Genossenschaftsanteile kaufen: Wie lohnenswert ist die Geldanlage?

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Genossenschaftsanteile dürften die meisten Menschen vor allem von der Wohnungssuche kennen: Da ist es bei einigen Wohnimmobilien Pflicht der dazugehörigen Genossenschaft beizutreten. Obgleich diese Geldanlage schon viele Jahrzehnte auf dem Rücken hat, ist sie nicht unbedingt angestaubt.

Genossenschaftsanteile kaufen: Wie lohnenswert ist die Geldanlage?

Einleitung: Was genau ist und macht eine Genossenschaft?

Genossenschaften gibt es in Deutschland reichlich, darunter beispielsweise:

  • die Wohngenossenschaften
  • verschiedene Einkaufsgenossenschaften
  • Kulturgenossenschaften
  • genossenschaftlich geführte Banken

Um welche Art von Genossenschaft es sich genau handelt, ist von dem wirtschaftlichen Ziel und dem Tätigkeitsbereich der Genossenschaft selbst abhängig. Damit wird zugleich deutlich, was eine Genossenschaft überhaupt ist:

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Eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von (vielen) verschiedenen Personen, die gemeinschaftlich ein bestimmtes wirtschaftliches Ziel verfolgen.

Die Wurzeln solcher Genossenschaften finden sich daher wenig überraschend in der Landwirtschaft und bei Handwerkern. Selbige schlossen sich damals zusammen, um beispielsweise gemeinschaftlich teure Maschinen und Anlagen oder Rohstoffe zu kaufen, um selbige wiederum danach zu teilen beziehungsweise von einem geringeren Einkaufspreis pro Genossenschaftsmitglied zu profitieren.

Auch du wirst, selbst wenn du nicht in einer Wohnungsgenossenschaft wohnst, regelmäßig in Kontakt mit solchen Genossenschaften kommen - zum Beispiel dem Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften, gemeinhin besser bekannt als der Supermarkt REWE. Ebenso eine Genossenschaft ist EDEKA (Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin).

Genossenschaftsanteile als Geldanlage beziehungsweise Mitgliedschaft

Beides geht üblicherweise Hand in Hand. Wer Genossenschaftsanteile erwirbt, wird automatisch auch Teil und damit Mitglied der jeweiligen Genossenschaft. Die Benefits dieser Genossenschaftsanteile sind daher im Regelfall nicht "nur" auf Dividenden beschränkt. Bist du zum Beispiel (notgedrungen) Teil einer Wohnungsgenossenschaft, weil du die jeweilige Wohnung gern anmieten wolltest, dann erhältst du eben auch das damit einhergehende Wohnrecht. Ohne die Genossenschaftsanteile könntest du hingegen gar nicht die Wohnung beziehen. Bist du Teil einer Supermarkt-Genossenschaft, zum Beispiel vom Konsum, dann erwarten dich da mitunter bestimmte Vergünstigungen und Angebote oder vergleichbare Prämienprogramme.

Wusstest du schon? Die Dividendenerträge bei deutschen Genossenschaften bewegen sich normalerweise in einem Rahmen von rund 1,5 bis 5,0 % p.a. Es gibt aber keine Garantie auf den Erhalt solcher Dividenden, außerdem ist deren Höhe manchmal gedeckelt. 

Überschüssiger, nicht durch Dividenden ausgeschütteter Gewinn, wird innerhalb der Genossenschaft reinvestiert. Ebenfalls wissenswert: Laut einer Erhebung von Bergfürst beziffert sich die Insolvenzquote bei deutschen Genossenschaften auf weniger als 0,5 %.

Das solltest du vor deiner potentiellen Investition in jedem Fall wissen

Folgende Dinge solltest du beachten:

  • die Haltedauer kann vorgeschrieben sein und an die weiteren Benefits (zum Beispiel das Wohnrecht) gekoppelt sein
  • es gibt keinen freien Handelsplatz für derartige Genossenschaftsanteile, daher findet dort keine tagesaktuelle Kursentwicklung statt
  • normalerweise geben Genossenschaften für Privatpersonen sowohl eine Mindest- als auch eine Maximaleinlagehöhe vor
  • Eintrittsgebühren, die beim Erwerb gezahlt werden müssen, sind nicht ungewöhnlich und wirken sich renditemindernd aus
  • wie bei jeder anderen Investition ebenso, besteht auch beim Erwerb von Genossenschaftsanteilen das Risiko eines erheblichen oder gar Totalverlustes (bei Insolvenz der Genossenschaft)

An dieser Stelle soll auf einige dieser Punkte noch einmal genauer eingegangen werden, denn viele Genossenschaftsmitglieder eilen oftmals nur viel zu schnell in eine Genossenschaft, ohne die Risiken und Pflichten zu berücksichtigen, die mit so einer Mitgliedschaft einhergehen.

Nachschusspflichten bei Schieflage und Insolvenz

Je nach Struktur der Genossenschaft besteht für deren Mitglieder mitunter eine Nachschusspflicht. Dann stehst du in der Pflicht einen gewissen Betrag zusätzlich nachzuschießen. Du erhältst zwar weitere Anteile dafür, dennoch ist das im Regelfall keine optimale Situation und auch kein Ausdruck wirtschaftlicher Stärke. Außerdem solltest du für solche Fälle einen Notgroschen bereithalten. Informiere dich am besten vorab, ob die jeweilige Genossenschaft schon häufiger einmal Nachschüsse eingefordert hat oder ob eine derartige Klausel überhaupt Bestandteil der Genossenschaftsordnung ist.

Zum Jahr 2022 wurde die Nachschusspflicht abgeschafft, weshalb sie mindestens für Neumitglieder nicht mehr gilt.

Ziele und Mitspracherecht

Genossenschaftsanteile zu kaufen kann eine Möglichkeit der ökologischen Geldanlage abgeben - sofern die jeweilige Genossenschaft ökologisch handelt. Von Vorteil ist an dieser Stelle, dass eine Genossenschaft gesetzlich verpflichtet ist an den ausgegebenen Zielen zu arbeiten und diese mitsamt ihrem Fortschritt konsequent transparent zu kommunizieren. Du weißt also immer genau wo das Geld der Genossenschaft landet. Bei großen Genossenschaften hast du zwar eine Stimme, als Privatanleger wird sie aber so klein sein, dass sie effektiv mehr oder weniger nutzlos ist - das ist bei Aktien und Stimmrechten von Unternehmen aber nicht anders.

Alle Gebühren und Fristen bedenken

Unter Umständen gibt es Eintrittsgebühren, die die Genossenschaft beim erstmaligen Kauf von Anteilen erhebt. Das ist vor allem bei großen und sehr populären Genossenschaften häufig anzutreffen. Außerdem gibt es diverse Fristen. So darfst du zum Beispiel innerhalb einer gewissen Zeit deine Anteile nicht zurückgeben, was Spekulationen verhindern soll. Normalerweise beziffert sich diese Sperrfrist auf fünf Jahre. Ebenso musst du, wenn du deine Mitgliedschaft einmal kündigen und damit die Anteile zurückgeben möchtest, die Kündigungsfrist beachten. Diese beträgt normalerweise einige Monate oder wenige Jahre.

Mit dem Geld, sofern du eine Kündigung eingereicht hast, solltest du übrigens nicht sofort rechnen. Während du am Kapitalmarkt sofort das Geld für deine ETF- oder Aktienanteile erhältst, dürfen sich Genossenschaften bis zu zwei Jahre damit Zeit lassen. Bei der Kündigung musst du die entsprechende Form einhalten, denn hier kündigst du nicht nur einen Mobilfunk- oder Mietvertrag, sondern löst ein anteiliges Eigentumsverhältnis an der Genossenschaft auf.


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Diese Vorteile erwarten dich in Verbindung mit Genossenschaftsanteilen

Die spezifischen Vorteile hängen davon ab, von welcher Genossenschaft du überhaupt Anteile kaufen möchtest. Die nachfolgende Übersicht soll daher nur als grobe Blaupause dienen, spezifische Vorteile erfährst du im Prospekt oder bei einem direkten Ansprechpartner der Genossenschaft.

Der omnipräsente Vorteil von Wohnungsgenossenschaften ist natürlich, dass du überhaupt erst eine Mietwohnung der Genossenschaft beziehen darfst. Bei einem Umzug kann die Mitgliedschaft erneut hilfreich sein, wenn du innerhalb der Genossenschaft umziehst. Genossenschaftswohnungen sind in der Regel gut gepflegt, da die Mitglieder der Genossenschaft selbst in diesen wohnen. Simultan haben die Mieter dadurch ein Eigeninteresse, aufgrund ihrer Anteile, an wirtschaftlich bedachtem Handeln. Es gibt bei Genossenschaftswohnungen außerdem ein lebenslanges Wohnrecht, die Wohnung darf also nicht auf Eigenbedarf gekündigt werden.

Solltest du Einkaufsgenossenschaftsanteile kaufen wollen, erwarten dich in der Regel Vergünstigungen an der Kasse, da der niedrigere Einkaufspreis der Waren an die Mitglieder weitergereicht wird. Außerdem bekommst du unter Umständen die Möglichkeit separat größere Einkäufe zu tätigen und weitere Vergünstigungen oder beispielsweise frühzeitigen Zugriff auf besondere Angebote zu erhalten.

Bei Genossenschaftsbanken könnte sich als Genossenschaftsmitglied die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Kreditvergabe steigern, wobei natürlich auch die Genossenschaft dringlichst bemüht ist Kreditausfälle zu vermeiden.

Ein Vorteil, der typischerweise bei allen wirtschaftlich geführten Genossenschaften besteht, ist die Ertrags- beziehungsweise Dividendenzahlung. Diese erhältst du normalerweise jährlich, individuelle beziehungsweise genossenschaftsspezifische Regelungen sind aber nicht auszuschließen. Informiere dich daher über die Auszahlungsfrequenz oder beispielsweise automatisierte Reinvestitionen.



Genossenschaftsanteile kaufen und profitieren - wie gut arbeitet dein Geld da tatsächlich?

Genossenschaftsanteile als Geldanlage zu kaufen ist möglich - und als Portfoliobeimischung unter Umständen denkbar. Trotzdem sollte dir bewusst sein, dass Genossenschaften nicht das primäre Ziel verfolgen ihren Mitgliedern eine Rendite zu generieren beziehungsweise hohe Erträge auszuschütten. Das primäre Ziel dieser Genossenschaften besteht darin die wirtschaftlichen Ziele möglichst sicher und souverän zu erreichen, um dadurch wiederum, beispielsweise durch den Wohnraum, einen Benefit bereitzustellen. Die zusätzlichen Erträge sind daher eigentlich nebensächlich.

Als Portfoliobeimischung kommen außerdem nur solche Genossenschaften in den engeren Kreis, die tatsächlich eine adäquat hohe Rendite ausschütten - zumindest dann, wenn es dir wirklich nur um die Geldanlage geht. Findest du eine Genossenschaft, die zu deinen Vorstellungen passt und beispielsweise 3 oder 4 % in Dividenden ausschüttet, am besten natürlich beständig seit vielen Jahren, könnten die Genossenschaftsanteile einen weiteren Baustein in deinem Portfolio abgeben. Allein damit wirst du aber kein großes Vermögen anhäufen, auch sollten Genossenschaftsanteile immer nur einen überschaubaren Anteil am Portfolio haben, da sie langfristig schlicht zu schlecht rentieren und die weiteren Auflagen und Fristen das Geld meist langfristig binden - und dein Kapital damit an anderer Stelle potentiell bessere Chancen verpasst.

Vermeide außerdem unbedingt unseriöse Genossenschaften, denn schwarze Schafe gibt es in der Branche durchaus. Typische Anzeichen für unseriöse Genossenschaften könnten sein:

  • unrealistisch hohe Renditeversprechen
  • belästigende Werbung oder ständiges Drängeln auf eine Mitgliedschaft
  • der Prüfer wird nicht genannt, die Satzung ist mitunter öffentlich nicht einsehbar
  • hohes Eintrittsgeld
  • kein eindeutiger Anlagezweck oder selbiger wird ständig geändert

Vor deinem Plan, Genossenschaftsanteile als Geldanlage zu kaufen, solltest du in jedem Fall die Bilanzen und Geschäftsberichte sondieren. Das nimmt dir, anders als bei Aktien, im Regelfall niemand sonst ab, da Genossenschaftsanteile als Geldanlage eher ein Randphänomen sind. Manchmal erübrigt sich das, zum Beispiel wenn du unbedingt die Wohnung möchtest und es dir wirklich nur um den Wohnraum geht. Als Geldanlage müssen Genossenschaftsanteile aber die identisch hohen Standards erfüllen, die du auch an die Aktien eines Unternehmens und diese Investition stellen würdest.

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