ETF-Handel 2026: Wo und wie Du ETFs kaufst (Börse, Direkthandel, Ordertypen)
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Für Anfänger, die nach einer Geldanlage mit einer attraktiven Rendite suchen, ist der ETF-Handel geeignet. Du investierst in börsengehandelte Fonds, die mit geringen Kosten überzeugen und eine breite Risikostreuung bieten. Der Handel ist auch per App über das Smartphone möglich.
ETF-Handel 2026: das Wichtigste vorab
Beim ETF-Handel kaufst und verkaufst Du Anteile an börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds) über ein Wertpapierdepot. Entscheidend für Deine Kosten sind drei Dinge: wo Du handelst (Börse oder Direkthandel), wie Du Deine Order aufgibst (Market oder Limit) und wann Du handelst (Handelszeiten und Liquidität). Dieser Ratgeber erklärt alle drei Punkte praxisnah. Wenn Du komplett neu bist, starte am besten mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung ETF kaufen.
Stand: Juni 2026. Alle Konditionen ändern sich laufend – prüfe vor dem Kauf die aktuellen Angaben Deines Brokers.
ETFs bilden einen Index und dessen Wertentwicklung ab. Du kannst etwa in den DAX, den US-amerikanischen S&P 500 oder den Weltaktienindex MSCI World investieren. Steigt der Index, steigt auch Dein ETF im Kurs – und umgekehrt. Mehr zur Mechanik dahinter liest Du in Wie funktionieren ETFs hinter der Fassade?.
Börse (Xetra) vs. Direkthandel: wo solltest Du handeln?
In Deutschland hast Du im Wesentlichen zwei Wege, einen ETF zu handeln: über eine Börse wie Xetra oder über den Direkthandel (auch außerbörslicher Handel oder OTC genannt) bei Handelsplätzen wie Gettex oder Lang & Schwarz.
Xetra: die Referenzbörse für ETFs
Xetra ist das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse in Frankfurt und der mit Abstand wichtigste Handelsplatz für ETFs in Europa. Hier handeln viele Marktteilnehmer in einem zentralen Orderbuch gegeneinander. Vorteile: hohe Liquidität, in der Regel enge Spreads und transparente Kursbildung unter Börsenaufsicht. Nachteil: Es fällt ein Börsenentgelt an, das bei vielen Brokern an Dich weitergereicht wird.
Seit dem 1. Dezember 2025 hat die Deutsche Börse den Xetra-Handel für Privatanleger deutlich ausgeweitet: Aktien, ETFs und ETPs lassen sich nun – über teilnehmende Broker – werktags zwischen 8:00 und 22:00 Uhr handeln, statt wie früher nur von 9:00 bis 17:30 Uhr. Das schließt eine Früh- und eine Abendhandelsphase ein, sodass Du etwa abends noch auf US-Marktbewegungen reagieren kannst. In diesen Randzeiten ist die Liquidität allerdings geringer und die Spreads sind oft breiter.
Direkthandel: Gettex, Lang & Schwarz & Co.
Beim Direkthandel handelst Du nicht gegen ein Orderbuch, sondern direkt mit einem Market Maker, der Dir laufend An- und Verkaufskurse stellt. Gettex (Börse München, Market Maker Baader Bank) bietet beispielsweise Handelszeiten von etwa 7:30 bis 23:00 Uhr und verzichtet auf Börsenentgelte. Lang & Schwarz Exchange ist ein weiterer großer Direkthandelspartner vieler Neobroker. Vorteile: lange Handelszeiten, oft keine separaten Handelsplatzgebühren. Nachteil: Die Kursqualität hängt vom Market Maker ab. Tagsüber, wenn die Referenzbörse geöffnet ist, orientieren sich die Kurse eng an Xetra; außerhalb der Xetra-Zeiten solltest Du mit größerer Vorsicht handeln.
Faustregel: Für sehr liquide Standard-ETFs (MSCI World, S&P 500) sind die Unterschiede zwischen Xetra und gutem Direkthandel zu den Hauptzeiten gering. Bei kleineren oder exotischen ETFs ist die Xetra-Liquidität meist die sicherere Wahl.
Ordertypen: Market-Order vs. Limit-Order
Wie Du Deine Order formulierst, entscheidet darüber, zu welchem Preis sie ausgeführt wird:
- Market-Order (Bestens / Billigst): Wird sofort zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt. Vorteil: schnelle, sichere Ausführung. Nachteil: Du kennst den genauen Ausführungskurs vorher nicht – in liquiditätsschwachen Phasen kann er ungünstig ausfallen.
- Limit-Order: Du legst einen Höchstpreis (beim Kauf) bzw. Mindestpreis (beim Verkauf) fest. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Kurs Dein Limit erreicht. Vorteil: Du behältst die Kostenkontrolle und schützt Dich vor breiten Spreads. Nachteil: Wird Dein Limit nicht erreicht, bleibt die Order offen.
Praxistipp: Gerade außerhalb der Xetra-Kernzeiten (früh morgens, spät abends) und bei weniger liquiden ETFs solltest Du grundsätzlich mit einer Limit-Order arbeiten. So vermeidest Du Ausführungen zu einem schlechten Kurs, wenn der Spread weit auseinanderläuft.
Handelszeiten im Überblick
- Xetra: werktags ca. 8:00–22:00 Uhr für Privatanleger (über teilnehmende Broker), Kernhandel weiterhin 9:00–17:30 Uhr mit der höchsten Liquidität.
- Gettex (Direkthandel): werktags ca. 7:30–23:00 Uhr.
- Lang & Schwarz Exchange (Direkthandel): lange Handelszeiten bis in den späten Abend, teils Wochenendhandel für ausgewählte Werte.
Die größte Liquidität und die engsten Spreads findest Du in der Regel zwischen 9:00 und 17:30 Uhr, wenn auch die Referenzbörse Xetra geöffnet ist. Einen vollständigen Überblick gibt unser Artikel zu den Börsen-Öffnungszeiten.
Kosten und Spreads beim ETF-Handel
Beim ETF-Handel zahlst Du an mehreren Stellen. Wichtig: Trenne die einmaligen Transaktionskosten von den laufenden Fondskosten.
Ordergebühr und Handelsplatzkosten
Die Ordergebühr unterscheidet sich stark je nach Broker. Klassische Direktbanken berechnen häufig eine Grundgebühr plus einen prozentualen Anteil (z. B. 0,25 Prozent des Ordervolumens). Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital sind hier meist günstiger und bieten ETF-Sparpläne oft kostenlos an. Hinzu kommen je nach Handelsplatz Börsenentgelte (an der Börse) bzw. keine separaten Entgelte (im Direkthandel). Welcher Anbieter für Dich am günstigsten ist, klärt unser Broker-Vergleich.
Spread (Geld-Brief-Spanne)
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- (Brief) und Verkaufskurs (Geld). Er ist ein versteckter Kostenfaktor: Je liquider der ETF und je günstiger die Handelszeit, desto enger der Spread. Bei marktbreiten ETFs zu den Kernzeiten liegt er oft im Bereich weniger Hundertstelprozent; bei Nischen-ETFs oder am späten Abend kann er deutlich größer ausfallen. Eine Limit-Order schützt Dich hier.
Laufende Kosten: die TER
Unabhängig vom Handelsplatz zahlst Du laufend die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER). Sie wird vom Emittenten erhoben und liegt je nach ETF üblicherweise zwischen rund 0,05 und 0,70 Prozent pro Jahr; spezialisierte Produkte können teurer sein. Die TER deckt unter anderem Management- und Betriebskosten, Depotbank- und Lizenzgebühren ab. Sie ist wichtig, aber nicht das einzige Kriterium – auch Spreads und Ordergebühren beeinflussen Deine Nettorendite. Mehr zum Thema breite Streuung liest Du im Glossar zu Diversifikation.
PFOF-Verbot ab 1. Juli 2026: Was sich ändert
Ein wichtiges Thema 2026: Das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow (PFOF). Bei diesem Modell erhielten Broker Rückvergütungen von Handelsplätzen dafür, dass sie Kundenorders dorthin leiteten – ein potenzieller Interessenkonflikt. Nach Artikel 39a der EU-Verordnung MiFIR ist diese Praxis grundsätzlich verboten; eine Übergangsregelung erlaubte sie in einzelnen Mitgliedstaaten (darunter Deutschland) längstens bis zum 30. Juni 2026. Ab dem 1. Juli 2026 dürfen Broker solche Zahlungen nicht mehr annehmen.
Was bedeutet das für Dich? Neobroker, die bisher teilweise über PFOF finanziert waren, müssen ihr Geschäftsmodell anpassen. Trade Republic und Scalable Capital betreiben dazu inzwischen eigene Handelsplätze beziehungsweise haben entsprechende Lizenzen erhalten. Eine flächendeckende, drastische Gebührenerhöhung gilt als unwahrscheinlich – einige Anbieter haben bereits angekündigt, dass sich an den Konditionen nichts ändert. Trotzdem lohnt es sich, die Konditionen Deines Brokers nach dem Stichtag zu prüfen und im Zweifel zu vergleichen.
Den passenden Broker und Handelsplatz wählen
Für den ETF-Handel brauchst Du zunächst ein Wertpapierdepot. Bei den meisten Online-Brokern ist es kostenlos, Filialbanken verlangen oft eine Depotgebühr. Drei beliebte Anbieter für ETF-Sparen und -Handel in Deutschland:
- Trade Republic – Berliner Neobroker mit App-Fokus, vielen kostenlosen ETF-Sparplänen und eigenem Handelsplatz.
- Scalable Capital – breites ETF-Angebot, Sparpläne und je nach Tarif handelsplatzgünstige Ausführung.
- ING – etablierte Direktbank mit großem ETF-Sparplan-Angebot und Zugang zu Xetra und Direkthandel.
Welcher Anbieter am besten passt, hängt von Deinem Anlageverhalten ab (Einmalkauf vs. Sparplan, gehandeltes Volumen, gewünschte Handelsplätze). Ein detaillierter Kostenvergleich findet sich in unserem ETF-Broker-Vergleich; Tipps zur Kontoeröffnung gibt Depot eröffnen: 10 Tipps.
Einmalanlage oder Sparplan?
Du kannst ETF-Anteile als Einmalanlage kaufen oder regelmäßig über einen Sparplan ansparen. Die Einmalanlage eignet sich für größere Beträge, der Sparplan für den schrittweisen Vermögensaufbau – bei vielen Brokern bereits ab 1 Euro pro Ausführung und jederzeit anpass- oder pausierbar. Welcher Anbieter welche Sparintervalle und Konditionen bietet, zeigt unser Sparplan-Vergleich. Sparpläne werden in der Regel über einen festen Handelsplatz des Brokers ausgeführt; einen Ordertyp musst Du dabei nicht selbst wählen.
Fazit
Der ETF-Handel ist 2026 so einfach und günstig wie nie. Für die Praxis zählt vor allem: Handle liquide ETFs zu den Xetra-Kernzeiten (9:00–17:30 Uhr), nutze außerhalb dieser Zeiten und bei kleineren ETFs eine Limit-Order, und behalte Ordergebühren plus Spread im Blick – nicht nur die TER. Das PFOF-Verbot ab Juli 2026 dürfte für die meisten Anlegerinnen und Anleger keine spürbaren Mehrkosten bedeuten, ein Konditionscheck nach dem Stichtag schadet aber nicht. Wenn Du jetzt loslegen willst, führt Dich unsere Anleitung ETF kaufen in fünf Schritten zum ersten Trade.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links (mit „/og/“ gekennzeichnete Weiterleitungen). Schließt Du über einen dieser Links ein Produkt ab, erhalten wir ggf. eine Provision. Für Dich entstehen dadurch keine Mehrkosten. Dies ist keine Anlageberatung. Die Geldanlage in Wertpapiere ist mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Stand: Juni 2026.
Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.
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