PFOF Verbot 2026: Ende der Gratis-Broker?

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Insbesondere deutsche Fin-Techs schauten zuletzt gespannt in Richtung Brüssel. Da wird das umstrittene, aktuell genutzte Gebührenmodel kritisch diskutiert - und auch ein Verbot ins Spiel gebracht. Das würde sich sowohl auf die Neobroker selbst als auch auf ihre angebundenen Marktplätze auswirken.

PFOF Verbot 2026: Ende der Gratis-Broker?

PFOF Verbot 2026: Ende der Gratis-Broker?

Der Countdown läuft: Am 30. Juni 2026 endet in Deutschland eine Ära. Was als Revolution des Wertpapierhandels begann, steht vor einer massiven Zäsur. Die EU-Kommission hat sich durchgesetzt und das Verbot von „Payment for Order Flow“ (PFOF) beschlossen. Für Millionen deutscher Anleger, die sich an kostenlose Trades und spielerisch einfache Apps gewöhnt haben, stellt sich nun die bange Frage: Ist das das Ende der günstigen Neobroker?

Die gute Nachricht vorweg: Neobroker werden nicht verschwinden. Aber sie werden sich verändern müssen. Wir analysieren, was das Gesetz genau bedeutet, wie Trade Republic und Scalable Capital reagieren und welche Alternativen es für Anleger gibt, die auch in Zukunft kosteneffizient handeln wollen.

Warum sind von den neuen Gesetzen Neobroker betroffen?

Neobroker sind insbesondere bei jüngeren Anlegern beliebt – und das gleich aus mehreren Gründen. Auch wenn sich einige davon mittlerweile klassisch im Browser am Rechner nutzen lassen, haben sie ihre Ursprünge auf mobilen Endgeräten. Von überall aus am Smartphone traden oder investieren, galt lange Zeit als großes Steckenpferd der Neobroker. Eine einfache, einsteigerfreundliche Benutzeroberfläche war den Brokern beim Zugewinn von Marktanteilen und jungen Anlegern hilfreich, noch größeren Wert darf man aber ihren besonders günstigen Gebührenmodellen zusprechen.

Aktien & ETFs günstig traden bei Scalable Capital

Während beim klassischen Bankbroker oftmals relativ hohe Gebühren anfallen, in der Regel mindestens in Höhe von 10 Euro, bei den meisten Brokern mit einer Höchstgrenze von etwa 45 oder 50 Euro, arbeiten Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital weitaus kostengünstiger. Trades kosten dort oft nur einen einzigen Euro oder sind im Rahmen von „Prime“-Modellen sogar gänzlich gebührenfrei (abgesehen vom Spread). Diese aggressive Preisstruktur verhalf Trade Republic und Co. innerhalb kürzester Zeit zu Millionen von Kunden – der EU-Kommission war sie jedoch von Anfang an ein Dorn im Auge, da sie auf einem Modell basiert, das nun ein Ablaufdatum hat.

Warum ist das Vergütungsmodell von Neobrokern problematisch?

Ihre extrem günstigen Gebühren können solche Broker nicht nur deshalb anbieten, weil sie schlankere Unternehmensstrukturen und keinerlei Filialnetz haben. Ein wesentlicher Teil ihres Umsatzes stammt nicht von den Kunden, sondern von den angeschlossenen Handelsplätzen. Das Prinzip nennt sich „Payment for Order Flow“ (PFOF).

Wie die aktuelle Gesetzgebung der EU (MiFIR Review) bestätigt, ist das Ende dieses Modells besiegelt. Während das Verbot auf EU-Ebene bereits theoretisch seit März 2024 greift, hat Deutschland eine Übergangsfrist erwirkt: Bis zum 30. Juni 2026 dürfen deutsche Broker das PFOF-Modell für inländische Kunden noch nutzen. Danach ist Schluss.

So funktioniert der Mechanismus im Detail

Aus der Bezeichnung „Payment for Order Flow“ lässt sich schließen, wie das Prinzip praktisch funktioniert: Broker wie Trade Republic leiten die Orders ihrer Kunden nicht an eine öffentliche Börse (wie Xetra oder Nasdaq) weiter, sondern an spezialisierte Market Maker (z. B. Lang & Schwarz oder die Baader Bank). Diese Market Maker führen den Trade aus und vergüten den Broker dafür mit einer Rückvergütung (Kickback).

Für die Market Maker ist das ein lukratives Geschäft:

  • Sie erhalten einen stetigen Strom an Kauf- und Verkaufsaufträgen (den „Order Flow“).
  • Sie verdienen ihr Geld durch den sogenannten Spread (die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs).
  • Sie zahlen einen Teil dieses Gewinns an den Neobroker zurück.

Market Maker und Hochfrequenzhändler sind per se keine „bösen Akteure“, sondern wichtige Säulen des Kapitalmarktes. Sie stellen Liquidität bereit und sorgen dafür, dass Anleger jederzeit einen Handelspartner finden. Dennoch kritisiert die EU, dass durch PFOF ein Interessenkonflikt entsteht: Leitet der Broker die Order dorthin, wo der Kunde den besten Kurs bekommt („Best Execution“), oder dorthin, wo der Broker die höchste Rückvergütung erhält?

Eine frühere Studie im Auftrag von Trade Republic argumentierte, dass das Modell ein Win-Win für alle sei:

Die Auswertung von zwei Millionen Transaktionen zeigt, dass Kunden bei einer Vielzahl von Transaktionen zu besseren Kursen als auf dem Referenzmarkt handeln. Damit sparen Trade Republic Kunden im Schnitt 52 Cent je 1.000 Euro Order.

(Quelle: DGAP)

Die EU-Regulierer sehen das jedoch anders und argumentieren, dass die Intransparenz langfristig dem Markt schadet.

Das Verbot kommt: Was passiert ab Juli 2026?

Die Entscheidung in Brüssel ist gefallen. Das „Payment for Order Flow“ wird verboten, um den Wettbewerb wieder stärker auf die öffentlichen Börsen („Lit Markets“) zu lenken und weg von internen Abwicklungssystemen („Dark Pools“ oder systematischen Internalisierern). Das Ziel der EU ist ein transparenteres Preisgefüge für alle Marktteilnehmer.

Für Neobroker entsteht damit eine ernstzunehmende Herausforderung. Wenn sie keine Rückvergütungen mehr erhalten, bricht eine ihrer drei zentralen Einnahmesäulen weg. Diese Säulen waren bisher:

  1. PFOF: Rückvergütungen der Market Maker (fällt ab 2026 weg).
  2. Gebühren: Die 1 Euro Fremdkostenpauschale oder Abo-Gebühren.
  3. Zinsgeschäft: Einnahmen aus der Einlagefazilität (die Zinsmarge auf das Cash der Kunden).

Ohne die PFOF-Einnahmen müssen Trade Republic, Scalable Capital und Co. diese Lücke schließen. Branchenexperten rechnen mit folgenden Szenarien:

  • Erhöhung der Ordergebühren: Der Preis pro Trade könnte von 1 Euro auf 2 bis 3 Euro steigen. Das ist immer noch günstig, aber eben nicht mehr „fast umsonst“.
  • Abo-Modelle (Subscription Economy): Die Broker könnten versuchen, Kunden noch stärker in monatliche Abos (wie Scalable Prime) zu drängen, um planbare Einnahmen zu generieren.
  • Spread-Ausweitung: Es ist möglich, dass die Market Maker ihre Spreads leicht erhöhen, um ihre Margen zu sichern, auch wenn sie keine Kickbacks mehr zahlen dürfen. Der Kunde zahlt dann „indirekt“ über einen schlechteren Kurs.
  • Cross-Selling: Trade Republic positioniert sich mit seiner Vollbanklizenz und der Visa-Karte bereits breiter. Zinseinnahmen und Kartengebühren sollen die Abhängigkeit vom Trading-Umsatz verringern.

Analyse: Lohnt sich Trade Republic trotzdem noch?

Panik ist unangebracht. Selbst wenn die Gebühren steigen sollten, bleiben Neobroker voraussichtlich die günstigste Option für Privatanleger. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht dies:

Wenn eine Order bei einer klassischen Filialbank oder einem großen Online-Broker (wie Comdirect oder Consorsbank) ca. 10 bis 15 Euro kostet (zzgl. oft anfallender börsenplatzabhängiger Entgelte), dann wäre selbst eine erhöhte Gebühr von 3 Euro bei einem Neobroker immer noch ein Schnäppchen. Hinzu kommt, dass Sparpläne höchstwahrscheinlich weiterhin kostenlos oder extrem günstig angeboten werden, da sie als wichtigstes Instrument zur Kundenbindung („Loss Leader“) fungieren.

Die Vorteile der Neobroker – die moderne App, die einfache Steuerabwicklung und die niedrige Einstiegshürde – bleiben bestehen. Das Verbot von PFOF ändert nichts an der Benutzerfreundlichkeit.

Alternativen zu Neobrokern: Wer profitiert?

Das PFOF-Verbot könnte den Markt neu ordnen. Während reine Neobroker unter Druck geraten, könnten andere Modelle an Attraktivität gewinnen. Hier sind die wichtigsten Alternativen für Anleger, die sich nicht auf PFOF-Broker verlassen wollen:

1. Interactive Brokers / Lynx (Für Profis)

Für erfahrene Anleger ist Interactive Brokers (IBKR) oder deren deutsche Reseller wie Lynx oder CapTrader oft die erste Wahl. Diese Broker nutzen kein klassisches PFOF-Modell für europäische Kunden, sondern setzen auf „Smart Routing“. Das System sucht automatisch den besten Börsenplatz für die Order. Die Gebühren sind extrem niedrig (oft unter 1 Euro für US-Aktien, etwas mehr für deutsche Aktien), allerdings ist die Benutzeroberfläche wesentlich komplexer und die Steuer muss oft selbst gemacht werden (bei IBKR direkt).

2. Traders Place / Flatex (Der Mittelweg)

Broker wie Flatex haben sich bereits frühzeitig vom reinen PFOF-Modell distanziert oder sind weniger stark darauf angewiesen. Flatex verlangt zwar Ordergebühren (aktuell ca. 5,90 Euro zzgl. Spreads), bietet dafür aber eine sehr stabile Infrastruktur und Zugang zu allen großen Börsenplätzen. Traders Place oder der Smartbroker+ versuchen, die Lücke zwischen Neobroker und klassischer Bank zu schließen, indem sie mehrere Handelsplätze anbieten – sowohl günstige (Gettex) als auch klassische (Xetra).

3. Klassische Direktbanken (Sicherheit hat ihren Preis)

Wer absolute Unabhängigkeit von einem einzigen Market Maker will, greift zu den etablierten Direktbanken wie ING, Comdirect oder Consorsbank. Hier hat der Kunde die volle Kontrolle: Er kann entscheiden, ob er über Xetra, Tradegate, Stuttgart oder Frankfurt handeln will. Dieser Service kostet jedoch. Orders liegen hier meist im Bereich von 4,90 Euro Grundgebühr plus 0,25% vom Ordervolumen. Für „Buy & Hold“-Anleger mit großen Summen ist das oft vernachlässigbar, für aktive Trader jedoch ein Kostenfaktor.

Reaktionen aus der Branche: Kritik und Optimismus

Christian Hecker, einer der Mitgründer von Trade Republic, hatte sich in der Vergangenheit kritisch geäußert. Er warnte davor, dass ein Verbot von PFOF den Wettbewerb einschränken würde und am Ende der Kleinanleger die Zeche zahlt. Inzwischen gibt sich das Unternehmen jedoch kämpferisch und betont, dass man auch ohne PFOF das attraktivste Angebot am Markt stellen werde. Durch die Banklizenz und die Zinsangebote hat Trade Republic sein Geschäftsmodell bereits diversifiziert.

Scalable Capital Gründer Erik Podzuweit wies darauf hin, dass sein Unternehmen in anderen europäischen Ländern (wie Spanien oder Frankreich) bereits erfolgreich ohne PFOF operiert, da dort das Verbot schon früher griff oder andere Regeln gelten. Man sei also technisch und operativ auf den Stichtag 2026 vorbereitet.

Sven Giegold (Grüne) und Verbraucherschützer begrüßen den Schritt hingegen. Ihr Argument: Nur wenn der Broker vollkommen neutral agiert und nicht durch Rückvergütungen in eine bestimmte Richtung gelenkt wird, kann der Anleger sicher sein, wirklich den „fairen“ Marktpreis zu erhalten. Das geplante „Consolidated Tape“ (ein zentrales Register für alle Börsenkurse in der EU) soll zusätzlich dafür sorgen, dass Anleger künftig sofort sehen, ob sie einen guten oder schlechten Kurs erhalten haben.

Fazit: Was Anleger jetzt tun sollten

Die Situation lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Keine Panik: Bis zum 30. Juni 2026 ändert sich für deutsche Kunden bei Trade Republic und Scalable Capital nichts.
  • Kosten werden steigen, aber moderat: Die Zeit der geschenkten Trades könnte vorbei sein, aber die Gebühren werden weit unter dem Niveau der klassischen Banken bleiben.
  • Alternativen prüfen: Wer ein großes Portfolio hat, sollte prüfen, ob ein Wechsel zu Interactive Brokers oder einer Direktbank sinnvoll ist, um Zugang zu echten Börsenplätzen (Lit Markets) zu erhalten.

Brüssel hat entschieden: Transparenz geht vor „Gratis-Mentalität“. Für den mündigen Anleger ist das langfristig wahrscheinlich sogar eine gute Nachricht, auch wenn der Blick auf die Kostenabrechnung ab 2026 vielleicht etwas schmerzhafter wird als heute.

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