Telemedizin-Aktien: In die Zukunft der Gesundheit investiere
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist eine unabhängige redaktionelle Einordnung und keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Kurse und Kennzahlen schwanken; prüfe alle Angaben vor einer Entscheidung selbst.
Telemedizin-Aktien 2026: vom Hype zur Ernüchterung
Während der Corona-Pandemie 2020 und 2021 galten Telemedizin- und Digital-Health-Aktien als Zukunftswette schlechthin. Videosprechstunden, digitale Rezepte und Fernüberwachung erlebten einen Boom, und die Kurse vieler Anbieter vervielfachten sich. Wer heute, im Jahr 2026, zurückblickt, sieht ein deutlich nüchterneres Bild: Der Sektor hat nach dem Hype eine harte Korrektur durchlaufen. Viele der einst gefeierten Einzelwerte notieren weit unter ihren Höchstständen, einige Unternehmen wurden übernommen, andere kämpften mit einem drohenden Börsenausschluss.
Dieser Artikel ordnet die aktuelle Lage ehrlich ein, zeigt, was aus den ehemaligen Vorzeigewerten geworden ist, und erklärt, warum ein breit gestreuter ETF auf Gesundheitsinnovation für die meisten Privatanleger die risikoärmere Alternative zur Einzelwette sein kann.
Was aus den ehemaligen Telemedizin-Stars geworden ist
Ein Blick auf die früher viel genannten Einzelwerte zeigt, wie schnell aus einer Wachstumsstory eine Enttäuschung werden kann. Die folgende Übersicht bündelt den Stand von Mitte 2026.
| Unternehmen | Status 2026 |
|---|---|
| Teladoc Health (NYSE: TDOC) | Rund 95 % unter dem Hoch von Anfang 2021; Börsenwert nur noch etwa 1,2 Mrd. US-Dollar; Umsatz zuletzt rückläufig |
| Amwell / American Well (NYSE: AMWL) | Nach drohendem Delisting im Juli 2024 ein Reverse Split (1:20) durchgeführt; weiterhin kleiner Nebenwert |
| One Medical | Im Februar 2023 von Amazon übernommen und von der Börse genommen; als Einzelaktie nicht mehr handelbar |
| Doctolib | Weiterhin ein privates Unternehmen; kein Börsengang, keine Aktie erhältlich |
Teladoc Health: Absturz statt Höhenflug
Teladoc Health war lange das Aushängeschild der Branche. Nach dem Pandemie-Hoch Anfang 2021 verlor die Aktie jedoch rund 95 % ihres Werts. Mitte 2026 lag der Börsenwert nur noch bei etwa 1,2 Milliarden US-Dollar, nach einem Vielfachen zu Spitzenzeiten. Der Konzernumsatz lag im Geschäftsjahr 2025 bei rund 2,53 Milliarden US-Dollar und war damit leicht rückläufig. Mehrere Analysehäuser senkten ihre Kursziele zuletzt in den einstelligen Dollar-Bereich. Das Beispiel zeigt: Marktführerschaft schützt nicht vor massiven Kursverlusten, wenn das Wachstum stockt.
Amwell: knapp am Börsenausschluss vorbei
Auch Amwell (American Well) geriet stark unter Druck. Weil der Aktienkurs zeitweise unter die von der NYSE geforderte Mindestschwelle rutschte, drohte ein Delisting. Das Unternehmen reagierte im Juli 2024 mit einem Reverse Split im Verhältnis 1:20, um die Notierung zu retten. Der Titel bleibt ein spekulativer Nebenwert.
One Medical und Doctolib: keine Einzelaktie (mehr) verfügbar
One Medical wurde im Februar 2023 von Amazon für rund 3,9 Milliarden US-Dollar übernommen und anschließend von der Börse genommen. Eine eigenständige One-Medical-Aktie gibt es damit nicht mehr. Doctolib wiederum ist bis heute ein Privatunternehmen und war nie börsennotiert, ein Investment über die Börse ist also nicht möglich. Beide tauchten in älteren Empfehlungslisten auf, sind für Privatanleger als Einzelaktie aber schlicht nicht (mehr) zugänglich.
Warum die Einzelwette so riskant ist
Die Entwicklung der letzten Jahre ist ein Lehrstück über Konzentrationsrisiko. Wer 2021 auf einzelne Telemedizin-Champions setzte, konnte einen Großteil des Kapitals verlieren, selbst wenn die zugrunde liegende Idee, die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung, langfristig weiter Bestand hat. Junge, oft noch nicht durchgehend profitable Wachstumsunternehmen reagieren besonders empfindlich auf steigende Zinsen, verschärften Wettbewerb und regulatorische Unsicherheit.
Gleichzeitig ist der Digital-Health-Bereich 2026 nicht tot, sondern in einer Konsolidierungsphase. Anbieter mit einem tragfähigen Geschäftsmodell wachsen weiter, während schwächere Player verschwinden oder übernommen werden. Ein Beispiel für ein noch stark wachsendes Unternehmen ist Hims & Hers Health, das seinen Umsatz 2025 deutlich steigern konnte und für 2026 eine Milliarden-Umsatzguidance ausgegeben hat, wenn auch mit weiterhin schwankender Profitabilität. Das ändert aber nichts an der Grundregel: Einzelne Titel bleiben Wetten mit erheblichem Verlustrisiko.
Die breitere Alternative: ein ETF auf Gesundheitsinnovation
Statt einer riskanten Einzelwette streuen viele Anlegerinnen und Anleger ihr Kapital lieber über einen breiteren Fonds. Telemedizin ist dabei nur ein Baustein eines größeren Trends: der Innovation im Gesundheitswesen insgesamt, von Biotechnologie über Medizintechnik bis zu digitalen Gesundheitsdiensten.
Ein konkretes Beispiel für einen solchen breit gestreuten Ansatz ist der iShares Healthcare Innovation UCITS ETF (ISIN: IE00BYZK4776, WKN: A2ANH2). Wichtige Eckdaten mit Stand Juli 2026:
- Index: iSTOXX FactSet Breakthrough Healthcare, ein weltweiter Index auf Unternehmen mit Fokus auf Innovation im Gesundheitswesen
- Laufende Kosten (TER): 0,40 % pro Jahr
- Replikation: physisch (optimiertes Sampling)
- Ertragsverwendung: thesaurierend (Erträge werden reinvestiert)
- Fondsdomizil: Irland; Fondsvolumen rund 1 Mrd. Euro
Ein solcher ETF hält typischerweise weit über hundert Unternehmen und verteilt das Risiko so auf viele Schultern statt auf einen einzelnen Anbieter. Auch ein breiter Themenfonds bleibt allerdings ein Branchen-ETF und damit deutlich schwankungsanfälliger als ein weltweit über alle Sektoren streuender Standard-ETF. Als Beimischung kann er sinnvoll sein, als alleiniges Basisinvestment ist er es in der Regel nicht.
Wer sich einen Überblick über breitere Gesundheits-ETFs verschaffen möchte, findet weitere Optionen in unserem Vergleich: Gesundheits-ETF im Vergleich.
So investierst du in einen Gesundheits-ETF
Um in einen Healthcare- oder Digital-Health-ETF zu investieren, brauchst du ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Achte dabei auf die Kosten für Kauf, Verkauf und Depotführung sowie auf das verfügbare Handelsangebot. Viele Anbieter führen kostenlose Depots und ermöglichen auch Sparpläne, mit denen du schon mit kleinen monatlichen Beträgen breit gestreut einsteigen kannst.
Bekannte Neobroker mit großer ETF-Auswahl und ETF-Sparplänen sind zum Beispiel Trade Republic und Scalable Capital. Vergleiche vor der Depoteröffnung in Ruhe die Konditionen und prüfe, ob der jeweilige ETF dort sparplanfähig ist.
Fazit
Telemedizin- und Digital-Health-Aktien sind ein Paradebeispiel dafür, wie schnell aus einem Börsenhype eine langjährige Durststrecke werden kann. Der Corona-Boom von 2020 und 2021 ist einer nüchternen Konsolidierung gewichen: Teladoc verlor rund 95 % an Wert, Amwell entging nur knapp einem Delisting, One Medical wurde übernommen und Doctolib ist gar nicht börsennotiert.
Die langfristige Idee, dass die Digitalisierung das Gesundheitswesen verändert, bleibt intakt, doch das Risiko einzelner Titel ist hoch. Für die meisten Privatanleger ist ein breit gestreuter Gesundheitsinnovations-ETF die transparentere und risikoärmere Alternative zur Einzelwette, idealerweise als Beimischung zu einem breit diversifizierten Weltportfolio. Bilde dir vor jeder Entscheidung eine eigene Meinung und achte auf einen langfristigen Anlagehorizont.
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