Morningstar Rating: Welche Bedeutung hat es für ETFs?
Es gibt inzwischen eine Vielzahl an ETFs für verschiedene Anlageklassen, die an deutschen Börsen gehandelt werden. Für private Anleger ist es nicht immer leicht, den geeigneten ETF zu finden. Welche Bedeutung hat das Morningstar Rating für die Auswahl von ETFs?
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist eine unabhängige, redaktionelle Einordnung und keine Anlageberatung. Er enthält Affiliate-Links (mit „Anzeige“ gekennzeichnet); Details im Transparenzhinweis am Ende.
Fünf Sterne, eine Gold-Medaille, fünf grüne Weltkugeln – die Bewertungen von Morningstar begegnen dir auf fast jeder ETF-Übersichtsseite. Doch was steckt dahinter? Und viel wichtiger: Sagen diese Symbole überhaupt etwas darüber aus, ob ein ETF künftig gut abschneidet? Dieser Artikel erklärt die drei wichtigsten Morningstar-Ratings, grenzt sie sauber voneinander ab und benennt ehrlich ihre Grenzen.
Was ist Morningstar?
Morningstar ist ein 1984 in Chicago gegründetes Analysehaus für Finanzinformationen, das an der US-Börse Nasdaq notiert ist. Das Unternehmen bewertet weltweit hunderttausende Fonds, ETFs, Aktien und andere Anlageprodukte. In Europa ist Morningstar seit Anfang der 2000er-Jahre aktiv. Für Privatanleger sind vor allem drei Bewertungssysteme relevant, die häufig verwechselt werden: das Sterne-Rating, das Medalist Rating und das Nachhaltigkeits-Rating (die „Globes“). Sie messen völlig unterschiedliche Dinge.
Das Sterne-Rating: ein Blick in die Vergangenheit
Das bekannteste Morningstar-Symbol ist das Sterne-Rating von einem bis fünf Sternen. Es ist rein vergangenheitsbasiert und rein quantitativ: Morningstar berechnet die risikoadjustierte Rendite eines Fonds oder ETFs über 3, 5 und 10 Jahre – nach Kosten und unter besonderer Bestrafung von Verlustphasen (Downside-Risiko wird stärker gewichtet als Aufwärtsschwankungen). Anschließend werden alle Produkte einer Morningstar-Kategorie in eine Rangliste sortiert und nach festen Quantilen mit Sternen versehen:
- 5 Sterne – die besten 10 % der Kategorie
- 4 Sterne – die nächsten 22,5 %
- 3 Sterne – die mittleren 35 %
- 2 Sterne – die folgenden 22,5 %
- 1 Stern – die schlechtesten 10 %
Wichtig: Ein Produkt erhält erst nach mindestens drei Jahren Historie ein Sterne-Rating. Ändert sich die Anlagestrategie grundlegend, kann die bisherige Wertentwicklung unbrauchbar werden und das Rating entfällt oder wird zurückgesetzt.
Die entscheidende Einschränkung: Das Sterne-Rating beschreibt ausschließlich, wie sich ein Fonds relativ zu seinen Wettbewerbern in der Vergangenheit geschlagen hat. Morningstar selbst betont, dass die Sterne keinen Prognosewert für die künftige Wertentwicklung haben. Studien – auch von Morningstar – zeigen immer wieder, dass Fünf-Sterne-Fonds ihre Spitzenposition selten dauerhaft halten. Für ETFs, die schlicht einen Index abbilden, ist das Sterne-Rating zudem oft wenig aussagekräftig: Zwei ETFs auf denselben Index unterscheiden sich vor allem in Kosten und Nachbildungsgenauigkeit, nicht im „Können“ eines Managers.
Das Medalist Rating: der zukunftsgerichtete Blick
Deutlich relevanter für die Auswahl ist das Morningstar Medalist Rating. Es ist vorausschauend konzipiert und schätzt ein, ob ein Fonds oder ETF seine Vergleichsgruppe bzw. seinen Referenzindex nach Kosten künftig voraussichtlich schlagen kann. Die Bewertung erfolgt in fünf Stufen:
- Gold – höchste Überzeugung, dass das Produkt langfristig einen Mehrwert liefert
- Silver – hohe Überzeugung
- Bronze – positive, aber moderatere Überzeugung
- Neutral – kein klarer erwarteter Vor- oder Nachteil
- Negative – Morningstar erwartet, dass das Produkt seine Vergleichsgruppe unterdurchschnittlich schlägt
Das Medalist Rating stützt sich auf drei Säulen (die „Pillars“): People (Qualität des Managementteams – bei ETFs weniger relevant), Process (Güte und Nachvollziehbarkeit der Anlagestrategie) und Parent (die Anbietergesellschaft). Ein zentraler Faktor ist bei passiven Produkten fast immer die Kostenquote: Da ein ETF seinen Index abzüglich Gebühren abbildet, verschafft ein günstiger ETF strukturelle Vorteile gegenüber teureren Konkurrenten mit gleicher Strategie – ein wesentlicher Grund, warum breite, kostengünstige Index-ETFs häufig gute Medalist-Bewertungen erhalten.
Ein Hinweis zur Einordnung, wenn du ältere Analysen liest: Morningstar hat im Oktober 2023 sein früheres „Analyst Rating“ (mit menschlicher Analyse) und das rein datenbasierte „Quantitative Rating“ zu diesem einheitlichen Medalist Rating zusammengeführt. Die Medaillen-Stufen Gold, Silver und Bronze sind geblieben, das Bewertungsgerüst dahinter ist heute jedoch stärker vereinheitlicht und teilweise algorithmisch gestützt. Die alten Begriffe „Analyst Rating“ und „Quantitative Rating“ solltest du daher nicht mehr als getrennte, aktuelle Systeme verstehen.
Sterne oder Medaille – was ist der Unterschied?
Beide Systeme werden oft in einen Topf geworfen, obwohl sie gegensätzlich funktionieren:
- Sterne-Rating: rückwärtsgewandt, rein quantitativ, misst die vergangene risikoadjustierte Rendite gegenüber der Kategorie. Kein Prognosewert.
- Medalist Rating: vorwärtsgewandt, berücksichtigt Strategie, Anbieter und vor allem Kosten. Es ist eine Erwartung – keine Garantie.
Für die ETF-Auswahl ist das Medalist Rating als Orientierung meist nützlicher, weil es Kosten und Strategie einbezieht. Aber auch hier gilt: Es bleibt eine Einschätzung mit Modellannahmen, die falsch liegen kann.
Morningstar-Kategorien: die Vergleichsgruppen
Beide Ratings ergeben nur im Kontext einer Morningstar-Kategorie Sinn. Morningstar ordnet jeden Fonds und ETF anhand seiner tatsächlichen Anlagen einer Peergroup zu – etwa „Aktien weltweit Standardwerte Blend“, „Aktien USA Standardwerte Growth“ oder „Anleihen EUR Staatsanleihen“. Ein Rating vergleicht ein Produkt immer nur innerhalb seiner Kategorie.
Daraus folgt eine wichtige Einschränkung: Ein Fünf-Sterne-ETF in einer schwachen Kategorie kann in absoluter Rendite schlechter sein als ein Drei-Sterne-ETF in einer starken Kategorie. Die Sterne sagen nichts darüber aus, ob die Anlageklasse selbst zu deinen Zielen passt. Ein starkes Rating in einer engen Themen- oder Nischenkategorie ersetzt keine breite Streuung im Depot.
Das Nachhaltigkeits-Rating: die Globes
Getrennt von Sternen und Medaille gibt es das Morningstar Sustainability Rating, dargestellt durch ein bis fünf Weltkugeln (die „Globes“). Es misst nicht die Rendite, sondern wie gut ein Portfolio mit ökologischen, sozialen und Governance-Risiken (ESG) umgeht – auf Basis von Unternehmensdaten des Datenanbieters Sustainalytics, der zu Morningstar gehört.
- 5 Globes: geringes ESG-Risiko relativ zur Kategorie
- 1 Globe: hohes ESG-Risiko relativ zur Kategorie
Auch die Globes sind ein relatives Maß innerhalb einer Kategorie und bewerten das ungefähre, aggregierte ESG-Risiko der enthaltenen Titel – nicht die Rendite und nicht die „moralische Qualität“ eines Investments. Ein hoher Globe-Wert bedeutet also nicht automatisch bessere Erträge und ersetzt keine Prüfung, ob ein ETF tatsächlich zu deinen Nachhaltigkeitsvorstellungen passt.
Weitere Kriterien bei der ETF-Auswahl
Egal wie ein ETF bei Morningstar bewertet ist – für deine Entscheidung zählen handfeste, überprüfbare Merkmale, die du im Factsheet oder bei Vergleichsportalen findest:
- Kosten (TER): die laufende Gesamtkostenquote. Je niedriger, desto mehr Rendite bleibt bei dir – bei passiven Produkten der wichtigste steuerbare Hebel.
- Fondsvolumen & Alter: größere, länger bestehende ETFs sind meist liquider und tragen ein geringeres Schließungsrisiko.
- Replikationsmethode: physisch (voll oder Sampling) oder synthetisch über Swaps. Mehr dazu weiter unten.
- Ausschüttung: thesaurierend (Erträge werden reinvestiert – gut für den langfristigen Vermögensaufbau) oder ausschüttend. Mehr in unserem Artikel zur Thesaurierung bei ETFs.
- Tracking Difference: wie genau der ETF seinem Index nach Kosten folgt – oft aussagekräftiger als die reine TER.
- Fondsdomizil & Währung: das Domizil beeinflusst die Quellensteuerbehandlung; eine Fremdwährung bringt für dich ein Wechselkursrisiko mit.
Physische oder synthetische Replikation?
Ob ein ETF physisch oder synthetisch nachbildet, kann Rendite und Risiko beeinflussen. Bei synthetisch replizierenden ETFs bildet ein Tauschgeschäft (Swap) mit einer Bank den Index nach – das kann bei bestimmten US-Indizes steuerliche Vorteile bringen, birgt aber ein Kontrahentenrisiko (Ausfall des Swap-Partners), das durch Sicherheiten begrenzt wird. Bei physisch replizierenden ETFs hält der Fonds die Wertpapiere direkt; ein Restrisiko entsteht hier durch Wertpapierleihe. Welche Variante besser ist, hängt vom Index und deinen Präferenzen ab. Weitere Chancen und Risiken von ETFs beleuchten wir im Beitrag ETFs vs. P2P-Kredite.
Beispiele: So verändern sich Medalist Ratings
Medalist Ratings sind nicht statisch – sie werden angepasst, wenn sich Kosten, Strategie oder das Wettbewerbsumfeld verändern. Drei Beispiele (die konkreten Einstufungen sind Momentaufnahmen und können sich jederzeit ändern; maßgeblich ist stets die aktuelle Angabe auf morningstar.de bzw. im Factsheet):
iShares Edge MSCI USA Value Factor UCITS ETF – ISIN IE00BD1F4M44, WKN A2AP35
Ein günstiger Value-Faktor-ETF mit niedriger Kostenquote (TER 0,20 %). Faktor-ETFs wie dieser können in bestimmten Phasen bessere, in anderen schlechtere Bewertungen erhalten, je nachdem wie überzeugend Morningstar Strategie und Kosten relativ zur Konkurrenz einschätzt. Mehr zu Value-Strategien liest du im Artikel Warren Buffett und ETFs.
iShares Global Inflation Linked Government Bond UCITS ETF USD (Acc) – ISIN IE00B3B8PX14, WKN A0Q41X
Ein ETF auf inflationsgeschützte Staatsanleihen. Bei solchen Anleihe-ETFs entscheidet oft die Kostenquote im Vergleich zu ähnlichen Produkten darüber, ob die Bewertung stabil bleibt oder sinkt – gibt es günstigere Wettbewerber mit gleicher Strategie, drückt das die Einschätzung.
Invesco S&P 500 High Dividend Low Volatility UCITS ETF – ISIN IE00BWTN6Y99, WKN A14RHD
Ein Dividenden-/Low-Volatility-Strategie-ETF. Strategien mit ausgeprägten Sektor- oder Faktorwetten können in volatilen Phasen weniger stabil sein, was sich auf die Prozess-Einschätzung auswirken kann. Das zeigt: Auch innerhalb eines Anbieters variieren Bewertungen je nach Strategie deutlich.
Grenzen der Morningstar-Ratings – ehrlich betrachtet
- Sterne = Vergangenheit: Das Sterne-Rating hat nachweislich keinen belastbaren Prognosewert. Vergangene Rendite ist kein Indikator für künftige Ergebnisse.
- Alles ist relativ: Sterne, Medaille und Globes vergleichen immer nur innerhalb einer Kategorie – nicht gegenüber dem Gesamtmarkt oder deinen persönlichen Zielen.
- Medaille bleibt eine Schätzung: Das Medalist Rating ist zukunftsgerichtet, aber modellbasiert und teils algorithmisch – es kann falsch liegen.
- Kein Ersatz für Streuung: Ein Top-Rating in einer Nische ersetzt kein breit diversifiziertes Depot.
- Ratings ändern sich: Einstufungen sind Momentaufnahmen und werden laufend angepasst.
Nutze die Ratings als eine von mehreren Informationsquellen – nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Wenn du grundsätzlich noch überlegst, wohin dein Geld fließen soll, findest du im Beitrag In was investieren? Anregungen. Und für die praktische Umsetzung hilft unser Ratgeber ETFs kaufen leicht gemacht.
ETF ausgewählt – und jetzt?
Hast du dich für einen ETF entschieden, entscheidet der richtige Broker über die laufenden Kosten. Morningstar berücksichtigt Handelsgebühren und Liquidität ausdrücklich nicht in seinen Ratings – dieser Teil liegt bei dir. Achte auf niedrige Order- und Sparplankosten. Einen strukturierten Überblick bietet unser ETF-Broker-Vergleich.
Zwei in Deutschland weit verbreitete Anbieter mit kostenlosen oder sehr günstigen ETF-Sparplänen:
- Trade Republic (Anzeige) – mobiler Neobroker mit provisionsfreien ETF-Sparplänen.
- Scalable Capital (Anzeige) – breite ETF-Auswahl, viele kostenlose Sparpläne, optionales Flatrate-Modell.
Prüfe vor der Eröffnung stets die aktuellen Konditionen direkt beim Anbieter, da sich Gebühren und Aktionen ändern können.
Fazit
Die Morningstar-Ratings sind eine nützliche Orientierungshilfe – aber nur, wenn man weiß, was sie messen. Das Sterne-Rating blickt zurück und hat keinen Prognosewert. Das Medalist Rating (Gold/Silver/Bronze/Neutral/Negative) blickt nach vorn und bezieht Kosten und Strategie ein, bleibt aber eine Schätzung. Die Globes messen ESG-Risiken, nicht Rendite. Alle drei vergleichen nur innerhalb einer Kategorie. Für die ETF-Auswahl zählen am Ende harte Fakten wie Kosten, Fondsvolumen, Tracking Difference und Replikation – kombiniert mit einer breiten Streuung und deinen persönlichen Anlagezielen. Ein Rating ist ein Startpunkt für deine Recherche, nicht deren Ende.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde im Juli 2026 redaktionell überarbeitet. Er dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden; historische Wertentwicklungen und Ratings sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die mit „Anzeige“ gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links: Schließt du über sie einen Vertrag ab, erhalten wir ggf. eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten. „Morningstar“, „Medalist Rating“ und die genannten Ratings sind Bezeichnungen bzw. Marken der Morningstar, Inc.; maßgeblich sind stets die aktuellen Angaben auf morningstar.de.
Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.
Mehr zum Thema:
morningstarratingETF