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Rüstungsindustrie ETF: Breitgestreut in Verteidigung & Cyber-Security investieren (2026 Update)

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In die Rüstungsindustrie investieren - und von Kriegen und Verteidigung profitieren? Unabhängig des moralischen Standpunktes ist die größte Hürde, dass es im europäischen Raum gar keinen zugelassenen ETF dafür gibt. Wer ausländische Broker nicht scheut, hat aber eine anständige Auswahl.

Rüstungsindustrie ETF: Breitgestreut in Verteidigung & Cyber-Security investieren (2026 Update)

Zeitenwende am Kapitalmarkt: Das Comeback der Rüstungsindustrie

Rüstungsaktien waren über Jahrzehnte ein Nischenthema für spezialisierte Investoren oder wurden aufgrund von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) aus vielen Portfolios verbannt. Doch spätestens seit der russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 hat sich die Wahrnehmung fundamental gewandelt. Was früher als „unethisch“ galt, wird heute unter dem Aspekt der „Souveränität“ und „Verteidigungsbereitschaft“ neu bewertet. Die von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufene „Zeitenwende“ hat nicht nur politische, sondern auch massive finanzielle Konsequenzen.

Ein Blick auf die Kurszettel verdeutlicht die Dynamik: Die Rheinmetall-Aktie, das deutsche Aushängeschild der Branche, hat sich seit Anfang 2022 vervielfacht. Auch US-Größen wie Lockheed Martin, Northrop Grumman oder General Dynamics verzeichneten massive Zuwächse, getrieben durch steigende Verteidigungshaushalte weltweit. Während der breite Markt phasenweise mit Inflation und Zinssorgen kämpfte, erwies sich der Verteidigungssektor als robuster Fels in der Brandung. Doch für Privatanleger stellte sich lange Zeit ein praktisches Problem: Wie investiert man breitgestreut in diesen Sektor, ohne Einzelaktienrisiken einzugehen?

Die große Neuerung: Rüstungs-ETFs endlich in Europa verfügbar

Lange Zeit hielt sich hartnäckig das Gerücht – und es war zum damaligen Zeitpunkt auch Fakt –, dass es in Europa keine zugelassenen UCITS-ETFs für die Verteidigungsindustrie gäbe. Deutsche Anleger mussten den mühsamen Weg über US-Broker wie Interactive Brokers gehen, um an spezialisierte Produkte wie den iShares U.S. Aerospace & Defense ETF zu gelangen. Doch das Jahr 2023 markierte den Wendepunkt für europäische Investoren.

Heute ist die Situation grundlegend anders. Investoren benötigen keinen US-Broker mehr und müssen sich nicht mit fehlenden Basisinformationsblättern (KIDs) herumschlagen. In den Jahren 2023 und 2024 wurden gleich drei potente UCITS-ETFs aufgelegt, die den Sektor umfassend abdecken und bei deutschen Neobrokern wie Trade Republic, Scalable Capital oder Traders Place problemlos handelbar sind. Diese Broker bieten zudem oft kostenlose Sparpläne an, sodass der Vermögensaufbau im Verteidigungssektor bereits mit kleinen Beträgen möglich ist.

1. VanEck Defense UCITS ETF (ISIN: IE000YYE6WK5)

Der im April 2023 aufgelegte VanEck Defense UCITS ETF (Ticker: DFNS) war der erste seiner Art in Europa. Er bildet den MarketVector Global Defense Industry Index ab. Das Besondere an diesem ETF ist sein „Pure Play“-Ansatz. Das bedeutet, es werden nur Unternehmen aufgenommen, die mindestens 50 % ihres Umsatzes im Verteidigungsbereich generieren.

Im Portfolio finden sich Schwergewichte wie Palantir Technologies, die mit ihrer KI-gestützten Datenanalyse das moderne Schlachtfeld revolutionieren, sowie klassische Hardware-Produzenten wie Thales, Leidos und natürlich Rheinmetall. Durch die strenge Umsatzfokussierung ist dieser ETF besonders sensitiv für steigende Militärausgaben. Mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,55 % p.a. ist er fair bepreist und hat innerhalb kürzester Zeit ein Fondsvolumen von über einer Milliarde Euro erreicht – ein klares Zeichen für das enorme Anlegerinteresse.

2. HANetf Future of Defence UCITS ETF (ISIN: IE0005JIF0W4)

Kurz nach VanEck zog HANetf mit dem Future of Defence ETF (Ticker: NATO) nach. Dieser ETF verfolgt einen etwas breiteren und strategisch interessanten Ansatz. Er investiert ausschließlich in Unternehmen mit Sitz in NATO-Staaten oder eng befreundeten Alliierten (wie Australien oder Japan).

Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal ist die starke Berücksichtigung von Cyber-Defense. Moderne Kriegsführung findet längst nicht mehr nur mit Panzern statt, sondern auch im digitalen Raum. Unternehmen wie Crowdstrike oder Palo Alto Networks spielen hier eine entscheidende Rolle. Wer also nicht nur in Stahl und Kerosin, sondern auch in die digitale Verteidigungsinfrastruktur investieren möchte, findet hier ein passendes Vehikel. Der ETF ist physisch replizierend und thesaurierend, was ihn steuerlich für viele Langzeitanleger attraktiv macht.

3. iShares Global Aerospace & Defence UCITS ETF (ISIN: IE000U98G020)

Anfang 2024 brachte auch der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock seine Antwort auf den Markt: Den iShares Global Aerospace & Defence UCITS ETF (Ticker: DFND). Dieser bildet den S&P Global Developed Aerospace & Defense Index ab. Er bietet eine globale Streuung, ist jedoch durch die Marktkapitalisierungsgewichtung stark US-lastig (ca. 70-80 %). Hier finden sich die Klassiker wie RTX (früher Raytheon), Lockheed Martin und Boeing an der Spitze. Mit einer TER von nur 0,35 % ist er aktuell die kostengünstigste Option für europäische Anleger, um den Sektor abzudecken.

Was ist in einem Rüstungs-ETF enthalten?

Die moderne Verteidigungsindustrie ist hochkomplex und umfasst weit mehr als die reine Produktion von Munition. Ein gut strukturierter ETF deckt folgende Teilbereiche ab:

  • Plattformen & Systeme: Bau von Panzern (Leopard, Abrams), Kampfflugzeugen (F-35, Eurofighter) und Marineschiffen.
  • Präzisionswaffen & Flugkörper: Raketenabwehrsysteme wie Patriot oder IRIS-T sowie Marschflugkörper.
  • Elektronik & Sensorik: Radarsysteme, Nachtsichtgeräte und Zielerfassungstechnologien (z.B. von Hensoldt).
  • Cyber-Sicherheit & KI: Schutz kritischer Infrastruktur und Analyse von Massendaten zur Feinderkennung.
  • Raumfahrt: Militärische Satellitenkommunikation und Aufklärung.

Oftmals sind diese Unternehmen Mischkonzerne. Airbus beispielsweise ist einer der größten Rüstungsproduzenten Europas, erwirtschaftet aber den Großteil seines Umsatzes mit zivilen Flugzeugen. ETFs unterscheiden sich darin, wie sie mit solchen Grenzfällen umgehen. Während der VanEck ETF strengere Filter anlegt, ist der iShares ETF inklusiver aufgestellt.

Die größten Einzelwerte im Check

Auch wenn ein ETF die sicherere Wahl ist, lohnt sich ein Blick auf die „Big Player“, die die Performance dieser Indizes maßgeblich treiben:

  • Rheinmetall (Deutschland): Der Profiteur der deutschen „Zeitenwende“. Mit einer massiven Kapazitätsausweitung bei der Munitionsproduktion und dem Bau neuer Werke ist Rheinmetall zum DAX-Liebling aufgestiegen.
  • Lockheed Martin (USA): Der Hersteller des F-35 Stealth-Fighters, dem modernsten Kampfflugzeug der Welt. Lockheed ist fast schon ein Synonym für das US-Verteidigungsministerium.
  • RTX Corporation (USA): Bekannt für das Patriot-Abwehrsystem. RTX deckt sowohl die Luftfahrt als auch hochmoderne Flugabwehr ab.
  • BAE Systems (UK): Der größte europäische Rüstungskonzern mit starker Präsenz in den USA. Führend im Bereich der Marine- und Landsysteme.


Anlageerfolg durch Geopolitik: Das Geschäftsmodell Sicherheit

Warum investieren Anleger in diesen Sektor? Der Hauptgrund ist die Planbarkeit. Rüstungsprojekte laufen oft über Jahrzehnte. Wenn ein Staat sich für ein Kampfflugzeugsystem entscheidet, folgen daraus Wartungsverträge, Ersatzteillieferungen und Upgrades für die nächsten 30 bis 40 Jahre.

Zudem sind die Budgets weitgehend unabhängig vom privaten Konsum. Selbst in einer Rezession kürzen Staaten ihre Verteidigungsausgaben nur selten drastisch, wenn die Bedrohungslage als hoch eingeschätzt wird. Laut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) sind die weltweiten Militärausgaben 2023 auf einen historischen Höchststand von über 2,4 Billionen US-Dollar gestiegen. Besonders in Europa gibt es Nachholbedarf: Viele NATO-Mitglieder erreichen erst jetzt das 2-Prozent-Ziel, was für die kommenden Jahre volle Auftragsbücher garantiert.

Performance-Vergleich

Seit der Einführung der europäischen ETFs haben diese den breiten Markt (MSCI World) deutlich outperformt. Der VanEck Defense ETF konnte beispielsweise im ersten Jahr nach Auflage eine Rendite im zweistelligen Bereich erzielen, während Tech-Aktien aufgrund der Zinswende schwankten. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass es sich um einen zyklischen Sektor handelt, der stark von politischen Entscheidungen abhängt. Ein plötzlicher diplomatischer Durchbruch in großen Konflikten könnte kurzfristig zu Gewinnmitnahmen führen.

Moral und Ethik: Das „S“ in ESG

Die moralische Frage bleibt: Darf man an Krieg verdienen? Interessanterweise findet hier eine Umdeutung statt. Während Rüstung früher pauschal unter „Sin Stocks“ (Sündenaktien) wie Tabak oder Glücksspiel fiel, argumentieren Branchenvertreter heute, dass ohne Sicherheit keine Nachhaltigkeit möglich sei. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Investitionen hat Verteidigungsgüter bisher nicht als „sozial nachhaltig“ klassifiziert, doch der politische Druck wächst, dies zu ändern, um den Unternehmen den Zugang zu Kapital zu erleichtern.

Für Anleger bedeutet das: Wer streng nach ESG-Kriterien investiert (z.B. über klassische „SRI“-ETFs), wird Rüstungsaktien oft nicht im Depot finden. Wer jedoch Verteidigung als notwendiges Übel zur Sicherung der Freiheit sieht, findet in den neuen ETFs die perfekte Lösung.

Wie investiert man am besten?

Dank der neuen Marktsituation ist der Einstieg denkbar einfach. Wir empfehlen die Nutzung eines modernen Neobrokers, da hier die Kosten für den Kauf oder einen Sparplan minimal sind.

  • Scalable Capital: Ideal für Sparplan-Anleger. Hier sind die meisten Defense-ETFs im „Prime“ Modell kostenlos besparbar.
  • Trade Republic: Bietet eine extrem einfache Benutzeroberfläche und erlaubt es, bereits ab 1 Euro in die neuen Rüstungs-ETFs zu investieren.
  • Traders Place: Ein Geheimtipp für Anleger, die eine große Auswahl an Handelsplätzen suchen und dennoch von günstigen Konditionen profitieren wollen.

Ein automatisierter Sparplan hilft zudem, das Risiko zu glätten. Da die Rüstungsbranche oft nach großen Auftragsmeldungen zu Kurssprüngen neigt, vermeidet man so den Einstieg zum „teuersten“ Zeitpunkt.


Video: 10 Rüstungsaktien


Fazit: Ein etablierter Sektor für das Depot

Die Zeiten, in denen deutsche Anleger auf US-Broker angewiesen waren oder moralisch geächtet wurden, wenn sie in Verteidigung investierten, sind vorbei. Mit dem VanEck Defense, dem HANetf Future of Defence und dem iShares Global Aerospace & Defence stehen drei hervorragende UCITS-ETFs zur Verfügung, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen – von Pure Play über Cyber-Security bis hin zu kostengünstigen globalen Ansätzen.

Die globale Sicherheitslage und die steigenden Verteidigungshaushalte sprechen dafür, dass Rüstungs-ETFs mehr als nur ein kurzfristiger Trend sind. Sie haben sich als eigenständige Assetklasse etabliert, die für Diversifikation und Stabilität im Depot sorgen kann. Dennoch sollten Anleger die politischen Risiken im Blick behalten und den Sektor als Ergänzung zu einem breitgestreuten Weltportfolio betrachten.

Quellen:

  • [1] SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) - Trends in World Military Expenditure.
  • [2] VanEck, HANetf, BlackRock - Fondsprospekte und Factsheets 2024/2025.
  • [3] Statista - Verteidigungsausgaben der NATO-Mitglieder.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

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