viel Geld sollte man mit 60 Jahren angespart haben?
Wie lange reichen 300.000 Euro?
Was sind gute Strategien zur Vorsorge für den Ruhestand?
Staatliche Förderung und Steuervorteile nutzen
Neben Sparen und Investieren können staatliche Unterstützung und steuerliche Vorteile eine Rolle spielen. In Deutschland gibt es etwa die betriebliche Altersvorsorge sowie geförderte Produkte, die Steuervorteile oder Zulagen bieten können. Es lohnt sich, diese Möglichkeiten zu prüfen und in die eigene Planung zu integrieren.
Ebenso relevant ist, wie Kapitalerträge besteuert werden. Der Sparerpauschbetrag (1.000 Euro, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro) und die Teilfreistellung von 30 Prozent bei Aktien-ETFs reduzieren die Steuerlast. Da sich Gesetze und Regelungen ändern können, solltest du deine Vorsorgepläne regelmäßig überprüfen und anpassen.
Eine umfassende Ruhestandsplanung umfasst also nicht nur Sparen und Investieren, sondern auch das Nutzen von Förderungen und Steuervorteilen. Bei komplexen individuellen Fragen kann die Unterstützung durch einen unabhängigen Finanz- oder Steuerberater sinnvoll sein.
Flexibilität im Ruhestand: Plan A und Plan B
Wer sich auf den Ruhestand vorbereitet, sollte nicht nur einen Plan haben, sondern auch einen Plan B. Denn das Leben nimmt unvorhersehbare Wendungen: Krankheiten, familiäre Verpflichtungen oder geänderte Umstände können selbst die beste Finanzstrategie ins Wanken bringen.
Flexibilität bedeutet, Anpassungen zuzulassen. Das kann ein Teilzeitjob im Ruhestand für zusätzliches Einkommen sein oder, wenn nötig, ein vorübergehend gesenkter Lebensstandard in schwachen Börsenjahren. Genau diese flexible Entnahme ist eines der wirksamsten Mittel gegen das Sequence-of-Returns-Risiko.
Auch zusätzliche Einkommensströme, etwa aus Vermietung oder Dividenden, können finanzielle Risiken streuen. Und ein Ruhestand im Ausland mit niedrigeren Lebenshaltungskosten kann ein Plan B sein, sofern man rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen vorab gründlich prüft.
Wichtig ist, den Ruhestand so zu gestalten, dass er deinen Wünschen entspricht und finanziell machbar bleibt. Wer nicht nur einen, sondern mehrere Pläne entwickelt und regelmäßig überprüft, geht dieses neue Lebenskapitel gelassener an. Etwas Disziplin und die Bereitschaft, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen, gehören dazu, doch mit der richtigen Vorbereitung gelingt der Übergang ohne große Einbußen.
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