CoreWeave: So lief der IPO der Cloud-Computing-Aktie
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CoreWeave IPO: Viel Hype, verhaltener Start. Der KI-Infrastruktur-Spezialist ging an die Börse, doch das Debüt enttäuschte. Was Anleger jetzt über Chancen & Risiken der Aktie (CRWV) wissen sollten.

CoreWeave IPO: Viel Hype, verhaltener Start – Was Anleger jetzt wissen müssen
Der Hype um Künstliche Intelligenz kennt kaum Grenzen, und Investoren suchen händeringend nach dem nächsten großen Ding. Da kam der Börsengang von CoreWeave Ende März 2025 gerade recht. Ein Unternehmen, das sich auf die begehrte GPU-Infrastruktur spezialisiert hat, die das Rückgrat vieler KI-Anwendungen bildet. Die Erwartungen waren gigantisch, doch der Start an der Nasdaq verlief... sagen wir, etwas holpriger als erhofft. Lass uns einen Blick darauf werfen, was CoreWeave macht, wie der IPO lief und was das für dich als Anleger bedeutet.
Heute ist der 1. April 2025, der Börsengang liegt also nur wenige Tage zurück. Die ersten Eindrücke sind frisch und die Datenlage spannend.
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Was macht CoreWeave eigentlich genau? Der Schaufelverkäufer im KI-Goldrausch?
CoreWeave ist kein typischer Cloud-Anbieter wie Amazon AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud. Statt eines breiten Angebots konzentriert sich das Unternehmen auf eine Nische, die aktuell boomt: Hochleistungs-GPU-Computing. Stell dir vor, du brauchst extrem viel Rechenleistung, um riesige KI-Modelle zu trainieren oder komplexe Simulationen durchzuführen. Genau hier kommt CoreWeave ins Spiel.
Sie bieten spezialisierte Cloud-Infrastruktur an, die auf den leistungsstarken Grafikprozessoren (GPUs) von Nvidia basiert. Tatsächlich setzt CoreWeave *ausschließlich* auf Nvidia-Hardware. Das macht sie zu einem wichtigen Partner für Nvidia, aber auch extrem abhängig. Ihre Kunden sind namhafte Player im KI-Bereich, darunter Berichten zufolge Schwergewichte wie OpenAI (der Macher von ChatGPT) und Microsoft, aber auch aufstrebende KI-Startups und Forschungseinrichtungen. Sie mieten bei CoreWeave die Rechenpower, die sie für ihre rechenintensiven Aufgaben benötigen.
Im Grunde verkauft CoreWeave also die "Schaufeln" im aktuellen KI-Goldrausch – die notwendige Infrastruktur, ohne selbst die KI-Modelle zu entwickeln. Eine potenziell lukrative Position, wenn die Nachfrage anhält.


Der Weg an die Börse: Große Pläne, reduzierte Erwartungen
Im Vorfeld des IPOs war die Stimmung aufgeheizt. CoreWeave galt als heißer Kandidat, um vom anhaltenden KI-Boom zu profitieren. Private Finanzierungsrunden hatten die Bewertung bereits nach oben getrieben – im Mai 2024 wurde das Unternehmen noch mit rund 19 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Erwartungen für den Börsengang waren entsprechend hoch.
Ursprünglich peilte CoreWeave eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden US-Dollar an und wollte durch die Ausgabe neuer Aktien rund 2,7 Milliarden US-Dollar einsammeln. Doch der Markt zeigte sich offenbar skeptischer als gedacht.
Die finalen Konditionen des Börsengangs, der am 28. März 2025 stattfand, sahen deutlich anders aus:
- Handelsstart: 28. März 2025
- Börse: Nasdaq
- Ticker-Symbol: CRWV
- Ausgabepreis: 40 US-Dollar pro Aktie
- Ursprünglich geplante Preisspanne: 47 bis 55 US-Dollar pro Aktie
- Emissionsvolumen: Rund 1,5 Milliarden US-Dollar (37,5 Millionen Aktien)
- Ursprünglich geplantes Volumen: Bis zu 2,7 Milliarden US-Dollar
- Bewertung zum IPO: Rund 23 Milliarden US-Dollar
- Ursprünglich angestrebte Bewertung: Bis zu 35 Milliarden US-Dollar
Die deutliche Reduzierung sowohl der Preisspanne als auch des Emissionsvolumens war ein erstes Signal, dass die Investoren vielleicht doch nicht bereit waren, jeden Preis für das KI-Infrastruktur-Versprechen zu zahlen. Die Underwriter, angeführt von Morgan Stanley, mussten die Erwartungen herunterschrauben, um den Deal überhaupt platzieren zu können.
Der Handelsstart: Ernüchterung statt Kursfeuerwerk
Am ersten Handelstag, dem 28. März, öffnete die CRWV-Aktie bei ihrem Ausgabepreis von 40 US-Dollar. Doch statt der oft bei Tech-IPOs beobachteten Kurssprünge ging es erst einmal abwärts. Die Aktie schloss ihren ersten Handelstag bei 36,90 US-Dollar, ein Minus von fast 8 % gegenüber dem Ausgabepreis.
Dieser verhaltene Start drückte die Marktkapitalisierung weiter und signalisierte eine gewisse Skepsis der Marktteilnehmer. Während der KI-Sektor insgesamt weiter boomt, schienen Anleger bei CoreWeave genauer hinzusehen und die Risiken gegen die Chancen abzuwägen. Innerhalb weniger Tage nach dem IPO soll die Bewertung Berichten zufolge sogar um bis zu 28 % unter den ursprünglichen IPO-Preis gefallen sein, was die anfängliche Enttäuschung unterstreicht.
Wer steckt dahinter? Die wichtigen Player und ihre Interessen
Ein Blick auf die Akteure rund um CoreWeave ist aufschlussreich:
- Nvidia: Der Chip-Gigant ist nicht nur der exklusive Hardware-Lieferant, sondern auch ein bedeutender Investor. Nvidia sicherte sich im Rahmen des IPOs als sogenannter "Anchor-Investor" Aktien im Wert von 250 Millionen US-Dollar und hält nun Berichten zufolge 5,96 % der Anteile. Diese enge Verflechtung ist Segen und Fluch zugleich: Sie sichert CoreWeave Zugang zu begehrten Chips, schafft aber auch eine massive Abhängigkeit. Wichtig: Nvidia unterliegt einer Lock-up-Periode von 180 Tagen. Das bedeutet, sie dürfen ihre Aktien erst rund sechs Monate nach dem IPO verkaufen (also etwa ab Ende September 2025). Das könnte später für Verkaufsdruck sorgen.
- Microsoft: Der Software-Riese Microsoft ist laut Dokumenten einer der größten, wenn nicht der größte Kunde von CoreWeave. Angeblich war Microsoft im Jahr 2024 für rund 60 % des Umsatzes verantwortlich. Eine solche Kundenkonzentration ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Microsoft selbst investiert massiv in KI (vor allem über OpenAI) und baut eigene Infrastrukturen auf. Die langfristige Strategie von Microsoft könnte also direkten Einfluss auf CoreWeave haben.
- OpenAI: Der KI-Pionier hat laut Berichten einen milliardenschweren Vertrag (über 12 Milliarden US-Dollar) mit CoreWeave abgeschlossen, um die nötige Rechenpower für das Training seiner Modelle zu sichern. OpenAI soll auch eine Beteiligung an CoreWeave halten, was die Partnerschaft weiter festigt.
Diese Konstellation zeigt: CoreWeave bewegt sich im Epizentrum des KI-Universums, ist aber stark von wenigen, mächtigen Partnern und Kunden abhängig.
Die Finanzen: Explosives Wachstum trifft auf hohe Verluste
Die Finanzkennzahlen von CoreWeave zeichnen ein typisches Bild eines schnell wachsenden Tech-Unternehmens in einer heißen Phase:
- Umsatz 2024: Rund 1,92 Milliarden US-Dollar. Das ist ein explosionsartiges Wachstum von über 1.500 % gegenüber dem Vorjahr!
- Verlust 2024: Rund 863 Millionen US-Dollar.
Ja, du hast richtig gelesen. Trotz des rasanten Umsatzwachstums schreibt CoreWeave tiefrote Zahlen. Der Grund dafür sind massive Investitionen in den Aufbau der Infrastruktur. Der Kauf Tausender teurer Nvidia-GPUs und der Bau neuer Rechenzentren (wie ein geplantes 1,6-Milliarden-Dollar-Projekt in Texas) verschlingen Unsummen an Kapital. Das Unternehmen hat sich zudem eine Kreditlinie über 650 Millionen US-Dollar gesichert, um die Expansion zu finanzieren.
Die entscheidende Frage für Investoren ist: Wann wird CoreWeave profitabel? Das Umsatzwachstum ist beeindruckend, aber es muss sich irgendwann auch in Gewinnen niederschlagen. Die hohen Verluste und die Abhängigkeit von externer Finanzierung sind ein klares Risiko.
Chancen und Risiken: Was spricht für, was gegen die Aktie?
Wie bei jedem Investment gibt es auch bei CoreWeave Argumente für beide Seiten.
Die Chancen (Bull-Case):
- Spezialisierung: Fokus auf den hochperformanten GPU-Markt, der durch KI als Megatrend weiter stark wachsen dürfte.
- Nvidia-Partnerschaft: Enger Draht zum wichtigsten Chip-Lieferanten sichert Zugang zu neuester Technologie.
- Starke Kundenbasis: Verträge mit Schwergewichten wie Microsoft und OpenAI versprechen planbare Umsätze.
- Marktführer-Potenzial: In der Nische der spezialisierten KI-Infrastruktur hat CoreWeave eine starke Position.
- Expansion: Geplante Investitionen in neue Rechenzentren (USA, Europa) könnten weiteres Wachstum ermöglichen. Kürzlich wurde auch die Übernahme der KI-Plattform Weights & Biases für 1,7 Mrd. USD bekanntgegeben.
Die Risiken (Bear-Case):
- Abhängigkeit von Nvidia: Was passiert, wenn Nvidia die Preise erhöht, die Lieferungen reduziert oder eigene Cloud-Angebote forciert?
- Kundenkonzentration: Eine zu starke Abhängigkeit von wenigen Großkunden (insbesondere Microsoft) ist gefährlich.
- Hohe Verluste & Profitabilität: Der Weg zur Profitabilität ist noch unklar und erfordert hohe Investitionen.
- Wettbewerb: Die großen Hyperscaler (AWS, Azure, Google) schlafen nicht und investieren ebenfalls massiv in KI-Infrastruktur. Sie haben tiefere Taschen und eine breitere Kundenbasis.
- Bewertung: Trotz der Korrektur ist eine Bewertung von über 20 Milliarden US-Dollar für ein Unternehmen mit hohen Verlusten ambitioniert. Analysten von DA Davidson bezeichneten CoreWeave kritisch als eine Art "Zweckgesellschaft für Nvidia".
- Lock-up-Periode: Der potenzielle Verkauf von Nvidia-Aktien ab Ende September 2025 könnte den Kurs unter Druck setzen.
- Technologiezyklen: Der KI-Markt entwickelt sich rasant. Neue Technologien oder Architekturen könnten die Nachfrage nach der aktuellen GPU-Generation beeinflussen.
Fazit: CoreWeave – Ein heißes Eisen mit Fragezeichen
Der Börsengang von CoreWeave war definitiv eines der meisterwarteten IPOs im Tech-Sektor 2025. Das Unternehmen bedient einen Markt mit enormem Potenzial und hat beeindruckende Wachstumsraten vorzuweisen. Die enge Partnerschaft mit Nvidia und die Verträge mit KI-Größen sind starke Argumente.
Allerdings zeigt der verhaltene Start an der Börse und die deutliche Reduzierung der IPO-Bewertung, dass die anfängliche Euphorie einer nüchterneren Betrachtung gewichen ist. Die Risiken sind nicht von der Hand zu weisen: die massive Abhängigkeit von Nvidia und wenigen Großkunden, die hohen Verluste und der intensive Wettbewerb durch die etablierten Cloud-Giganten.
Für dich als Anleger bedeutet das: CoreWeave ist eine Wette auf die anhaltende Dominanz von Nvidia-GPUs im KI-Bereich und auf die Fähigkeit des Unternehmens, sein rasantes Wachstum in nachhaltige Profitabilität umzuwandeln. Das ist keine Aktie für schwache Nerven oder für Investoren, die kurzfristige Sicherheit suchen. Die hohe Volatilität dürfte anhalten, und der Druck, Ergebnisse zu liefern, ist immens.
Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich CoreWeave in den kommenden Quartalen entwickelt, insbesondere im Hinblick auf die Profitabilität und eine mögliche Diversifizierung der Kunden- und Lieferantenbasis. Das Ende der Nvidia-Lock-up-Periode im Herbst wird ein weiteres wichtiges Datum sein, das du im Auge behalten solltest.
Bleib kritisch, analysiere die Zahlen und lass dich nicht allein vom KI-Hype leiten. CoreWeave könnte ein großer Gewinner sein – oder eine der vielen Tech-Hoffnungen, die die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnten.
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