Tourismus ETF: Geld verdienen mit der Reiselust

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Corona, mit all seinen Mutationen, Einschränkungen und Reiseverboten, versetzte der Tourismusbranche kollektiv einen herben Schlag. Zweifelsohne wird aber auch eine Zeit nach Corona kommen.

Tourismus ETF: Geld verdienen mit der Reiselust

Für langfristige Anleger könnten die aktuellen Rücksetzer eine Einstiegsgelegenheit sein, um sektorweit gestreut in Tourismusunternehmen zu investieren.

Ein Rückblick über die letzten knapp zwei Jahre

Keine andere Branche musste seit dem Jahreswechsel 2019/2020 so leiden wie der Tourismussektor. Zwar führte die Corona-Pandemie im Januar und Februar 2020 zu einer marktbreiten Korrektur, die alle Indizes und Aktien gleichermaßen erfasste, Tourismusunternehmen traf es aber besonders schwer. Kaum verwunderlich, denn mit Corona begann auch das Zeitalter der eingeschränkten Mobilität. Selbst Schwergewichte, wie die Lufthansa, waren auf staatliche Gelder angewiesen, die Hotels rund um den Globus blieben weitgehend leer und Autovermietungen gingen, für die Anbieter dieser, schmerzhaft zurück.

Seither erklomm der marktbreite MSCI World Index ein neues Allzeithoch nach dem nächsten, auch wenn speziell die letzten Tage aufgrund einer neuen Südafrika-Mutation wieder für Rücksetzer sorgen. Derartige Nachrichten rund um Covid-19 sind für alle Unternehmen und Menschen Schreckensneuigkeiten, besonders schwer aber treffen sie die nach wie vor gebeutelte Tourismusbranche.

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Während Tech-Aktien und -Unternehmen regen Zulauf während der Pandemie hatten und sich im Kurs teilweise verdoppelten, verdrei- oder sogar verzehnfachten, hatte der Tourismus diesen Luxus nicht. Ebenso profitierten die Unternehmen da nicht von den gestiegenen Rohstoffpreisen, die beispielsweise Metallverarbeiter und andere Basismaterialien-Unternehmen positiv beeinflussten.

Kostenlose Wertpapierdepots im Vergleich
Möchtest Du in ETFs, Aktien oder andere Wertpapiere investieren, benötigst Du ein Wertpapierdepot. Bei den Online-Banken und Online-Brokern wird es meistens kostenlos angeboten. Hast Du ein solches Depot, kannst Du zumeist auch Sparpläne eröffnen. Der Vergleich informiert über die Konditionen.

An den Benchmarks lässt sich das gut ablesen. Legen wir verschiedene Tourismus-ETFs übereinander und vergleichen diese mit dem MSCI World, hängen sie dessen Performance deutlich hinterher. Das ist genau das Gegenteil im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit, wo Tourismus-Aktien meist etwas besser als der MSCI World liefen.

Mögliche Vorteile, die eine ETF-Investition in den Tourismus-Sektor bringen könnte, sind:

  • Du erhältst aktuell im historischen Vergleich sehr attraktive Einstiegskurse.
  • Viele der Tourismus-Unternehmen gelten seit jeher als stabile und attraktive Dividendenzahler, auch wenn die Dividenden aufgrund der Coronalage zuletzt ausgesetzt waren.
  • Aktuell wird die Reiselust lediglich künstlich durch die Corona-Einschränkungen gehemmt, nach wie vor aber möchten Menschen reisen und ihr Leben genießen.
  • Viele der großen Unternehmen in diesem Sektor existieren schon seit Jahrzehnten und bauten sich über diese Zeit eine starke Marke mit Wiedererkennungswert auf.

Warum ein Tourismus-ETF statt Einzelaktien?

Sofern du dich für eine Investition in die Touristik entschieden hast, stehst du zwangsläufig vor einer weiteren Entscheidung: Lieber in einen ETF investieren oder doch Einzelaktien heraussuchen und damit separat in einzelne Unternehmen investieren? Die allgemeinen Vorteile von einem ETF, beispielsweise einfach marktbreit investieren zu können und nicht einzelne Unternehmen analysieren zu müssen, bleiben sowieso erhalten.

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Ein weiterer Vorteil könnte die aktuelle Finanzlage der Unternehmen sein. In der Tourismusbranche arbeiten Unternehmen seit jeher mit viel Fremdkapital, was normalerweise kein Problem darstellt. Problematisch wurde es für die Unternehmen erst, seit coronabedingt die Einnahmen zurückgingen. Einige Unternehmen reagierten mit einer Verwässerung ihrer Aktien, es wurden also neue herausgegeben, was wiederum schlecht für Altaktionäre ist.


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Andere Unternehmen sehen sich immer noch in einer bedrohten Lage und es ist quasi sicher, dass es in den nächsten Jahren in diesem Sektor auch Insolvenzen und Übernahmen geben wird. Zudem könnte eine zeitnahe Erhöhung des Leitzinses die Situation dieser Unternehmen weiter belasten, wenn dadurch die Zinsen auf ihre Schulden fortan höher ausfallen.

Ein ETF, der den gesamten Sektor erfasst, reduziert damit zumindest diese Risiken. Da solch ein ETF viele verschiedene Unternehmen enthält, fallen Insolvenzen einzelner Firmen weniger stark ins Gewicht. Idealerweise wäre es für Anleger natürlich, wenn die Corona-Pandemie bald überwunden ist und der Reiseverkehr wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Hingegen wäre es für die Kursentwicklung dieser Unternehmen zweifelsohne schlecht, wenn sich die Corona-Pandemie weiter zieht und es womöglich gar zu weiteren gravierenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit kommt.

Mögliche Tourismus-ETFs, in die du investieren kannst

Vorweg sei gesagt, dass aufgrund der europaweiten Kapitalmarktbeschränkungen die Auswahl der Tourismus-ETFs sehr überschaubar ist. Du hast mit einem ETF (fast) keine Möglichkeit, weltweit gestreut in den Sektor zu investieren, sondern bist auf den europäischen Raum inklusive Großbritannien beschränkt. In den nachfolgenden Abschnitten erfährst du mehr.

iShares STOXX Europe 600 Travel & Leisure UCITS ETF (DE) (ISIN: DE000A0H08S0)

Das ist, gemessen an seiner Fondsgröße, der aktuelle Platzhirsch. Erträge werden ausgeschüttet, das Fondsdomizil ist Deutschland, was ein kleiner steuerlicher Vorteil ist. Investiert sind aktuell rund 150 Millionen Euro, die Top-10 des Fonds macht stolze 87 % aus - wobei sich insgesamt sowieso nur 15 Titel darin wiederfinden. Diese 15 Aktien/Unternehmen entstammen dem STOXX Europe 600 Index. Die TER beziffert sich auf 0,46 %. Das ist für Sektor-ETFs ungefähr der Durchschnitt.

Erfasst werden theoretisch alle relevanten Werte aus dem europäischen Reise- und Freizeitsektor, aus insgesamt 18 Ländern - realistisch sind aber weniger Länder darin vertreten. Gewichtet wird nach Free-Float-Basis. Ein ganz wichtiger Punkt hier ist, dass das kein reiner Tourismus-ETF ist. Der "Leisure"-Teil in der Namensbildung existiert nämlich nicht zufällig.

Da eben auch der Freizeitsektor erfasst wird und Freizeit ja nicht nur aus Reisen besteht, findest du in diesem ETF noch verschiedene Wett- und Lotterieanbieter. Einige lassen sich auch noch konkreter dem Glücksspielsektor zuweisen. Du solltest also bedenken, dass du bei diesem ETF ein gemischtes Paket bekommst - aus "echten" Reise- und Tourismusaktien und aus Unternehmen aus dem Glücksspielsektor.

Sie machen in der Praxis sogar einen recht großen Anteil aus. Unternehmen wie:

  • Flutter
  • Entain
  • La Francaise des Jeux
  • Kindred

... sind Unternehmen aus dem Glücksspielsektor. Wie hoch ihre Anteile ausfallen, ist vom aktuellen Kurs abhängig. Meist nehmen sie aber mindestens die Hälfte des Fondskapitals ein. Auf der anderen Seite hast du noch die Aktien von Unternehmen, die du wahrscheinlich auch wirklich mit Tourismus assoziierst. Das sind beispielsweise:

  • Ryanair
  • Whitbread
  • TUI
  • Lufthansa
  • Carnival
  • Easyjet
  • Wizz

Viele Fluggesellschaften also, die gebündelt je nach Kurs etwa 35 bis 45 % vom Fondskapital einnehmen. Der restliche Anteil fällt auf Unternehmen, die auf den ersten Blick nur wenig mit Tourismus am Hut haben. Sodexo beispielsweise kümmert sich um Catering- und Reinigungsaufgaben in verschiedenen öffentlichen Einrichtungen.

Insgesamt fällt ein überwiegender Teil des ETFs also auf den Mix aus Fluglinien und Glücksspiel. Damit ist das mitunter nicht ganz das "Reise- und Travelpaket", das du eigentlich gern im Depot hättest. Die europäischen Kapitalmarktrichtlinien sperren Anleger aber leider aus anderen Optionen aus.

Die Ländergewichtung sieht übrigens so aus:

  • rund 53 % entfällt auf Großbritannien
  • rund 15 % auf Frankreich
  • etwa 12 % auf Schweden
  • rund 8 % auf Irland
  • etwa 6 % auf Deutschland

Es gibt noch zwei relativ ähnliche ETFs, die ebenfalls den STOXX Europe 600 als Index nutzen, weshalb wir sie hier nicht gesondert aufführen werden, da die Überschneidungen zwischen diesen ETFs und dem hier vorgestellten ETF einfach sehr groß sind. Das wären der Lyxor STOXX Europe 600 Travel & Leisure UCITS ETF (Acc) (ISIN: LU1834988781) sowie der Invesco STOXX Europe 600 Optimised Travel & Leisure UCITS ETF (ISIN: IE00B5MJYC95). Beide halten die Werte aber nicht physisch, sondern arbeiten mit synthetischen Swaps.

HANetf Airlines, Hotels, Cruise Lines UCITS ETF (ISIN: IE00BMFNW783)

Das ist noch ein sehr junger ETF, der zum aktuellen Zeitpunkt kaum Volumen oder investiertes Kapital (nur etwa 7 Millionen Euro) hat. Sein Vorteil ist, dass er tatsächlich den Tourismus-Sektor erfasst, so wie du dir ihn sicher vorgestellt hast - ohne Glücksspiel. Außerdem erfasst der ETF Tourismus-Unternehmen weltweit, also nicht nur in Europa, sondern beispielsweise auch in den USA oder China.

Einige Eckdaten zum ETF:

  • aktuell 62 Positionen
  • die Top-10 macht rund 44 % vom Fonds aus
  • Erträge werden thesauriert
  • Abbildung erfolgt physisch
  • TER: 0,69 %

Aussagen zur Tracking-Difference lassen sich noch keine machen, da der Fonds gerade einmal über drei Monate existiert. In diesen drei Monaten machte er eine Rendite von 2,36 %, was aber offensichtlich nicht sonderlich aussagekräftig ist.

In der Top-10 sind unter anderem diese Unternehmen enthalten:

  • die Hilton-Hotelkette
  • Marriott Hotels
  • Ryanair
  • Delta Air Lines
  • VICI Properties
  • Royal Carribean Cruises
  • Huazhu Group
  • United Airlines

Beim erstgenannten, wesentlich liquideren ETF hast du quasi nur Fluggesellschaften und Glücksspiel, hier hast du tatsächlich viele Unternehmen, deren Geschäft der Tourismus ist. Getreu seines Namens, enthält der Fonds verschiedene Fluggesellschaften, Hotelketten, Anbieter von Kreuzfahrten und Immobiliengesellschaften, die Hotels halten und sie an die jeweiligen Unternehmen vermieten.

Geografisch verteilt sich der ETF wie folgt:

  • die USA macht etwa 62 % vom Fonds aus
  • Europa macht rund 18 % aus
  • Asien fällt mit etwa 17 % ins Gewicht

Die weiteren Prozente verteilen sich auf einzelne Länder beziehungsweise einzelne Unternehmen. Wenn du tatsächlich den Tourismus-Sektor erfassen möchtest, ist dieser ETF trotz seiner hohen TER eine weitaus bessere Wahl als der bisherige Platzhirsch. Dir muss aber eben auch bewusst sein, dass der ETF aktuell noch kaum liquide ist - und damit nie sicher ist, ob er tatsächlich über viele Jahre fortgeführt werden wird.

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