Mit ETFs bequem in Gold investieren

Zuletzt aktualisiert am
Mit ETFs bequem in Gold investieren
Der Mann hinter der Analyse: Goldexperte Ronny Wagner. © noble-metal-factory.de

Gastbeitrag und Interview mit Edelmetallexperte Ronny Wagner. Die im Folgenden gekennzeichneten Aussagen geben seine persönliche Einschätzung wieder. Die Redaktion von etf.capital hat den Beitrag behutsam aktualisiert, veraltete Produktangaben ergänzt und die steuerlichen Rahmenbedingungen auf den aktuellen Stand gebracht. Stand: Juli 2026.

In wirtschaftlich turbulenten Zeiten wie diesen setzen viele Anlegerinnen und Anleger auf Sachwerte als Stabilisierung fürs eigene Depot. Gold kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Mit börsengehandelten Gold-Wertpapieren profitieren Käufer direkt vom Wertzuwachs, ohne sich ein Bankschließfach für Münzen oder Barren mieten zu müssen. Doch ganz ohne Risiken ist auch diese Anlage nicht, sagt Edelmetallexperte und Gastautor Ronny Wagner.

„Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!“ Den Nachsatz hätte sich Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe einst sparen können. „Arm“ ist mit der Anlage in Gold kaum jemand geworden in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Gerade in diesen Tagen, da sich die Weltwirtschaft launig und wechselhaft wie ein Teenager präsentiert, erfreuen sich Sachwerte großer Beliebtheit, allen voran das glänzende Edelmetall Gold.

Redaktioneller Hinweis 2026: Die Marktlage bestätigt diese Einschätzung eindrucksvoll. 2025 markierte Gold über 50 neue Allzeithochs und legte bis Jahresende deutlich zu. Getragen wird die Rally von anhaltenden geopolitischen Spannungen, einer nach wie vor kräftigen Nachfrage der Zentralbanken und Zinssenkungserwartungen. Nach dem Rekordhoch zu Jahresbeginn 2026 folgte eine Korrektur; der Preis bewegt sich weiterhin auf historisch hohem Niveau. Analysehäuser wie Metals Focus und die Commerzbank rechnen für 2026 im Mittel mit Preisen zwischen rund 4.800 und 4.900 US-Dollar je Feinunze. Prognosen sind keine Garantien, der Goldpreis schwankt erheblich.

Gold ist von Aktien oder Anleihen weitgehend unabhängig

Es wäre grundfalsch, nun alle Anlagen in Gold umzuwandeln. Ein gut strukturiertes Depot aber enthält neben Festzinspapieren und Aktien auch Sachwerte. Gold hat den großen Vorzug, dass es eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen aufweist, weshalb es als Diversifikationsinstrument immer mehr an Bedeutung gewinnt. Im Klartext: Die Wertentwicklung von Barren oder Münzen schert es wenig, wenn etwa die Aktien von Konsumartikelherstellern wegen einer schwachen Verbrauchernachfrage in den Keller rutschen. Auch Zinserhöhungen, die für bestehende Anleihen wahres Kursgift bedeuten, prallen an Gold ab wie eine Fliege an der Fensterscheibe.

Interessant für Käufer ist zudem die steuerliche Behandlung. Beim Kauf von physischem Anlagegold fällt keine Mehrwertsteuer an, und Kursgewinne sind nach Ablauf eines Jahres Haltedauer ohne Steuerabzug realisierbar. Zum Boom am Goldmarkt und zur Nachfragesteigerung gerade durch Privatanleger haben in den vergangenen Jahren vor allem börsengehandelte Goldprodukte entscheidend beigetragen. Sie bilden nahezu eins zu eins die Wertentwicklung des Goldpreises ab. Seit ihrer Einführung Anfang der 2000er Jahre haben sie das Investieren in Gold radikal vereinfacht und dem Markt eine neue Dimension der Liquidität und Zugänglichkeit verschafft. Im Vergleich zum traditionellen Besitz von Gold in Form von Münzen oder Barren sind sie leicht zu handhaben und vergleichsweise kostengünstig.

Wichtige Klarstellung: In Deutschland gibt es keine echten Gold-ETFs. Ein ETF (Exchange Traded Fund) nach EU-Recht muss breit gestreut sein (UCITS-Diversifikationsregeln) und darf daher nicht ausschließlich einen einzelnen Rohstoff wie Gold halten. Was Anlegerinnen und Anleger hierzulande kaufen, sind streng genommen Gold-ETCs (Exchange Traded Commodities), also besicherte Schuldverschreibungen. Der umgangssprachliche Begriff „Gold-ETF“ hat sich zwar eingebürgert, technisch korrekt ist er nicht.

Entscheidend für die Steuer: Nur physisch besicherte Gold-ETCs mit Recht auf physische Auslieferung werden vom Bundesfinanzhof steuerlich wie physisches Gold behandelt und sind nach zwölf Monaten Haltedauer steuerfrei. Diese günstige Behandlung gilt nicht pauschal für jedes Gold-Wertpapier, insbesondere nicht für Aktien-ETFs auf Goldminen. Details dazu im Ratgeber Bester Gold-ETF: Vergleich und Steuer-Tipps.

Physisch besicherte Gold-ETCs im Überblick (Stand: Juli 2026)

Zwei physisch besicherte Produkte dominieren den deutschen Markt. Beide verbriefen einen Anspruch auf jeweils ein Gramm physisches Gold, das in deutschen Tresoren verwahrt wird, und beide erlauben unter bestimmten Voraussetzungen die physische Auslieferung:

Produkt ISIN Emittent Laufende Kosten p. a.
Xetra-GoldDE000A0S9GB0Deutsche Börse Commodities GmbH0,36 %
EUWAX Gold IIDE000EWG2LD7Boerse Stuttgart Commodities GmbH0,00 % (Kosten über den Spread)

Beide Produkte sind formal Inhaberschuldverschreibungen. Das bedeutet, dass Anlegerinnen und Anleger rechtlich nicht Eigentümer des Goldes sind, sondern Gläubiger der jeweiligen Emittentin, ein Punkt, den Ronny Wagner weiter unten aufgreift. Wer regelmäßig ansparen möchte, findet in unserem Ratgeber Gold-Sparplan: Diese ETFs und ETCs gibt es die passenden Möglichkeiten.

Rund 20 Jahre nach dem Marktstart ist die Produktvielfalt riesig

Seit dem Start der ersten börsengehandelten Goldprodukte haben sich die Angebote zunehmend verfeinert. Eine der auffälligsten Innovationen der jüngeren Vergangenheit ist die Einführung währungsgesicherter Produkte. Damit können Anlegerinnen und Anleger zusätzlich Wechselkursrisiken minimieren. Ein Faktor, der nicht zu unterschätzen ist: Gold notiert in US-Dollar. Für Anleger aus dem Euro-Raum ist daher nicht nur die Entwicklung des Goldpreises, sondern stets auch die des Greenback von Bedeutung für die eigene Rendite.

Auch der Megatrend Nachhaltigkeit hat längst Einzug gehalten: Anlegerinnen und Anleger können heute etwa in ESG-orientierte Goldminen-Produkte investieren. Diese legen ihr Kapital in ökologisch und ethisch verantwortungsvoll wirtschaftende Goldminen an. Eine verbesserte Risikodiversifizierung bieten zudem Produkte, die global investieren und nicht nur in die Minen eines einzigen Landes.

Anleger mit einer höheren Risikobereitschaft können sogar auf Gold-Produkte mit Hebelwirkung setzen. Diese bieten Preisbewegungen in beide Richtungen, je nachdem, ob man als Anleger von einem weiteren Gold-Boom oder eher einem Preisrückgang ausgeht. Solche Hebelprodukte sind allerdings hochspekulativ und für den langfristigen Vermögensaufbau ungeeignet. Neben klassischen, passiv verwalteten Produkten, die lediglich einen Index oder den Goldpreis nachbilden, gibt es zudem aktiv verwaltete Varianten. Diese versprechen potenziell höhere Renditen durch ein geschicktes Portfoliomanagement, verursachen dafür aber in der Regel höhere Kosten.

Drittparteirisiken dürfen nicht ausgeblendet werden

Die folgende Einschätzung stammt von Gastautor Ronny Wagner:

Doch bei aller berechtigten Euphorie nach rund 20 Jahren Erfolgsgeschichte: Anlegerinnen und Anleger sollten die Augen nicht vor den Gefahren verschließen. Auch hier gilt die alte, im wahrsten Wortsinn goldene Regel der Geldanlage: Jeder Chance steht ein vergleichbar großes Risiko entgegen.

Am Ende handelt es sich bei den börsengehandelten Goldprodukten immer noch um Finanzinstrumente, die sogenannte Gegenparteirisiken mit sich bringen. Nur der physische Besitz von Gold bietet den direkten Schutz eines Sachwerts, der vor Risiken durch Drittparteien geschützt ist. In einem Szenario, in dem das globale Finanznetzwerk destabilisiert wird, könnten auch diese Produkte betroffen sein. Banken und andere Emittenten könnten schlicht Pleite gehen. Trotz der Vorteile in Bezug auf Diversifikation und Anlegerschutz sollten Anleger die Risiken dieser Finanzinstrumente verstehen. Nur auf börsengehandelte Goldprodukte zu setzen, wäre falsch und viel zu riskant. Daher sollte ein ausgewogenes Portfolio sowohl Finanzinstrumente wie Gold-ETCs als auch physische Sachwerte beinhalten.

Über den Autor

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers „Noble Metal Factory“ und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“ Seit 2008 widmet er sich dem Thema „Finanzbildung“. Sein Ziel ist es, Menschen durch finanzielle Bildung mehr persönliche Sicherheit, Wohlstand, Freiheit und Unabhängigkeit zu ermöglichen.


Transparenzhinweis: Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag beziehungsweise Interview. Die als Aussagen des Gastautors gekennzeichneten Passagen geben dessen persönliche Meinung wieder und stellen keine Anlageberatung dar. Redaktionelle Ergänzungen sind entsprechend markiert. Alle Angaben zu Produkten, Kosten und Steuern wurden zum Stand Juli 2026 recherchiert, sind aber ohne Gewähr. Die Investition in Gold ist mit Risiken verbunden, Kurse können erheblich schwanken.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

Mehr zum Thema:





Rechtliche Hinweise: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die in den Artikeln erwähnten ETFs und anderen Finanzprodukte stellen keine Kaufempfehlung dar. Wir können keine Finanzberatung oder ähnliches anbieten. Der Wert von Aktien, ETFs und ETCs, die über ein Wertpapierdepot gekauft wurden, kann sowohl steigen als auch fallen. Börsengeschäfte stellen ein erhebliches Risiko dar, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. etf.capital haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden. Der Autor besitzt keinen der genannten ETFs. Keiner der Inhalte stellt ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Kryptoassets sind hochvolatile unregulierte Anlageprodukte. Es existiert kein EU-Anlegerschutz.

Vergleiche: Unsere Anbieter-Vergleiche bieten keinen kompletten Marktüberblick. Zur Finanzierung dieser Website erhalten wir von den Anbietern eine Provision bei Kontoeröffnung. Die Vergleiche beginnen mit den Anbietern mit der höchsten Abschlussquote und endet mit der niedrigsten. Bei gleicher Abschlussquote werden die Aufrufe hinzugezogen. D. h. Produkte, die im Verhältnis zu den Aufrufen hier öfter gewählt werden, sind höher platziert. Bewertungen können nicht auf Echtheit geprüft werden. Der Anbieter auf Platz 1 wird zusätzlich farblich hervorgehoben. Testsiegel werden angezeigt, sofern sie uns vom Anbieter zur Verfügung gestellt wurden.

"Kostenlose ETF-Sparpläne" bezieht sich auf die Ausführung der Sparpläne. Es entstehen ggfs. weitere Produktkosten und Zuwendungen. Bei Aktionsangeboten gelten die Teilnahmebedingungen des jeweiligen Anbieters.

Die mit einem Sternchen (*) oder versehenen Links oder farblich hervorgehobenen Schaltflächen sind i.d.R. bezahlte Produktplatzierung zur Finanzierung dieser Website. Dir entstehen dadurch keinerlei Nachteile. Du unterstützt damit unsere Arbeit.

Mit ETFs bequem in Gold investieren
Teilen
Twitter icon Facebook icon