So funktioniert das Altersvorsorgedepot ab 2027 (+Rechenbeispiele)

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Endlich: 2027 startet das Altersvorsorgedepot! Ein echter Paradigmenwechsel für deine Rente. Vergiss Riester: Künftig kannst du staatlich gefördert und kosteneffizient in ETFs investieren. Erfahre, was das neue, kapitalmarktbasierte Modell für deine Vorsorge bedeutet.

So funktioniert das Altersvorsorgedepot ab 2027 (+Rechenbeispiele)

Endlich: Das Altersvorsorgedepot kommt – Was du jetzt wissen musst

Es ist der 17. Dezember 2025. Wenn du in den letzten Jahren die Debatten um die deutsche Rentenpolitik verfolgt hast, kamst du dir vermutlich vor wie in einer Zeitschleife. Kommissionen tagten, Papiere wurden geschrieben, und am Ende passierte: wenig. Doch jetzt wird es ernst. In gut einem Jahr, am 1. Januar 2027, startet das neue Altersvorsorgedepot. Und um es direkt vorwegzunehmen: Es ist tatsächlich der Paradigmenwechsel, auf den ETF-Anleger gewartet haben.

Vergiss die verstaubten Riester-Verträge mit ihren teuren Garantien, die jede Rendite im Keim erstickt haben. Der Gesetzgeber hat – man höre und staune – auf die Mathematik gehört. Das neue Modell setzt auf den Kapitalmarkt, auf Aktien und auf Kosteneffizienz. Für dich bedeutet das: Du kannst staatlich gefördert in ETFs investieren, ohne dass ein Versicherer den Großteil der Erträge auffrisst. Wir schauen uns heute im Detail an, wie das Konstrukt funktioniert, für wen es sich lohnt und wie die Zahlen in deinem Depot ab 2027 aussehen könnten.

Der Abschied von der Garantie-Illusion

Das größte Problem der alten Riester-Rente war die Beitragsgarantie. Anbieter mussten gesetzlich zusichern, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Das klingt erst mal nett und sicher. In der Praxis, besonders in der vergangenen Niedrigzinsphase, zwang das die Fondsmanager dazu, fast das gesamte Kapital in niedrig verzinste Anleihen oder Cash zu schieben. Die Aktienquote lag oft bei null. Die Folge: Keine Rendite, nur Gebühren.

Das Altersvorsorgedepot ab 2027 bricht mit diesem Dogma. Es gibt keine verpflichtende Garantie mehr in der Ansparphase. Du hast die Wahl. Wenn du das volle Potenzial der Weltmärkte nutzen willst, kannst du eine 100-prozentige Aktienquote fahren. Wenn du nachts sonst nicht schlafen kannst, bieten einige Anbieter Optionen mit 80 % oder 100 % Garantie an – aber das ist kein Muss mehr. Für die Leser von etf.capital dürfte klar sein: Wer noch 20 oder 30 Jahre Zeit hat, verzichtet dankend auf die teure Garantie und nimmt die Marktschwankungen in Kauf, um realen Vermögensaufbau zu betreiben.

So funktioniert die Förderung: Der Turbo für dein Depot

Der Staat will, dass du privat vorsorgst, und er ist bereit, dafür Geld auf den Tisch zu legen. Das Fördersystem wurde komplett entschlackt und ist nun deutlich linearer aufgebaut als das alte Zulagen-Wirrwarr. Die Förderung basiert auf einem Matching-Modell, das deine eigene Sparleistung belohnt.

  1. Die Grundzulage Stufe 1: Für jeden Euro, den du einzahlst, legt der Staat 30 Cent oben drauf. Das gilt bis zu einem Eigenbeitrag von 1.200 Euro im Jahr. Das bedeutet: Du zahlst 1.200 Euro ein, der Staat schenkt dir 360 Euro. Das ist eine sofortige Förder-Rendite von 30 % auf dein eingesetztes Kapital – noch bevor der erste ETF auch nur einen Cent Kursgewinn gemacht hat.
  2. Die Grundzulage Stufe 2: Willst du mehr sparen? Gut so. Für Beiträge zwischen 1.200 Euro und maximal 1.800 Euro pro Jahr gibt es immerhin noch 20 Cent pro Euro. Das sind weitere 120 Euro maximale Zulage.
  3. Der Gesamt-Deckel: Wenn du die vollen 1.800 Euro im Jahr (also 150 Euro monatlich) besparst, erhältst du insgesamt 480 Euro vom Staat dazu. Dein Depot wächst also jedes Jahr um 2.280 Euro, obwohl du "nur" 1.800 Euro von deinem Netto abgezweigt hast.

Dazu kommen Boni für spezifische Gruppen. Hast du Kinder? Dann gibt es pro Kind und eingezahltem Euro weitere 25 Cent (gedeckelt auf 300 Euro pro Kind). Bist du unter 25 Jahre alt und Berufseinsteiger? Dann spendiert der Staat in den ersten drei Jahren jeweils 200 Euro extra als Berufseinsteiger-Bonus. Das ist ein starkes Argument, um auch den jüngeren Kollegen im Büro mal auf die Schulter zu klopfen.

Der Kostendeckel: 1,5 % sind das Limit

Neben der Garantie war die Kostenstruktur der alte Feind der privaten Vorsorge. Abschlusskosten, Vertriebskosten, Verwaltungskosten – oft flossen die ersten Jahre der Einzahlungen nur in die Taschen der Vertriebler. Das Altersvorsorgedepot setzt hier eine harte Grenze.

Der Gesetzgeber schreibt vor: Die Gesamtkostenquote darf maximal 1,5 % des verwalteten Vermögens pro Jahr betragen. Das umfasst Verwaltung, Depotführung und Transaktionen. Für die Welt der Neobroker und ETFs klingt 1,5 % vielleicht immer noch hoch – ein Standard-ETF wie der Vanguard FTSE All-World (ISIN: IE00BK5BQT80) kostet schließlich nur 0,22 % TER. Aber im Vergleich zu Versicherungsmänteln ist das eine Revolution. Zudem wird der Wettbewerb dafür sorgen, dass günstige Anbieter deutlich unter diesen 1,5 % bleiben werden. Da das Depot zertifiziert sein muss, werden Banken und Neobroker um die Gunst der Anleger buhlen. Es ist davon auszugehen, dass wir Angebote sehen werden, die eher bei 0,5 % bis 0,8 % "All-In" liegen.

Das Anlageuniversum: Was darf ins Depot?

Du bist nicht völlig frei, aber frei genug. Das Gesetz sieht eine "Positivliste" vor. Erlaubt sind Anlageklassen, die für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet sind und ein transparentes Risikoprofil haben. Dazu gehören:

  1. Aktienfonds und ETFs: Das Kernstück. Du kannst in breit gestreute Welt-ETFs investieren. Risikoklassen 1 bis 5 sind erlaubt. Das deckt die meisten Standard-Indizes ab.
  2. Anleihen: Staatsanleihen von EU-Staaten, Bundesländern oder deutschen Gemeinden.
  3. Mischfonds: Kombinationen aus beidem.

Einzelaktien oder hochspekulative Derivate sind in diesem Mantel nicht vorgesehen. Das ergibt Sinn, schließlich soll das Geld im Alter noch da sein und nicht bei einem "To the Moon"-Zock verbrannt werden. Die Risikoklasse findest du im Fact Sheet (KID) jedes Wertpapiers. Eine höhere Risikoklasse bedeutet mehr Volatilität, aber langfristig eben auch mehr Renditeerwartung.

Szenario 1: Der Durchschnittsverdiener

Lass uns konkret rechnen. Wir nehmen Max. Max ist 35 Jahre alt, verdient durchschnittlich und möchte seine Rentenlücke schließen. Er entscheidet sich, das Fördermaximum voll auszuschöpfen.

Die Daten:

- Monatlicher Eigenbeitrag: 150 Euro (1.800 Euro/Jahr)
- Staatliche Zulage: 480 Euro/Jahr
- Gesamtsumme im Depot pro Jahr: 2.280 Euro
- Laufzeit: 32 Jahre (bis 67)
- Angenommene Rendite nach Kosten: 6 % p.a. (konservativ für ein reines Aktienportfolio)

Das Ergebnis:
Ohne jegliche Kursgewinne liegen nach 32 Jahren bereits 72.960 Euro im Depot. Davon stammen 15.360 Euro direkt vom Staat. Doch der Zinseszins ist der wahre Held. Bei 6 % jährlicher Rendite wächst das Depot auf stolze 213.000 Euro an.

Vergleicht man das mit einem ungeförderten Sparplan, müsste Max eine deutlich höhere Rendite erzielen, um das gleiche Endergebnis mit seinem Nettoaufwand von 150 Euro zu erreichen. Die "kostenlose" Hebelwirkung der Zulage puffert Marktphasen mit seitwärts laufenden Kursen effektiv ab.

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Szenario 2: Die Familie

Noch spannender wird es für Julia und Tom. Beide arbeiten, haben zwei Kinder und wollen das Depot nutzen. Die Kinderzulage ist hier der Gamechanger. Pro Kind gibt es 25 Cent Förderung je Euro, max. 300 Euro.

Die Daten für Julia (Beispiel):
- Eigener Sparbetrag: 1.200 Euro/Jahr (100 Euro/Monat)
- Grundzulage Stufe 1: 360 Euro
- Kinderzulage (für 2 Kinder, volle Ausschöpfung bei diesem Betrag): 600 Euro
- Gesamtinvestition: 2.160 Euro pro Jahr

Julia zahlt also 1.200 Euro ein, und fast der gleiche Betrag (960 Euro) kommt vom Staat on top. Das ist eine Förderquote von 80 % auf den Eigenbeitrag. Selbst wenn der Aktienmarkt über Jahre nur seitwärts läuft, macht Julia Gewinn. Über 25 Jahre (bis die Kinder aus der Förderung fallen und sie die Sparrate anpassen müsste) summiert sich das bei 6 % Rendite auf ca. 126.000 Euro – bei einem Eigenaufwand von nur 30.000 Euro über die gesamte Laufzeit.

Steuern: Der Deal mit dem Finanzamt

Wie bei fast allem in Deutschland, redet das Finanzamt mit. Das Altersvorsorgedepot folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Das ist der gleiche Mechanismus, den du vielleicht von der Rürup-Rente kennst, nur in flexibler.

In der Ansparphase: Du kannst deine Beiträge steuerlich als Sonderausgaben geltend machen. Das senkt dein zu versteuerndes Einkommen heute. Wenn du gut verdienst und einen hohen Grenzsteuersatz hast, bekommst du über die Steuererklärung also noch Geld zurück. Der Staat prüft dann (Günstigerprüfung), ob die Steuerersparnis oder die Zulage für dich besser ist – du bekommst automatisch das für dich Vorteilhaftere. Wichtig: Die Zulagen selbst sind steuerfrei.

In der Auszahlphase: Hier hält der Staat die Hand auf. Da du in der Ansparphase keine Steuern auf das Geld gezahlt hast, musst du die Auszahlungen im Alter mit deinem dann gültigen persönlichen Steuersatz versteuern. Die Wette lautet hier: Dein Steuersatz ist als Rentner niedriger als während deines Erwerbslebens. Für die meisten Menschen geht diese Rechnung auf.

Auszahlung: Kein schnelles Geld für den Sportwagen

Ein Altersvorsorgedepot ist kein Tagesgeldkonto. Der Zweck ist die Absicherung deiner Langlebigkeit. Deshalb kommst du nicht mal eben so an das Geld, wenn du dir mit 50 eine Weltreise gönnen willst – zumindest nicht, ohne die Förderung zu verlieren. Eine förderschädliche Kündigung ist möglich, aber teuer: Du musst alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.

Regulär beginnt die Auszahlungsphase frühestens mit 62 Jahren, in der Regel aber mit Eintritt in den Ruhestand. Anders als bei der alten Riester-Rente gibt es keinen Zwang zur sofortigen Verrentung des gesamten Kapitals. Du hast zwei Hauptwege:

  1. Der Auszahlplan: Du legst fest, dass das Kapital bis mindestens zum 85. Lebensjahr reichen soll. Monatlich wird ein Teil ausgezahlt, der Rest bleibt investiert und arbeitet weiter.
  2. Die lebenslange Rente: Du kaufst mit dem Kapital (oder einem Teil davon) eine Rentenversicherung, die dir bis zum Lebensende zahlt. Das ist teurer und meist weniger renditestark, sichert dich aber gegen das Risiko ab, 105 Jahre alt zu werden.

Die Flexibilität ist hier deutlich größer als früher. Du kannst auch Teilkapital entnehmen (bis zu 30 % zu Beginn der Auszahlphase waren im Entwurf diskutiert), solange der Rest für die laufende Rente reicht.

Was ist mit alten Riester-Verträgen?

Millionen Deutsche sitzen auf Riester-Verträgen. Was passiert mit denen? Sie genießen Bestandsschutz. Du kannst sie weiter besparen, wenn du das unbedingt willst. Aber ab 2027 wird es für die meisten Sinn machen, die Beitragszahlung dort einzustellen und das neue Altersvorsorgedepot zu eröffnen. Ob eine Übertragung des Altkapitals in das neue Depot möglich und sinnvoll ist, hängt von den finalen Wechselkonditionen der Anbieter ab. Oft sind die Abschlusskosten der alten Verträge bereits bezahlt ("Sunk Costs"), daher sollte man hier genau rechnen, bevor man blind kündigt.

Der Fahrplan bis 2027

Du hast noch etwas mehr als ein Jahr Zeit. Das klingt lang, ist aber ideal, um deine Finanzen zu sortieren. Nutze das Jahr 2026, um:

1. Dein Budget zu prüfen: Kannst du die 150 Euro monatlich für die maximale Förderung ab 2027 locker machen?
2. Dein bestehendes Portfolio zu checken: Wenn du schon privat ETFs sparst, betrachte das neue Depot als Baustein in deiner Asset Allocation. Vielleicht kannst du im privaten Depot mehr Risiko fahren oder dort eher auf Liquidität setzen, während das Altersvorsorgedepot den stetigen, unantastbaren Kern bildet.
3. Anbieter zu vergleichen: Sobald die ersten Banken und Broker im Herbst 2026 ihre Konditionen veröffentlichen, solltest du genau hinschauen. Achte nicht nur auf die 1,5 % Obergrenze, sondern suche nach denen, die deutlich darunter liegen.

Das Altersvorsorgedepot ist nicht perfekt – staatliche Lösungen sind das nie. Aber es ist der größte Schritt in Richtung einer modernen Aktienkultur, den Deutschland je gewagt hat. Die Kombination aus Steuerstundung, direkten Zulagen und günstigen ETFs macht es mathematisch fast unmöglich, dieses Angebot zu ignorieren, wenn man langfristig Vermögen aufbauen will.

Fazit

Mit dem neuen Altersvorsorgedepot ab 2027 winkt eine attraktive und flexible Möglichkeit, für den Ruhestand vorzusorgen, ohne auf Garantien zu setzen. Durch staatliche Förderung und einen Kostendeckel von 1,5 % können Sparer von den Chancen des Kapitalmarktes profitieren und so ihre Altersvorsorge optimieren.

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