Wie funktioniert Chart-Analyse?

Zuletzt aktualisiert am
Wie funktioniert Chart-Analyse?
Credits: Adobe

Die Chartanalyse gehört zu den bekanntesten Methoden, um Kursverläufe an der Börse zu deuten. Mit ihr lassen sich die Bewegungen von Aktien, Futures, Devisen, Indizes, Rohstoffen und vielen weiteren Instrumenten visuell aufbereiten und mit Linien, Formationen und Indikatoren untersuchen. Die Grundannahme dahinter ist, dass sich bestimmte Verhaltensmuster der Marktteilnehmer wiederholen. Ob das wirklich verlässlich funktioniert, ist allerdings umstritten. Dieser Artikel zeigt dir die wichtigsten Werkzeuge und sagt offen, wo ihre Grenzen liegen.

Stand: Juni 2026.


Die Grundlagen der Chartanalyse

Chartanalyse, oft auch technische Analyse genannt, ist eine Methode, um die Kursentwicklung von Finanzinstrumenten über Charts zu untersuchen. Der Hauptgedanke dahinter ist, dass sich vergangene Kursbewegungen in ähnlicher Form wiederholen können. Dafür nutzt die Chartanalyse verschiedene Werkzeuge wie Trends, Linien, Balken und Candlestick-Formationen.

Ein grundlegendes Instrument ist der Trend. Trends können aufwärts, abwärts oder seitwärts verlaufen. Ein Aufwärtstrend ist durch höhere Hochs und höhere Tiefs gekennzeichnet, während ein Abwärtstrend durch niedrigere Hochs und tiefere Tiefs definiert ist. Ein seitwärtiger Trend zeigt keine klare Richtung und ist oft eine Phase der Konsolidierung.

Die Chartanalyse verfolgt drei Prämissen:

  1. In den Charts, die aus Kursdaten bestehen, sind nach dieser Lehre alle betriebswirtschaftlichen, politischen, psychologischen und volkswirtschaftlichen Nachrichten bereits eingepreist.
  2. Historische Marktbewegungen wiederholen sich. Streng genommen treten viele Ereignisse nie ein zweites Mal exakt gleich auf. Treffender ist daher: Marktbewegungen ähneln sich.
  3. Märkte bewegen sich in Trends. Welcher Trend gerade vorherrscht, beurteilt allerdings jeder Analyst ein Stück weit subjektiv.

Genau dieser dritte Punkt ist die wunde Stelle der Charttechnik: Sie ist kein objektives Messverfahren, sondern Interpretation. Zwei erfahrene Analysten können denselben Chart betrachten und zu gegensätzlichen Schlüssen kommen.

Hier eine kurze Übersicht einiger wichtiger Chartanalyse-Werkzeuge:

Werkzeug Beschreibung
Trendlinien Verbinden zwei oder mehr Preisniveaus, um die Richtung eines Trends zu bestimmen.
Unterstützungs- & Widerstandsniveaus Preispunkte, bei denen der Kurs regelmäßig dreht oder anhält.
Gleitende Durchschnitte Glätten die Kursbewegungen, um den allgemeinen Trend besser sichtbar zu machen.
Candlestick-Formationen Visualisieren die Kursbewegungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums und helfen, mögliche Kursmuster zu erkennen.

Grundsätzliche Trendarten - Grundtendenzen

Seit dem Siegeszug der Computer in den 1980er- und 1990er-Jahren lassen sich historische und aktuelle Kursverläufe sehr einfach visuell darstellen. Technische Analysten, die nach Chancen an den Märkten suchen, setzen die Trendanalyse breit ein. Trendanalysten unterscheiden drei Haupttrends (primäre Trends):

  1. Aufwärtstrends (höhere Hochs und Tiefs)
  2. Abwärtstrends (tiefere Tiefs und Hochs)
  3. Seitwärtstrends (abwechselnde Kursbewegungen innerhalb einer Kursspanne)

Trendanalyse in der Praxis

Die Trendanalyse gibt dir Hinweise darauf, in welche Richtung sich ein Markt entwickeln könnte. Wie wendet man das konkret an? Drei praktische Schritte:

  1. Hochs und Tiefs beobachten: Ein Aufwärtstrend wird durch höhere Hochs und höhere Tiefs charakterisiert. Im Gegensatz dazu zeigen niedrigere Hochs und tiefere Tiefs einen Abwärtstrend an. Überprüfe regelmäßig die Kursbewegungen, um diese Muster zu erkennen.
  2. Trendlinien ziehen: Verbinde zwei oder mehr signifikante Kursniveaus durch gerade Linien. Diese Trendlinien helfen dir, die allgemeine Richtung eines Trends besser zu erkennen. Eine aufsteigende Trendlinie unterstützt einen Aufwärtstrend, eine absteigende deutet auf einen Abwärtstrend hin.
  3. Indikatoren verwenden: Nutze Indikatoren wie den gleitenden Durchschnitt, um den Trend zu bestätigen. Ein gleitender Durchschnitt zeigt den Durchschnittspreis eines Wertpapiers über einen bestimmten Zeitraum und glättet kurzzeitige Schwankungen.

Wer das selbst ausprobieren möchte, braucht keine teure Profisoftware. Eine kostenlose Charting-Plattform wie TradingView reicht für Trendlinien, gleitende Durchschnitte und die meisten Indikatoren völlig aus. Für die Umsetzung von Käufen und Verkäufen genügt ein günstiges Depot, etwa bei justTRADE oder Trade Republic.


Den passenden Broker findest du in unseren Vergleichen:

Online Broker Vergleich 2026: Bestes Depot für ETF & Aktien
Der Broker kann zwar nicht die Rendite deiner Aktien und ETFs beeinflussen, aber durch möglichst geringe Kosten exzellente Grundvoraussetzungen für eine positive Entwicklung schaffen. Hier zeigen wir dir, bei welchem Broker und in welchem Depot deine Aktien und ETFs am besten aufgehoben sind.
Trading App: Die 9 besten Anbieter im Vergleich
Handelst Du mit ETFs, Aktien oder Kryptowährungen, möchtest Du vielleicht auch unterwegs immer informiert sein. Eine Trading App hilft Dir dabei. Viele dieser Trading Apps gibt es sogar kostenlos. Wie schneiden die Apps im Test ab und wie steht es um die Erfahrungen?

Die wichtigsten Chartformationen

Beim Einstieg in die Chartanalyse hilft es, die wichtigsten Chartformationen zu kennen. Sie liefern Hinweise auf mögliche Kursveränderungen. Zu den bekanntesten Umkehrformationen zählen:

  1. Kopf-Schulter-Formation: Sie signalisiert oft eine Trendumkehr und besteht aus drei Spitzen. Der mittlere Punkt („Kopf") liegt höher als die beiden äußeren („Schultern"). Das Durchbrechen der „Nackenlinie" gilt als Bestätigung der Umkehr.
  2. Doppeltop und Doppelboden: Diese Muster weisen häufig auf das Ende eines Trends hin. Beim Doppeltop bildet der Kurs zwei Hochs auf ähnlichem Niveau, bevor er fällt. Beim Doppelboden ist es umgekehrt: Zwei Tiefpunkte deuten eine bevorstehende Aufwärtsbewegung an.
  3. Flaggen und Wimpel: Diese kurzfristigen Formationen zeigen eine Unterbrechung in einem bestehenden Trend an, gefolgt von einer Fortsetzung in ursprünglicher Richtung. Sie entstehen meist nach einer starken Kursbewegung.

Darüber hinaus gibt es Formationen, die eher auf eine Fortsetzung der Bewegung hindeuten:

  1. Steigende und fallende Dreiecke: Diese Muster deuten oft auf eine Fortsetzung des aktuellen Trends hin. Ein steigendes Dreieck in einem Aufwärtstrend zeigt typischerweise, dass Käufer stärker werden und ein Kursanstieg wahrscheinlicher wird.
  2. Rundungen: Eine allmähliche Wende markiert die „Untertassen"-Formation, die eine langsame Umkehr des Trends anzeigt. Sie entsteht über längere Zeiträume.

Eine wichtige Einordnung vorab: Formationen sind keine Garantien. Sie geben Wahrscheinlichkeiten an, und auch ein lehrbuchmäßiges Kopf-Schulter-Muster kann sich auflösen, ohne dass der Kurs der „Vorhersage" folgt. Das Durchbrechen einer Nackenlinie ist ein Signal, kein Versprechen.

Praktische Beispielanalyse:

Formation Bedeutung
Kopf-Schulter Signalisiert eine Trendumkehr von Auf- zu Abwärtstrend.
Doppeltop Zeigt das Ende eines Aufwärtstrends an.
Flaggen und Wimpel Kurzfristige Konsolidierung innerhalb eines starken Trends.
Steigendes Dreieck Weist auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends hin.
Rundungsformation Langsame Umkehr eines Trends.
📚
Wusstest du schon, dass das Erkennen dieser Formationen deine Analyseskills erheblich verbessern kann?

Weitere beliebte Chartformationen:

  • Dreiecke & Keile
  • Rechtecke (Leisten)
  • W-Formationen
  • M-Formationen (Doppeltop)
  • Flaggen & Wimpel
  • V-Formationen
  • Gaps (Kurslücken)

Die Chartarten - mehr als nur eine Linie

Der Linienchart

Liniencharts gehören zu den ältesten und einfachsten Chartarten. Ein Linienchart entsteht, indem die einzelnen Kurse miteinander verbunden werden. Daraus ergibt sich eine nach rechts verlaufende Linie.

Linienchart Beispiel

Beim Verbinden der Kurspunkte wird je Zeitperiode genau ein Kurs mit dem folgenden verbunden. Die daraus entstehende Linie ist wegen ihrer Übersichtlichkeit besonders beliebt. Allerdings kann pro Zeiteinheit (Tick, Minute, Stunde, Tag, Woche) nur ein Kurs herangezogen werden. Liniencharts stellen damit lediglich die Eröffnungs- oder Schlusskurse gegenüber und sind in ihrer Aussagekraft beschränkt. Sie eignen sich vor allem für einen schnellen Überblick.

Balkenchart - Barchart

Balkencharts werden durch einen senkrechten Balken dargestellt. Mit dieser Chartart lassen sich Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- und Tiefstkurs innerhalb einer Zeitperiode auf einen Blick ablesen.

Balkenchart DAX Beispiel

Der Eröffnungskurs wird linksseitig, der Schlusskurs rechtsseitig durch ein waagerechtes Häkchen gekennzeichnet. Verbreitet ist die Farbdarstellung mit grünen Balken für steigende und roten Balken für fallende Kurse.

Japanische Candlestick-Charts

Japanische Candlestick-Charts (Kerzencharts) gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. Als Begründer gilt der Reishändler Munehisa Homma (1724–1803), der am Reismarkt von Osaka mit dieser Darstellung Preisbewegungen besser nachvollziehen wollte. Damals wurden die Kerzen auf Papier gezeichnet; heute liefern sie auf einen Blick Höchst- und Tiefstkurs sowie Eröffnungs- und Schlusskurs.

Candlestick-Chart DAX Beispiel

Eine Candle (Kerze) besteht aus einem Körper, der die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs widerspiegelt. Docht und Lunte bilden Höchst- und Tiefstkurs einer Zeitperiode ab. Die Farben sind entscheidend: In der klassischen Darstellung stehen rote (oder schwarze) Kerzen für fallende und weiße (oder grüne) Kerzen für steigende Kurse. In Verbindung mit einer Chartsoftware sind Candlesticks einfach darzustellen und werden von vielen Anwendern bevorzugt.


Unterschiede bei den Zeitintervallen

Tick-Charts bilden den kleinstmöglichen Zeitintervall ab. Mit ihnen wird jeder einzelne Kursumsatz an der Börse dargestellt. Tick-Charts können nur als Linienchart abgebildet werden, da sie keine Hoch-, Tief-, Eröffnungs- und Schlusskurse besitzen.

Minutencharts lassen sich bereits ab einer Minute visualisieren und beinhalten Hoch-, Tief-, Eröffnungs- und Schlusskurs der jeweiligen Minute. Häufig genutzt werden der 5-, 15-, 30- und 60-Minuten-Chart. Stundencharts stellen im kurzfristigen Handel bereits eine eher langfristige Sicht dar.

Wochencharts visualisieren den Kursverlauf einer Woche durch einen einzelnen Datenpunkt im Chart und werden vor allem für langfristige Analysen herangezogen. Wichtig ist dabei eine ausreichend lange Kurshistorie. Monats- und Jahrescharts gehören zu den besonders langfristigen Intervallen.

Für Fonds, ETFs und ETCs reichen Wochencharts völlig aus, sofern die Position mittel- bis langfristig gehalten wird. Wer ETFs bespart, braucht für seine Anlageentscheidung in aller Regel gar keine Charttechnik.


Aktienkurse: Realtime oder Neartime?

Welche Kursdaten du brauchst, hängt vom Anlagehorizont ab. Kurzfristig orientierte Anleger bevorzugen Realtime-Kurse, da diese den aktuellen Börsenkurs in Echtzeit abbilden. Das ist vor allem für Trader relevant, die mehrmals täglich kaufen und verkaufen.

Realtime-Kurse sind in der Regel kostenpflichtig und werden über Datenlieferanten bereitgestellt. Neartime-Kurse (zeitnah, meist 15 Minuten verzögert) gibt es bei vielen Finanzportalen kostenlos, oft nach einer Anmeldung.

Für die meisten Privatanleger reichen Neartime-Kurse aus, besonders bei einem Depot aus ETFs und ETCs. Bei einem wöchentlichen oder monatlichen Blick ins Depot sind sie mehr als ausreichend. Ein zu häufiger Blick schadet im Schnitt eher, als dass er hilft, weil er zu emotionsgetriebenen Aktionen verleitet.


Die Bedeutung von Volumen

Ein weiterer Aspekt der Chartanalyse ist das Handelsvolumen. Es zeigt, wie viele Anteile eines Finanzinstruments innerhalb eines Zeitraums gehandelt wurden, und kann helfen, die Stärke eines Trends einzuschätzen.

Ein steigendes Kursniveau mit hohem Volumen spricht eher für die Nachhaltigkeit eines Trends, weil viele Marktteilnehmer aktiv sind. Ein Kursanstieg mit niedrigem Volumen kann dagegen auf ein kurzlebiges Phänomen hindeuten.

🔍
Ein plötzlicher Anstieg im Volumen kann oft ein Indikator für bevorstehende große Kursbewegungen sein.

Ein anschauliches Beispiel ist die Zeit um das Brexit-Referendum im Juni 2016. Rund um die Abstimmung schossen die Handelsvolumina in die Höhe und spiegelten die Unsicherheit vieler Marktteilnehmer wider.

Volumenindikator Bedeutung
On-Balance Volume (OBV) Summiert das Volumen an Handelstagen und hilft, das Interesse zu messen.
Volume-Price Trend (VPT) Verbindet Volumen mit Preisbewegungen, um die Stärke von Trends zu bewerten.

Das Volumen kann somit als zusätzlicher Indikator dienen, um Marktbewegungen einzuordnen.


Entwicklung der Chartanalyse

Schon japanische Reishändler führten Chartanalysen durch

Schon vor Jahrhunderten erkannten Händler, dass sich Kursverläufe an den Märkten häufig in ähnlicher Form wiederholen. Sie hielten Charts ohne Computer auf Papier fest. Die Marktteilnehmer verhalten sich nach psychologischen Mustern, die stark von Angst und Gier geprägt sind. Aus diesen Beobachtungen entstand über lange Zeit die Chartanalyse. Trotz aller Theorien bleibt sie ein subjektives Mittel, um Märkte einzuschätzen.

Bereits im 18. Jahrhundert nutzten japanische Reishändler Candlestick-Charts, um Preisbewegungen am Reismarkt zu verfolgen. Diese frühe Form der Datenvisualisierung ist bis heute weit verbreitet.

Computer ermöglichten die Verbreitung der Chartanalyse

Den theoretischen Grundstein der modernen Chartanalyse legte der US-amerikanische Journalist Charles Dow (1851–1902). Zwischen 1899 und 1902 schrieb er eine Serie von Leitartikeln im Wall Street Journal, aus denen später die sogenannte Dow-Theorie abgeleitet wurde. Den Namen und die systematische Form gaben ihr Nachfolger wie William P. Hamilton und Robert Rhea in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren. Dows Kernidee, dass die Märkte alle verfügbaren Informationen einpreisen, prägt die technische Analyse bis heute.

📊
Wusstest du schon? Charles Dow war nicht nur der Namensgeber des Dow-Jones-Index, sondern auch ein Pionier der technischen Analyse.

Seit dem Siegeszug der Computer in den 1980er- und 1990er-Jahren wurde die Charttechnik einer breiten Masse zugänglich. Ein Aktienchart lässt sich heute als Tick-, Minuten-, Stunden- oder Wochenchart darstellen, was Analysen über unterschiedliche Zeitebenen ermöglicht.

Mit dem Internet wurde es möglich, große Datenmengen nahezu in Echtzeit auszuwerten. Dabei entstanden weitere Werkzeuge wie Fibonacci-Retracements und zahlreiche Indikatoren.

Heute spielt die Chartanalyse im Anlageverhalten vieler Privatanleger und professioneller Händler eine Rolle. Sie bleibt nicht ohne Kritik, vor allem wegen ihrer Abhängigkeit von historischen Daten. Wie belastbar sie wirklich ist, ist eine eigene Diskussion wert.

Meilenstein Jahr Bedeutung
Erste Candlestick-Charts 18. Jahrhundert Frühe Visualisierung von Preisbewegungen in Japan
Dow-Theorie 1899–1902 / formalisiert 1920er Grundlagen der modernen Chartanalyse
Einführung von Computern 1960er Jahre Ermöglichte komplexe Datenanalysen
Internet-Revolution 1990er Jahre Echtzeitanalysen und breitere Zugänglichkeit

Funktioniert Chartanalyse wirklich? Ein ehrlicher Faktencheck

Die wichtigste Frage zum Schluss vorgezogen: Verschafft dir Charttechnik einen verlässlichen Vorteil? Die ehrliche Antwort lautet: Das ist wissenschaftlich umstritten, und sie ist kein Renditegarant.

Die akademische Forschung zeichnet ein gemischtes Bild. In einer breit zitierten Übersichtsarbeit über rund 100 Studien nach 1987 kamen etwa 60 Prozent zu positiven Ergebnissen für die technische Analyse, knapp jede fünfte zu negativen. Klingt zunächst ermutigend, hat aber einen großen Haken: Viele dieser positiven Befunde leiden unter „Data Snooping" und nachträglicher Auswahl der erfolgreichsten Handelsregeln. Vereinfacht gesagt: Wer genug Muster auf historischen Daten durchprobiert, findet fast immer eines, das im Rückblick funktioniert hätte. Ob es in Zukunft funktioniert, steht auf einem anderen Blatt.

Hinzu kommt die Effizienzmarkthypothese: In einem effizienten Markt sollten sich aus öffentlich sichtbaren Kursmustern keine dauerhaften Überrenditen erzielen lassen, weil sie sich bei breiter Bekanntheit selbst aufheben. Die Realität liegt vermutlich dazwischen, aber die Beweislast liegt klar bei demjenigen, der behauptet, mit Charts den Markt schlagen zu können.

Für dich als Anleger heißt das konkret: Charttechnik kann ein Werkzeug für Disziplin und Risikomanagement sein, etwa um Ein- und Ausstiege zu strukturieren oder Stop-Loss-Marken festzulegen. Sie ist aber kein Werkzeug, um die Zukunft vorherzusagen. Wer langfristig ETFs bespart, kommt ohne sie aus. Wer aktiv handelt, sollte die Grenzen kennen, bevor er echtes Geld riskiert.


Aktien mit einer Chartsoftware darstellen

Mit einer Chartsoftware lassen sich unterschiedliche Darstellungsformen nutzen. Am bekanntesten und einfachsten ist der Linienchart. Balkencharts, Kerzencharts (Candlestick-Charts) und Point-and-Figure-Charts sind ebenfalls verbreitet und liefern dem Anleger mehr Informationen.

Jede Chartsoftware kann verschiedene Zeitperioden darstellen: Ticks, Minuten, Stunden, Tage, Wochen und Jahre. Man spricht dann etwa von Minuten- oder Stundencharts. Bei Tickcharts wird jeder einzelne Umsatz angezeigt. Jede Chartform hat Vor- und Nachteile, und welche infrage kommt, hängt vom persönlichen Geschmack ab. Wer ohne laufende Kosten einsteigen möchte, ist mit einer Plattform wie TradingView in der kostenlosen Version gut bedient.


Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Auch erfahrene Anleger machen bei der Chartanalyse Fehler. Einer der größten ist das Überinterpretieren von Daten. Es ist verlockend, in jeden kleinen Ausschlag eine Bedeutung hineinzulesen und dabei das große Bild zu verlieren.

Ein weiterer Fehler ist das Verlassen auf einen einzigen Indikator. Viele Einsteiger überbewerten dessen Signale. Sinnvoller ist es, mehrere Indikatoren zu kombinieren, um ein vollständigeres Bild zu erhalten.

Auch Emotionen spielen eine große Rolle. Wer sich von kurzfristigen Marktbewegungen treiben lässt, trifft vorschnelle Entscheidungen. Eine klare, vorab definierte Strategie und das konsequente Festhalten daran helfen dagegen.


Fazit: Chartanalyse - Kursverläufe verstehen

Die Chartanalyse hilft dir, Kursverläufe zu lesen und Trends, Formationen und mögliche Wendepunkte zu erkennen. Werkzeuge wie Trendlinien, Candlestick-Formationen und Volumenindikatoren liefern dir eine systematische Sicht auf den Markt.

Entscheidend ist die richtige Erwartung. Die Chartanalyse beruht auf vergangenen Daten und kann künftige Ereignisse wie politische Entscheidungen oder Krisen nicht vorhersagen. Sie ist kein Renditegarant, und die wissenschaftliche Evidenz für einen verlässlichen Vorteil ist dünn. Als Hilfsmittel für Struktur und Risikomanagement hat sie ihren Platz, als Wahrsage-Instrument nicht.

Ihr Vorteil ist die flexible Anwendbarkeit. Ob kurzfristig in Einzelaktien oder beim Blick auf langfristige ETF-Charts: Die Grundlagen lassen sich überall anwenden. In Kombination mit Fundamentalanalyse ergibt sich ein runderes Bild.

Hier die wichtigsten Vor- und Nachteile zusammengefasst:

Vorteile Nachteile
Identifizierung von Trends und Mustern Abhängigkeit von vergangenen Daten
Flexible Anwendbarkeit Keine Berücksichtigung fundamental-ökonomischer Ereignisse
Systematische Herangehensweise Subjektiv und kein Garant für Überrenditen

Unterm Strich verschafft dir die Chartanalyse Klarheit über historische und mögliche künftige Kursbewegungen. Setze sie mit gesundem Menschenverstand und zusätzlichen Informationen ein, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.


Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Artikel sind Affiliate-Links. Nutzt du sie, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten, und es beeinflusst unsere redaktionelle Einschätzung nicht. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und ersetzt keine individuelle Beratung.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

Mehr zum Thema:





Rechtliche Hinweise: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die in den Artikeln erwähnten ETFs und anderen Finanzprodukte stellen keine Kaufempfehlung dar. Wir können keine Finanzberatung oder ähnliches anbieten. Der Wert von Aktien, ETFs und ETCs, die über ein Wertpapierdepot gekauft wurden, kann sowohl steigen als auch fallen. Börsengeschäfte stellen ein erhebliches Risiko dar, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. etf.capital haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden. Der Autor besitzt keinen der genannten ETFs. Keiner der Inhalte stellt ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Kryptoassets sind hochvolatile unregulierte Anlageprodukte. Es existiert kein EU-Anlegerschutz.

Vergleiche: Unsere Anbieter-Vergleiche bieten keinen kompletten Marktüberblick. Zur Finanzierung dieser Website erhalten wir von den Anbietern eine Provision bei Kontoeröffnung. Die Vergleiche beginnen mit den Anbietern mit der höchsten Abschlussquote und endet mit der niedrigsten. Bei gleicher Abschlussquote werden die Aufrufe hinzugezogen. D. h. Produkte, die im Verhältnis zu den Aufrufen hier öfter gewählt werden, sind höher platziert. Bewertungen können nicht auf Echtheit geprüft werden. Der Anbieter auf Platz 1 wird zusätzlich farblich hervorgehoben. Testsiegel werden angezeigt, sofern sie uns vom Anbieter zur Verfügung gestellt wurden.

"Kostenlose ETF-Sparpläne" bezieht sich auf die Ausführung der Sparpläne. Es entstehen ggfs. weitere Produktkosten und Zuwendungen. Bei Aktionsangeboten gelten die Teilnahmebedingungen des jeweiligen Anbieters.

Die mit einem Sternchen (*) oder versehenen Links oder farblich hervorgehobenen Schaltflächen sind i.d.R. bezahlte Produktplatzierung zur Finanzierung dieser Website. Dir entstehen dadurch keinerlei Nachteile. Du unterstützt damit unsere Arbeit.

Wie funktioniert Chart-Analyse?
Teilen
Twitter icon Facebook icon