Mit Space- und Raumfahrt-ETFs zu neuen Depot-Höhen? 4 Tipps

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Die Raumfahrtindustrie erlangte, nachdem sie seit der Mondlandung einige Jahrzehnte ein eher stiefmütterliches Dasein fristete, dadurch neue Bedeutung. Mit einem ETF auf den Raumfahrt- und Space-Sektor kannst du selbst an dem Zukunftstrend partizipieren.

Mit Space- und Raumfahrt-ETFs zu neuen Depot-Höhen? 4 Tipps

Neue Lebensräume und Ressourcen erkunden - oder doch nur Weltall-Tourismus?

Die erste Mondlandung war und ist ein ganz besonderer Meilenstein in der Menschheitsgeschichte. Das damalige "Space-Race" zwischen der ehemaligen Sowjetunion und der USA zog Menschen rund um den Globus vor den Fernseher und die Tageszeitungen - doch kam danach lange Zeit nichts mehr. Zwar blieb der Weltraum für die Menschheit weiterhin interessant, die damit verbundenen Gelder konnten Staaten aber nur schlecht vor ihrer Bevölkerung rechtfertigen - zu teuer waren solche "Prestige-Wettbewerbe", die insbesondere in Zeiten sozialer Unruhe als "Steuergeld-Öfen" gebrandmarkt wurden.

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Speziell im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat sich diese Sichtweise geändert, was aber auch daran liegt, dass mittlerweile weitaus mehr privatfinanzierte Unternehmen in den Sektor vorgedrungen sind. Die kooperieren zwar in direkter Art und Weise mit staatlichen Institutionen wie der NASA, kümmern sich aber selbst um die Kapitalbeschaffung. In der Folge ist ein neuer Trend geboren, der zum aktuellen Zeitpunkt höchstens für die Top-0,1 % der Weltbevölkerung interessant sein dürfte: All-Tourismus. Über die letzten 12 Monate ließen sich gefühlt unzählige Stars und Milliardäre (oder manchmal eben beides) ins All schießen - von Jeff Bezos bis zu Richard Branson.

Im Mittelpunkt der Weltraumerkundung stehen aber nicht solche touristischen Ausflüge, mit denen sich die reichsten Menschen der Welt einmal kurz unseren Planeten aus der Vogelperspektive anschauen, sondern erhebliche technologische Fortschritte, die Exploration von weiteren Ressourcen und natürlich auch das Erkunden neuer Lebensräume. Die Raumfahrt wird deshalb von manchem Befürworter auch als zwingend notwendig erachtet, wenn die Erde, sei es aufgrund von globaler Erwärmung oder nuklearen Konflikten, nicht mehr bewohnbar ist.

Ein risikoreicher, potentieller Mondflug für dein Depot

Bevor wir uns einzelnen ETFs widmen, die sowieso nur in sehr überschaubarer Zahl vorhanden sind, gilt es einige Eigenheiten und Fundamentaldaten der Industrie zu beleuchten. Die Raumfahrt ist, zumindest noch zum aktuellen Zeitpunkt, ein erhebliches Verlustgeschäft für alle Beteiligten. Mit dem Space-Tourismus versuchen sich Unternehmen wie Bransons Virgin Galactic oder Bezos' Blue Origin Kapital zu verschaffen, denn kleinere Auftragsflüge für Behörden, beispielsweise um neue Satelliten ins All zu bringen, decken längst nicht das enorm kapitalhungrige Unterfangen. Selbiges gilt natürlich auch für SpaceX, auch wenn sich Elon Musk selbst, anders als Branson und Bezos, noch nicht ins All hat schießen lassen - und das nach eigener Aussage auch in nächster Zeit nicht vorhat.

Was du vor einer Investition in den Space-Sektor generell bedenken solltest:

#1 - Nicht alle fliegen ins All!

Die meisten Menschen denken bei Investitionen in die Raumfahrt eben an Musks SpaceX oder Bezos Blue Origin. Beide spielen aber erst einmal bei der Beurteilung keine Rolle, denn sie sind nicht einmal börsengelistete Unternehmen. Bransons Virgin Galactic hingegen schon. Trotzdem fliegt der Großteil der Unternehmen in so einem ETF gar nicht ins All, zumindest nicht mit Hinblick auf die Personenbeförderung. Viele der enthaltenen Unternehmen produzieren eher Satelliten oder möchten eine erdnahe Infrastruktur aufbauen.

#2 - Mitunter bekommst du Unternehmen ins Depot, die du nicht zwangsläufig haben möchtest

Es gibt "reine" Space-Unternehmen und dann solche, deren Geschäft nicht nur auf die Raumfahrt beschränkt ist, die aber ebenfalls darin partizipieren. Das amerikanische Rüstungsunternehmen Lockheed Martin Corporation ist beispielsweise solch ein Unternehmen. Es ist, je nach genutztem Index, also durchaus denkbar, dass du dich so auch in verschiedene Rüstungsunternehmen einkaufst und damit indirekt in Waffen und Vernichtungsgerät investierst.

#3 - Viele Unternehmen sind Small-Caps

Viele der größten Space-Aktien sind ganzheitlich betrachtet doch eher Small-Caps. Sie haben also nur eine geringe Marktkapitalisierung, arbeiten zudem meist noch defizitär und sind entsprechend ausgesprochen volatil. Außerdem haben viele Space-Unternehmen in erster Linie Konzepte und mitunter Prototypen, aber keinen nachhaltigen Erfolg vorzuweisen. Die breite Streuung über einen ETF könnte schon genau deshalb sinnvoll sein.

#4 - Als Kunde eines deutschen Brokers sieht es (noch) schlecht für dich aus

Deutschlands strenge Kapitalmarktrichtlinien sind vielen Anlegern seit jeher ein Dorn im Auge, denn sie führen dazu, dass Deutsche pauschal von weiten Teilen des Kapitalmarktes ausgeschlossen werden. Das zeigt sich mit Hinblick auf die Raumfahrt-ETFs überdeutlich, denn als Kunde bei einer deutschen Bank oder einem deutschen Broker ist deine Auswahl enorm eingeschränkt. Das amerikanische Steckenpferd der Space-ETFs kannst du aufgrund der fehlenden Dokumentenbereitstellung gar nicht kaufen.

Der deutsche Raumfahrt-ETF: HANetf Procure Space UCITS ETF (ISIN: IE00BN76Y761)

Das ist aktuell der erste und einzige Weltraum-ETF, in den du bei einem deutschen Broker überhaupt investieren kannst. Der Fonds wurde im Mai 2021 aufgelegt und konnte bisher lediglich rund 10 Millionen Euro Anlegerkapital einsammeln. Mit einer TER von 0,75 % ist er nicht gerade günstig, die Aktien werden physisch repliziert und Erträge thesauriert.

Als Index nutzt der Fonds mit dem Kürzel "YODA" einen maßgeschneiderten S-Network Space Index, der ungefähr 30 Werte enthält, was aber regelmäßig variiert. Der Index hat einige Vorgaben, die die da gelisteten Unternehmen erfüllen müssen. Diese müssen mindestens 20 % ihrer Einnahmen aus der Raumfahrt (oder vergleichbaren Aktivitäten) beziehen. Alternativ müssen die Umsätze aus der Raumfahrt wenigstens 500 Millionen US-Dollar übersteigen. Dieses Kriterium ist wichtig, denn dadurch sind auch Unternehmen wie die in diesem Artikel schon erwähnte Lockheed Martin Corporation darin gelistet. Die generieren zwar längst nicht 20 % ihrer Umsätze mit der Raumfahrt, andererseits ist für so einen großen Konzern die 500-Millionen-Schwelle sehr leicht zu knacken.

Zum aktuellen Zeitpunkt finden sich in dem ETF zu knapp 80 % US-amerikanische Unternehmen, es besteht dahingehend also ein enormes Klumpenrisiko. Andererseits ist das nicht überraschend, schließlich sind alle Space-Vorreiter nun einmal in den USA ansässig. Mit der Zeit könnte dieser Wert sogar noch weiter ansteigen, sollten beispielsweise Milliardenunternehmen wie SpaceX oder Blue Origin einmal an die Börse gehen.

In dem ETF findest du mit höheren Gewichtungen beispielsweise diese Unternehmen:

  • Virgin Galactic Holdings Inc
  • EchoStar Corp
  • Eutelsat Communications SA
  • Trimble Inc
  • Lockheed Martin Corporation
  • ViaSat Inc
  • Maxar Technologies Inc.
  • Comcast Corp
  • AT&T Inc

Wie du siehst, befinden sich darin also sowohl große Konzerne, die nicht direkt unglaublich viel mit Raumfahrt zu tun haben (Comcast, AT&T) als auch "reine" Space-Plays wie Virgin oder Maxar.

Da der ETF zum aktuellen Zeitpunkt nicht einmal ein halbes Jahr existiert, sind Performance-Aussagen relativ irrelevant. Der Vollständigkeit wegen: Seit der Auflage generierte der ETF eine Rendite von 8,34 %.

Für Kunden von US-Brokern: ARK Space Exploration & Innovation ETF

Der ARK-ETF (Ticker ARKX) ist bei deutschen Brokern nicht handelbar, was sich aber mit einem US-Broker umgehen lässt. Auch er hat eine TER von 0,75 %, investiert sind darin aktuell knapp 550 Millionen US-Dollar. Er ist also schon weitaus größer und liquider. Der handgepickte Fonds enthält zwischen 35 und 55 Werte. Auch bei diesem ETF lässt sich feststellen, dass er sich keinesfalls nur auf reine Raumfahrtunternehmen beschränkt. Da hast du beispielsweise noch Unternehmen wie Unity Software oder den "The 3D Printing ETF". Auch Amazon, Alphabet, Airbus und NVIDIA finden sich darin. In der Realität ist der ETF damit tatsächlich noch etwas weniger fokussiert als das deutsche Gegenstück dazu. Nordamerika macht etwa 80 % der enthaltenen Werte aus.

Der ARK-Fonds wurde ebenfalls im Mai aufgelegt, eine Rendite gibt es aber nicht. Seit der Fonds emittiert wurde, kommt er auf knapp -2 %. Tatsächlich waren die Verluste aber auch schon einmal höher. Anleger sollten sich bewusst sein, dass sie weder mit dem ARK-Fonds noch dem deutschen Gegenstück wirklich ausschließlich in Raketen, Astronauten und spannende Weltraum-Unternehmen investieren. Ein guter Teil wird durch Rüstungsunternehmen, Tech-Riesen und Telekommunikationskonzerne belegt.

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Space-ETFs bleiben für Anleger eine Nischenoption

Ganz so spannend, wie sich manch Anleger die Option "in den Weltraum zu investieren" vorstellt, ist es in der Praxis leider nicht. Das liegt an mehreren Gründen, vor allem aber daran, dass einige der großen Space-Unternehmen gar nicht an der Börse sind und andere, die zwar an der Börse sind, nur eine sehr geringe Marktkapitalisierung vorweisen. Deshalb haben insbesondere Raumfahrt-ETFs die Eigenheit, ihre eigene Zusammenstellung um viele weitere Unternehmen zu ergänzen, die die meisten Anleger nicht sofort mit Begriffen wie Raumfahrt oder Space assoziieren würden.

Wer trotzdem über einen ETF an dem Zukunftstrend partizipieren möchte, hat nur eine sehr kleine Auswahl, in Deutschland gibt es nur einen Space-ETF, in den USA noch einen zweiten von der recht bekannten Cathy Wood. Beide sind aber sehr breitgestreut, haben eine hohe laufende Kostenquote und sind außerdem ziemlich volatil - zudem haben beide eine starke Übergewichtung der USA. So bleibt die Raumfahrt, zumindest als Anlagestrategie, denen vorbehalten, die sich an all diesen Aspekten nicht stören.

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