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MSCI World oder S&P500 ETF: Welche Investition ist langfristig besser?

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Du möchtest breit gestreut und passiv investieren? Wie heißt es so schön: "Viele Wege führen nach Rom". Mittlerweile ist der ETF-Markt so vielseitig, dass du zwischen ganz unterschiedlichen Indizes wählen kannst - mit dem MSCI World und S&P500 wählst du zwischen zwei Schwergewichten.

MSCI World oder S&P500 ETF: Welche Investition ist langfristig besser?

Was ist der MSCI World?

Der MSCI World ist ein Welt-Index, der deshalb so heißt, weil er vom Unternehmen MSCI aufgelegt wird. Der Finanzdienstleister aus den USA setzt zwar den Index, aber keinen Fonds auf. Wenn du in den MSCI World investieren möchtest, eignet sich in Deutschland insbesondere der iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) ETF. Der thesauriert Erträge, besitzt eine recht überschaubare TER von 0,20 % und ist zudem, in Anbetracht des investierten Kapitals, der liquideste und größte ETF dieser Art.

Enthalten sind in dem Index und damit auch allen ETFs, die diesen abbilden, insgesamt 23 Industrieländer. Aus diesen trägt der Index mittelgroße und große Unternehmen zusammen, was in der Praxis zu ungefähr 1.600 Einzelwerten führt. Der oben genannte ETF bildet diese physisch ab, die jeweiligen Aktien hat der Emittent also tatsächlich und balanciert diese regelmäßig in ihrer Gewichtung neu, um so auf Veränderungen des MSCI World Index zu reagieren.

Etwas, was du bereits im Hinterkopf behalten kannst: Aktuell besteht der MSCI World zu etwa 67 % aus Werten aus den USA. Auf dem zweiten Platz folgt weit abgeschlagen Japan mit rund 6 %, danach Großbritannien mit etwa 4,5 %.


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Was ist der S&P500?

Der heißt wiederum so, weil er vom Finanzdienstleister Standard & Poors aufgelegt wird. Der S&P500 ist ein weitaus stärker beachteter Aktienindex. Die Gründe dafür sind schnell erklärt:

  • er spiegelt relativ verlässlich die US-Wirtschaftsentwicklung am Kapitalmarkt wider
  • er enthält die 500 größten, börsennotierten US-Unternehmen
  • die USA sind der weltweit größte, liquideste und wichtigste Kapitalmarkt

Da er mehr Werte als der Dow Jones (30) bündelt und keine bestimmte Spezialisierung wie beispielsweise der NASDAQ verfolgt, ist er für den Zustand der Wirtschaft, im Sinne des Kapitalmarktes, weitaus repräsentativer. Mit einem Blick auf die tagesaktuelle Entwicklung des S&P500 bekommen Anleger einen recht guten Überblick darüber, wie sich die Kurse jeweils entwickelten und ob es sich um einen guten oder schlechten Börsentag handelt.

Interessant zu wissen: Der S&P500 ist ein Kursindex, anders als beispielsweise der deutsche DAX, der ein Performance-Index ist. Der Unterschied ist, dass beim S&P500 gezahlte Dividenden nicht eingerechnet werden, beim DAX hingegen schon. Deshalb spricht man innerhalb der Kapitalmarktszene manchmal scherzhaft vom "Mogel-DAX", da seine Entwicklung durch die eingerechneten Dividenden weitaus besser aussieht, als sich die Kurse der darin verpackten Unternehmen tatsächlich entwickelten.

Im S&P500 werden Titel erfasst, die entweder an der NYSE, NYSE Amex oder am NASDAQ gehandelt werden. Was das komplette relevante US-Kapitalmarktspektrum abdeckt. Kostengünstig kannst du den Index beispielsweise über diesen ETF "iShares Core S&P 500 UCITS ETF" abbilden - der sogar nur eine TER von 0,07 % hat.

Historische Entwicklung: Vergleich zwischen MSCI World und S&P500

Vorweg: Die Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Wenn wir uns die Wertentwicklung beider Indizes anschauen, solltest du das immer berücksichtigen. Eine sehr positive Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit könnte sogar in der Zukunft zu Unterrenditen führen, wenn andere Märkte und Aktien aufholen, während der Index mit der starken Entwicklung eventuell schon überkauft ist.

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Beim direkten Vergleich bedienen wir uns den beiden genannten iShares-ETFs, da diese echte Urgesteine in Deutschland sind und du als Deutscher auf noch länger existierende ETFs aus den USA sowieso keinen Zugriff hast.

Beim MSCI World sieht die Rendite der Vergangenheit dann so aus:

  • 3 Jahre: 56,46 %
  • 5 Jahre: 70,86 %
  • 10 Jahre: 236,25 %

Im 10-Jahres-Mittel resultiert das in einer jährlichen Rendite von 12,89 % p.a.

Beim S&P500 sieht es so aus:

  • 3 Jahre: 68,23 %
  • 5 Jahre: 91,58 %
  • 10 Jahre: 346,81 %

Im 10-Jahres-Mittel ergibt das 16,15 % p.a.

Wie du also unschwer erkennen kannst, performte der S&P500 im letzten Jahrzehnt weitaus besser. Beide hingegen sehr positiv und weit oberhalb der historischen Jahresrenditen von rund 7 %.

Woran das liegt? Weil die US-Märkte, nicht zuletzt aufgrund von Maßnahmen der Notenbanken wie QE, ausgesprochen gut rentierten. Da die USA sowieso schon immer den größten Teil des MSCI World ausmachte, entwickelte sich dieser ebenfalls sehr gut. Noch besser war die Entwicklung natürlich, wenn man nur den S&P500 hatte, da man dann die Underperformance anderer Märkte im Vergleich zum US-Index nicht "mitgenommen" hat.

Zumindest hinsichtlich der vergangenen Rendite geht der S&P500 also als klarer Sieger aus diesem Vergleich hervor.

Diversifikation: Welche Variante ist stärker diversifiziert?

Das ist schnell zu beantworten, denn das ist natürlich der MSCI World. Der enthält nicht nur mehr als das Dreifache an Positionen, er ist außerdem über 23 Länder statt nur ein Land gestreut. Selbstverständlich ist der MSCI World damit stärker diversifiziert.

Enthaltene Unternehmen: Was ist drin?

Hier wirst du große Überschneidungen feststellen, denn wie soll es auch anders sein, wenn die USA einen so großen Anteil am weltweiten Kapitalmarkt und zugleich die wertvollsten Unternehmen der Welt haben.

Die Top-10 in beiden ETFs verdeutlich das schon: Die sind nämlich völlig identisch. Oder besser gesagt: weitgehend identisch. Kleinere Abweichungen kommen sporadisch zustande, was aber an den jeweiligen Rebalancing-Terminen der ETFs liegt.

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Unter den Top-10 findest du beispielsweise Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla, NVIDIA, Berkshire, JPM und Meta. Wie du korrekt feststellst, allesamt US-Unternehmen. Im S&P500 sind sie natürlich höher gewichtet, einfach weil es weniger enthaltene Unternehmen gibt. Ein Apple hat beim S&P500 eine Gewichtung von rund 7 %, beim MSCI World "nur" von rund 4,75 % - das zieht sich dann durch die gesamte Top-10.

Bei der Speerspitze und den größten Positionen gibt es also keine Unterschiede. "Weiter unten" natürlich schon, denn irgendwo müssen ja die zusätzlichen 1.100 Unternehmen des MSCI World unterkommen. Die wertvollsten Unternehmen hast du also in beiden ETFs, im MSCI World aber logischerweise mehr Unternehmen.

Ist der S&P 500 doch ein Weltindex?

Jaein. Tatsächlich erwirtschaften die Firmen im Index einen nicht unwesentlichen Teil der Umsätze ausserhalb der USA. Allen voran Bigtech-Konzerne wie Google und Apple oder Foodcompanies wie McDonalds und Starbucks sind eher globale Konzerne als US-Firmen.

💡
Die Firmen im S&P 500 machen knapp 29% ihrer Umsätze außerhalb der USA.

Außerdem erwirtschaften die US-Unternehmen knapp 50 % der weltweiten Umsätze. Wenn man bedenkt, dass im MSCI World Index keine Schwellenländer enthalten sind, macht dies Sinn (vielleicht 5-10 % zu viel USA). Bei einem Portoflio aus 70 % MSCI World mit 20 % MSCI Emerging Markets und 10 % MSCI Europe, kommen wir der globalen BIP-Verteilung nahe.

Diejenigen, die den globalen MSCI World Index kaufen, investieren mehr als zwei Drittel ihres Geldes in US-Aktien.

Volatilität: Wo sind die Schwankungen größer?

Allgemein ist davon auszugehen, dass ein breiter gestreuter Index wie der MSCI World, der sich über 23 Länder erstreckt, weniger volatil als ein Index aus einem einzigen Land ist. Das ist auch in der Praxis der Fall, wie zwei Beispiele gut verdeutlichen.

Als die DotCom-Blase zur Jahrtausendwende platzte, hatte der S&P500 ein Drawdown vom damaligen Allzeithoch von rund 50 %. Der MSCI World hingegen nur von rund 30 %.

Als es 2007/2008 zur Weltwirtschafts- und Bankenkrise kam, verabschiedete sich der S&P500 mit etwas mehr als 60 % von seinem damaligen Hoch, der MSCI World brach nur um etwa 35 % ein.

Der S&P500 ist also erwartungsgemäß weitaus volatiler, was ja auch schon die eingangs dargelegten historischen Renditen untermauern. Läuft es an den Märkten gut, wie generell seit etwa 2009, dann rennt der S&P500 meist voran - was einfach an den in den USA ansässigen Schwergewichten liegt. Läuft es an den Märkten schlecht, bricht der S&P500 aber auch stärker als der diversifizierte MSCI World ein - denn andere, sowieso günstiger bewertete Märkte, haben meist ein geringeres Drawdown-Risiko, zudem können diese das dann aus den USA abgezogene Kapital auffangen und sich sogar positiv entwickeln.

Kosten: Was ist günstiger?

Prinzipiell kannst du zwischen verschiedenen ETFs wählen, wir bleiben aber bei den beiden Varianten von iShares. Der S&P500 ETF ist mit einer TER von 0,07 % weitaus günstiger, hat aber auch eine Tracking-Difference von -0,23 %, was zu berücksichtigen ist. Die Liquidität spielt bei solchen großen ETFs eine untergeordnete Rolle, generell ist der ETF auf den S&P500 aber noch etwas liquider.

Der MSCI World ETF von iShares hat eine TER von 0,20 %, also deutlich mehr. Seine Tracking-Difference ist mit 0,05 % dafür niedriger. Prinzipiell ist der S&P500 ETF langfristig wohl minimal günstiger, insbesondere wenn man nur auf die Kostenquote schaut. Die TD ist eine Variable, die für Schwankungen dahingehend sorgen kann.

Was ist nun besser?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Besser diversifiziert ist der MSCI World. Eine "bessere" (niedrigere) Volatilität hat ebenfalls der MSCI World, da brauchst du also tendenziell weniger starke Nerven. Die bessere Rendite hat in der Vergangenheit der S&P500 gehabt - ob das in der Zukunft so bleibt, weiß leider niemand mit Sicherheit. Eventuell hat der S&P 500 für die nächsten zehn Jahre ebenfalls die bessere Rendite. Oder Kapital verlagert sich vom hochbewerteten US-Markt in andere Länder, dann könnte plötzlich der MSCI World eine bessere Rendite haben.

Was für dich besser ist, hängt vor allem von einer Frage ab: Möchtest du die größtmögliche Diversifikation oder möchtest du eine 1-Länder-Wette mit höherem Risiko, dafür potentiell höherer Rendite? Beim Thema Kosten ist die Sache klar: Mit 0,07% sind S&P ETFs deutlich günstiger als jeder MSCI World ETF. Dieses Kostenverhältnis wird sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern.

Wichtig ist nur: Beides zusammen funktioniert nicht, denn dann würde aufgrund des hohen US-Anteils im MSCI World einfach nur eine massive US-Übergewichtung entstehen, die du mit einem S&P500-Investment günstiger bekommen könntest.

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