SRI - Was bedeutet das bei ETFs?

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Abkürzungen gibt es in der ETF-Welt reichlich: Angefangen mit eher offensichtlichen Kürzeln wie WLD (World) oder EM (Emerging Markets), bis hin zu verschiedenen Themenkürzeln wie beispielsweise ESG oder SRI. Beide sind sich in ihrer Aufgabe ähnlich, Unterschiede gibt es aber dennoch.

SRI - Was bedeutet das bei ETFs?

SRI - Definition und Bedeutung

Die Abkürzung "SRI" steht kurz für "Socially Responsible Investing", frei ins Deutsche übersetzt also ungefähr "nachhaltiges Investieren". Der Begriff "nachhaltig" steht an dieser Stelle synonym für eine Reihe von unterschiedlichen Kriterien und Maßstäben, die in der ETF-Welt die Index-Anbieter, allen voran MSCI (dazu gleich mehr), an die jeweiligen Unternehmen stellen, damit diese wiederum in dem jeweiligen Index und damit im eigentlichen ETF landen.

In einer vergleichbaren Übersetzung könnte man den Begriff noch etwas enger fassen, nämlich als "werteorientiertes, ethisches Investment". Das zeigt zugleich auf, dass sich die Abkürzung nicht "nur" umwelttechnischen Kriterien widmet, sondern auch weitere Punkte beleuchtet - zum Beispiel welche Werte das jeweilige Unternehmen vertritt oder ob es seiner gesellschaftlichen Verantwortung in allen Teilen der Produktions- und Absatzkette gerecht wird. Gleichermaßen umschließt diese gesellschaftliche Verantwortung natürlich auch verschiedene Umweltaspekte.

Eine Besonderheit an dieser Stelle ist der Umstand, dass der Begriff nicht juristisch klar definiert ist und auch keine Norm dahingehend existiert. Verschiedene ETF-Anbieter könnten zum Beispiel andere Kriterien ansetzen, aber beide ihre ETFs mit dem Kürzel "SRI" auszeichnen. Gleichermaßen sind Unterschiede zwischen geografischen Regionen denkbar.

Abgrenzung gegenüber ESG

ESG ist ein Begriff, der den meisten Anlegern wohl etwas geläufiger sein dürfte als "SRI". Beide widmen sich einem vergleichbaren Ziel, sind aber nicht identisch zueinander. Speziell SRI fokussiert sich auf sogenannte "Negativkriterien". Es wird also eine (große) Anzahl von Kriterien festgelegt. Im nächsten Schritt werden die Unternehmen dahingehend geprüft und wenn sie zu viele dieser Kriterien verletzen, erfolgt ein Ausschluss.

Das ist ein deutlicher Unterschied gegenüber den ESG-Maßstäben. Typischerweise zeichnet sich ESG nämlich auch durch das Gegenteil dazu aus, also die Positivkriterien. Unternehmen können also, wenn sie viele dieser Positivkriterien erfüllen, einen Teil der beanstandeten Negativkriterien ausbessern. Beim SRI-Investing ist das hingegen nicht der Fall, da die Positivkriterien eine untergeordnete Rolle spielen und es zum Ausschluss kommt, wenn einfach nur genug Negativkriterien erfüllt sind.

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Zusammengefasst zeigt ein direkter Vergleich also: SRI ist insgesamt das "strengere" Label. Wenn du also großen Wert auf eine nachhaltige und verantwortungsvolle Geldanlage legst, solltest du eher zu SRI- statt zu ESG-ETFs greifen. 

Socially Responsible Investing im Kontext von ETFs

Weder Index-Anbieter noch ETF-Emittenten sind verpflichtet derartige Produkte aufzulegen. Folglich gibt es ein großes Gefälle zwischen solchen, die verschiedene SRI-Produkte führen und solchen, die mitunter kein einziges im Portfolio haben oder lediglich solche mit einem ESG-Label.

Vorreiter vom Socially Responsible Investing in der ETF-Welt war und ist immer noch der Indexanbieter MSCI. Folglich sind es vor allem auch die ETFs, die auf die verschiedenen Indizes von MSCI aufgelegt werden, welche dieses Label tragen. Es gibt zwar vereinzelt Ausnahmen, wie zum Beispiel den Franklin LibertyQ Global Equity SRI Index, sie sind aber eben nur das: eine Ausnahme.

Anders verhält es sich bei MSCI, wo sich die SRI-Familie in insgesamt vier Gruppen untergliedert:

  • den Hauptindex MSCI
  • die S-Series
  • Selected Reduced Fossil Fuels
  • Low Carbon SRI Leaders

Das Nachhaltigkeitslabel ist natürlich jeweils noch vor den jeweiligen Indexnamen zu finden. Auch wenn es verschiedene solcher "Familien" gibt, macht der Indexanbieter keine Unterschiede zwischen geografischen Regionen. Unternehmen in den USA müssen also die identischen strikten Vorschriften wie solche in der EU oder speziell Deutschland erfüllen, auch wenn die gesetzlichen Regularien jenseits des Atlantiks typischerweise weitaus lockerer als hier innerhalb der EU sind.

Handhabung der einzelnen Filterstuften

Um nun eine Auswahl von Unternehmen zu treffen, die die jeweiligen Kriterien erfüllen, setzt der Indexanbieter ein zweistufiges Filtersystem an.

Zunächst wird dafür der übergeordnete Index, also der ohne Nachhaltigkeitskriterien, herangezogen. Im MSCI World zum Beispiel finden sich rund 1.700 Unternehmen. Diese wollen dann im nächsten Schritt bewertet und gegebenenfalls gefiltert werden.

In der 1. Stufe filtert MSCI wie folgt:

  • wertebasierte Ausschlüsse
  • hohe negative Score bei ESG-Kontroversen
  • schlechtes Gesamt-ESG-Rating

Für die Arbeit verantwortlich ist das Tochterunternehmen von MSCI, das den Namen MSCI ESG Research trägt. Die Mitarbeiter da sind quasi dauerhaft damit beschäftigt die unterschiedlichen Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen und zugleich die eigenen angesetzten Bewertungskriterien zu prüfen.


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Was sind wertebasierte Ausschlüsse?

Das sind Branchen, die nicht mit den SRI-Maßstäben vereinbar sind. Teilweise werden diese unterschiedlich bewertet. Hersteller von kontroversen Waffen, wie beispielsweise Lockheed Martin, werden sofort ausgeschlossen. Andere Geschäftsmodelle können, müssen aber nicht unbedingt zum Ausschluss führen. Unternehmen, die Tabakprodukte produzieren, aber nicht ausschließlich, haben zum Beispiel noch eine Chance. Erst wenn die Tabakprodukte mehr als 5 % am Umsatz ausmachen würden erfolgt ein Ausschluss.

Nicht mit den angesetzten Werten vereinbare Branchen sind unter anderem:

  • Waffen jeder Art
  • Alkohol und Tabak
  • Glücksspiel
  • Pornografie

Was sind ESG-Kontroversen?

Im nächsten Schritt prüft der Indexanbieter ob und wie viele sowie welche Skandale die Unternehmen in der Vergangenheit einholten. Auch hier wird mit einer unterschiedlichen Gewichtung sowie einer eigens ausgearbeiteten Formel gearbeitet. Wer als Unternehmen zum Beispiel gegen eine UN-Resolution oder internationale Menschenrechte verstoßen hat, wird in diesem Schritt ziemlich schnell gefiltert. Bei einem "kleineren" Skandal könnte das Ergebnis aus der jeweiligen Formel niedrig genug sein, damit das Unternehmen noch eine Runde weiterkommt.

Was sind ESG-Bewertungen?

Wie bereits eingangs dargelegt, ist SRI ein "strengeres Label" als ESG. Im dritten Schritt wird zunächst einmal geprüft, nach welcher ESG-Score sich das Unternehmen überhaupt bewerten lässt. Es kommen lediglich Unternehmen in den Index, die ein Rating von A oder besser haben. Unternehmen mit einer MSCI-ESG-Score von B würden also sofort ausgeschlossen werden, selbst wenn sie die bisherigen Schritte noch überstanden haben. Im Regelfall gibt es hier große Überschneidungen zum zweiten Schritt, denn wer als Unternehmen schon in reichlich Skandalen verwickelt war, wird normalerweise auch eine entsprechend schlechte ESG-Score haben.

Zweiter Filter: Best-in-class - die Besten der Besten

Weil in dem Index letztlich nur die besten Unternehmen, gemessen an dem SRI-Standard, landen sollen, folgt nun das große Aussortieren. Dafür werden die Unternehmen entsprechend ihren ESG-Ratings aufgeschlüsselt sortiert, vom besten bis zum vergleichsweise schlechtesten Rating. Das wird für jeden einzelnen Sektor gemacht und lediglich die Unternehmen, die sich in den oberen 25 % befinden, landen dann auch in einem SRI-Index. Das wird so lange fortgesetzt, bis der Index wenigstens eine Marktkapitalisierung von ebenfalls 25 % gemessen am Mutter-Index erhält. Weil es in einigen Branchen vorkommen kann, dass nur wenige Unternehmen aus einem Sektor die Kriterien erfüllen, wird bei solchen ETFs oftmals mit einem "Cap" gearbeitet. Bei beispielsweise 5 %, was die am häufigsten angesetzte Schwelle ist, dürfte der Anteil des Unternehmens also nicht dauerhaft (kurzfristig schon) 5 % übersteigen.

Gleichermaßen ruft die Filterung nach Sektoren in der ETF-Welt häufig Kritiker aufs Parkett. Die beanstanden, dass dadurch Unternehmen im SRI-Index landen, die da eigentlich nichts verloren hätten. Wird beispielsweise der Sektor Energie betrachtet, könnten da der eine oder andere Ölkonzern im SRI-Index landen, einfach weil es in dem Sektor keine anderen Alternativen gibt. Gleichermaßen würden dann in einem Sektor eigentlich sehr nachhaltige Unternehmen aussortiert, weil diese nicht übergewichtet werden dürfen und der Anteil an dem Sektor bereits gefüllt ist.

Auswirkungen auf den World-Index

Wenn man sich die praktischen Auswirkungen solch eines Prozesses nun anschaut, zeigt sich das in erster Linie durch die reduzierte Anzahl von Titeln. Ein SRI-Index ist also immer weniger stark diversifiziert als ein Index, der dieses Kriterium nicht ansetzt - was ja auch verständlich ist. Der rund 1.700 starke MSCI World reduziert sich mit dem SRI-Label auf etwa 400 Titel. Da fortlaufend geprüft wird, kann diese Zahl auch innerhalb von kurzen Zeiträumen wie einem oder zwei Jahr(en) variieren - weil Unternehmen beispielsweise durch Skandale gefiltert werden oder weil sie ihre ESG-Score so verbesserten, dass sie nun doch einen Platz im Index erhalten.

Fazit zum SRI-Label in der ETF-Welt

Für Anleger, die ein hohes Maß an Nachhaltigkeit in ihrem Depot wünschen, ist das SRI- gegenüber dem ESG-Label die bessere Wahl. Die Unternehmen handeln gesellschaftlich verantwortlich und reduzieren ihren eigenen ökologischen Fußabdruck, zudem umgehst du damit in jedem Fall kontroverse Geschäftsfelder, wie beispielsweise Kriegswaffen, Nuklearwaffen oder sogar frei verfügbare Waffen.
Gleichermaßen musst du als Anleger bedenken, dass sich damit deine Diversifikation reduziert. Auch kann sich die Performance solch eines SRI-Index durchaus deutlich unterscheiden. Wenn, wie zum aktuellen Zeitpunkt, Waffenhersteller und Ölkonzerne, unter anderem aufgrund der Ukraine-Krise, sehr gut laufen, wirst du davon in deinem Depot nichts bemerken - da sie ja nicht im ETF enthalten sind. Gleichermaßen sind solche Unternehmen oft gute Dividendenzahler, weshalb bei ausschüttenden ETFs oftmals eine geringere Ausschüttungsquote entsteht. Genau genommen bildest du damit außerdem nicht "die ganze Wirtschaft", wie eigentlich bei World- oder All-World-ETFs gedacht, ab - aber eben die Unternehmen, die deine moralischen Wertvorstellungen (weitgehend) verkörpern.

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