Smart Factory: Mit ETFs in Industrie 4.0 investieren
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Industrie 4.0 und Smart Factory sind die Trends der Zukunft. Der Emittent Amundi hat darauf reagiert und einen ETF aufgelegt. Er eignet sich auch für einen Sparplan.
Industrie 4.0 und die Smart Factory gehören zu den langlebigen Investmentthemen der vergangenen Jahre: Maschinen, die untereinander kommunizieren, sich selbst steuern und ganze Produktionsstraßen ohne menschliches Eingreifen organisieren. Wer als Privatanleger an diesem Strukturwandel teilhaben will, greift meist zu einem spezialisierten Themen-ETF auf Automation und Robotik. Dieser Artikel zeigt, welche dieser ETFs im Juni 2026 tatsächlich noch handelbar sind, was sie kosten und wo die Risiken liegen.
Wichtige Vorbemerkung: Der lange am Markt bekannte Amundi Smart Factory UCITS ETF (ISIN LU2037749822) auf den Solactive Smart Factory Index wurde inzwischen liquidiert beziehungsweise verschmolzen und ist nicht mehr handelbar. Wer früher in dieses Produkt investiert hatte, sollte sein Engagement prüfen. Als Ersatz für das Thema kommen heute breiter aufgestellte Automations-, Robotik- und KI-ETFs infrage, die wir unten vorstellen.
Industrie 4.0 und Smart Factory: das Thema in Kürze
Die vierte industrielle Revolution verbindet Produktionsanlagen über Sensorik, das Internet der Dinge (IoT) und Datenanalyse zu sich selbst organisierenden Systemen. Roboter übernehmen wiederkehrende Arbeitsschritte, Software optimiert Lieferketten in Echtzeit, und Cloud-Plattformen sammeln die Betriebsdaten. Der Trend ist real und wird von mehreren Strukturkräften getragen: Fachkräftemangel, Rückverlagerung von Produktion in Hochlohnländer und der Druck, Energie und Material effizienter einzusetzen.
Marktforscher erwarten für den globalen Markt der industriellen Robotik in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich, je nach Studie und Marktabgrenzung. Solche Prognosen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen: Sie reichen weit in die Zukunft, schwanken zwischen den Anbietern erheblich und sagen wenig darüber aus, welche börsennotierten Unternehmen am Ende davon profitieren. Für die Geldanlage zählt weniger die schöne Wachstumsstory als die Frage, ob ein ETF das Thema breit, kostengünstig und dauerhaft abbildet.
Handelbare ETFs auf Automation, Robotik und Industrie 4.0 (Stand: Juni 2026)
Statt eines einzelnen Smart-Factory-Index decken Anleger das Thema heute am sinnvollsten über etablierte Automations-, Robotik- und KI-ETFs ab. Die folgenden drei Produkte sind im Juni 2026 in Deutschland handelbar und sparplanfähig. Die Daten stammen von justETF sowie den Emittenten-Seiten.
| ETF | ISIN | TER p.a. | Fondsvolumen | Positionen | Replikation |
|---|---|---|---|---|---|
| iShares Automation & Robotics UCITS ETF | IE00BYZK4552 | 0,40 % | rund 4,1 Mrd. € | ca. 132 | physisch (optimiert) |
| L&G ROBO Global Robotics and Automation UCITS ETF | IE00BMW3QX54 | 0,80 % | rund 1,4 Mrd. € | ca. 77 | physisch (voll) |
| Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF | IE00BGV5VN51 | 0,35 % | rund 7,2 Mrd. € | ca. 87 | physisch (voll) |
Alle drei sind thesaurierend, legen Erträge also automatisch wieder an, und alle sind groß genug, dass eine Schließung kurzfristig unwahrscheinlich ist. Das unterscheidet sie vom eingestellten Amundi-Produkt, dessen Volumen zuletzt unter 20 Millionen Euro lag.
iShares Automation & Robotics: der Platzhirsch beim Automationsthema
Der iShares Automation & Robotics UCITS ETF (IE00BYZK4552) bildet den iSTOXX FactSet Automation & Robotics Index ab und ist mit rund 4,1 Milliarden Euro einer der größten Themen-ETFs in diesem Segment. Er verteilt sich auf etwa 132 Titel aus Industrieautomation, Robotik und Halbleiter-Zulieferern und repliziert den Index physisch über ein optimiertes Sampling. Die laufenden Kosten liegen bei 0,40 Prozent pro Jahr. Den aktuellen Kurs, die Wertentwicklung und die größten Positionen siehst du im Live-Snapshot:
Der ETF ist bei den gängigen Brokern sparplanfähig. Schon mit kleinen monatlichen Raten lässt sich ein Sparplan einrichten. Über Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital ist die Besparung vieler ETFs ohne Ordergebühr möglich; welche Anbieter welche Konditionen bieten, zeigt unser ETF-Sparplan-Vergleich. Beachte beim Kauf neben der TER auch die Handelsplatz- und etwaige Ordergebühren deines Brokers.
L&G ROBO Global: der Robotik-Klassiker
Der L&G ROBO Global Robotics and Automation UCITS ETF (IE00BMW3QX54) ist einer der ältesten Robotik-ETFs in Europa und folgt dem ROBO-STOX Global Robotics and Automation Index. Er hält rund 77 Titel und repliziert physisch und voll. Der Index gewichtet reine Robotik- und Automatisierungsspezialisten relativ gleichmäßig, was zu einer stärkeren Betonung kleinerer, hoch spezialisierter Unternehmen führt. Der Preis dafür ist eine vergleichsweise hohe Kostenquote von 0,80 Prozent pro Jahr. Wer gezielt auf den engeren Robotik-Kern setzen will und die höheren Kosten akzeptiert, findet hier ein etabliertes Produkt mit rund 1,4 Milliarden Euro Volumen.
Xtrackers AI & Big Data: günstig und nah am Tech-Trend
Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF (IE00BGV5VN51) ist mit 0,35 Prozent TER der günstigste der drei und mit rund 7,2 Milliarden Euro zugleich der größte. Er bildet den Nasdaq Global Artificial Intelligence and Big Data Index mit etwa 87 Titeln physisch ab. Streng genommen ist das kein reiner Industrie-4.0-ETF, sondern ein KI- und Datenfonds mit deutlichem Übergewicht großer US-Technologiekonzerne. Für Anleger, die die Automatisierung eher über die Software- und Datenebene als über klassische Maschinenbauer abbilden wollen, ist er aber eine kostengünstige Alternative. Wer ohnehin schon einen breiten Tech- oder Cloud-Computing-ETF hält, sollte allerdings die Überschneidungen mit den dortigen Top-Positionen prüfen.
Vergleich mit dem breiten Markt
Themen-ETFs sehen in guten Phasen oft beeindruckend aus, schwanken aber stärker als ein global gestreuter Standard-ETF. Zur Einordnung lohnt der Blick auf den iShares Core MSCI World UCITS ETF, der über 1.400 Industrieländer-Aktien abdeckt:
Ein Automations- oder Robotik-ETF ist als Beimischung gedacht, nicht als Basisinvestment. Als Kerndepot eignet sich ein breiter Welt-ETF deutlich besser. Wer noch am Anfang steht, findet in unserem Beitrag Welche ETFs kaufen? eine Orientierung für den Depotaufbau.
Chancen und Risiken
Die Chance liegt auf der Hand: Automatisierung, Robotik und KI sind strukturelle Wachstumsfelder, und ein ETF nimmt einem die Einzeltitelauswahl ab. Den Chancen stehen aber konkrete Risiken gegenüber, die man vor dem Kauf kennen sollte:
- Themen- und Klumpenrisiko: Themen-ETFs konzentrieren sich auf einen schmalen Sektor und einige wenige große Positionen. Läuft das Thema aus der Mode oder gerät eine Schlüsselbranche unter Druck, fehlt der Puffer eines breit gestreuten Index.
- Hohe Bewertungen: Robotik-, Automations- und vor allem KI-Aktien werden häufig mit ambitionierten Bewertungen gehandelt. Ein Teil des erwarteten Wachstums ist bereits eingepreist, was Rücksetzer bei Enttäuschungen verschärfen kann.
- Höhere Kosten: Mit TERs von 0,35 bis 0,80 Prozent sind diese Produkte teurer als ein Standard-Welt-ETF, der oft unter 0,20 Prozent liegt.
- Schließungsrisiko: Das Aus des Amundi Smart Factory ETF zeigt, dass Nischenprodukte mit geringem Volumen eingestellt werden können. Größere, etablierte ETFs sind hier robuster.
- Währungsrisiko: Die zugrunde liegenden Indizes sind stark US-lastig. Schwankungen des US-Dollars wirken sich auf die Wertentwicklung in Euro aus, auch wenn die Fondswährung Euro ist.
Wer das politische Risiko einzelner Regionen reduzieren möchte, kann ergänzend einen Emerging-Market-ETF ohne China beimischen, sollte sich aber bewusst sein, dass auch das die Themenkonzentration nicht aufhebt.
Fazit
Industrie 4.0 bleibt ein spannendes Investmentthema, aber die ETF-Landschaft hat sich verändert. Der frühere Standardweg über den Amundi Smart Factory ETF ist mit dessen Liquidation entfallen. Wer das Thema heute abbilden will, greift zu größeren, etablierten Produkten: Der iShares Automation & Robotics ETF deckt das Automationsthema breit ab, der L&G ROBO Global ist der spezialisiertere Robotik-Klassiker zu höheren Kosten, und der Xtrackers AI & Big Data ETF bringt die Software- und Datenseite günstig ins Depot. In allen Fällen gilt: als Beimischung sinnvoll, als alleiniges Investment zu riskant. Die höheren Kosten und Schwankungen sollten durch eine breite Basis im Depot abgefedert werden.
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Stand: Juni 2026. Dieser Artikel stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Einige Links sind Affiliate-Links: Schließt du über sie einen Vertrag ab, erhalten wir eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten, und unsere redaktionelle Einschätzung bleibt davon unberührt.
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