In Startups investieren: So sicherst du dich gegen überbordende Versprechen ab
In Startups investieren: Chance auf viel, Risiko auf alles
Kennst du das Klagelied des Investors? Es beginnt mit „Ach, hätte ich damals doch bloß…“ und bezieht sich meist auf eine verpasste Chance: ganz früh in ein junges Unternehmen zu investieren, bevor daraus ein Gigant wie Facebook, Netflix oder Uber wurde. Genau diese Aussicht macht Startup-Investments so verlockend.
Die ehrliche Kehrseite: Wer in Startups investiert, spielt ein Alles-oder-nichts-Spiel. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes waren fünf Jahre nach der Gründung nur noch rund 37,8 % der Betriebe aktiv, gut 60 % waren also verschwunden. Die KfW rechnet damit, dass etwa jedes dritte Start-up schon in den ersten drei Jahren scheitert (KfW-Gründungsmonitor 2025). Ein Totalverlust deines eingesetzten Kapitals ist bei dieser Anlageklasse nicht die Ausnahme, sondern ein realistisches Grundszenario.
Dieser Ratgeber zeigt dir zwei Dinge: erstens die realistischen Wege, über die Privatanleger 2026 überhaupt in Startups investieren können – und zweitens, wie du dich mit gesundem Menschenverstand und harter Prüfung vor überzogenen Versprechen schützt. Stand aller Angaben: Juli 2026.
Die Wege ins Startup-Investment
„In Startups investieren“ klingt nach einem einzigen Vorgang, meint aber sehr unterschiedliche Zugänge – mit stark unterschiedlichem Kapitalbedarf, Risiko und Aufwand.
1. Crowdinvesting-Plattformen
Der niedrigschwelligste Weg für Privatanleger. Über Plattformen beteiligst du dich schon mit kleinen Beträgen (oft ab 250 €) an einem Startup, meist über ein Nachrangdarlehen oder ein partiarisches Darlehen – nicht über echte Geschäftsanteile.
- Seedmatch war einer der Pioniere des deutschen Crowdinvestings. Die Marken Seedmatch, Econeers und Mezzany wurden im April 2025 unter dem Dach OneCrowd zusammengeführt; das Angebot läuft heute über diese gebündelte Plattform. Einstieg ab 250 € (crowdfunding.de).
- Companisto aus Berlin ist seit 2012 aktiv und war 2025 laut ECCL-Studie die volumenstärkste Equity-Crowdfunding-Plattform der EU. Privatanleger investieren ab 250 € über ein Pooling-Vehikel (SPV); im „Angel Club“ sind ab 10.000 € auch direkte Beteiligungen möglich (companisto.com).
Reguliert wird Crowdinvesting seit der EU-Schwarmfinanzierungsverordnung (ECSP): Plattformen brauchen eine BaFin-Lizenz, Projekte sind auf bis zu 5 Mio. € pro Jahr begrenzt. Das im Februar 2026 verkündete Standortfördergesetz hat zudem die Einzelanlageschwellen des § 6 WpPG (bisher 1.000/10.000/25.000 € für Privatanleger) abgeschafft und die prospektfreie Schwelle auf 12 Mio. € angehoben (BaFin).
2. Business Angel
Als Business Angel investierst du direkt und in größerem Umfang (typisch fünf- bis sechsstellig) eigenes Kapital, oft verbunden mit Know-how und Netzwerk. Du erhältst echte Anteile, trägst dafür aber das volle unternehmerische Risiko und bist über Jahre gebunden. Das ist nichts für Nebenbei-Anleger, sondern für Menschen mit Branchenerfahrung und Kapital, das langfristig entbehrlich ist.
3. Venture Capital (institutionell)
Venture-Capital-Fonds bündeln Kapital und investieren professionell in ganze Startup-Portfolios. Der Haken für Privatanleger: Diese Fonds sind meist institutionellen oder sehr vermögenden Investoren vorbehalten, verlangen hohe Mindestsummen und binden das Geld oft zehn Jahre und länger. Für die meisten Privatanleger ist der direkte VC-Zugang praktisch verschlossen.
4. Nachrangdarlehen
Das häufigste Instrument beim Crowdinvesting. Du leihst dem Startup Geld und wirst im Insolvenzfall nachrangig bedient – also erst nach allen anderen Gläubigern. In der Praxis heißt das oft: Bei einer Pleite bleibt nichts übrig. Die Verzinsung entschädigt für dieses hohe Risiko, garantiert ist sie nicht.
5. Börsennotierte Beteiligungsgesellschaften und Private-Equity-ETFs
Der einzige Weg, der sich sauber in ein ETF-Depot einfügt: Statt einzelner Startups kaufst du Aktien von Gesellschaften, die selbst in nicht börsennotierte Unternehmen investieren. In Deutschland sind mehrere davon börsengelistet, vier davon im SDAX: MBB SE (2025 über 1 Mrd. € Marktkapitalisierung), Mutares SE, Indus Holding und die Deutsche Beteiligungs AG (Unternehmeredition).
Noch breiter gestreut geht es über einen Private-Equity-ETF. Der iShares Listed Private Equity UCITS ETF USD (Dist) (ISIN IE00B1TXHL60, WKN A0MM0N) bildet den S&P-Listed-Private-Equity-Index physisch ab, kostet 0,75 % TER pro Jahr und ist als UCITS-Fonds für deutsche Privatanleger handelbar (Quellen: justETF und iShares). Das ist deutlich teurer und schwankungsreicher als ein Welt-ETF – aber liquide, streuend und ohne Totalverlust einer einzelnen Wette.
1. Setze deinen gesunden Menschenverstand ein
Ist dir der Begriff Juicero geläufig? Falls nicht: Es ist ein Firmenname und gleichzeitig ein weltweites Symbol dafür, wie krass Investoren scheitern können, wenn sie ihren Verstand nicht einsetzen.
2013 wurde Juicero im Silicon Valley gegründet. Das Produkt war eine Saftpresse – aber nicht irgendeine. Das Hightech-Gerät mit WLAN-Connectivity wurde mit vorpürierten Früchten bestückt, portionsgerecht im abonnierten Plastikbeutel geliefert.
Alles schrie geradezu nach einem Erfolgsgeheimnis:
- digitalisiert,
- stylisch,
- gesund und
- mit einem hochlukrativen Abo-Modell ausgestattet.
Selbst wenn Kunden die saftigen 699 Dollar (2017 auf 399 reduziert) für die Presse bezahlt hatten, mussten sie dem Unternehmen treu bleiben: Die Fruchtpüree-Beutel (Stückpreis 5 bis 7 Dollar) besaßen einen QR-Code, ohne den (und ohne Internetverbindung) die Presse den Dienst verweigerte. Rund 120 Millionen Dollar sammelte das Unternehmen bis 2017 an Investorengeldern ein.
Dann kam etwas, das eigentlich jeder Investor selbst hätte bemerken können: Im Frühjahr 2017 deckten Bloomberg-Redakteure auf, dass man die Saftbeutel problemlos und vollständig per Hand ausdrücken konnte – ohne Kleckerei oder Qualitätsverlust. Die Katastrophe nahm ihren Lauf, das Internet lachte sich halbtot. Juicero protestierte, reduzierte den Preis und war trotzdem noch vor dem Jahresende 2017 aus dem Handelsregister gelöscht.
Der britische Guardian schrieb damals von einem Symbol für „die absurde Silicon-Valley-Startup-Industrie, die gigantische Investitionssummen für die Lösung von Nicht-Problemen einsammelt“.
Nicht bei jedem Investitionsobjekt ist es so einfach. Dennoch zeigt dir Juicero, wie wichtig es ist, nüchtern, logisch und sehr kritisch deinen gesunden Menschenverstand einzusetzen. Deine beiden wichtigsten Kernfragen:
Und wenn ja: Ist dieses Produkt die einzige sinnvolle Lösung dafür?
2. Lass dir tragfähige Nachweise zeigen
Selbst für nüchterne, gebildete Investoren können manche Produkte zu komplex sein, um sie mit Verstand allein zu durchschauen. Das ist aber keine Ausrede, den Gründern blind zu glauben.
Geht es um Pharmazeutik, Kosmetik, Lebens- oder Futtermittel? Dann muss das Produkt ohnehin nachweisen, dass es nach einer sehr strengen, aber wichtigen Richtlinie gestaltet ist – den Vorgaben der Good Manufacturing Practice. Lass dir diese Nachweise zeigen.
Je mehr du investieren möchtest, desto gründlicher solltest du sein. Prüfstellen können sein:
- technische Prüforganisationen,
- Branchenverbände,
- unabhängige Sachverständige,
- Normungsinstitute.
Solche Stellen helfen dir, ein Produkt auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor du gutes Geld einer schlechten Idee hinterherwirfst. Das wird keinem Gründer gefallen – viele argumentieren mit Geschäftsgeheimnissen. Das sollte dir egal sein: Du wendest dich an neutrale Dritte, nicht an die Konkurrenz. Und ein vertrauenswürdiges Produkt scheut keine Durchleuchtung, wenn die Firma dein Geld will.

3. Schau dir die Gründer genau an
Hinter jedem Unternehmen steht ein Gründer – und davon gibt es mehrere Sorten:
- hocherfolgreich und bis zuletzt am Ruder,
- hocherfolgreich, dann aber das Unternehmen rasch an den Meistbietenden verkauft,
- erfolglos und einmal gescheitert,
- erfolglos und schon mehrmals gescheitert.
Die beiden letzten Kategorien willst du meiden. Prüfe deshalb – ähnlich wie das Produkt – auch die Personen:
- Hochschul- und ähnliche Abschlüsse, die je nach Bundesland mehrere Jahrzehnte bei den zuständigen Stellen aufbewahrt werden;
- Nachweise über fachliche Zusatzqualifikationen;
- Auszüge aus dem Unternehmensregister und dem Handelsregister;
- Auskünfte von Auskunfteien;
- Zeugnisse früherer Arbeitgeber;
- Auszüge von Banken und Kreditinstituten;
- Selbstauskünfte aus dem Führungszeugnis.
Kurzum: Ein Gründer sollte bereit sein, sich transparent zu machen – besonders zu früherer Tätigkeit, Gründungen und etwaigen Straftaten. Würdest du in jemandes Firma investieren, der schon wegen Betrug angeklagt wurde? Oder in eine hochkomplexe Maschine, hinter der kein Ingenieur steht?
Es geht um deine persönliche Risiko-Minimierung. Ein mehrfacher Gründer kann durchaus das große Los ziehen – statistisch ist die Chance jedoch gering. Der Juicero-Gründer etwa war ein Serien-Gründer, aber kein Startup-Titan; heute versucht er, Menschen von den Vorteilen von Sprossen zu überzeugen. Hier spielt neben dem Verstand auch das Bauchgefühl eine Rolle.
4. Prüfe Marktchancen und Businessplan
Hast du schon einmal gesehen, wie ein Gründer in einer TV-Show auf Geldgebersuche geröstet wurde? Oft wird dabei nicht das Produkt kritisiert, sondern die Marktchancen und der Businessplan.
Tatsache ist:
- Es gibt Produkte, die hervorragend sind, aber (noch) keinen Markt haben. Denke an pets.com: 1998 gegründet, eine Art Amazon für Haustierbesitzer. Die Zeit war noch nicht reif, die Firma verbrannte 300 Millionen Dollar und ging mit der Dotcom-Blase unter.
- Es gibt gute Produkte ohne Alleinstellungsmerkmal – etwa die x-te Essens-Liefer-App.
- Es gibt gute Produkte, deren Markt schlicht zu klein ist. Diese Gefahr ist heute groß, weil Zielgruppen stark zersplittert sind.
- Und es gibt gute Produkte mit einem in Sachen Business unfähigen Team – der Ingenieur, der eine perfekte Maschine baut, aber von BWL und Marketing keine Ahnung hat.
Prüfe daher nüchtern den Businessplan und die geplante Monetarisierung. Wirf einen Blick auf die Finanzplanung: Der Gründer sollte dir logisch erklären können, woher das Geld kommen wird, und dabei die brancheneigenen Eckdaten kennen. Je mehr Superlative genutzt werden, desto vorsichtiger solltest du sein.
Es geht schließlich ums nüchterne Investieren, nicht ums philanthropische Vergeben von Fördergeldern.
Fazit: Kleine Wetten, breite Basis
In Startups zu investieren kann sich lohnen – aber die Rendite ist die Belohnung für ein sehr reales Totalverlustrisiko, lange Kapitalbindung und oft fehlende Handelbarkeit. Für Privatanleger heißt das:
- Nur ein kleiner „Spielgeld“-Anteil, dessen Verlust dich nicht trifft.
- Über viele Projekte streuen statt alles auf eine Idee setzen.
- Jedes Investment mit Verstand, Nachweisen und Gründer-Check hart prüfen.
- Wer breiter und liquider möchte: börsennotierte Beteiligungsgesellschaften oder ein Private-Equity-ETF statt Einzelwetten.
- Die Basis bleibt ein breit gestreuter, günstiger Welt-ETF.
Wer sich für Crowdinvesting interessiert, findet bei etablierten Anbietern wie Seedmatch (heute OneCrowd) einen niedrigschwelligen Einstieg – im Bewusstsein, dass auch hier jeder investierte Euro verloren gehen kann.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist eine allgemeine, redaktionelle Information und keine Anlageberatung. Startup-Investments bergen ein hohes Risiko bis zum Totalverlust. Der Link zu Seedmatch/OneCrowd ist ein Affiliate-Link: Kommt über ihn eine Nutzung zustande, erhalten wir ggf. eine Vergütung – für dich entstehen keine Mehrkosten. Das beeinflusst unsere redaktionelle Einschätzung nicht.
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