Dirk Müller Premium Fonds: Wirklich ein Premium-Produkt für Anleger?

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Dirk Müller ist in der deutschen Wirtschafts- und vor allem Aktien-Landschaft hinlänglich bekannt - zugleich spaltet er Profis wie Hobby- und Privatanleger gleichermaßen. Mit seinem "Premium Fonds" hat er im Jahr 2015 ein eigenes Produkt aufgelegt - aber was bringt selbiges Anlegern tatsächlich?

Dirk Müller Premium Fonds: Wirklich ein Premium-Produkt für Anleger?

Zur Person Dirk Müller

Am 25. Oktober 1968 in Deutschlands Bankenhauptstadt Frankfurt am Main geboren, steckt Dirk Müller die Welt der Aktien und des Kapitals quasi schon von Kinderschuhen an im Blut. Nachdem er eine klassische Bankkaufmannausbildung durchlief, erlangte er speziell zur Jahrtausendwende größere Bekanntheit als Reporter und "Aktien-Profi", der regelmäßig in Zeitungen und im TV zu seiner Meinung befragt wurde. Im Jahr 2009 versuchte er sich, durchaus mit Erfolg, als Autor und veröffentlichte in der Folge sein erstes Buch "Crashkurs", dem über das nächste Jahrzehnt weitere Bücher folgen sollten.

Solchen, die mit dem Aktien- und Kapitalmarkt vertraut sind, ist Müller aber vor allem als Crash-Prophet bekannt. Schon seit nun mehr über zwei Jahrzehnten sieht er den kommenden Kollaps stets nur kurze Zeit entfernt. Damit lag er zumindest in 2008/09 richtig, in den meisten Fällen aber grundfalsch. Der Hohn und Spott unter Anlegern und Institutionellen blieb spätestens dann nicht aus, als er im Jahr 2015 den hier behandelten "Dirk Müller Premium Fonds" auflegte. Der Fonds mit der ISIN DE000A111ZF1 hebt sich von Konkurrenzprodukten gleich in mehreren Punkten ab.

Anlageziel und Philosophie hinter dem Fonds

Lohnt es sich Müllers Fonds zu kaufen? Bevor wir uns den aktuellen Kurs und historischen Verlauf anschauen, möchten wir zunächst die Philosophie von Müller und seinem Fondsteam unter die Lupe nehmen. Wie der Name schon unschwer verrät, versucht Müller "Premium-Titel" mit Absicherungsinstrumenten zu kombinieren.

In der Praxis sieht das normalerweise so aus: Müllers Team wird verschiedene "gute" und "etablierte" Unternehmen kaufen, jedoch fortwährend auch eine Absicherung über Optionen betreiben, falls der über Jahrzehnte von Müller prophezeite große Crash des Finanzsystems nicht doch kommen sollte. Simultan hält der Fonds meist einen relativ hohen Cash-Anteil in der Hinterhand, um dann, nach dem vermeintlich großen Crash, günstig Qualitätsaktien zu kaufen.

Diese Absicherung, die Müller selbst über eine "Ampel" visualisiert, ist zugleich das Alleinstellungsmerkmal des Fonds. Natürlich ist es in der Welt der Institutionellen keine Seltenheit, gegensätzliche Long- und Short-Positionen aufzubauen. Prinzipiell basiert sogar jeder Hedgefonds darauf, daher resultiert schließlich seine Bezeichnung: Man will also das Risiko "hedgen".

Bei Müllers Produkt ist es aber gänzlich anders. Seine Ampel steht wahlweise auf Grün, Gelb oder Rot. Letzteres entspricht einem besonders hohen Crash-Risiko und Grün entspricht einem besonders niedrigen Risiko. Wer Müller schon einmal zugehört hat, der wird nicht verwundert sein, dass sein Premium-Fonds noch nie auf Grün, dafür quasi permanent auf Rot steht. Der Crash-Prophet sieht den großen Crash schließlich seit mehr als zwei Jahrzehnten immer hinter der nächsten symbolischen Ecke lauern, folglich spiegelt eben diese Ängstlichkeit und Philosophie auch sein Produkt wider.



Allokation und Kapitalverteilung

Da es sich um einen aktiv verwalteten Fonds handelt, folgt dieser keinen festen Index. Müller und sein Team kaufen Titel, bei denen sie Qualität und Chancen sehen. Aus diesem Grund können die im Fonds enthaltenen Titel auch häufiger einmal wechseln. Zum Zeitpunkt dieses Artikels sieht das in der Top-10 so aus:

  • Apple führt die Liste mit einer Gewichtung von 3,35 % an
  • danach folgen Dollar General, UnitedHealth und Microsoft mit 2,9 % bis 3,1 % Gewichtung
  • Bristol-Myers Squibb, Alphabet und J&J erhalten rund 2,6 % bis 2,8 %
  • Check Point Software Technologies ist die einzige Top-10 Aktie außerhalb der USA (Unternehmen aus Israel)
  • Aon PLC und W.W. Grainger nehmen Position 9 und 10 mit rund 2,4 % Gewichtung ein

Dem erfahrenen Anleger wird auffallen, dass die Auswahl keinesfalls schlecht ist. Tatsächlich befinden sich unter den Top-10 ausschließlich etablierte Titel und qualitativ hochwertige Unternehmen. Das geografische Klumpenrisiko ist trotzdem noch weitaus höher als in jedem MSCI oder FTSE World ETF, denn die USA nehmen rund 80 % des Fonds für sich ein.

Wichtiger als die ausgewählten Titel ist aber die Absicherung. Weil sich Dirk Müller fortan gegenüber seinem ständig prophezeiten Crash absichern muss, verursachen auch fortlaufend Short Derivate auf breitgestreute Indizes hohe Verluste - sowohl hinsichtlich der Gebühren als auch deren Kurs.


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Ziel des Fonds

Die meisten Fonds haben ein relativ einfaches Ziel: Sie möchten die Rendite maximieren und zugleich das Risiko minimieren. Weil es keine Rendite ohne Risiko geben kann, schließlich kommt diese aus der Risikoübernahme, wirkt sich die Risikominimierung aber auch nur geringfügig auf den Kurs der jeweiligen Produkte aus. Breitgestreute World ETFs, die Müller selbst übrigens als "dummes Geld" bezeichnet, haben gar keine Short-Positionen. Sie sollen lediglich die Wertentwicklung der weltweiten oder westlichen Kapitalmärkte widerspiegeln.

Müllers Ziel ist aber nicht die Renditemaximierung. Seine "Fans" investieren deshalb in den Fonds, weil er nahezu "ohne Risiko" die Kaufkraft erhalten soll. In der Folge sollte der Dirk Müller Premium Fonds also ungefähr um so viel steigen, wie in der Realwirtschaft Kaufkraft durch die Inflation verlorengeht. Größere Gewinne sollen Anleger dann einfahren, wenn die meisten Partizipanten am Kapitalmarkt viel verlieren - nämlich bei einem Crash der Kapitalmärkte. Dann sollen Müllers reichlich vertretenen Short-Derivate durch hohe Kurs-Gewinne überzeugen.

Kostenstruktur des Fonds:

  • keine Rücknahmegebühr
  • Ausgabeaufschlag von max. 4 %
  • laufende Kosten von 1,56 %

Was haben Anleger bisher mit dem Dirk Müller Premium Fonds erreicht?

Die Antwort darauf lässt sich relativ schnell geben: nämlich nichts. Der Ausgabeaufschlag des Fonds bezifferte sich im Juli 2015 auf exakt 100 Euro. Heute steht der Kurs bei aktuell 88,61 Euro. Anleger, die Müllers Fonds direkt nach der Ausgabe kaufenwollten beziehungsweise das getan haben, verzeichnen in exakt sieben Jahren also eine negative Rendite/einen Verlust von -11,11 % oder -1,61 % p.a. Zum Vergleich: Der breitgestreute Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN: IE00B3RBWM25) hat im selben Zeitraum, ohne Währungsbereinigung, eine Rendite von insgesamt 72,9 % erwirtschaftet.

Ironischerweise ist es Dirk Müller nicht nur nicht gelungen die Kaufkraft zu erhalten, er hat sogar, zusätzlich zur Inflation, massiv Kaufkraft seiner Anleger vernichtet. Dabei ist sogar noch zu berücksichtigen, dass die Märkte durchaus in die Karten von Müller spielten. Zwar gab es keinen alles vernichtenden Kapitalmarktcrash, wie ihn Müller ständig sieht, aber doch erhebliche Drawdowns. Zu Beginn der Corona-Pandemie sind die Märkte signifikant eingebrochen, auch aktuell befindet sich der Index in einem Bärenmarkt mit einem währungsbereinigten Drawdown von mehr als 20 %. Müller hat in den sieben Jahren also zumindest 2 Crashs (oder auch: erhebliche Korrekturen) vorzuweisen - und trotzdem scheiterte sein "Premium Fonds" katastrophal.

Die Erklärungen für den miserablen Kurs sind denkbar einfach: Die Optionen, mit denen Müller seine Long-Positionen gegen einen Crash absichert, verursachen immense Kosten, die jegliche Rendite der eigentlich durchaus qualitativ hochwertigen Aktien auffressen. Tatsächlich ist es Müller durch seine abenteuerliche Allokation sogar noch gelungen, selbst während des Corona-Crashs erhebliche Verluste einzufahren. Selbst wenn es zu einem Crash kommt, schafft Dirk Müller es also noch, das Kapital der Anleger zu vernichten - obwohl der Fonds gerade gegen exakt diesen Fall absichern soll.

Fazit: Lieber alles andere kaufen!

Anleger könnten so ziemlich jeden x-beliebigen breitgestreuten ETF zu nahezu jedem Kurs kaufen und er wäre garantiert nicht schlechter als der Dirk Müller Premium Fonds. Nach sieben Jahren zeigt sich: Bei dem Fonds gab es exakt einen Gewinner (Dirk Müller selbst, dank den eingesammelten Gebühren) und viele Verlierer (alle Anleger). Müller baut sein Geschäftsmodell auf der Angst der Deutschen vor dem Risiko, speziell dem am Kapitalmarkt. Da macht er einen Reibach mit Gebühren, während die Kaufkraft seiner Anleger von Jahr zu Jahr mehr erodiert.

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