L&G Digital Payments ETF: Ein Fonds im Zeichen bargeldloser Zahlungen?
Bereits vorab können wir dir sagen: der L&G Digital Payments ETF gehört definitiv in den Growth-Anteil im Depot - was zugleich ein entsprechend hohes Risiko birgt.
Von Legal & General (L&G) emittiert, steht der L&G Digital Payments UCITS ETF ganz unter dem Stern der Abkehr vom Bargeld hin zu neuen, digitalen Zahlungsmöglichkeiten. Der Fonds möchte das komplette Spektrum der Branche erfassen: von digitalen Zahlungsanbietern bis zu Plattformen, die diese nahtlos integrieren. In diesem Ratgeber ordnen wir den Fonds ein und zeigen dir, welche handelbaren UCITS-ETFs es rund um das Thema Digital Payments und Fintech-Zahlungen 2026 sonst noch gibt.
Stand: Juli 2026. Alle Zahlen zu ETFs (ISIN, TER, Fondsgröße, Zusammensetzung) haben wir mit justETF und extraETF gegengeprüft. Kurse und Gewichtungen schwanken laufend, ein Blick ins jeweils aktuelle Factsheet des Anbieters lohnt sich immer.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
Der ETF wurde im Mai 2021 aufgelegt und ist damit rund fünf Jahre am Markt. Anders als 2021 lassen sich heute erste Aussagen zur Entwicklung treffen. Wichtig vorab: Der Fonds ist mit einer Größe von nur rund 8 Millionen Euro weiterhin sehr klein geblieben, das solltest du bei der Bewertung im Hinterkopf behalten. Die wichtigsten Eckdaten:
- bildet den Solactive Digital Payments NR USD Index ab
- physische Abbildung der enthaltenen Werte (vollständige Replikation)
- Fondsdomizil: Irland
- ISIN: IE00BF92J153 / WKN: A2H5GM
- gelistet am 25.05.2021
- aktuelle Fondsgröße: rund 8 Millionen Euro (Stand Juli 2026)
- Fondswährung: US-Dollar
- thesaurierende Struktur (Erträge werden reinvestiert)
- TER: 0,49 % p. a.
Was möchte der L&G Digital Payments ETF machen?
Der ETF bildet den Solactive Digital Payments NR USD Index ab. Dieser hat das Ziel, die weltweit größten Unternehmen zu erfassen, die direkt in der Wertschöpfungskette von digitalen und mobilen Zahlungsdienstleistungen tätig sind. Im Fonds finden sich daher Zahlungsanbieter und Herausgeber von Debit- und Kreditkarten, aber auch Unternehmen, die die digitalen Schnittstellen für den Zahlungsverkehr entwickeln und bereitstellen. Ebenso sind Firmen enthalten, die im E-Commerce die Payment-Abwicklung und damit verbundene Prozesse übernehmen.
Der ETF stellt also nicht "nur" Zahlungsanbieter dar und enthält auch keine klassischen (Groß-)Banken, sondern Unternehmen, die den digitalen Zahlungsverkehr vorantreiben. Eine Besonderheit: Die Unternehmen werden am Tag der Anpassung annähernd gleichgewichtet. Gerade bei einem kleinen Fonds mit starkem Fokus auf Wachstumswerte kann das ein Argument sein, weil einzelne Ausreißer weniger stark durchschlagen.
Der Index nimmt nur Unternehmen auf, die eine ausreichende Größe und Liquidität vorweisen. Aktien mit sehr geringem Handelsvolumen oder geringer Marktkapitalisierung bleiben außen vor. Ebenso sind keine Unternehmen enthalten, die direkt oder indirekt Umsätze mit Kohlebergbau oder Waffen erwirtschaften. Der Fonds trägt zwar selbst kein SRI-Siegel, legt aber einige Nachhaltigkeitskriterien an die enthaltenen Werte an. Der Index wird halbjährlich überprüft, jeweils im Juni und im Dezember.
Was zeichnet den Digital Payments ETF aus?
Das übergeordnete Ziel des ETF ist, den langfristigen Megatrend des digitalen Zahlungsverkehrs abzubilden und Anlegern eine Möglichkeit zu geben, in diesen zu investieren, ohne einzelne Aktien auswählen zu müssen. Im Fokus stehen Unternehmen, die die Art und Weise verändern (können), wie wir bezahlen.
Interessant ist, dass sich im Index nicht zwingend die großen, "alteingesessenen" Zahlungsriesen wiederfinden, die man dort vermuten würde. Marktschwergewichte wie Visa oder Mastercard sind zwar zeitweise vertreten, dominieren den Fonds durch die annähernde Gleichgewichtung aber nicht. Stattdessen setzt der Index stark auf kleinere und mittelgroße, wachstumsstarke Payment-Spezialisten. Das eröffnet Chancen, bringt aber ein deutlich höheres Risiko mit sich, dessen solltest du dir bewusst sein.
Allokation: Was steckt aktuell im ETF?
Wenig überraschend wird der Sektor von US-Unternehmen dominiert. Rund 60 % des Fonds entfallen geografisch auf die USA, der Rest verteilt sich auf Europa und Asien. Nach Sektor gewichtet liegt der Schwerpunkt mit rund drei Vierteln klar auf Technologie, ergänzt um Finanzwerte. Deutschland spielt im Markt der digitalen Zahlungsinnovationen praktisch keine Rolle.
Insgesamt sind je nach Anpassung rund 40 Positionen enthalten, die Top 10 machen zusammen etwa 30 % des Fonds aus. Die Zusammensetzung ändert sich mit jeder halbjährlichen Index-Anpassung teils deutlich, die Werte von 2021 haben mit dem heutigen Portfolio kaum noch etwas gemein. Zu den größten Positionen zählen laut justETF und extraETF (Stand Juli 2026) unter anderem:
- Mitek Systems
- Remitly Global
- Edenred
- Pathward Financial
- Flywire
- Repay Holdings
- OneSpan
- Wise
- Block (ehemals Square)
- Credit Saison
Wichtiger als einzelne Namen ist die Struktur: viele spezialisierte, teils junge Payment- und Fintech-Firmen, deutlich weniger die großen Karten-Netzwerke. Das erklärt, warum sich der Fonds anders entwickelt als ein Depot voller Visa- und Mastercard-Aktien.
Digital Payments und Fintech: weitere handelbare UCITS-ETFs
Der L&G-Fonds ist nicht die einzige Möglichkeit, das Thema abzubilden, und wegen seiner geringen Größe nicht automatisch die beste. Wer breiter auf Zahlungsdienstleister und Fintech setzen und dabei die großen Netzwerke wie Visa und Mastercard stärker gewichten möchte, findet 2026 folgende in Deutschland handelbare UCITS-ETFs (alle irisches Domizil, USD, thesaurierend, per justETF und extraETF geprüft):
- Xtrackers MSCI Fintech Innovation UCITS ETF 1C (ISIN IE000YDOORK7), TER 0,30 % p. a. Bildet den MSCI ACWI IMI Fintech Innovation Select Screened 100 ab. Deutlich breiter aufgestellt, mit Visa, Mastercard und American Express unter den größten Positionen sowie großen Tech-Namen. Die günstigste Option im Vergleich.
- Global X FinTech UCITS ETF (ISIN IE00BLCHJZ35, thesaurierend / IE00BLCHK052, ausschüttend), TER 0,60 % p. a. Bildet den Indxx Global FinTech Thematic Index ab. Stark fokussiert auf reine Fintech-Titel wie Block, PayPal, Coinbase, Fiserv und Robinhood, dafür der teuerste der drei Fonds.
Zum Vergleich der Ansätze: Der L&G-ETF setzt eng auf spezialisierte Payment-Firmen bei sehr kleiner Fondsgröße, der Xtrackers verteilt breiter und günstiger inklusive der Karten-Netzwerke, und der Global X ist am stärksten auf klassische Fintech-Wachstumswerte konzentriert. Ein früher verfügbarer Konkurrent, der Rize Digital Payments Economy UCITS ETF (ISIN IE00BLRPRQ96), wurde inzwischen liquidiert und steht Anlegern nicht mehr zur Verfügung. Das zeigt, wie real das Schließungsrisiko bei sehr kleinen Themen-ETFs ist.
Vorteile des L&G Digital Payments UCITS ETF
Zwei Punkte sprechen für diesen ETF: Erstens der Zugang zu wachstumsstarken, spezialisierten Payment-Unternehmen, was bei entsprechend höherem Risiko eine Überrendite ermöglichen kann. Zweitens die Streuung über den gesamten Teilmarkt statt Einzelwetten, denn gerade in jungen Wachstumsmärkten ist selten absehbar, welche Anbieter sich am Ende durchsetzen. Mit einer TER von 0,49 % ist der Fonds für einen Nischen-ETF nicht extrem teuer, allerdings liegt der Xtrackers-Fonds mit 0,30 % deutlich darunter.
Möchtest du einen dieser ETFs besparen oder kaufen, brauchst du ein Wertpapierdepot. Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital lassen sich viele UCITS-ETFs kostengünstig und häufig per kostenlosem Sparplan handeln. Prüfe vor dem Kauf, ob der gewünschte ETF beim jeweiligen Broker sparplanfähig ist.
Welche Nachteile und Risiken gibt es?
Wie bei jeder Aktienanlage besteht das Risiko von Kursverlusten, bei einem eng gefassten Themen-ETF ist es tendenziell höher als beim breiten Weltmarkt. Konkret solltest du folgende Punkte bedenken:
- Themen- und Klumpenrisiko: Der Fonds bündelt einen einzigen Sektor mit starkem US- und Technologie-Schwerpunkt. Läuft die Branche schlecht, fehlt der Ausgleich durch andere Bereiche. Zudem stecken viele junge Unternehmen mit teils ambitionierten Bewertungen darin.
- Regulierung: Zahlungsdienstleister stehen weltweit unter zunehmender Aufsicht, etwa bei Gebühren (Interchange), Datenschutz und Verbraucherschutz. In der EU verändert unter anderem die Regulierung des Zahlungsverkehrs die Rahmenbedingungen. Neue Auflagen können Margen und Wachstum belasten.
- Krypto- und Konkurrenzdruck: Stablecoins, Instant-Payment-Systeme und mögliche digitale Zentralbankwährungen könnten etablierte Bezahlwege teilweise ersetzen und den Wettbewerb verschärfen. Für einige Portfoliounternehmen ist das Chance und Bedrohung zugleich.
- Geringe Fondsgröße: Mit rund 8 Millionen Euro ist der L&G-ETF sehr klein. Das kann zu einer höheren Tracking-Differenz führen und erhöht grundsätzlich das Risiko, dass der Fonds bei ausbleibendem Mittelzufluss geschlossen wird, wie das Beispiel des liquidierten Rize-ETF zeigt.
- Währungsrisiko: Der Fonds notiert in US-Dollar und ist nicht währungsgesichert. Für Anleger im Euroraum kommt damit ein Wechselkursrisiko hinzu.
Fazit: Der L&G Digital Payments UCITS ETF bleibt ein spezialisierter Baustein für den Wachstums- beziehungsweise Satellitenanteil eines gut gestreuten Depots, nicht für dessen Kern. Wer das Thema kostengünstiger und breiter abbilden möchte, sollte den Xtrackers-Fintech-ETF mit in Betracht ziehen. In jedem Fall gilt: Ein Themen-ETF ersetzt keine breit gestreute Basisanlage.
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