In Startups investieren: So sicherst du dich gegen überbordende Versprechen ab

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In Startups investieren: So sicherst du dich gegen überbordende Versprechen ab
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Kennst du das Klagelied des Investors? Es beginnt mit „Ach, hätte ich damals doch bloß…“. Sehr oft bezieht es sich auf eine verpasste Chance, ganz früh in ein neues Produkt oder eine dahinterstehende Firma zu investieren, bevor es sich zu einem gigantischen Erfolg entwickelte – und Investment sehr teuer wurde.

Insofern hätte wohl jeder Investor gerne frühzeitig Geld ins heutige Facebook gesteckt – oder Netflix, Uber, Discord oder einen anderen der heutigen Giganten. Das Problem an der Sache ist jedoch: Jedes Startup hofft, the next big thing zu werden. Und weil ebenso jedes Startup ständig auf der Suche nach Geld ist, sind manche Gründer versucht, die Chancen und Merkmale ihres Produkts etwas blumiger gegenüber potenziellen Geldgebern darzustellen; höflich formuliert.

Um deine Investitionen zu schützen, bist du in solchen Fällen stark auf dich allein angewiesen. Denn hier handelt es sich nicht um ETFs und ähnlich sichere Herangehensweisen, sondern um All-or-Nothing Investments – Wagniskapital und somit das reale Risiko, jeden Cent deiner Investition einzubüßen. 

Daher zeigen wir dir jetzt, welche Mindestmaßnahmen du zu deinem Schutz ergreifen kannst – und solltest.


1. Setze deinen gesunden Menschenverstand ein

Ist dir der Begriff Juicero geläufig? Falls nicht: Es ist ein Firmenname und gleichzeitig ein weltweiter Begriff dafür, wie krass Investoren scheitern können, wenn sie nicht ihren Verstand einsetzen.

2013 wurde Juicero im Silicon Valley gegründet. Das Produkt war eine Saftpresse – aber nicht irgendeine. Das Hightech-Gerät mit WLAN-Connectivity wurde mit vor-pürierten Früchten bestückt. Die wurden portionsgerecht im abonnierten Plastikbeutel geliefert. 

Alles schrie geradezu nach einem Erfolgsgeheimnis: 

  • Digitalisiert, 
  • stylisch,
  • gesund und 
  • mit einem hochlukrativen Abo-Modell ausgestattet. 

Selbst wenn Kunden die saftigen 699 Dollar (2017 auf 399 reduziert) für die Hightech-Presse bezahlt hatten, mussten sie zwangsläufig dem Unternehmen treu bleiben – denn die Fruchtpüree-Beutel (Stückpreis 5 bis 7 Dollar) besaßen einen QR-Code, ohne den (und eine Internetverbindung) die Presse den Dienst verweigerte. Ungefähr 120 Millionen Dollar nahm das Unternehmen bis 2017 an Investorengeldern ein.

Dann allerdings kam etwas, das eigentlich jeder Investor selbst hätte bemerken können: Im Frühjahr 2017 deckten Bloomberg-Redakteure auf, dass man die Saftbeutel problemlos und vollständig per Hand ausdrücken konnte – ohne Kleckerei oder Qualitätsverluste. Die Katastrophe nahm ihren Lauf, das Internet lachte sich halbtot. Juicero protestierte, argumentierte, reduzierte den Preis und war trotzdem noch vor dem Jahresende 2017 aus dem Handelsregister gelöscht.

Der britische Guardian schrieb damals von einem Symbol für „die absurde Silicon Valley Startup-Industrie, die gigantische Investitionssummen für die Lösung von Nicht-Problemen einsammelt“.

Nicht bei jedem Investitionsobjekt kann es so einfach sein. Dennoch zeigt dir der Juicero, wie wichtig es ist, ganz nüchtern, logisch und sehr, sehr kritisch deinen gesunden Menschenverstand zu gebrauchen, um dir ein Produkt anzuschauen. Deine beiden wichtigsten Kernfragen dabei:

💡
Ist das Problem, welches das Produkt lösen will, überhaupt ein richtiges Problem?
Und wenn ja: Ist das Produkt die einzige sinnvolle Lösung für das Problem?

2. Lass dir tragfähige Nachweise zeigen

Selbst für einen sehr nüchternen und gebildeten Investor können manche Produkte zu komplex sein, um sich mit Menschenverstand allein durchschauen zu lassen. Das ist jedoch keine Ausrede, um auf Gedeih und Verderb den Gründern allein zu glauben. 

Es handelt sich um etwas aus dem breiten Bereich von Pharmazeutik, Kosmetika, Lebens- oder Futtermitteln? Dann muss das Produkt sowieso nachweisen, nach einer sehr strengen, aber wichtigen Richtlinie gestaltet zu sein – den Vorgaben der Good Manufacturing Practice. Lass dir in dem Fall dafür Nachweise zeigen.

Je mehr du investieren möchtest, desto gründlicher und verbissener solltest du sein:

  • Technische Prüforganisationen
  • Branchenverbände
  • Unabhängige Sachverständige
  • Normungsinstitute

Solche und andere Stellen können dir bei Produkten jeglicher Art dabei helfen, sie auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor du womöglich gutes Geld einer ganz schlechten Idee hinterherwirfst. 

Natürlich wird das keinem Gründer gefallen. Die meisten werden dabei unter anderem mit Geschäftsgeheimnissen argumentieren. Das sollte dir egal sein. Erstens wendest du dich mit den Produktdetails ja an neutrale Dritte, nicht die Konkurrenz. Und zweitens muss ein vertrauenswürdiges Produkt sich niemals scheuen, von irgendwem genauer durchleuchtet zu werden – zumindest nicht, wenn die dahinterstehende Firma dein Geld möchte.

💡
Ganz wichtig dabei ist jedoch eines: Wenn das Unternehmen dir solche Nachweise vorzeigt oder in Auftrag gibt, dann vertraue ihnen nicht blind. Du kennst vielleicht den Spruch, wonach man keiner Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat. Frage zumindest bei der ausstellenden Stelle nach. Scheue dich aber nicht, eigene Überprüfungen in die Wege zu leiten.

3. Schau dir die Gründer genau an

Hinter jedem Unternehmen steht ein Gründer. Tatsächlich gibt es von denen jedoch mehrere Sorten:

  • Hocherfolgreich und bis zuletzt am Ruder.                                    
  • Hocherfolgreich, dann aber das Unternehmen rasch an den Meistbietenden verkauft.
  • Erfolglos und nur einmal gescheitert.
  • Erfolglos und schon mehrmals gescheitert.

Logischerweise möchtest du es unter allen Umständen vermeiden, an solche aus den beiden letztgenannten Kategorien zu geraten. Ähnlich, wie du das Produkt durchleuchten solltest, solltest du es deshalb bei den Personen machen: 

  • Hochschul- und ähnlich wichtige Abschlüsse. Je nach Bundesland sprechen wir von mindestens mehreren Jahrzehnten, über die diese bei den zuständigen Stellen aufbewahrt werden müssen. 
  • Nachweise über fachliche Zusatzqualifikationen, die den Gründer zu einem Fachmann für das Produkt machen.
  • Auszüge aus dem Unternehmensregister und dem Handelsregister.
  • Nachweise von Auskunfteien.
  • Zeugnisse von früheren Arbeitgebern.
  • Auszüge von Banken und anderen Kreditinstituten.
  • Selbstauskünfte aus dem Strafregister. 

Kurzum: Ein Gründer sollte bereit sein, sich dir gegenüber sehr transparent zu machen. Das gilt besonders für seine frühere berufliche Tätigkeit, Gründungen und Straftaten. Würdest du in jemandes Firma investieren, wenn er beispielsweise schon wegen Betrug oder Veruntreuung angeklagt wurde? Würdest du in eine hochkomplexe Maschine investieren, wenn dahinter kein Ingenieur oder wenigstens Mechatroniker stünde?

Erneut geht es hier nur um deine persönliche Risiko-Minimierung. Ein mehrfacher Gründer kann durchaus mit einem weiteren Versuch das ganz große Los ziehen. Die Chance dafür ist jedoch statistisch eher gering. Schau dir etwa den Juicero-Gründer an. Die Saftpresse war für ihn nur eine Station unter vielen, ein wirklicher Startup-Titan auf dem Level von Zuckerberg und Co. ist er jedoch eher nicht. Derzeit versucht er, Menschen von den gesundheitlichen Vorteilen von Sprossen zu überzeugen und hat dazu unter anderem ein Buch verfasst.

Hierbei spielt dann dein gesunder Menschenverstand ebenso eine Rolle wie das, was man landläufig als Bauchgefühl bezeichnet.


4. Prüfe die Marktchancen und den Businessplan

Hast du schon mal vor dem Fernseher gesessen und mitbekommen, wenn ein Gründer auf Geldgebersuche in entsprechenden Unterhaltungsshows mit Worten regelrecht geröstet wurde? Nicht selten wird dabei weniger das Produkt kritisiert, sondern vielmehr die Marktchancen und/oder der Businessplan.

Tatsache ist: 

  1. Es gibt durchaus Produkte, die an sich hervorragend sind, aber entweder aktuell oder auf dem angepeilten Markt (noch) keine Chance haben. Denke etwa an pets.com. 1998 gegründet war es eine Art Amazon für Haustierbesitzer. Doch die Zeit war noch nicht reif und die Firma verbrannte 300 Millionen Dollar, bevor sie zusammen mit der Dotcom-Blase unterging. 
  2. Es gibt ebenso Produkte, die hervorragend sind, aber kein Alleinstellungsmerkmal und daher keine Chance haben. Es gibt schon hocherfolgreiche Essens-Liefer-Apps. Ebenso Hauptpflegeprodukte für alle Geschlechter und sehr vieles mehr. 
  3. Es gibt Produkte, die abermals wirklich gut sind, aber deren Markt einfach zu klein ist. Dafür ist die Gefahr heute recht groß, weil so viele Zielgruppen stark zersplittert sind.
  4. Dann gibt es, last but not least, gute Produkte, hinter denen aber ein in Sachen Business erschreckend unfähiges Team steht. Denke an das Klischee vom Ingenieur, der eine perfekte Maschine erfindet, aber weder von BWL noch Marketing den Hauch einer Ahnung hat.

Ein letztes Mal solltest du daher sehr nüchtern und gründlich prüfen, nachfragen und überlegen. Schau dir den Businessplan an und wie das Startup plant, die Idee zu monetarisieren. Wirf dazu ebenso einen Blick auf die Finanzplanung. Der Gründer sollte dir darin logisch und sinnvoll erläutern können, woher das Geld kommen wird. Achte dabei speziell auf die brancheneigenen Eckdaten.

Schau nicht zuletzt darauf, wie realistisch das alles erscheint. Je mehr Superlative genutzt werden (auch abseits der Zahlen), desto vorsichtiger solltest du sein. Jeder Gründer wird sein Produkt in den schillerndsten Farben pitchen wollen – und die meisten sind zudem ehrlich so überzeugt von ihrem Produkt. Für dich geht es jedoch um etwas anderes: 

💡
Deine Investitionssumme X muss definitiv deutlich niedriger sein als das, was du durch Beteiligungen und ähnliche Zahlungen insgesamt an Summe Y herausholen kannst.

Es geht schließlich immer noch ums nüchterne Investieren, nicht um philanthropisches Vergeben von Fördergeldern. 

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