Rente 2026: Was die Bundesregierung wirklich geändert hat
Rentenpaket 2025, Aktivrente, das neue Altersvorsorgedepot und die geplante Frühstart-Rente: Wir ordnen ein, was die Bundesregierung 2026 bei Rente und Altersvorsorge tatsächlich beschlossen hat und was das für deine eigene Vorsorge bedeutet.
Rente und Altersvorsorge 2026: der Überblick
Die Rentenpolitik hat sich seit dem Ampel-Koalitionsvertrag von 2021 grundlegend verändert. Regiert wird seit 2025 eine Koalition aus CDU, CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Ihr Koalitionsvertrag trägt den Titel „Verantwortung für Deutschland". Anders als in der Vergangenheit sind viele Vorhaben inzwischen nicht mehr nur angekündigt, sondern beschlossen und teils bereits in Kraft. Dieser Beitrag ordnet den Stand ein (Stand: Juli 2026) und ist als Information gedacht, nicht als Anlage- oder Steuerberatung.
Das Wichtigste vorab:
- Das Rentenpaket 2025 ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten und sichert das Rentenniveau bei 48 Prozent bis 2031.
- Die Aktivrente erlaubt es Menschen im Rentenalter seit dem 1. Januar 2026, bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuzuverdienen.
- Die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (der Riester-Nachfolger) ist beschlossen: Das neue Altersvorsorgedepot soll ab 2027 verfügbar sein.
- Für Kinder ist eine Frühstart-Rente geplant; die Eckpunkte hat das Kabinett im Dezember 2025 beschlossen.
- Am Renteneintrittsalter von 67 Jahren ändert sich nichts.
Rentenpaket 2025: Haltelinie 48 Prozent bis 2031
Das „Gesetz zur Stabilisierung des Rentenniveaus und zur vollständigen Angleichung von Kindererziehungszeiten" – kurz Rentenpaket 2025 – ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Kernpunkt ist die sogenannte Haltelinie: Das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente vor Steuern wird bei 48 Prozent festgeschrieben – zunächst bis zur Rentenanpassung 2031. Damit wird verhindert, dass die Renten im Verhältnis zu den Löhnen stärker absinken.
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bleibt 2026 bei 18,6 Prozent stabil. Die Kosten der Haltelinie werden über Steuermittel gedeckt, nicht aus der Rentenkasse. Zum Paket gehört außerdem die sogenannte Mütterrente III: Kindererziehungszeiten werden künftig für bis zu drei Jahre je Kind anerkannt, unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes.
Wichtig zur Einordnung: Die frühere Idee einer teilweise kapitalgedeckten gesetzlichen Rente („Generationenkapital" bzw. das viel diskutierte „Aktienrente"-Modell der Ampel) ist mit dem Regierungswechsel nicht weiterverfolgt worden. Die gesetzliche Rente bleibt umlagefinanziert.
Wie viel steigen die Renten 2026?
Zum 1. Juli 2026 steigen die Renten bundeseinheitlich um 4,24 Prozent. Der aktuelle Rentenwert erhöht sich damit von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Eine regionale Unterscheidung zwischen Ost und West gibt es seit dem Abschluss der Angleichung 2023 nicht mehr.
Aktivrente: bis zu 2.000 Euro steuerfrei dazuverdienen
Neu und seit dem 1. Januar 2026 in Kraft ist die Aktivrente. Sie richtet sich an Menschen, die die Regelaltersgrenze erreicht haben und freiwillig weiterarbeiten. Wer in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung tätig ist, kann bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen.
Ein paar Punkte, die häufig missverstanden werden:
- Die Aktivrente ist keine eigene Rentenleistung, sondern ein steuerlicher Freibetrag. Verdienst über 2.000 Euro monatlich bleibt steuerpflichtig.
- Sie gilt nicht für Selbstständige, Freiberufler und Minijobs.
- Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung müssen trotz Steuerfreiheit weiter gezahlt werden.
Für Menschen, die im Alter fit sind und gerne weiterarbeiten, kann die Aktivrente den Anreiz erhöhen, länger im Job zu bleiben. Eine Pflicht ist sie nicht.
Reform der privaten Altersvorsorge: das Altersvorsorgedepot ab 2027
Der wohl relevanteste Schritt für Sparer ist die Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge – der lang erwartete Riester-Nachfolger. Der Zeitplan ist inzwischen abgearbeitet: Das Bundeskabinett hat die Reform am 17. Dezember 2025 beschlossen, der Bundestag am 27. März 2026 zugestimmt (mit Änderungen), der Bundesrat am 8. Mai 2026. Die neuen Produkte sollen zum 1. Januar 2027 verfügbar sein.
Kern der Reform ist ein Altersvorsorgedepot, in dem Bürgerinnen und Bürger mit Aktien, Fonds und ETFs für das Alter sparen können – erstmals also ausdrücklich auch ohne Beitragsgarantie. Neben dem garantiefreien Depot sind auch ein kostenlimitiertes Standarddepot sowie Garantieprodukte mit unterschiedlichen Garantieniveaus vorgesehen.
Die staatliche Förderung wird prozentual ausgestaltet: 50 Prozent Zulage auf die ersten 360 Euro jährlicher Einzahlung und 25 Prozent auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr.
Für bestehende Riester-Verträge gilt weiterhin Bestandsschutz. Wer bereits einen Vertrag hat, muss nicht sofort handeln, sollte aber die neuen Produkte ab 2027 mit den bestehenden Kosten und Konditionen vergleichen.
Frühstart-Rente: Altersvorsorgedepot für Kinder
Ein weiteres Vorhaben ist die Frühstart-Rente, ein staatlich unterstütztes Altersvorsorgedepot für Kinder. Die Eckpunkte hat das Bundeskabinett am 17. Dezember 2025 beschlossen; das konkrete Gesetz will die Bundesregierung 2026 auf den Weg bringen, geplant ist ein rückwirkendes Inkrafttreten zum 1. Januar 2026. Bis zum Gesetzesbeschluss handelt es sich also um ein geplantes Vorhaben, nicht um geltendes Recht.
Nach den Eckpunkten soll der Staat für jedes Kind ab sechs Jahren 10 Euro pro Monat in ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot einzahlen. Starten soll das Programm mit dem Geburtsjahrgang 2020; jedes Jahr soll ein weiterer Jahrgang hinzukommen. Das Geld wird am Kapitalmarkt angelegt und ist bis zum Renteneintritt gebunden. Über den langen Anlagehorizont und den Zinseszinseffekt kann daraus ein beachtlicher Betrag werden – realistisch bleiben sollte man trotzdem: 10 Euro im Monat sind ein Anstoß, keine ausreichende Altersvorsorge für sich allein.
Reicht die gesetzliche Rente? Ehrliche Einordnung
So positiv die stabile Haltelinie klingt: Ein Sicherungsniveau von 48 Prozent bedeutet, dass jemand nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst rund 48 Prozent des Durchschnittslohns als Rente erhält – vor Steuern und Sozialabgaben. Für viele Menschen, besonders bei unterbrochenen Erwerbsbiografien, Teilzeit oder geringeren Einkommen, reicht das nicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.
Die politische Logik hinter Aktivrente, Altersvorsorgedepot und Frühstart-Rente ist genau das: Der Staat sichert eine Basis und setzt zugleich Anreize für zusätzliche, kapitalgedeckte Vorsorge. Wer im Alter finanziell entspannt sein möchte, kommt um eine eigene, langfristige Vorsorge in der Regel nicht herum.
Ein breit gestreuter, kostengünstiger ETF-Sparplan ist dafür ein bewährter Baustein: breite Streuung über Tausende Unternehmen weltweit, niedrige Kosten und volle Flexibilität. Ein Depot dafür lässt sich bei vielen Brokern kostenlos eröffnen, etwa bei Scalable Capital. Wichtig ist, ehrlich zu bleiben: Ein ETF-Sparplan schwankt, und der Anlagehorizont sollte lang sein. Kurzfristig benötigtes Geld gehört nicht in Aktien-ETFs.
Was ändert sich für dich konkret?
- Wenn du bereits Rente beziehst: Die Rente steigt zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent. Willst du weiterarbeiten, kann die Aktivrente steuerlich attraktiv sein.
- Wenn du noch einzahlst: Die Haltelinie stabilisiert das Niveau bis 2031 – die Lücke zum letzten Nettoeinkommen bleibt aber bestehen. Private Vorsorge bleibt wichtig.
- Wenn du einen Riester-Vertrag hast: Bestandsschutz gilt. Ab 2027 lohnt ein Vergleich mit dem neuen Altersvorsorgedepot.
- Wenn du Kinder hast: Behalte die Frühstart-Rente im Blick, sobald das Gesetz beschlossen ist. Ergänzend kannst du selbst für den Nachwuchs sparen.
Fazit
Die Bundesregierung hat 2026 spürbar mehr umgesetzt als nur Ankündigungen: Das Rentenpaket 2025 sichert das Niveau bei 48 Prozent bis 2031, die Aktivrente belohnt Weiterarbeiten im Alter, und mit dem Altersvorsorgedepot bekommt die private Vorsorge ab 2027 ein moderneres, ETF-freundliches Fundament. Die Frühstart-Rente steht als geplantes Vorhaben in den Startlöchern. An der Kernbotschaft ändert das aber nichts: Die gesetzliche Rente sichert die Basis, für den gewohnten Lebensstandard braucht es meist zusätzliche, langfristige Vorsorge.
Weitere Informationen findest du in unseren Beiträgen zur Altersvorsorge und zur besten Geldanlage aktuell.
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