Was Max Otte von ETFs hält
max otteBuchaktive fondspassivETFFonds
Investierst Du in ETFs, wird Dir Max Otte vielleicht unbekannt sein. Der Ökonom ist als Fondsmanager tätig und hat einen eigenen Fonds zur Vermögensbildung entwickelt. Dabei handelt es sich nicht um einen ETF. Lohnt sich die Investition in diesen Vermögensbildungsfonds?
Stand: Juli 2026. Wer in ETFs investiert, kennt Max Otte vielleicht nicht. Der Ökonom, Publizist und Fondsberater gilt als einer der bekanntesten Value-Investoren und Crash-Warner im deutschsprachigen Raum. Dieser Beitrag ordnet ein, wie Otte über ETFs denkt, wie seine Fonds tatsächlich abgeschnitten haben und warum für die meisten Privatanleger ein breiter, kostengünstiger ETF die einfachere Wahl ist.
Wer ist Max Otte?
Max Otte ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, 1964 in Nordrhein-Westfalen geboren. Er gründete das Institut für Vermögensentwicklung (IFVE), gibt den Börsenbrief "Der Privatinvestor" heraus und ist als Fondsberater tätig. Einem breiteren Publikum wurde er durch sein 2006 erschienenes Buch "Der Crash kommt" bekannt, in dem er vor einem Einbruch der Finanzmärkte warnte. Die Finanzkrise 2007/2008 verlieh dieser These zusätzliche Aufmerksamkeit.
Otte tritt für den Mittelstand und für genossenschaftlich organisierte Banken wie Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen ein. Für die Bewertung von Unternehmen entwickelte er die sogenannte "Königsanalyse", die qualitative Kriterien wie Geschäftsmodell und Wettbewerbsvorteile mit quantitativen Kennzahlen wie Gewinnwachstum, Margen und Verschuldung kombiniert.
Die Crash-These von Max Otte
Otte hat sich über Jahre als Warner vor Finanzkrisen positioniert. In seinem 2019 erschienenen Buch "Weltsystemcrash" ging er über reine Marktprognosen hinaus und warnte vor einer umfassenden Krise, die Wirtschaft und Gesellschaft treffen könnte. Solche Prognosen sind mit Vorsicht zu lesen: Ein Crash-Szenario trifft irgendwann fast immer zu, entscheidend ist der Zeitpunkt. Anleger, die aus Angst vor dem "großen Knall" dauerhaft am Aktienmarkt vorbeiinvestieren, verpassen in der Regel mehr Rendite, als sie durch das Vermeiden einzelner Rückschläge gewinnen.
Wie denkt Max Otte über ETFs?
Otte steht ETFs kritisch gegenüber. Zwar erkennt er die Vorteile breiter Indexfonds an, wie sie auch Warren Buffett für Privatanleger empfiehlt, warnt aber vor einer Übertreibung des ETF-Booms. Besonders skeptisch sieht er ETFs auf sehr spezielle Indizes sowie die synthetische Replikation, bei der ein Index nicht durch den Kauf der echten Aktien, sondern über Derivate (Swaps) abgebildet wird. Otte befürchtet, dass solche Konstruktionen in Krisenzeiten anfälliger sein könnten.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Marktmacht der großen Anbieter wie BlackRock, Vanguard und State Street. Diese Häuser halten über ihre Fonds bedeutende Anteile an vielen börsennotierten Unternehmen, was aus Ottes Sicht systemische Risiken und Fragen zur Wettbewerbsintensität aufwirft. Einordnung: Diese Debatte ist real, betrifft aber vor allem die Struktur des Gesamtmarktes und nicht die konkrete Eignung eines breiten, physisch replizierenden ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau. Mehr zur Funktionsweise findest Du in unserem ETF-Ratgeber und in der Erklärung, was ein ETF ist.
Aktives Management vs. ETF
In öffentlichen Debatten, etwa mit dem ETF-Befürworter Dr. Gerd Kommer, vertritt Otte die Position, dass aktiv gemanagte Fonds langfristig einen Mehrwert liefern können, besonders in Krisenphasen. Kommer und die Mehrheit der wissenschaftlichen Studien argumentieren dagegen: Nach Kosten schlägt die große Mehrheit aktiver Fonds ihren Vergleichsindex über lange Zeiträume nicht. Interessanterweise rät auch Otte Privatanlegern, die sich nicht intensiv kümmern wollen, zu breit gestreuten Indizes wie dem MSCI World statt zu komplexen Smart-Beta-Produkten. Einen Überblick über passende Depots gibt unser Neo-Broker-Vergleich.
Die Fonds von Max Otte: Strategie
Otte berät mehrere aktiv gemanagte Fonds, die auf seiner Königsanalyse basieren. Ziel ist es, in nach seiner Einschätzung unterbewertete Qualitätsunternehmen zu investieren, die auch in schwierigen Marktphasen bestehen. Wichtig zu wissen: Die früher unter dem Namen "Max Otte" geführten Fonds wurden 2021 in "PI"-Fonds umbenannt (PI steht für Privatinvestor); 2023 wechselte die Verwaltung des Vermögensbildungsfonds zur Kapitalverwaltungsgesellschaft Universal Investment. Otte ist weiterhin als strategischer Berater beteiligt.
Der PI Vermögensbildungsfonds (früher Max Otte Vermögensbildungsfonds)
Der Mischfonds (ISIN DE000A1J3AM3, WKN A1J3AM) ist seit dem 1. Juli 2013 verfügbar und investiert in Aktien, Anleihen und teils Edelmetall-ETCs. Die laufenden Kosten liegen bei rund 1,99 Prozent pro Jahr, hinzu kommt ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent. Das Fondsvolumen beträgt rund 51 Millionen Euro.
Zur Wertentwicklung (Stand: Juli 2026, Anteilsklasse P, Quellen extraetf und finanzen.net): Seit Auflage hat der Fonds rund +50 Prozent erzielt, das entspricht etwa 3,7 Prozent pro Jahr. Über fünf Jahre lag das Plus bei rund 9 Prozent, über drei Jahre sogar bei rund -12 Prozent. Zum Vergleich: Ein breiter MSCI-World-ETF hat über dieselben langen Zeiträume deutlich höhere Renditen erzielt. Der Fonds bleibt damit klar hinter dem globalen Aktienmarkt zurück. Mit unserem Rendite-Rechner kannst Du verschiedene Renditeannahmen selbst durchrechnen.
Der PI Global Value Fund (früher Max Otte Vermögensbildungsfonds Value)
Der PI Global Value Fund EUR P (ISIN LI0034492384, WKN A0NE9G) ist seit dem 17. März 2008 verfügbar und konzentriert sich auf weltweit unterbewertete Unternehmen. Die laufenden Kosten liegen bei rund 1,80 Prozent pro Jahr, das Fondsvolumen bei rund 79 Millionen Euro.
Wertentwicklung (Stand: Juli 2026, Anteilsklasse EUR P, Quellen extraetf und finanzen.net): Seit Auflage 2008 hat der Fonds rund +166 Prozent erzielt, das entspricht etwa 5,5 Prozent pro Jahr. Über zehn Jahre lag das Plus bei rund +51 Prozent (rund 4,2 Prozent p.a.), über fünf Jahre bei rund -13 Prozent. Ein breit gestreuter Welt-ETF hat über zehn Jahre in aller Regel eine spürbar höhere Rendite geliefert. Der lange Track Record des Fonds ist ordentlich, an den Gesamtmarkt reicht er über die vergangenen Jahre jedoch nicht heran.
Kritik an den Fonds von Max Otte
Die Fonds standen wiederholt in der Kritik. Das Wirtschaftsmagazin WirtschaftsWoche stellte in einer Analyse fest, dass alle drei von Otte beratenen Publikumsfonds über einen Fünfjahreszeitraum klar hinter dem MSCI World zurückblieben: In Abschwungphasen fielen die Verluste zwar oft geringer aus, in Aufschwungphasen blieben die Gewinne aber deutlich schwächer. Frühere Berichte, unter anderem von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und vom Analysehaus Morningstar, hatten bereits einzelne Otte-Fonds negativ eingeordnet.
Der zentrale Kritikpunkt bleibt die Kostenstruktur. Aktiv gemanagte Fonds mit laufenden Kosten von rund 1,8 bis 2,0 Prozent pro Jahr plus Ausgabeaufschlag müssen den Markt Jahr für Jahr um genau diesen Betrag schlagen, nur um gleichauf zu liegen. Breite ETFs kosten dagegen häufig unter 0,25 Prozent pro Jahr. Über Jahrzehnte summiert sich dieser Unterschied durch den Zinseszinseffekt zu erheblichen Beträgen.
Vergleich: ETFs vs. aktive Fonds
| Kriterium | Breiter ETF | Aktive Fonds (z.B. PI/Max-Otte-Fonds) |
|---|---|---|
| Kosten | Gering (TER oft unter 0,25%) | Hoch (TER rund 1,8 bis 2,0% plus Ausgabeaufschlag) |
| Ansatz | Passiv, folgt dem Index | Aktiv, versucht den Markt zu schlagen |
| Renditepotenzial | Marktrendite abzüglich geringer Kosten | Chance auf Mehrrendite, in der Praxis meist Underperformance nach Kosten |
| Transparenz | Sehr hoch, Zusammensetzung bekannt | Geringer, abhängig vom Manager |
| Handelbarkeit | Laufend börsengehandelt | Meist über KVG, teils mit Ausgabeaufschlag |
Die politischen Kontroversen um Max Otte
Neben seiner Rolle als Fondsberater steht Otte auch wegen seines politischen Engagements in der öffentlichen Diskussion. Die folgenden Punkte sind belegte Fakten, keine Bewertung:
- Ende Mai 2021 wurde Otte zum Vorsitzenden der "Werteunion" gewählt, eines konservativen Vereins mit Nähe zur Union.
- Im Januar 2022 nominierte ihn die AfD als Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl 2022. Otte nahm an. Am 30. Januar 2022 legte er daraufhin den Vorsitz der Werteunion nieder.
- Otte war zu dieser Zeit Mitglied der CDU. Die CDU leitete ein Parteiausschlussverfahren ein; das zuständige Parteigericht schloss ihn aus. Der Ausschluss wurde am 2. August 2022 rechtskräftig, da Otte kein Rechtsmittel einlegte.
- Otte war zudem im Umfeld der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung aktiv.
Diese politischen Positionierungen sind für die Anlageentscheidung nicht direkt relevant, prägen aber die öffentliche Wahrnehmung von Person und Marke. Für die Bewertung eines Fonds zählen letztlich Kosten, Risiko und Wertentwicklung.
Fazit: Für die meisten Anleger ist ein breiter ETF die einfachere Wahl
Max Otte ist ein profilierter Value-Investor mit einem langen Track Record und klaren Überzeugungen. Seine Fonds haben über lange Zeiträume durchaus positive Renditen erzielt, sind in Abschwüngen teils robuster und folgen einer nachvollziehbaren Strategie. Gemessen am breiten Weltaktienmarkt bleiben sie über die vergangenen Jahre jedoch spürbar zurück, und die hohen laufenden Kosten plus Ausgabeaufschlag müssen erst einmal verdient werden.
Für die meisten Privatanleger, die einfach, kostengünstig und langfristig Vermögen aufbauen möchten, ist deshalb ein breit gestreuter, günstiger ETF auf einen Weltindex wie den MSCI World oder FTSE All-World die pragmatischere Lösung. Wer regelmäßig investieren will, findet passende Konditionen in unserem ETF-Sparplan-Vergleich. Ein Depot mit kostenlosen ETF-Sparplänen bietet zum Beispiel Scalable Capital. Wer sich mit spezielleren Strategien beschäftigen möchte, wirft einen Blick auf unsere Themen-ETFs.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn Du über einen dieser Links ein Produkt abschließt, erhalten wir eine Provision. Für Dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Angaben zur Wertentwicklung beziehen sich auf die Vergangenheit und sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Entwicklung.
Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.