Mit Space- und Raumfahrt-ETFs zu neuen Depot-Höhen? 4 Tipps
Die Raumfahrtindustrie erlangte, nachdem sie seit der Mondlandung einige Jahrzehnte ein eher stiefmütterliches Dasein fristete, dadurch neue Bedeutung. Mit einem ETF auf den Raumfahrt- und Space-Sektor kannst du selbst an dem Zukunftstrend partizipieren.
Neue Lebensräume und Ressourcen erkunden oder doch nur Weltall-Tourismus?
Stand: Juli 2026. Die erste Mondlandung war und ist ein besonderer Meilenstein der Menschheitsgeschichte. Das damalige "Space-Race" zwischen der Sowjetunion und den USA zog Menschen rund um den Globus vor die Fernseher, danach kam lange Zeit wenig. Zwar blieb der Weltraum interessant, doch die damit verbundenen Milliardenbudgets ließen sich gegenüber der Bevölkerung schlecht rechtfertigen zu teuer waren solche Prestige-Wettbewerbe.
Im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat sich diese Sichtweise gedreht. Das liegt vor allem daran, dass heute weit mehr privatfinanzierte Unternehmen in den Sektor vorgedrungen sind. Sie kooperieren zwar eng mit staatlichen Institutionen wie der NASA, kümmern sich aber selbst um ihre Kapitalbeschaffung. Parallel ist der All-Tourismus entstanden, mit dem sich Milliardäre von Jeff Bezos bis Richard Branson kurz die Erde aus der Vogelperspektive ansehen. Im Zentrum der Raumfahrt stehen jedoch nicht touristische Ausflüge, sondern technologische Fortschritte, die Erschließung neuer Ressourcen, Satelliten-Infrastruktur und langfristig neue Lebensräume.
2026 kommt ein weiterer Treiber hinzu: die enge Überschneidung von kommerzieller Raumfahrt und Verteidigung. Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung, Frühwarnsysteme und Trägerraketen sind sowohl zivil als auch militärisch relevant. Genau diese Doppelnutzung prägt die heutigen Space-ETFs stärker denn je und erklärt, warum reine Weltraum-Investments in der Praxis fast immer auch Rüstungsbezug haben.
Ein risikoreicher, potenzieller Mondflug für dein Depot
Bevor wir uns einzelnen ETFs widmen von denen es ohnehin nur eine Handvoll gibt lohnt ein Blick auf die Eigenheiten der Branche. Die Raumfahrt ist für viele Beteiligte noch immer ein Verlustgeschäft. Mit Space-Tourismus versuchen Anbieter wie Virgin Galactic oder Blue Origin, Kapital zu beschaffen, denn einzelne Auftragsflüge für Behörden decken das kapitalhungrige Geschäft längst nicht. Gleiches gilt für SpaceX, auch wenn sich Elon Musk anders als Branson und Bezos bislang nicht ins All hat schießen lassen.
Was du vor einer Investition in den Space-Sektor grundsätzlich bedenken solltest:
#1 Nicht alle fliegen ins All
Viele Anleger denken bei Raumfahrt an SpaceX oder Blue Origin. Beide spielen für einen ETF aber keine Rolle, weil sie nicht börsennotiert sind. Der Großteil der in einem Space-ETF enthaltenen Unternehmen befördert ohnehin keine Menschen, sondern baut Satelliten, Trägersysteme oder erdnahe Infrastruktur.
#2 Du bekommst Unternehmen ins Depot, die du nicht zwangsläufig haben möchtest
Es gibt "reine" Space-Firmen und solche, deren Geschäft weit über die Raumfahrt hinausgeht, die aber daran partizipieren. Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin sind ein Beispiel. Je nach Index kaufst du dich so indirekt in Verteidigungsunternehmen ein. Angesichts der 2026 sehr engen Verzahnung von Space und Defense ist das eher die Regel als die Ausnahme wer das aus ethischen Gründen ausschließen möchte, sollte die Indexregeln genau lesen.
#3 Viele Werte sind Small-Caps
Ein erheblicher Teil der Space-Aktien sind Small-Caps mit geringer Marktkapitalisierung. Sie arbeiten häufig defizitär, sind hochvolatil und haben oft nur Konzepte oder Prototypen statt nachhaltiger Gewinne vorzuweisen. Die breite Streuung über einen ETF kann genau deshalb sinnvoll sein federt Einzelausfälle aber nur teilweise ab.
#4 Das Segment ist winzig und Schließungen kommen vor
Space-ETFs sind ein Nischenprodukt mit sehr geringem Volumen. Wie klein das Segment ist, zeigt ein prominentes Beispiel: Der frühere Platzhirsch für deutsche Anleger, der HANetf Procure Space UCITS ETF (Ticker YODA), wurde am 19. April 2024 geschlossen und in den Future of Defence UCITS ETF verschmolzen. Wer nur wenige Millionen Euro einsammelt, riskiert genau dieses Schicksal. Achte deshalb auf ausreichendes Fondsvolumen und rechne bei kleinen Fonds mit einem realen Schließungs- bzw. Verschmelzungsrisiko.
Der große Space-ETF für deutsche Anleger: VanEck Space Innovators UCITS ETF
Nach der Schließung des Procure-Space-Produkts ist der VanEck Space Innovators UCITS ETF (ISIN IE000YU9K6K2, WKN A3DP9J, Ticker JEDI) heute die naheliegendste Wahl für deutsche Depots. Der Fonds wurde am 24. Juni 2022 aufgelegt und hat mittlerweile ein Volumen von rund 1,9 Mrd. Euro erreicht deutlich mehr als das frühere Nischenprodukt und damit robuster gegen eine Schließung. Die TER liegt bei 0,55 % pro Jahr, repliziert wird physisch, Erträge werden thesauriert.
Als Index dient der MarketVector Global Space Industry Screened Index. Aufgenommen werden Unternehmen, die einen wesentlichen Teil ihrer Umsätze aus der Weltraumwirtschaft (Raketen, Antriebe, Satelliten, Kommunikation, Erdbeobachtung) erzielen. Der ESG-Screen filtert bestimmte kontroverse Geschäftsfelder heraus. Der Fonds hält rund 25 Titel eine sehr konzentrierte Aufstellung, die das Klumpenrisiko innerhalb der Nische zusätzlich erhöht.
Zu den größeren Positionen zählen (Gewichtungen ändern sich laufend) unter anderem:
- Rocket Lab
- Planet Labs
- Intuitive Machines
- Viasat
- AST SpaceMobile
Rund 38 % des Portfolios entfallen auf US-Unternehmen wenig überraschend, da die meisten Space-Vorreiter in den USA sitzen. Die Konzentration auf die Top-Werte ist hoch: Die zehn größten Positionen machen einen Großteil des Fonds aus. Für ein reines Themen-Investment ist das typisch, für ein Kerninvestment im Depot aber ungeeignet.
Neu und aktiv gemanagt: ARK Space & Defence Innovation UCITS ETF
Bis vor Kurzem war die bekannte ARKX-Strategie von Cathie Wood nur über einen US-Broker handelbar. Das hat sich geändert: Seit dem 23. Oktober 2025 gibt es mit dem ARK Space & Defence Innovation UCITS ETF (ISIN IE000AON7ET1, WKN A419N7, Ticker ARKX) eine UCITS-Variante, die auch deutsche Anleger kaufen können. Der Fonds ist aktiv gemanagt, thesauriert und kostet 0,75 % TER.
Wichtig zur Einordnung: Der Fonds ist mit rund 41 Mio. Euro noch sehr klein und damit ein Paradebeispiel für das oben beschriebene Schließungs- und Liquiditätsrisiko in dieser Nische. Als aktiver Fonds bündelt er zudem Space- und Defense-Titel eine Wette auf das Stock-Picking von ARK und nicht auf einen breiten Markt. Der Name signalisiert bereits, wie stark Raumfahrt und Verteidigung inzwischen zusammenrücken.
Space-ETFs bleiben eine Nischenoption für risikobereite Anleger
So spannend "in den Weltraum investieren" klingt in der Praxis ist es begrenzt. Viele der bekanntesten Space-Unternehmen sind nicht börsennotiert, andere sind kleine, defizitäre Small-Caps. Deshalb ergänzen Space-ETFs ihre Zusammenstellung um Rüstungs-, Tech- und Telekommunikationskonzerne, die man nicht sofort mit Raumfahrt verbindet.
Wer über einen ETF am Zukunftstrend teilhaben möchte, hat 2026 in Deutschland faktisch zwei handelbare Pure-Play-Optionen: den größeren, indexbasierten VanEck Space Innovators und den kleinen, aktiv gemanagten ARK-Fonds. Beide sind hoch konzentriert, vergleichsweise teuer, stark USA- und Defense-lastig und volatil. Realistisch eignen sie sich allenfalls als kleine Beimischung (Satellit) zu einem breit gestreuten Weltportfolio nicht als Kerninvestment. Wer die Themen-, Klumpen-, Bewertungs- und Schließungsrisiken einer solchen Nische nicht tragen möchte, fährt mit einem breiten Welt-ETF besser.
Wenn du einen solchen Themen-ETF als Beimischung besparen möchtest, brauchst du zunächst ein passendes Depot. Bei Trade Republic und Scalable Capital lassen sich Themen-ETFs unkompliziert und häufig sparplanfähig handeln. Einen ausführlichen Vergleich findest du in unserem ETF-Broker-Vergleich.
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