Sichere Aktien: Mythos oder Wahrheit?

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Mit sicheren Aktien kannst du als Anleger eine fortlaufende Rendite erwirtschaften, ohne um dein Geld zu fürchten! Leider müssen wir dir an dieser Stelle sagen, dass das ein Mythos ist.

Sichere Aktien: Mythos oder Wahrheit?

Stand: Juli 2026. Dieser Artikel ist eine allgemeine, redaktionelle Einordnung und keine Anlageberatung. Genannte Aktien und ETFs sind Beispiele zur Veranschaulichung, keine Kaufempfehlung.

Sichere Aktien gibt es nicht. Eine uralte, immer noch gültige Faustregel besagt, dass ohne Risiko keine Rendite existiert, und in dieser steckt viel Wahrheit. Nicht grundlos bezeichnest du deinen Aktienkauf ja auch als "Investition". Hätte diese kein Risiko, wäre es ein Geschenk, und das gibt es am Kapitalmarkt leider nicht. Mehr über die Grundlagen von Aktien erfährst du in unserem Glossar zur Definition von Aktien.

Sichere Aktien gibt es nicht: aber gibt es etwas sicherere Aktien?

Absolute Sicherheit gibt es beim Investieren nicht, ganz egal ob du dein Geld in Aktien (und damit Unternehmen), in Immobilien, Edelmetalle oder Kryptowährungen steckst. Überall besteht eine Chance, dass du entweder einen Teil des Geldes verlierst oder sogar einen Totalverlust erleidest. Es gibt keinen Kapitalschutz. Wie hoch diese Wahrscheinlichkeit ist, das ist ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal, das riskante von "relativ sichereren" Aktien trennt. Wenn du mehr über die Risiken von Kryptowährungen erfahren möchtest, schau dir unseren Artikel über Kryptowährungen an.

Langfristige Investitionen können das Risiko schlechter Einstiegszeitpunkte abmildern und die Chance auf positive Renditen erhöhen. Historische Daten zeigen, dass eine breit gestreute Aktienanlage über sehr lange Haltedauern in der Vergangenheit meist Gewinne erzielt hat. Eine Garantie für die Zukunft ist das aber ausdrücklich nicht: vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Für eine detaillierte Betrachtung möglicher Marktszenarien kann der Artikel zur Monte Carlo Simulation hilfreich sein.

Da Rendite in aller Regel Hand in Hand mit Risiko geht, musst du herausfinden, wie viel Risiko du bereit bist zu tragen, um eine Rendite zu erzielen. Die Auswahl breit aufgestellter, robuster Unternehmen kann das Verlustrisiko einzelner Positionen verringern. Niemand weiß, was in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren passiert, aber schon bei der Auswahl kannst du deutlich zwischen eher stabilen und eher spekulativen Unternehmen unterscheiden. Ein hilfreiches Konzept zur eigenen Risikoeinschätzung ist die Risikoaversion.

An dieser Stelle einige ganz grobe, unspezifische Beispiele, ausdrücklich ohne jede Empfehlung:

Tendenziell sehr riskante Aktien:

  • Biopharma-Unternehmen mit hohen Verlusten und wenig bis keinen Umsätzen
  • Unternehmen kurz vor der Insolvenz
  • höchst spekulative Wachstumsunternehmen in neuen Märkten
  • Unternehmen, denen betrügerische Machenschaften vorgeworfen werden

Tendenziell defensivere Aktien:

  • seit Jahrzehnten existente Konzerne mit breiter Produktpalette und konstanten Gewinnen
  • etablierte, große Unternehmen mit stabilen Gewinnmargen aus dem Basiskonsum oder dem Gesundheitssektor
  • Konzerne aus Traditionsbranchen, beispielsweise Versicherer und große Konsumgüterhersteller

Trotzdem ist keine davon eine "sichere" Aktie im Sinne eines Kapitalschutzes. Dennoch lässt sich feststellen, dass ein weltweit etablierter Großkonzern mit stabilen Cashflows in aller Regel weniger schwankungsanfällig ist als ein kleines Biopharma-Unternehmen mit 20 Mitarbeitern. Außerdem gibt es Branchen, Sektoren und Unternehmen, die traditionell als defensiver gelten. Im Fachjargon bezeichnet man die Aktien solcher Unternehmen als "defensive Aktien". Das bedeutet meist, dass die Renditechancen niedriger ausfallen als bei Wachstumsunternehmen, dafür bekommst du tendenziell geringere Schwankungen. Solche defensiven Unternehmen sind häufig langjährige Dividendenzahler, sodass ein Teil des Ertrags laufend ausgeschüttet wird, den du erneut investieren kannst, aber nicht musst. Mehr über die Bedeutung von Dividenden erfährst du in unserem Artikel über ETF Dividenden.

Was sind typische Merkmale von sicheren Aktien/Unternehmen?

Solche Unternehmen zeichnen sich häufig durch folgende Merkmale aus:

  • sie haben eine geringere oder gut tragbare Schuldenlast, die sie auch aus dem Free-Cash-Flow bedienen könnten
  • sie zahlen mitunter seit vielen Jahren eine gleichbleibende oder steigende Dividende (im US-Raum spricht man hier von "Dividendenaristokraten") oder legen hohe Aktienrückkaufprogramme auf
  • sie existieren schon seit vielen Jahren, idealerweise Jahrzehnten erfolgreich am Markt und sind in ihrer Branche sowie bei Kunden fest etabliert
  • sie werden von vertrauenswürdigen Führungspersonen geführt, das Unternehmen arbeitet transparent und beschäftigt eine substanzielle Zahl von Mitarbeitern

Welche Unternehmen fallen beispielhaft in die Kategorie "eher defensiv"? Zum Beispiel Namen wie Coca-Cola, Johnson & Johnson, Nestlé, Procter & Gamble, Berkshire Hathaway oder Unilever. Diese Beispiele sind ausdrücklich keine Kaufempfehlung. Bei allen handelt es sich um große, global agierende Konzerne, viele davon schütten eine Dividende aus oder kaufen in großem Umfang eigene Aktien zurück. Nicht alle weisen noch ein deutliches Umsatzwachstum auf, dafür aber vergleichsweise stetige Gewinne. Ein Hinweis am Rande zur Governance: Bei Berkshire Hathaway hat zum 1. Januar 2026 Greg Abel die Rolle des CEO übernommen; Warren Buffett bleibt Chairman. Auch bei solchen Firmen ist nicht garantiert, dass sie in zwei, drei oder vier Jahrzehnten noch existieren oder erfolgreich sind. Wenn du mehr über die Bewertung von Aktien erfahren möchtest, könnte der Artikel über das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) interessant sein.

Welche Rolle spielt ein ETF im Zusammenhang mit sicheren Aktien?

Ein breiter ETF ist ein starkes, breitgefächertes Kapitalmarktinstrument, das das Einzelwertrisiko drastisch senken kann. Das liegt daran, dass du mit solch einem ETF eine Vielzahl von Aktien auf einmal erhältst. Sollte eines dieser Unternehmen tatsächlich in die Pleite rutschen, fällt das im Gesamtdepot kaum ins Gewicht. Ein ETF beseitigt aber nicht das allgemeine Marktrisiko: In einem Crash können auch breit gestreute ETFs deutlich fallen. Die Auswahl des ETFs spielt eine entscheidende Rolle. Investierst du klassisch in einen All-World-ETF, hältst du Aktien von so vielen großen und mittelgroßen Unternehmen, dass dein Depot in etwa die breite Weltwirtschaft abbildet. Investierst du dagegen gezielt in einen ETF für Small-Caps, wird dein Depot schwankungsanfälliger. Aber auch hier ist es faktisch praktisch ausgeschlossen, dass der ETF auf null geht, da sich darin meist eine drei- bis vierstellige Anzahl von Unternehmen befindet.

Ein gängiges Beispiel für einen breit gestreuten Welt-ETF ist der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN IE00B3RBWM25) mit einer laufenden Kostenquote (TER) von 0,19 % p.a. (Quelle: justETF, Vanguard, Stand Juli 2026). Er bündelt mehrere Tausend Aktien aus Industrie- und Schwellenländern in einem einzigen Produkt:

Wenn du dir unsicher bist, welche Einzelaktien wie stabil sind, ist ein breiter ETF für die meisten Privatanleger die naheliegendere Alternative. Dafür sprechen mehrere Gründe. So ist bis heute nicht belegt, dass private Anleger den Markt dauerhaft und zuverlässig durch die Auswahl einzelner Aktien schlagen können, was selbst vielen Profis nicht gelingt. Außerdem fehlt dir als Privatanleger der tiefe Einblick, um wirklich sicherzustellen, dass ein Unternehmen "sicher" ist. Bilanzen und Geschäftsberichte sind zunächst vertrauenswürdig, was sich hinter den Kulissen abspielt, weißt du aber nicht. Eine Einzelauswahl von Aktien setzt zudem voraus, dass du die Unternehmen konsequent im Blick behältst. Denn ein Skandal, wegbrechendes Wachstum oder ein Konkurrent, der Marktanteile abschöpft, kann eine vermeintlich sichere Aktie schnell riskant machen. Mehr über die Herausforderungen bei der Auswahl von Einzelaktien erfährst du in unserem Leitfaden zu Ad-hoc Mitteilungen.

Es gibt also viele Gründe, warum selbst ein solide und seriös geführtes Unternehmen irgendwann keine "sichere" Aktie mehr darstellt. Idealerweise gelingt dir als Anleger rechtzeitig der Absprung, in der Praxis ist das aber nicht immer so einfach. Mit einer Investition in einen breit gestreuten ETF musst du dir um das Einzelschicksal eines Unternehmens deutlich weniger Gedanken machen, während die breite Diversifizierung das unternehmensspezifische Risiko stark reduziert.

Um dein (ETF-)Depot aufzubauen, brauchst du zunächst einen Broker. Ein kostengünstiger Einstieg gelingt in Deutschland etwa über Trade Republic oder Scalable Capital, die beide ETF-Sparpläne auf breite Welt- und Sektor-ETFs anbieten. Ein Vergleich lohnt sich in jedem Fall, da sich Gebühren und verfügbare Sparpläne unterscheiden.

Falls du dein Depot doch um Einzelaktien abrunden willst: woran erkennt man tendenziell defensivere Aktien?

Zwei Gefahren bleiben für jede Aktie bestehen:

  • das Unternehmen ist nicht mehr erfolgreich
  • oder es kommt zu einem Börsencrash, der sich auf nahezu alle Unternehmen und deren Aktien auswirkt

Als vergleichsweise stabile Aktien gelten daher solche, die in schlechten Börsenphasen weiterhin eine für Anleger tragbare Entwicklung liefern, idealerweise mit geringeren Kursverlusten als der Marktdurchschnitt. Ebenso gelten Unternehmen als robust, die auch in schwachen wirtschaftlichen Zeiten ihre Dividende halten können. Mehr über die Auswirkungen von Börsencrashs auf ETFs erfährst du in unserem Artikel über Börsencrashs und ETFs.

Speziell als stabil gelten zudem Aktien mit geringerer Volatilität, die sich also auch für Anleger mit weniger starkem Nervengerüst eignen. Eine geringere Volatilität geht statistisch häufig mit einer niedrigeren Renditeerwartung einher, dafür musst du weniger starke Schwankungen aushalten. Das kann vorteilhaft sein, etwa wenn du bereits von deinem Depot lebst oder kurz vor dem Renteneintritt eher Absicherung als maximale Rendite suchst. Defensive Aktien sind meist weniger konjunkturabhängig und erzielen verlässlichere, planbarere Cashflows. Die alte Börsenweisheit, dass Zahnpasta, Windeln und Toilettenpapier immer gebraucht werden, ist also nicht ganz verkehrt. Mehr über die Bedeutung von Volatilität erfährst du in unserem Glossar zur Volatilität.

Ein Blick in die Branchen - und wie du diese in einem ETF-Depot beimischst

Der S&P 500, einer der wichtigsten Aktienindizes der Welt, gliedert sich in viele verschiedene Teilsektoren, beispielsweise Industrie, Basismaterialien, Konsumgüter, Finanzen oder Energie. Erfahrungsgemäß gelten der Gesundheitssektor sowie der nichtzyklische Konsumsektor (Basiskonsum) in schlechten Börsenzeiten als vergleichsweise defensive Bereiche. Dein Einzelwertrisiko kannst du reduzieren, indem du nicht einzelne Unternehmen, sondern die breite Streuung ins Depot holst. Ein weit verbreitetes Beispiel für einen US-Standardwerte-ETF ist der iShares Core S&P 500 UCITS ETF (ISIN IE00B5BMR087) mit einer sehr niedrigen TER von 0,07 % p.a. (Quelle: justETF, iShares, Stand Juli 2026):

Für eine gezielte Sektor-Beimischung bieten sich Sektor-ETFs an, die nicht einen breiten Gesamtindex wie den S&P 500, sondern nur Teilbereiche abbilden. Außerdem gibt es Faktor-ETFs, deren Emittenten bestimmte Kriterien festlegen, etwa die "Qualität" der Unternehmen oder die Zuverlässigkeit der Dividendenzahlungen (Stichwort "Dividendenaristokraten"). Solche Faktor- und Sektor-ETFs sind eine Möglichkeit, defensivere Aktien indirekt und gestreut ins Depot zu holen, ohne auf die Diversifizierung eines ETFs zu verzichten. Beachte dabei, dass ein enger gefasster Sektor- oder Faktor-ETF weniger breit streut als ein Welt-ETF und dadurch andere Risiken tragen kann. Wenn du mehr über die grundsätzliche Auswahl von ETFs erfahren möchtest, könnte der Artikel ETFs vs. P2P-Kredite interessant sein.

Fazit: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, wohl aber Abstufungen

Anlagestrategien sind sehr unterschiedlich: einige risikoreich, andere eher defensiv. Absolute Sicherheit bekommt dein investiertes Kapital nie, denn das schließt der Begriff "Investition" bereits aus, es gibt keinen Kapitalschutz. Du kannst aber aktiv beeinflussen, wie robust dein Depot ist, wobei mehr Sicherheit oft zulasten der Renditeerwartung geht. Mit einem breit gestreuten ETF kombinierst du eine Vielzahl von Unternehmen mit der breiten Streuung des Fonds und senkst so das Einzelwertrisiko deutlich, das Marktrisiko bleibt aber bestehen. Insbesondere mit fortschreitendem Alter sollten Anleger stärker über Absicherung nachdenken, da sich schlechte Börsenphasen dann nicht so leicht aussitzen lassen wie in jungen Jahren. Bei der langfristigen Planung solltest du außerdem steuerliche Rahmenbedingungen im Blick behalten, etwa den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung), die Teilfreistellung von 30 % bei Aktien-ETFs und die Vorabpauschale, deren Basiszins für 2026 bei 3,20 % liegt (Quelle: BMF, Stand Januar 2026).

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