Frühstart-Rente 2026: 10 Euro fürs Kind vom Staat
Mit der Frühstart-Rente will die Bundesregierung ab 2026 monatlich 10 Euro pro Kind in ein Altersvorsorgedepot einzahlen. Wir erklären den aktuellen Stand, die Zinseszins-Wirkung und wie du privat mit einem Junior-Depot ergänzen kannst.
Frühstart-Rente: Das ist der aktuelle Stand 2026
Die Frühstart-Rente ist eines der zentralen Vorhaben der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD in Sachen private Altersvorsorge. Die Idee: Der Staat zahlt für jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr monatlich 10 Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot ein. So sollen Kinder früh an den Kapitalmarkt herangeführt werden und über Jahrzehnte vom Zinseszinseffekt profitieren.
Wichtig zum Stand: Juli 2026: Die Frühstart-Rente ist noch kein geltendes Gesetz. Das Bundeskabinett hat am 17. Dezember 2025 zunächst nur Eckpunkte beschlossen. Ein konkreter Gesetzentwurf soll im Laufe des Jahres 2026 folgen. Wir ordnen hier den geplanten Stand ein und aktualisieren den Artikel, sobald das Gesetz verabschiedet ist.
Wie die Frühstart-Rente geplant ist
Nach den bislang bekannten Eckpunkten sind die wichtigsten Punkte:
- 10 Euro pro Monat vom Staat, und zwar vom 6. bis zum 18. Geburtstag des Kindes.
- Berechtigt sollen alle Kinder und Jugendlichen sein, die in Deutschland eine Schule besuchen.
- Über die zwölf Jahre summiert sich die staatliche Förderung damit auf rund 1.440 Euro (12 Jahre x 12 Monate x 10 Euro).
- Das Geld fließt in ein individuelles Altersvorsorgedepot und wird am Kapitalmarkt angelegt, in der Regel über breit streuende Fonds oder ETFs.
- Die Erträge sollen bis zum Rentenbeginn steuerfrei bleiben. Besteuert wird voraussichtlich erst die spätere Auszahlung in der Rentenphase.
- Ein Zugriff auf das Kapital vor dem Rentenbeginn ist nicht vorgesehen. Das Depot ist bis dahin gesperrt, auch vor staatlichem Zugriff.
Der geplante Start: Die Förderung soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 greifen, ausgezahlt aber voraussichtlich erst ab 2027, wenn die gesetzlichen und technischen Grundlagen stehen. Der erste geförderte Jahrgang sind die zum Programmstart sechsjährigen Kinder (Geburtsjahrgang 2020). Danach soll die Frühstart-Rente Jahrgang für Jahrgang auf jüngere Kinder ausgeweitet werden. Eröffnen Eltern kein Depot, soll es eine unbürokratische Auffanglösung geben, bei der die Mittel jahrgangsweise angelegt und später übertragen werden.


Kleiner Betrag, große Wirkung? Was der Zinseszins leisten kann
10 Euro im Monat klingen nach wenig, und das sind sie auch. Der eigentliche Hebel ist nicht die Höhe der Einzahlung, sondern die Zeit. Wer mit sechs Jahren startet und das Kapital bis zum Rentenbeginn liegen lässt, hat einen Anlagehorizont von rund 60 Jahren. Über einen so langen Zeitraum wirkt der Zinseszinseffekt stark.
Eine gängige Beispielrechnung: Fließen über zwölf Jahre die vollen 1.440 Euro an staatlicher Förderung ins Depot und bleiben anschließend bis zum Alter von 67 investiert, könnte daraus bei einer durchschnittlichen Rendite von 6 Prozent pro Jahr ein Betrag von grob 36.000 Euro werden. Das ist eine Modellrechnung, keine Garantie: Aktienmärkte schwanken, Renditen sind nie sicher, und Kosten sowie eine spätere Besteuerung in der Rentenphase mindern das Ergebnis. Historisch lag die Rendite eines breit gestreuten Weltaktienindex langfristig in dieser Größenordnung, doch vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
Realistisch bleibt festzuhalten: Als alleinige Altersvorsorge reicht die Frühstart-Rente bei Weitem nicht. Ihr Wert liegt vor allem im frühen Einstieg, im langen Zeithorizont und in der finanziellen Bildung, die damit einhergeht.
Ergänzend privat für das Kind sparen
Die staatlichen 10 Euro sind ein Anfang, aber wer für den Nachwuchs ernsthaft Vermögen aufbauen möchte, kombiniert sie sinnvoll mit eigenem, privatem Sparen. Genau hier setzt ein Sparplan für das Kind an: Schon kleine, regelmäßige Beträge in einen weltweit streuenden ETF können über die Jahre spürbar wachsen.
Wichtig ist die Einordnung in die eigene Vorsorgestruktur. Das 3-Schichten-Modell der Altersvorsorge zeigt, wie geförderte und private Anlage zusammenspielen. Und wenn das Kind volljährig wird und selbst die Kontrolle über sein Depot übernimmt, hilft eine klare ETF-Strategie zur Volljährigkeit, damit das aufgebaute Kapital nicht überstürzt ausgegeben, sondern langfristig weitergeführt wird.
Für das private Sparen nutzen viele Eltern ein sogenanntes Junior-Depot, das im Namen des Kindes läuft. Anbieter wie comdirect oder Scalable Capital bieten solche Depots mit ETF-Sparplänen an. Ein Junior-Depot ist unabhängig von der Frühstart-Rente zu sehen, kann diese aber gut ergänzen. Prüfe vor der Eröffnung Konditionen, Sparplankosten und die steuerlichen Freibeträge des Kindes.
Ziel: mehr Aktienkultur in Deutschland
Hinter der Frühstart-Rente steht ein größeres Ziel: mehr Menschen in Deutschland an den Kapitalmarkt heranzuführen. Bislang legt hierzulande nur ein kleinerer Teil der Bevölkerung regelmäßig in Aktien oder ETFs an, deutlich weniger als etwa in den USA oder Skandinavien. Indem Kinder früh mit einem eigenen Depot aufwachsen, soll die Berührungsangst sinken und Finanzbildung selbstverständlicher werden.
Ob das gelingt, hängt von der konkreten gesetzlichen Ausgestaltung, den zugelassenen Produkten und der Kostenstruktur ab. Kritisiert wird unter anderem, dass 10 Euro monatlich für sich genommen zu wenig sind, um die Rentenlücke zu schließen, und dass es zusätzliche private Vorsorge braucht. Entscheidend wird sein, dass die Depots kostengünstig, transparent und breit gestreut sind.
Fazit: sinnvoller Anstoß, keine Komplettlösung
Die Frühstart-Rente ist ein durchdachter Anstoß, um Kinder früh an den Kapitalmarkt zu bringen und den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte für sie arbeiten zu lassen. Der monatliche Staatsbeitrag ist klein, der lange Anlagehorizont macht ihn dennoch wertvoll. Als alleinige Altersvorsorge taugt das Konzept nicht, als Baustein und als Einstieg in die Welt der ETFs aber durchaus.
Bis das Gesetz verabschiedet ist, bleibt manches offen. Wer nicht warten möchte, kann schon heute mit einem eigenen ETF-Sparplan für das Kind beginnen. Zeit ist beim Vermögensaufbau der stärkste Hebel, und den hat man bei Kindern reichlich.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Die Frühstart-Rente befindet sich im Gesetzgebungsverfahren; Details können sich noch ändern. Angaben ohne Gewähr. Einige Links sind Partnerlinks (Affiliate): Schließt du über einen solchen Link ab, erhalten wir ggf. eine Vergütung. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten.
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