Wer war Andre Kostolany und was war seine Methode?

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Geht es um Börsenwissen und die Investition in Aktien, wird Dir sicher der Name Andre Kostolany begegnet sein. Der 1999 verstorbene ungarische Journalist war als Börsen- und Finanzexperte bekannt und hat ein beachtliches Vermögen erzielt. Doch was war seine Methode und warum gilt sie noch heute?

Wer war Andre Kostolany und was war seine Methode?

Stand: Juli 2026. André Kostolany (1906–1999) gilt bis heute als einer der bekanntesten Börsenphilosophen des deutschsprachigen Raums. Seine Gedanken über Geduld, Psychologie und antizyklisches Handeln sind gerade für langfristige ETF-Anleger erstaunlich aktuell. Dieser Beitrag ordnet seine Biografie und seine bekanntesten Konzepte ein – ohne Legendenbildung, mit Blick auf das, was Anlegerinnen und Anleger heute daraus mitnehmen können.

Wer war André Kostolany?

André Kostolany wurde am 9. Februar 1906 in Budapest, damals Teil von Österreich-Ungarn, als Endre Kostolany geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Industriellenfamilie und wurde römisch-katholisch getauft. Ursprünglich studierte er Philosophie und Kunstgeschichte und wollte Kunstkritiker werden. Auf Wunsch seines Vaters brach er das Studium jedoch ab und ging 1924 nach Paris, um beim Börsenmakler Adrien Perquel, einem Freund der Familie, eine Ausbildung zu absolvieren.

André Kostolany – Vermögen und Methode

In Paris sammelte Kostolany als Börsenspekulant erste Erfahrungen. Kurz vor dem Einmarsch deutscher Truppen 1940 flüchtete er in die USA, wo er die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Paris zurück. André Kostolany starb am 14. September 1999 im Alter von 93 Jahren in Paris. Bekannt wurde er weit über Fachkreise hinaus als Autor, Kolumnist und Redner: Seine insgesamt rund 13 Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und verkauften sich millionenfach; für das Magazin Capital schrieb er über viele Jahre eine feste Kolumne.

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Kostolany als Börsenphilosoph

Geht es um Börsenweisheiten, wird André Kostolany im deutschsprachigen Raum oft in einem Atemzug mit Anleger-Legenden wie Warren Buffett genannt. Anders als der wertorientierte Langfrist-Investor Buffett verstand sich Kostolany allerdings ausdrücklich als Spekulant – wobei er den Begriff positiv besetzte: als bewusstes, durchdachtes Positionieren mit langem Atem, nicht als kurzfristiges Zocken. Ein Gegner von Daytrading wäre er heute zweifellos.

Der Börsenkurs verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger: Er läuft mal voraus, mal hinterher, kommt aber immer wieder zu seinem Herrchen zurück.

Mit dieser bekannten Analogie beschrieb Kostolany, dass sich Aktienkurse kurzfristig weit von der realen Wirtschaftsentwicklung entfernen können – langfristig aber folgen sie ihr. Für ETF-Anleger ist das eine tröstliche Perspektive: Kurzfristige Übertreibungen nach oben wie unten sind normal; entscheidend ist die lange Linie.

Das Kostolany-Ei: Hausse und Baisse in Phasen

Kostolanys wohl bekanntestes Modell ist das sogenannte Kostolany-Ei. Es beschreibt die zyklische Bewegung der Märkte als ewiges Auf und Ab, in dem sich Hausse (steigende Kurse) und Baisse (fallende Kurse) fortlaufend abwechseln. Beide bestehen laut Kostolany aus jeweils drei Phasen:

  1. Korrekturphase: Nach einer Übertreibung dreht die Stimmung, die Kurse bewegen sich zurück in die andere Richtung.
  2. Anpassungs- oder Begleitphase: Kurse und wirtschaftliche Entwicklung laufen weitgehend im Gleichschritt.
  3. Übertreibungsphase: Die Stimmung kippt ins Extrem – Euphorie in der Hausse, Panik in der Baisse.

Die praktische Schwierigkeit liegt darin, zu erkennen, in welcher Phase man sich gerade befindet. Genau hier trennt sich für Kostolany die Spreu vom Weizen.

Zittrige und hartgesottene Hände

Zur Erklärung der Börsenpsychologie unterschied Kostolany zwei Anlegertypen: die Zittrigen und die Hartgesottenen. Die Zittrigen kaufen in der Euphorie, wenn die Kurse bereits hoch sind, und verkaufen in Panik, wenn die Kurse fallen – sie verlieren also planmäßig Geld. Die Hartgesottenen handeln antizyklisch: Sie halten durch, wenn andere nervös werden, und kaufen, wenn die Stimmung am Boden ist.

Für Kostolany war das kein Zufall, sondern eine Frage der Ausstattung. Ein Hartgesottener verfügt über die berühmten vier G – und wer bei mindestens einem der ersten drei G Defizite hat, gehört zu den Zittrigen.

Die vier G: Geld, Gedanken, Geduld und Glück

Kostolanys Erfolgsformel für die Börse bestand aus vier G:

  1. Geld
  2. Gedanken
  3. Geduld
  4. Glück

Geld bedeutete für Kostolany: eigenes, freies Kapital. Er riet ausdrücklich davon ab, Aktien auf Pump – also auf Wertpapierkredit – zu kaufen. Wer geliehenes Geld investiert, geht ein doppeltes Risiko ein: Kursverluste und die Rückzahlungspflicht. In einer Baisse zwingt der Kredit oft zum Verkauf zum schlechtesten Zeitpunkt – man wird gegen den eigenen Willen zum Zittrigen.

An der Börse gemachtes Geld ist Schmerzensgeld: Erst kommen die Schmerzen und dann das Geld.

Gedanken stehen für ein durchdachtes Konzept. Anleger sollten sich vorab überlegen, welches Ziel sie verfolgen, in welchem Zeitraum und welches Risiko sie maximal tragen können. Kostolany hatte eine Abneigung gegen rein akademische Volks- und Betriebswirtschaftslehre, verlangte aber Auseinandersetzung mit dem Investment sowie die nötige Fantasie, sich eine positive Entwicklung überhaupt vorzustellen. Vom blinden Kauf vermeintlich billiger Papiere riet er ab – billige Aktien blieben oft billig.

Geduld war für Kostolany das vielleicht wichtigste G. Kurse steigen nie linear, Rückschläge gehören dazu. Genau hierher gehört sein berühmtestes Zitat:

Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.

Wichtig ist dabei die oft übersehene Einschränkung: Kostolany meinte damit nicht, man könne in jeder Marktphase blind kaufen. Er warnte im Gegenteil davor, in Euphoriephasen einzusteigen. Und auch Geduld hat für ihn Grenzen – an offensichtlichen „Nieten" im Depot sollte man nicht ewig festhalten.

Genau dieser Gedanke – kaufen, ruhig bleiben, jahrelang liegen lassen – passt bemerkenswert gut zur modernen ETF-Anlage per Sparplan. Ein breit gestreuter Welt-ETF nimmt Anlegern die Einzelwert-Auswahl ab und macht das „Schlaftabletten-Prinzip" praktikabel: Wer regelmäßig automatisiert investiert, kauft in guten wie in schlechten Phasen und muss die Kurse tatsächlich nicht täglich ansehen. Kostenlose oder günstige ETF-Sparpläne bieten heute nahezu alle Broker an – etwa Trade Republic, wo sich ein Sparplan in wenigen Minuten einrichten lässt.

Glück schließlich ließ sich für Kostolany nicht erzwingen. Wer die ersten drei G beherzigt und langfristig dabeibleibt, dem komme das Glück früher oder später von allein entgegen.

Antizyklisch handeln

Antizyklisches Verhalten ist der rote Faden durch Kostolanys Denken: kaufen, wenn die Kurse niedrig und die Stimmung schlecht ist – verkaufen, wenn Euphorie herrscht. Übertreibungen in beide Richtungen hielt er für typisch für die Börse; jede Übertreibung ziehe eine Korrektur in die Gegenrichtung nach sich. Für langfristige ETF-Anleger lässt sich dieser Gedanke entschärfen: Statt den perfekten Ein- und Ausstieg zu suchen, glättet ein kontinuierlicher Sparplan die Kurse über die Zeit ganz automatisch.

Insidern nicht folgen

Ein weiterer Grundsatz Kostolanys: Man solle Insider-Käufen nicht blind nachlaufen. Wenn das Management eines Unternehmens eigene Aktien kauft, verrate das viel über das Unternehmen, aber wenig über den Gesamtmarkt. Für ihn zählten am Ende die „unbestechlichen Gesetzmäßigkeiten des Marktes" mehr als vermeintliches Insiderwissen.

Weitere Börsenweisheiten von Kostolany

  • „Aktien und Straßenbahnen soll man nie nachlaufen": Geduld haben und auf die nächste Einstiegsgelegenheit warten – sie kommt garantiert.
  • „Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren": eine pointierte Warnung vor Spekulation aus finanzieller Not.
  • „Die Rothschilds können eine Hausse hervorrufen, aber eine Baisse nicht verhindern": Kein Marktteilnehmer ist mächtiger als die Psychologie der Masse.
  • 2 + 2 = 5 – 1: Das gewünschte Ergebnis stellt sich oft ein, aber selten auf direktem Weg – ein weiteres Plädoyer für Geduld.

Was ETF-Anleger 2026 von Kostolany lernen können

Kostolany war Spekulant, kein passiver Indexanleger – Einzelwerte, Termingeschäfte und Timing gehörten zu seinem Handwerk. Umso bemerkenswerter ist, wie gut sich sein Kern auf die moderne, breit gestreute ETF-Anlage übertragen lässt: eigenes Kapital statt Kredit, ein klares Konzept, viel Geduld und die Gelassenheit, kurzfristige Schwankungen auszuhalten. Der wesentliche Unterschied: Was bei Kostolany noch Fingerspitzengefühl für Phasen und Stimmungen verlangte, erledigt beim ETF-Sparplan weitgehend die Diversifikation und die Regelmäßigkeit. Auch die Börsenoma Beate Sander stand für diese langfristige, nervenstarke Haltung.

Fazit

André Kostolanys Methode lässt sich auf wenige, zeitlose Prinzipien verdichten: mit eigenem Geld arbeiten, ein durchdachtes Konzept verfolgen, Geduld mitbringen und sich von der Börsenpsychologie nicht anstecken lassen. Er war nicht immer erfolgreich – im Laufe seines Lebens erlebte er auch mehrere Pleiten – und gerade das macht ihn glaubwürdig. Für langfristige ETF-Anleger bleibt seine wichtigste Botschaft aktuell: Ruhe bewahren, langfristig denken und sich von kurzfristigen Kurseinbrüchen nicht verunsichern lassen.


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