Aktien KGV: Immer noch eine wichtige Kennzahl?

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Möchtest Du erfolgreich in Aktien investieren, gibt es mehrere Möglichkeiten für die Bewertung. Eine wichtige Kennzahl ist das KGV, das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Es ist von Bedeutung bei der Fundamentalanalyse und lässt sich mit einer einfachen Formel berechnen.

Aktien KGV: Immer noch eine wichtige Kennzahl?

Stand: Juli 2026. Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Er dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Welche Bedeutung hat das KGV?

Wenn du in Aktien investieren möchtest, ist eine gründliche Analyse unerlässlich. Dabei kannst du entweder die Chartanalyse oder die Fundamentalanalyse nutzen. Während die Chartanalyse sich auf Kursverläufe konzentriert, geht die Fundamentalanalyse tiefer und betrachtet verschiedene Kennzahlen. Eine der bekanntesten Kennzahlen ist das KGV, das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Es hilft dir, den Preis einer Aktie im Verhältnis zum Gewinn des Unternehmens einzuordnen. Aber Vorsicht: Das KGV sollte nie das einzige Kriterium für deine Kauf- oder Verkaufsentscheidung sein. Ein niedriges KGV kann ein Hinweis auf eine günstige Aktie sein, muss es aber nicht. Je nach Branche fallen die KGVs sehr unterschiedlich aus, und die Interpretation ist selten eindeutig.

Besonders in volatilen Märkten wie der Technologiebranche kann das KGV stark schwanken. Zur Einordnung: Der DAX handelte Mitte 2026 mit einem KGV von rund 18, während viele Technologiewerte deutlich höher bewertet sind. Das zeigt, dass das KGV immer im Kontext der Branche und des Gesamtmarktes betrachtet werden muss. Auch in Sektoren wie Gesundheit oder Energie variieren die KGVs erheblich, was eine differenzierte Betrachtung erfordert.

Wenn dich der Vergleich einzelner Regionen und Sektoren interessiert, kann ein Blick auf US-ETFs im Vergleich hilfreich sein, denn gerade die US-Technologiewerte prägen die hohen Marktbewertungen der letzten Jahre.

Was drückt das KGV aus?

Das KGV zeigt dir, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Vereinfacht gesagt: Es gibt an, wie viele Jahre ein Unternehmen bei gleichbleibenden Gewinnen bräuchte, um seinen Börsenwert zu verdienen. Ein KGV von 15 bedeutet also, dass Anleger das 15-Fache des aktuellen Jahresgewinns zahlen. Auch hier gilt: Das KGV allein reicht nicht aus, um eine Aktie zu bewerten. Du musst es im Kontext der Branche und des Marktes betrachten.

Ein Beispiel aus der Praxis: Wachstumsunternehmen wie Tesla werden häufig mit sehr hohen KGVs gehandelt, weil der Markt kräftige Gewinnsteigerungen in der Zukunft einpreist. Etablierte Industriekonzerne wie Siemens weisen dagegen meist moderatere KGVs auf, was auf eine stabilere Gewinnentwicklung hindeutet. Diese Unterschiede zeigen, dass das KGV stark von den Wachstumserwartungen der Investoren abhängt. Wenn dich die Zukunft von Tesla interessiert, könnte die Tesla Aktie Prognose aufschlussreich sein.

So kannst du das Kurs-Gewinn-Verhältnis berechnen

Die Berechnung des KGV ist einfach:

KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie

Der Aktienkurs wird börsentäglich ermittelt, während der Gewinn oft auf Schätzungen beruht, entweder für das laufende oder das kommende Jahr. Ein Rechenbeispiel: Wenn der Kurs einer Aktie bei 80 Euro liegt und der Gewinn pro Aktie im letzten Jahr 6,50 Euro betrug, ergibt sich ein KGV von:

80 Euro / 6,50 Euro = 12,3

Das KGV beträgt also 12,3. Aber was bedeutet das? Ein KGV von 12,3 sagt dir erst dann etwas, wenn du es mit anderen Unternehmen, mit der Branche oder mit dem Gesamtmarkt vergleichst. Da der DAX Mitte 2026 ein KGV von rund 18 aufwies, läge eine Aktie mit einem KGV von 12,3 spürbar unter dem deutschen Marktdurchschnitt. Wenn dich der deutsche Leitindex interessiert, könnte ein DAX ETF eine Option für dich sein.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Trailing-KGV (auf Basis der bereits realisierten Gewinne der letzten zwölf Monate) und dem Forward-KGV (auf Basis der geschätzten künftigen Gewinne). Das Forward-KGV ist stärker in die Zukunft gerichtet, hängt aber von Analystenschätzungen ab, die sich als zu optimistisch erweisen können.

Wie wird das KGV interpretiert?

Das KGV kann je nach Branche stark variieren. Deshalb ist es wenig sinnvoll, das KGV von Unternehmen aus völlig unterschiedlichen Branchen direkt zu vergleichen. In konjunkturabhängigen Branchen wie dem Maschinenbau, der Automobilindustrie oder der Stahlbranche sind die KGVs oft niedriger als in wachstumsstarken Sektoren wie der Technologie. Als grobe Faustregel gilt ein KGV unter etwa 12 als eher niedrig, während ein KGV über 20 als hoch gilt. Feste Regeln gibt es dabei allerdings nicht, du solltest immer den gesamten Markt und die jeweilige Branche im Blick behalten.

Ein hohes KGV deutet häufig darauf hin, dass hohe Gewinnsteigerungen erwartet werden, was typisch für Wachstumsunternehmen ist. Bei Unternehmen mit stagnierenden Gewinnen ist das KGV oft niedriger. Wenn dich Wachstumsbranchen interessieren, könnten ETFs auf Megatrends eine spannende Möglichkeit sein, breit gestreut in zukunftsweisende Themen zu investieren.

Vorsicht bei zyklischen Werten und Verlustunternehmen

Das KGV stößt in zwei Situationen an klare Grenzen. Erstens bei zyklischen Unternehmen: Bei stark konjunkturabhängigen Branchen wie Auto, Chemie oder Rohstoffen wirkt das KGV oft paradox. Am Gewinnhoch eines Zyklus erscheinen die Gewinne sehr hoch und das KGV dadurch optisch niedrig, gerade bevor die Gewinne wieder einbrechen. Umgekehrt kann das KGV am Zyklustief sehr hoch aussehen, obwohl die Aktie günstig sein könnte. Genau deshalb hat der Ökonom Robert Shiller das zyklisch geglättete KGV entwickelt (mehr dazu im nächsten Abschnitt).

Zweitens bei Verlustunternehmen: Macht ein Unternehmen keinen Gewinn, ist der Gewinn pro Aktie null oder negativ. In diesem Fall ist das KGV nicht sinnvoll berechenbar, es wird negativ oder als "n. a." ausgewiesen. Für junge Wachstumsfirmen, die noch Verluste schreiben, ist das KGV daher untauglich. Hier greifen Anleger eher auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) oder auf Cashflow-basierte Kennzahlen zurück.

Das Shiller-KGV (CAPE) als Ergänzung

Um die Schwächen des klassischen KGV bei schwankenden Gewinnen auszugleichen, hat der Nobelpreisträger Robert Shiller das zyklisch adjustierte KGV entwickelt, auch Shiller-KGV oder CAPE genannt (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings). Statt eines einzigen Jahresgewinns nutzt es den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten zehn Jahre. Dadurch werden kurzfristige Gewinnausschläge geglättet, und das Maß eignet sich besser, um ganze Märkte über lange Zeiträume zu bewerten.

Das CAPE des US-Aktienmarktes (S&P 500) lag Mitte 2026 bei rund 40 und damit weit über seinem langfristigen historischen Mittelwert von etwa 17. Nur zur Zeit der Dotcom-Blase Ende 1999 war das CAPE noch höher. Historisch waren Phasen mit hohem CAPE tendenziell mit niedrigeren langfristigen Renditen in den Folgejahren verbunden. Wichtig: Das CAPE ist kein Timing-Instrument. Ein hohes CAPE sagt nichts darüber aus, wann eine Korrektur kommt, es liefert nur einen Anhaltspunkt für die langfristige Bewertungshöhe.

Hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis ist kein alleiniges Kaufargument

Ein hohes KGV allein ist kein Grund, eine Aktie zu kaufen. Aktien mit einem KGV über 20 sind oft populär, aber das bedeutet nicht automatisch, dass sie eine gute Investition sind. Wer dauerhaft Aktien kauft, die ein Vielfaches ihres Gewinns kosten, kann langfristig Geld verlieren, sobald die hohen Erwartungen enttäuscht werden. Trendaktien mit hohem KGV sind häufig ambitioniert bewertet, was Rückschläge wahrscheinlicher macht. Halbleiterwerte wie Nvidia oder AMD sind in den letzten Jahren stark gestiegen, bleiben aber anfällig für Korrekturen, wenn die Gewinnerwartungen nicht erfüllt werden.

Ein anschauliches Beispiel ist Zoom Video Communications, das während der COVID-19-Pandemie ein extrem hohes KGV von über 100 hatte. Nach dem Ende der Pandemie und der Rückkehr zur Normalität fiel der Aktienkurs deutlich, weil die früheren Gewinnerwartungen nicht mehr erfüllt wurden. Das zeigt, dass ein hohes KGV oft auf überzogene Erwartungen zurückgeht, die nicht immer realistisch sind. Wenn dich die Auswirkungen von Markttrends auf einzelne Aktien interessieren, könnte der Artikel über Meme Aktien aufschlussreich sein.

Gewinnerwartungen sind oft trügerisch

Ein hohes KGV kann trügerisch sein, weil die Gewinnerwartungen der Analysten häufig zu optimistisch ausfallen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sagt ein hohes Forward-KGV wenig aus. Solider ist es, das KGV zusätzlich auf Basis der bereits realisierten Gewinne der Vergangenheit zu betrachten, da diese feststehen. Insgesamt kann dir das KGV Hinweise auf Über- oder Unterbewertungen geben: Je niedriger das KGV im Vergleich zum Markt oder zu Wettbewerbern, desto günstiger erscheint eine Aktie auf den ersten Blick.

Ein Beispiel ist Peloton, das während der Pandemie sehr hoch bewertet war, weil Analysten von einem dauerhaften Boom im Heimfitnessmarkt ausgingen. Als die Nachfrage nachließ, brachen die Gewinne ein und die Bewertung stürzte ab. Das zeigt, dass hohe Erwartungen oft auf kurzfristigen Trends beruhen, die nicht nachhaltig sind. Wenn dich Anlageformen jenseits klassischer Aktien interessieren, könnte der Artikel über Alternative Investments für dich interessant sein.

Welche Bedeutung hat ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis?

Ein niedriges KGV kann ein Kaufargument sein, muss es aber nicht. Es könnte auch darauf hindeuten, dass die Gewinnerwartungen bereits gesenkt wurden. Ein niedriges KGV kann auf verschiedene Probleme hinweisen, zum Beispiel:

  • Geringe Umsatz- und Gewinndynamik
  • Schwindende Ressourcen, etwa bei Rohstoffunternehmen
  • Rechtliche oder regulatorische Probleme, die die Gewinne belasten
  • Ein Mischkonzern, der oft mit einem Bewertungsabschlag gehandelt wird
  • Schwache Wachstumsaussichten der gesamten Branche

Ein niedriges KGV kann also auch ein Warnsignal sein. Der Markt könnte bereits sinkende Gewinne einpreisen, was den Aktienkurs gedrückt hat. In solchen Fällen wirkt die Aktie nur optisch günstig, ist es aber nicht wirklich. Diese sogenannte Value-Falle trifft besonders häufig zyklische Werte und strukturell schrumpfende Branchen.

Ein klassisches Beispiel sind Werte aus dem Energiesektor, die zeitweise mit sehr niedrigen KGVs gehandelt wurden. Das kann auf Unsicherheiten am Energiemarkt und auf regulatorische Risiken hindeuten. Wenn dich der Umbau des Energiesektors interessiert, könnte ein Clean Energy ETF eine interessante Alternative sein.

Niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis als Kaufargument

Bevor du eine Aktie mit niedrigem KGV kaufst, solltest du die Wettbewerber und die gesamte Branche genau prüfen. Wenn die Wachstumsaussichten intakt sind und keine größeren Risiken bestehen, könnte die Aktie tatsächlich unterbewertet sein. Es lohnt sich auch, die historische Bewertung des Unternehmens anzuschauen, um zu sehen, ob das KGV in der Vergangenheit deutlich höher lag.

Gerade konjunkturabhängige Branchen wie die Automobilindustrie werden häufig mit niedrigen KGVs gehandelt. Ob das eine Unterbewertung oder ein berechtigter Abschlag ist, hängt davon ab, ob das Unternehmen seine Gewinne halten oder steigern kann. Ein niedriges KGV ist also nur dann ein Kaufargument, wenn die fundamentalen Daten stimmen. Wenn du mehr über den Wandel der Automobilbranche erfahren möchtest, könnte der Artikel über Elektromobilität ETFs für dich interessant sein.

KGV und ETFs: Auf die Bewertung des Gesamtmarkts kommt es an

Für ETF-Anleger ist eine wichtige Einordnung entscheidend: Wer breit gestreut über einen Index investiert, kauft kein einzelnes Unternehmen, sondern hunderte oder tausende Firmen zugleich. Deshalb ist bei ETFs nicht das KGV einer einzelnen Aktie relevant, sondern die Bewertung des gesamten Marktes. Für einen MSCI-World-ETF etwa zählt das durchschnittliche KGV aller enthaltenen Titel, nicht der Ausreißer einer einzelnen Position.

Zur Einordnung Mitte 2026: Der breite Weltaktienmarkt (MSCI World) wurde mit einem KGV von rund 24 gehandelt und lag damit über seinem langfristigen Durchschnitt, stark getrieben von den hoch bewerteten US-Technologiewerten. Schwellenländer (MSCI Emerging Markets) waren mit einem KGV von rund 17 deutlich günstiger. Diese Unterschiede erklären, warum die regionale und sektorale Zusammensetzung eines ETF seine Gesamtbewertung stark beeinflusst.

Der Vorteil eines ETF: Die Streuung glättet die Effekte einzelner über- oder unterbewerteter Aktien. Ein einzelner Ausreißer nach oben oder unten fällt im Gesamtportfolio kaum ins Gewicht. Für langfristig orientierte Anleger ist daher die Bewertung des Gesamtmarkts und die Diversifikation wichtiger als das KGV eines Einzelwerts. Wie sich ein solches breit gestreutes Fundament aufbauen lässt, zeigt der Artikel zum ETF-Kernportfolio.

Wenn du ein solches Portfolio umsetzen möchtest, brauchst du zunächst ein Depot. Kostengünstige Sparpläne auf breite Index-ETFs bieten unter anderem Trade Republic und Scalable Capital. Vergleiche vorab die Konditionen, denn Gebühren und das ETF-Angebot unterscheiden sich je nach Anbieter.

Fazit: Das KGV nicht als alleinige Kennzahl nutzen

Das KGV ist eine nützliche Kennzahl, um den Preis einer Aktie im Verhältnis zu den Gewinnen einzuordnen. Es lässt sich leicht berechnen, indem du den Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie teilst. Aber: Ein hohes KGV kann auf eine Überbewertung hindeuten, während ein niedriges KGV auf Probleme im Unternehmen oder in der Branche hinweisen kann. Bei zyklischen Werten und Verlustunternehmen versagt das klassische KGV zudem, hier helfen Ergänzungen wie das Shiller-KGV oder das KUV. Deshalb solltest du das KGV immer im Zusammenhang mit anderen Kennzahlen und der allgemeinen Marktlage betrachten.

Zusätzlich lohnt es sich, Kennzahlen wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), die Dividendenrendite und das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) einzubeziehen. Nur so erhältst du ein vollständiges Bild der Bewertung eines Unternehmens. Und für ETF-Anleger gilt: Statt auf das KGV einzelner Aktien zu schauen, kommt es auf die Bewertung und die Streuung des Gesamtmarkts an.

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