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Low Volatility Strategie: schwankungsarme ETFs im Vergleich

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Ein ETF mit niedriger Volatilität, also reduzierten Schwankungen, liefert nie das Maximum der möglichen Rendite und höchstwahrscheinlich auch nie die durchschnittliche Marktrendite. Trotzdem gibt es Gründe, sich für solch einen ETF zu entscheiden - denn mentale Aspekte gehören bedacht.

Low Volatility Strategie: schwankungsarme ETFs im Vergleich

Was soll ein Low Volatility ETF bewirken?

Die englische Bezeichnung "Low Volatility" steht ins Deutsche übersetzt für "niedrige Volatilität" oder freier übersetzt für geringe Schwankungen/Ausschläge beziehungsweise weiter gedacht damit auch ein niedrigeres Verlustrisiko. Derartige ETFs können in einem Depot also zweierlei Aufgabe erfüllen. Einerseits erlauben sie eine Investition in den Kapitalmarkt zu einem insgesamt geringeren Risiko, andererseits können sie auch nur als Teilbestandteil im Depot zur Risikosteuerung genutzt werden.

Eng verwandt sind solche Low Volatility ETFs mit den "Minimum Variance Strategien". Letztere nutzen aber eine individuelle Depotzusammenstellung, die im Regelfall auch durch Derivate als Absicherung ergänzt wird. Mit einem Low Volatility ETF erhalten Anleger hingegen, zumindest im Idealfall, ein einziges Produkt, das die eigene Risikotragfähigkeit abbildet und ständiges Rebalancing oder teure, durchaus auch komplexe Absicherungen mit Derivaten überflüssig macht.

Der ETF-Markt hat selbstverständlich längst darauf reagiert, weshalb es auch eine Reihe von ETFs mit geringer Volatilität gibt, die von den ETF-Emittenten normalerweise "Low Volatility" oder "Minimum Volatility" genannt werden.

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Vor- und Nachteile solcher Low Volatility ETFs

Selbstverständlich hat dieses Produkt ebenso wie alle anderen Kapitalmarktprodukte Vor- und Nachteile. Diese zu verstehen ist eine Grundvoraussetzung, um solche ETFs überhaupt sinnvoll einzusetzen.

Die Vorteile sind:

  • die namensgebende niedrigere Volatilität
  • durch Höchstgrenzen in den ETFs werden meist starke Übergewichtungen von einzelnen Unternehmen vermieden, da Klumpenrisiken zwangsläufig die Volatilität steigern
  • die Draw-Downs (temporären Kursverluste) sind im Regelfall niedriger als bei marktbreitgestreuten oder risikoreichen Produkten

Nachteile gibt es ebenfalls:

  • das geringere Risiko mündet automatisch in einer geringeren erwarteten Rendite
  • aufgrund der Höchstgrenzen für einzelne Aktien profitieren Low Volatility ETFs nur anteilig von guten Kursentwicklungen
  • die "stabilen" Aktien, die in schlechten Zeiten weniger verlieren, generieren in guten Börsenzeiten auch eine schlechtere Rendite

Für wen eignen sich solche Low Volatility ETFs also überhaupt? Hierbei ist zunächst zu unterscheiden, wie diese eingesetzt werden. Ist das komplette Depot auf eine niedrige Volatilität ausgerichtet oder wird nur ein Teil des Kapitals temporär schwankungsarm "geparkt", bis sich bessere Chancen an anderer Stelle ergeben? Letzteres ist durchaus für jeden Anleger denkbar, wobei schwankungsarm nicht bedeutet, dass es gar keine Schwankungen gibt. Kurzfristig orientierte Anleger können mit solchen ETFs genauso Verluste schreiben.

Allgemein empfehlen sich Low Volatility ETFs für diese Art von Anlegern:

  • solche im höheren Alter, die nicht mehr die maximale Rendite generieren, sondern Absicherung möchten
  • Anleger mit einem empfindlichen Nervengerüst, für die Schwankungen mental zu belastend sind
  • Anleger in der Entnahmephase ihres Lebens
  • Börsenneulinge, die erst einmal "schauen" möchten, ob Investitionen in Aktien/ETFs überhaupt für sie geeignet sind

Rückblick: MSCI World vs. Low Volatility

Chart: Low Volatility Vergleich mit MSCI World
Während der Corona-Krise hat die Low Vola Strategie (blau) an Fahrt verloren

Chart: Minimum Volatility vs MSCI World
Auf 1 Jahr sieht die Entwicklung durchwachsen aus

Die unterschiedlichen Low Volatility ETFs im Vergleich

Wie auch in der herkömmlichen ETF-Welt, ohne den Zusatz der niedrigen Volatilität, gibt es eine Reihe unterschiedlicher ETFs, mit denen du wahlweise einzelne geografische Regionen und ihre Kapitalmärkte oder die weltweiten Märkte in ihrer Ganzheit abbilden kannst. Der Einfachheit halber ist es natürlich auch hier empfehlenswert, eine Lösung für eine weltweite Streuung zu wählen, außer du möchtest einzelne geografische Regionen individuell gewichten. Das führt aber meist zu einem höheren Risiko, entweder weil das Beta der Region höher ist oder sich durch den Fokus auf eine Region die Diversifikation reduziert.

Außerdem solltest du bedenken, dass die Märkte in der westlichen Welt generell ein geringeres Risiko als die in den Schwellenländern haben. Wenn du zwischen einem Low Volatility ETF für die USA und einem für die Schwellenländer wählst, haben zwar beide eine niedrige Volatilität, die Schwellenländer aber ein insgesamt höheres Risiko. Da derartige ETFs generell für vorsichtige Anleger gemacht sind, muss dieser Umstand zwangsläufig in die Anlageentscheidung einspielen.


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iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF (Acc) (ISIN: IE00B8FHGS14)

Das ist der mit Abstand größte der Low Volatility ETFs, zugleich kann dieser auch als der "sicherste" ETF bezeichnet werden. Die Gründe liegen auf der Hand: Du erhältst lediglich Werte aus Industrieländern, zugleich sind alle Industrieländer aus dem MSCI-Index vertreten. Dein Depot ist damit zugleich sehr gut diversifiziert, auch wenn die Schwellenländer fehlen, wobei sich bei denen die Frage stellt, ob man als risikoscheuer Anleger da überhaupt investieren möchte.

Aktuelle Eckdaten zum ETF:

  • bildet Aktien physisch ab und thesauriert Erträge
  • TER von 0,30 %, TD von 0,04 %
  • Top-10 macht 13,71 % aus
  • mehr als 4 Milliarden Euro investiert

Ein Blick in die gehaltenen Werte offenbart, was dich bei solchen Low Volatility ETFs generell erwartet - viele klassische Value-Unternehmen. In der Top-10 befinden sich unter anderem WasteManagement, PepsiCo, Nestle, J&J, Roche, Verizon und Merck. Keine Top-10-Aktie ist höher als 1,70 % gewichtet.

Bei der geografischen Allokation gibt es durchaus ein "Klumpenrisiko": Die USA nehmen knapp 65 % des Fonds ein, danach folgt Japan mit knapp 11 %. Alle anderen Länder haben jeweils eine Gewichtung unterhalb der 8-Prozent-Marke, Deutschland ist mit lediglich rund 1,5 % vertreten.

Besonders interessant, im Vergleich zu marktbreit gestreuten ETFs, ist die Branchenverteilung:

  • auf dem ersten Rang sind Aktien aus dem Gesundheitswesen mit rund 18 %
  • Basiskonsumgüter machen etwa 15 % aus
  • Technologie und Industrie jeweils etwa 13 %

Mit Ausnahme von den Technologie-Werten sind das also schwankungsarme Branchen. Vor allem das Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter gelten als kaum zyklisch, da deren Leistungen und Produkte ständig nachgefragt werden und sie die letzten Leistungen sind, an denen Konsumenten sparen würden. Deshalb legen diese beiden Branchen auch zwangsläufig bei fast allen Low Volatility ETFs den Grundstein.

Zur Performance des ETFs, ohne Währungsbereinigung:

  • in den letzten 5 Jahren eine Rendite von 9,89 % p.a.
  • in den letzten 3 Jahren 7,59 % p.a.
  • im laufenden Jahr +4,48 %
  • maximaler Drawdown auf 5 Jahre: -17,21 %

Zum Vergleich dazu der iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc), der keinen Low Volatility Zusatz hat:

  • in den letzten 5 Jahren eine Rendite von 12,66 % p.a.
  • in den letzten 3 Jahren 14,43 % p.a.
  • im laufenden Jahr -2,23 %
  • maximaler Drawdown auf 5 Jahre: -21,08 %

Fazit: Wie bereits eingangs dargestellt, bezahlt der Anleger die schwankungsarme Ausrichtung mit Rendite - und das nicht zu wenig. Im laufenden Jahr laufen das Gesundheitswesen und die Basiskonsumgüter, aufgrund der hohen Inflation und Unsicherheit, sehr gut. Daher zeigt sich da eine Differenz von rund 6 %, während der maximale Drawdown mit gerade einmal rund 4 % weniger nicht unbedingt eine Lanze für eine Low Volatility Strategie bricht.

Eine Alternative dazu gibt es ebenfalls: Den Xtrackers MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF (ISIN: IE00BL25JN58), der sich prinzipiell aber nur in seiner TER und TD unterscheidet, da beide ETFs den identischen Index nutzen.

iShares Edge S&P 500 Minimum Volatility UCITS ETF (ISIN: IE00B6SPMN59)

Der ETF macht nicht viel anders als der eben genannte ETF, außer eben, dass er nur Werte aus den USA enthält. Er kostet dich eine TER von 0,20 %, was ein klarer Vorteil ist, da du deine Kosten so um rund ein Drittel reduzierst.

Die Top-Werte unterscheiden sich ebenfalls in eher überschaubarer Weise, schließlich hat die USA im World-ETF schon eine dominante Stellung. Bei der Performance zeigen sich aber deutliche Unterschiede:

  • 14,75 % p.a. in den letzten 5 Jahren
  • laufendes Jahr: +4,62 %
  • maximaler Drawdown: -19,68 %

Zum Vergleich der iShares S&P 500 ETF ohne Low Volatility Faktor:

  • 16,54 % p.a. in den letzten 5 Jahren
  • laufendes Jahr: -0,54 %
  • maximaler Drawdown: -20,07 %

Diese Lösung, zumindest wenn man nur in die Vergangenheit schaut, sieht also schon ein klein wenig besser aus: Die Rendite kann durchaus mit dem marktbreiten S&P 500 konkurrieren, dafür der maximale Drawdown aber ebenfalls - der nur rund 0,5 % unter dem des gewöhnlichen ETF liegt.

iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility UCITS ETF USD (Acc) (ISIN: IE00B8KGV557)

Das Äquivalent für die Schwellenländer hält zwar in China seinen größten Anteil, die Top-10 dominieren aber Unternehmen aus Taiwan. Auch da ist kein Unternehmen mit mehr als aktuell 1,60 % gewichtet. Mit einer TER von 0,40 % und einer TD von 0,44 % ist der ETF nicht gerade günstig, mit einer Fondsgröße von rund 340 Millionen Euro auch nicht unbedingt super liquide. Zudem dominieren hier die Branchen Finanzen, Technologie und Kommunikation.

Zur Performance:

  • 5,05 % p.a. in den letzten 5 Jahren
  • laufendes Jahr: +0,67 %
  • maximaler Drawdown: -23,58 %

Dazu im Vergleich der iShares Core MSCI EM IMI:

  • 4,56 % p.a. in den letzten 5 Jahren
  • laufendes Jahr: -6,35 %
  • maximaler Drawdown: -30,05 %

Fazit

Eben zeigte sich erstmals ein tatsächlich erheblicher Unterschied: Die EM Low Volatility Lösung minimiert nicht nur deutlich den Drawdown, sondern generierte sogar eine weitaus bessere Rendite. Zumindest wenn du auf der Suche nach Schwellenländern für dein Depot bist, war der Low Volatility ETF die letzten Jahre also allgemein die bessere Wahl. Im Gegenzug machen Low Volatility ETFs in den Industrieländern nur wenig Sinn - wobei auch diese Erkenntnisse aus der Vergangenheit natürlich nicht bindend für die Zukunft sind.

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