Beate Sander: Die erfolgreiche Aktien-Strategie der Börsenoma
Wer glaubt, dass nur Männer eine gute Strategie entwickeln, um in Aktien zu investieren, der irrt. Beate Sander, die Börsenoma, hat das Gegenteil bewiesen. Sie begann erst mit 59 Jahren, zu investieren. Als sie im September 2020 im Alter von 82 Jahren starb, lag ihr Vermögen bei drei Millionen Euro.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag würdigt Beate Sander (1937 bis 2020) und ihre Anlagestrategie. Er ist keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung für einzelne Wertpapiere.
Wer war Beate Sander?
Beate Sander lieferte den Beweis dafür, dass sich nicht nur Männer wie Warren Buffett oder André Kostolany zu Börsenlegenden entwickeln können. Sie erwirtschaftete zwar längst kein so hohes Vermögen wie Warren Buffett, doch hat auch sie als Börsenoma Geschichte geschrieben. Sie entwickelte eine Aktienstrategie, über die bis heute diskutiert wird. Die Börsenoma erzielte damit nach eigenen Angaben ein Vermögen von fast drei Millionen Euro, obwohl sie erst spät, im Alter von 59 Jahren, mit dem Investieren begann.
Wichtig vorab und ehrlich eingeordnet: Beate Sanders Weg beruhte auf einem hochkonzentrierten Depot aus rund 120 Einzelaktien und einer offensiven Kaufstrategie in Krisen. Das ist eine spekulative Vorgehensweise mit hohem Risiko. Ihr Erfolg ist auch von einem Überlebenden-Effekt (Survivorship-Bias) geprägt: Wir kennen die Gewinnerin, nicht die vielen Anlegerinnen und Anleger, die mit ähnlich mutigen Einzelaktien-Wetten Geld verloren haben. Für die meisten Privatanlegerinnen und Privatanleger ist ein breit gestreuter, kostengünstiger ETF-Sparplan die solidere und pflegeleichtere Basis.
Mit einem ETF-Sparplan kannst Du bereits mit kleinen Beträgen langfristig Vermögen aufbauen. Viele Online-Broker bieten Sparpläne dauerhaft ohne Ausführungsgebühr an. Achte auf Eckdaten wie Mindestsparrate, Kosten und Flexibilität. Ein günstiger und für Sparpläne beliebter Neobroker ist zum Beispiel Trade Republic; wer Wert auf eine breite ETF- und Aktienauswahl legt, findet mit Scalable Capital eine Alternative. Bei der Altersvorsorge kann später ein Auszahlplan sinnvoll sein.
Beate Sander wurde am 16. Dezember 1937 in Rostock als drittes Kind ihrer Eltern geboren. Sie sagte über sich selbst, dass sie von ihren Eltern nur wenig Liebe erfahren habe. Im Alter von 13 Jahren verließ sie die DDR, um nach Westdeutschland zu ziehen, und lebte fortan in Ulm. Über die Begabtenprüfung schaffte sie es ins Lehramt und begann bereits mit 21 Jahren, an einer Realschule zu unterrichten. Bis zu ihrem 66. Lebensjahr war sie in Vollzeit als Realschullehrerin an der Inge-Aicher-Scholl-Realschule in Neu-Ulm tätig und unterrichtete auch an einer Volkshochschule.
Buch von Beate Sander:
Aus ihrer Ehe mit Günther Sander gingen zwei Kinder hervor, darunter ihr Sohn Uwe, der ihr Werk fortführt. Uwe Sander nutzt für seine Investitionen die Strategie seiner Mutter. Am 28. September 2020 starb Beate Sander im Alter von 82 Jahren an einem Krebsleiden. Bis zuletzt war sie als Referentin und Buchautorin aktiv.
Wie wurde Beate Sander zur Börsenoma?
Über lange Zeit interessierte sich Beate Sander nicht für spekulative Geldanlagen. Ihr erstes Wertpapier kaufte sie erst 1996, mit 59 Jahren. Sie investierte in die damals als Volksaktie gehandelte Aktie der Deutschen Telekom. Eigenen Angaben zufolge legte sie rund 60.000 DM (etwa 30.000 Euro) an. Innerhalb von 15 Jahren erwarb sie weitere Aktien und erreichte ein Vermögen von einer Million Euro. Bis zu ihrem Tod steigerte sie es auf nach eigenen Angaben fast drei Millionen Euro. Sie schrieb zahlreiche Bücher zu Erziehung und Bildung sowie zum Investieren.
Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Die Deutsche Telekom galt Ende der 1990er als „Volksaktie". Nach dem Höhepunkt im Jahr 2000 verlor die Aktie über 90 Prozent ihres Werts, und viele Kleinanleger erlitten hohe Verluste. Genau das zeigt, wie riskant der Fokus auf einzelne Modeaktien sein kann und warum breite Streuung so wichtig ist.
Grundstein für das Vermögen in der Finanzkrise gelegt
Nicht ohne Grund nannte die Börsenoma ihre Strategie Hoch-Tief-Mut-Strategie. Den Grundstein für ihr Vermögen legte sie während der Finanzkrise 2008/2009. Sie kaufte Aktien, als andere Angst hatten. Auch während der Corona-Krise 2020 nutzte sie die Kursrückgänge zum Einstieg. Eine solche Strategie schützt jedoch nicht vor Verlusten: Auch Beate Sander musste zwischenzeitlich herbe Rückschläge verzeichnen. Trotzdem hielt sie an ihrem Ansatz fest.
Buch von Beate Sander:
In jungen Jahren hatte Beate Sander wenig Geld. Sie musste für ihre eigene Familie sorgen und ihre Eltern unterstützen und sparte mit ihrem Ehemann auf ein Reihenhaus. Auch wenn sie erst mit 59 Jahren erstmals investierte, hatte sie die Börse bereits vorher als Thema entdeckt und schrieb Wirtschafts- und Schulbücher.
Beate Sander: Nur keine Gier zeigen
In einem Interview kurz vor ihrem Tod erklärte Beate Sander, dass denjenigen nicht zu helfen war, die noch bei Kursen von 60 bis 90 Euro in die Telekom-Aktie einstiegen. Sie bezeichnete das als pure Gier und sah in der Gier einen der größten Feinde von Anlegern. Auch als an der deutschen Technologiebörse „Neuer Markt" gezockt wurde, machte sie das nicht mit. Ihrer Meinung nach gab es dort neben Zockeraktien aber auch seriöse, innovative Unternehmen mit gutem Geschäftsmodell. Vorbild war ihr Warren Buffett. Sie kaufte nur Aktien, die sie langfristig halten wollte, und verkaufte bei erkannten Irrtümern. Sie empfahl eine breite Streuung und hatte in ihrem Depot rund zwölf ETFs und etwa 120 Einzeltitel – eine für Privatanleger schwer zu überwachende Zahl.
Wie funktioniert die Hoch-Tief-Mut-Strategie von Beate Sander?
Die Hoch-Tief-Mut-Strategie setzt darauf, dann zu kaufen, wenn andere in Panik verkaufen. Bei heftigen Kursabschlägen sollten Anleger die Nerven behalten und verfügbares Kapital nutzen, um günstig einzusteigen. Der größte Fehler sei es, in Krisenzeiten das Depot in Panik aufzulösen. Wie viel von diesem Erfolg auf Können und wie viel auf Glück und Marktphasen zurückgeht, lässt sich im Nachhinein allerdings kaum sauber trennen.
Welche konkreten ETFs und Fonds Beate Sander in ihrem Depot hielt und wie ihr ETF-Anteil aufgebaut war, haben wir in einem eigenen Beitrag ausführlich beschrieben:

Das sind die wichtigsten Eckpunkte der Hoch-Tief-Mut-Strategie:
- Bleibe auch in Krisenzeiten ruhig, wenn andere Anleger ängstlich werden.
- Streue breit nach Indizes, Branchen und Ländern. Kaufe Aktien mit hoher, mittlerer und geringer Marktkapitalisierung sowie Wachstums- und Value-Titel.
- Investiere pro Order genug, damit die Gewinne nicht von Gebühren aufgezehrt werden. Beate Sander legte pro Order etwa 1.500 Euro an. (Bei heutigen Neobrokern mit sehr niedrigen oder ganz ohne Ordergebühren spielt dieser Punkt eine deutlich kleinere Rolle.)
- Nutze günstige Kurse als Gelegenheit für den Einstieg in chancenreiche Werte.
- Behalte Deine besten Aktien im Depot. Verkaufe Teilbestände eher bei einem Jahreshoch und bei dreistelligen prozentualen Gewinnen; weiche davon nur bei einem Crash oder unerwartetem Kapitalbedarf ab.
- Setze auf Titel mit möglichst verlässlicher und steigender Dividende und lege die Ausschüttungen wieder an.
- Als grobe Aufteilung nannte sie: ein Drittel in fair bewertete, dividendenstarke und defensive Value-Titel, ein Drittel in internationale Wachstums- und Substanzwerte und ein Drittel in ausgeprägte Wachstumswerte.
Auch in ETFs investieren
Neben ihren rund 120 Einzelaktien hielt Beate Sander etwa zwölf ETFs, die sie als langfristige Anlage über 10 bis 20 Jahre verstand. Anders als Warren Buffett investierte sie auch in Technologiewerte. Zuletzt setzte sie einen Schwerpunkt auf das Thema Wasser und hielt dazu unter anderem einen Wasser-ETF.
Dieser Fonds trägt heute den Namen Amundi MSCI Water UCITS ETF Dist (ISIN FR0010527275, WKN LYX0CA). Er hieß früher „Lyxor World Water" – die Marke Lyxor wurde nach der Übernahme durch Amundi eingestellt, weshalb Fonds und Name inzwischen unter Amundi geführt werden. Der ETF bildet den MSCI ACWI IMI Water Filtered Index physisch (vollständige Replikation) ab, ist ausschüttend und wurde bereits im Oktober 2007 aufgelegt. Die laufenden Kosten (TER) liegen bei 0,60 Prozent pro Jahr, das Fondsvolumen bei rund 1,5 Milliarden Euro (Stand: Juli 2026, Quelle: justETF und Amundi). Zu den größten Positionen zählen Titel wie Veolia, Xylem, American Water Works und United Utilities.
Wichtig zur Einordnung: Ein reiner Themen- und Branchen-ETF wie ein Wasser-ETF ist deutlich enger aufgestellt und schwankungsanfälliger als ein weltweit streuender Standard-ETF (etwa auf den MSCI World oder FTSE All-World). Solche Themenfonds eignen sich allenfalls als kleine Beimischung, nicht als Kern eines Portfolios.
Wie mit Fehlinvestitionen umgehen?
Auch bei der Hoch-Tief-Mut-Strategie waren Fehlinvestitionen nicht ausgeschlossen. Beate Sander handelte situativ: Wenn ein Biotech-Unternehmen nur ein einziges Produkt hatte und in der entscheidenden Phase scheiterte oder es um Bilanzbetrug ging, verkaufte sie die Aktie. Nicht jede zwischenzeitliche Schwäche wertete sie jedoch als Verkaufsgrund. Sie prüfte Unternehmensnachrichten, Charts und Bilanzen. Drohte eine Insolvenz, verkaufte sie, um größere Verluste zu vermeiden. Für Privatanleger ist eine solche laufende Einzelanalyse von über hundert Titeln sehr aufwendig – ein weiteres Argument für breit gestreute Fonds.
Beate Sander und die Corona-Krise
Während der Corona-Krise erlitt Beate Sander zwischenzeitlich herbe Verluste. Ihr Depotwert sackte von mehr als zwei Millionen Euro auf rund 1,58 Millionen Euro ab, erholte sich nach eigenen Angaben aber bis Anfang April 2020 wieder auf etwa 2,2 Millionen Euro und lag zu ihrem Tod bei rund 2,7 Millionen Euro. Während der Krise investierte sie schrittweise und kaufte unter anderem:
- Amazon
- Medtronic
- Johnson & Johnson
- Fresenius
- Thermo Fisher
- UnitedHealth
- Stryker
- Intuitive Surgical
Sie investierte außerdem in Luxusaktien wie Hermès, LVMH und Kering sowie in Ölaktien. Ihr Rat: in Krisenzeiten qualitativ starke Aktien nahe dem Allzeithoch halten, Gewinne mitnehmen und stark eingebrochene Titel selektiv nachkaufen. Diese Namensliste ist eine historische Momentaufnahme aus dem Jahr 2020 und ausdrücklich keine aktuelle Kaufempfehlung.
Die allermeisten Privatanleger können und sollten nicht so viel Geld und Zeit investieren wie Beate Sander. Die für sie wichtigen Grundprinzipien – Ruhe bewahren, breit streuen, langfristig denken – lassen sich aber deutlich einfacher und günstiger mit einem weltweit anlegenden ETF-Sparplan umsetzen.
Uwe Sander – Sohn und Nachfolger von Beate Sander
Uwe Sander, der Sohn der Börsenoma, war Wirtschaftskundelehrer und ist heute Dozent an einer Hochschule. Er führt die Hoch-Tief-Mut-Strategie seiner Mutter fort. Sein erstes Investment tätigte er im September 2001 mit der Telekom-Aktie zu einem Kurs von 8,50 Euro; als sie wenige Wochen später auf 13,00 Euro stieg, verkaufte er mit rund 1.000 Euro Gewinn. Sein Rat: nicht dem Mainstream hinterherlaufen, Trends früh erkennen, bevor sie zum Megatrend werden, und erste Teilverkäufe vornehmen, wenn Aktien mehr als zwei Drittel zugelegt haben.
Fazit: Was von Beate Sanders Strategie bleibt
Beate Sander begann erst mit 59 Jahren zu investieren und erzielte mit ihrer Hoch-Tief-Mut-Strategie nach eigenen Angaben ein Millionenvermögen. Ihre Grundhaltung – Ruhe in Krisen, Disziplin, breite Streuung und langfristiges Denken – ist auch heute wertvoll. Ihr konkreter Weg über rund 120 Einzelaktien und offensive Krisenkäufe war jedoch spekulativ und ist stark vom Überlebenden-Effekt geprägt: Er lässt sich nicht ohne Weiteres kopieren, und die Ergebnisse einzelner Anleger können weit schlechter ausfallen. Für die meisten Menschen ist ein breit gestreuter, kostengünstiger ETF-Sparplan die realistischere und robustere Umsetzung derselben Grundprinzipien.
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