Vermögen über Generationen: ETFs für Stiftungen & Vermögensübergabe

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ETFs sind mehr als nur ein Sparplan. Sie sind das ideale Werkzeug, um dein Vermächtnis zu gestalten. Ob für eine faire Vermögensübergabe an die Familie oder eine Stiftung mit nachhaltiger Wirkung: So schaffst du mit Klarheit und Effizienz Werte, die Generationen überdauern.

Vermögen über Generationen: ETFs für Stiftungen & Vermögensübergabe

Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Steuerliche Aussagen betreffen in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtige Privatanleger.

Was von dir bleibt: Mehr als nur Erinnerungen

Du baust Vermögen auf. Vielleicht für die Rente, ein Sabbatical oder einfach nur für das gute Gefühl der finanziellen Sicherheit. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem du über den eigenen Horizont hinausdenkst. Was passiert mit dem, was du geschaffen hast, wenn du nicht mehr da bist? Soll es einfach nur vererbt werden oder soll es einen Zweck erfüllen, der über dich hinauswirkt?

Die meisten von uns verbinden den Gedanken an ein Vermächtnis mit riesigen Familienvermögen oder den Namen großer Industrieller. Doch die Zeiten haben sich geändert. Dank moderner, zugänglicher Finanzinstrumente ist die Idee, Vermögen gezielt über Generationen zu sichern oder für einen guten Zweck einzusetzen, keine exklusive Angelegenheit mehr. Der Schlüssel dazu liegt oft in drei Buchstaben: ETF.

Wir reden hier nicht nur über deinen Sparplan für die Altersvorsorge. Wir reden darüber, wie du ETFs als strategische Bausteine nutzen kannst, um ein langlebiges finanzielles Fundament zu gießen, sei es für deine Familie oder für eine Stiftung, die deine Werte weiterträgt. Es ist der Schritt vom reinen Vermögensaufbau zur aktiven Vermögensgestaltung für die Zukunft.

ETFs: Das Schweizer Taschenmesser für den langfristigen Plan

Dass ETFs eine gute Idee sind, müssen wir dir wahrscheinlich nicht mehr erzählen. Die Zahlen sprechen für sich. Die Beliebtheit von ETF-Sparplänen in Deutschland ist in den letzten Jahren förmlich explodiert. Laut der Deutschen Börse erreichte das im Xetra-ETF- und ETP-Segment verwaltete Vermögen Ende 2025 einen neuen Rekord von rund 2,27 Billionen Euro, ein Plus von etwa 24,5 % gegenüber 1,83 Billionen Euro Ende 2024. ETFs sind im Mainstream angekommen und haben sich als Standardwerkzeug für langfristig orientierte Anleger etabliert.

Warum sind sie so erfolgreich? Aus den bekannten Gründen:

  1. Breite Streuung: Mit einem einzigen ETF auf einen globalen Index wie den MSCI World investierst du in mehr als tausend Unternehmen weltweit. Das Klumpenrisiko, das du mit Einzelaktien oder einer Immobilie hast, wird deutlich reduziert.
  2. Niedrige Kosten: Die jährlichen Gebühren (TER) liegen bei breiten Standard-ETFs oft nur bei 0,1 % bis 0,3 %. Das bedeutet, dass mehr von deiner Rendite auch wirklich bei dir ankommt und nicht bei einem teuren Fondsmanager.
  3. Hohe Transparenz und Flexibilität: Du weißt jederzeit, worin du investiert bist, und kannst deine Anteile börsentäglich kaufen oder verkaufen. Keine komplizierten Strukturen, keine langen Kündigungsfristen.

Genau diese Eigenschaften machen ETFs nicht nur für den persönlichen Vermögensaufbau geeignet, sondern auch für anspruchsvollere, generationenübergreifende Strategien. Sie sind berechenbar, liquide und kosteneffizient, das sind gute Voraussetzungen für ein Fundament, das lange halten soll. Wichtig bleibt: Aktien-ETFs schwanken. Wer über Generationen denkt, braucht einen langen Atem und muss auch mehrjährige Kursrückgänge aushalten können.

Der strategische Schachzug: ETFs für die Vermögensübergabe

Die Übergabe von Vermögen an die nächste Generation ist oft ein emotionales und komplexes Thema. Streitigkeiten über Immobilien, die Verteilung von Familienschmuck oder die Bewertung eines Unternehmens können Familien entzweien. Ein ETF-Portfolio hingegen bietet eine vergleichsweise pragmatische Lösung, um viele dieser Konflikte von vornherein zu entschärfen.

Die unschlagbare Einfachheit

Ein Depot voller ETFs ist unkompliziert. Es gibt keine Diskussionen über den "fairen" Wert eines Hauses oder wer das Auto bekommt. Die Anteile eines ETFs haben einen klar definierten, tagesaktuellen Wert. Ein Portfolio lässt sich rechnerisch exakt aufteilen. Anteile eines FTSE-All-World-ETFs lassen sich gerecht an zwei, drei oder mehr Erben verteilen. Diese Klarheit nimmt potenziellen Konflikten den Wind aus den Segeln.

Der wichtige Steuer-Faktencheck: In Deutschland gibt es keinen Step-up

Hier lohnt sich ein genauer Blick, denn ein weit verbreiteter Irrtum kostet bares Geld. Anders als etwa in den USA gibt es in Deutschland bei vererbten Wertpapieren keinen "Step-up" der Anschaffungskosten auf den Kurswert am Todestag. Es gilt die sogenannte Fußstapfentheorie: Durch die Gesamtrechtsnachfolge tritt der Erbe steuerlich in die Position des Erblassers ein und übernimmt dessen ursprüngliche Anschaffungskosten. Verkauft der Erbe die ETF-Anteile später, wird der Kursgewinn seit dem ursprünglichen Kauf des Erblassers mit der Abgeltungsteuer (25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer, insgesamt rund 26,375 %) belegt.

Praktisch heißt das: Die stillen Reserven verschwinden im Erbfall nicht. Bei größeren Depots kann es sogar zu einer Doppelbelastung kommen, wenn zusätzlich Erbschaftsteuer anfällt und der Erbe die Papiere anschließend mit Gewinn verkauft. Ein ETF-Depot bleibt dennoch attraktiv, weil es liquide, transparent und teilbar ist, aber der oft zitierte "steuerfreie Neustart der Kursgewinne" ist für deutsche Anleger schlicht ein Mythos. Eine frühzeitige Planung mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater ist deshalb sinnvoll.

Freibeträge und die 10-Jahres-Regel

Erbschaft- und Schenkungsteuer fallen erst an, wenn die persönlichen Freibeträge überschritten werden. Diese sind seit 2009 unverändert und gelten auch 2026:

  • Ehegatten und eingetragene Lebenspartner: 500.000 Euro
  • Kinder (auch Stief- und Adoptivkinder): 400.000 Euro je Elternteil
  • Enkel: in der Regel 200.000 Euro

Der Clou für die Planung: Diese Freibeträge lassen sich alle zehn Jahre erneut ausschöpfen. Wer frühzeitig beginnt, kann Vermögen über gestaffelte Schenkungen weitgehend steuerfrei übertragen, etwa indem er Aktien oder ETF-Anteile zu Lebzeiten verschenkt. Ein Kind kann so von Vater und Mutter je 400.000 Euro erhalten, also bis zu 800.000 Euro pro Zehn-Jahres-Zeitraum. Ein liquides, jederzeit teilbares ETF-Depot ist für solche gestaffelten Übertragungen deutlich einfacher zu handhaben als eine Immobilie. Konkrete Freibetragshöhen und Steuerklassen solltest du vor einer Übertragung mit fachkundiger Beratung prüfen.

Die flexible Weiterführung

Die Erben müssen das Depot nicht auflösen. Sie können es einfach weiterführen, die Strategie anpassen oder Anteile nach Bedarf verkaufen. Im Gegensatz zu einer Immobilie, die oft verkauft werden muss, um das Erbe aufzuteilen, bietet ein ETF-Portfolio maximale Flexibilität für die Pläne der nächsten Generation.

Die Königsdisziplin: ETFs im Stiftungsvermögen

Vielleicht möchtest du nicht nur deine Familie absichern, sondern einen Teil deines Vermögens für einen gemeinnützigen Zweck einsetzen, der dir am Herzen liegt. Eine Stiftung ist das klassische Instrument dafür. Ihre Aufgabe ist es, das Stiftungskapital dauerhaft zu erhalten und aus den Erträgen den Stiftungszweck zu finanzieren, sei es die Unterstützung von Umweltschutzprojekten, die Förderung von Kunst und Kultur oder die Hilfe für Bedürftige.

Wichtig ist dabei der reale Kapitalerhalt: Nicht nur der Nennbetrag, sondern die Kaufkraft des Stiftungsvermögens soll erhalten bleiben. Bei einer Inflation von beispielsweise 2 % muss die Anlage nach Kosten und Ausschüttungen also mindestens diese 2 % erwirtschaften, nur um real auf der Stelle zu treten. Genau hier hilft der Aktienanteil eines ETF-Portfolios langfristig, während reine Anleihe- oder Sparlösungen real oft verlieren.

Früher dachte man bei Stiftungsvermögen an konservative Anleihen und Immobilien. Heute sind ETFs für viele Stiftungen eine ernsthafte Option. Warum?

  • Kapitalerhalt durch Diversifikation: Ein breit gestreuter globaler Aktien-ETF verteilt das Risiko auf tausende Unternehmen. Das Risiko eines Totalverlusts einzelner Titel wird minimiert, das allgemeine Marktrisiko und die Schwankungen bleiben jedoch bestehen.
  • Laufende Erträge für den Stiftungszweck: Ausschüttende ETFs eignen sich gut, um einen planbaren Cashflow zu erzeugen. Die meist vierteljährlichen oder halbjährlichen Ausschüttungen fließen direkt in die Kasse der Stiftung und können für die Projektarbeit verwendet werden, ohne dass Anteile verkauft werden müssen.
  • Kosteneffizienz: Jeder Euro, der nicht für Verwaltungsgebühren ausgegeben wird, kann für den guten Zweck eingesetzt werden. Die niedrigen laufenden Kosten von ETFs helfen, die Rendite möglichst ungeschmälert der Stiftung zugutekommen zu lassen.
  • Werte und Investment in Einklang bringen: Viele Stiftungen verfolgen ethische oder nachhaltige Ziele. Mit dem großen Angebot an ESG- und SRI-ETFs kann eine Stiftung ihr Vermögen so anlegen, dass es ihren Werten entspricht. Eine Umweltstiftung kann beispielsweise gezielt in einen Clean-Energy-ETF investieren, sollte dabei aber das höhere Klumpen- und Sektorrisiko solcher Themenfonds beachten.

Die große Produktvielfalt an der Deutschen Börse, 2025 kamen allein 399 neue ETFs hinzu, ermöglicht es Stiftungen, eine maßgeschneiderte Anlagestrategie zu entwickeln, die auf ihre Ziele und Risikotoleranz abgestimmt ist. Ob und in welchem Umfang eine konkrete Stiftung in Aktien-ETFs investieren darf, richtet sich nach ihrer Satzung und der jeweiligen Anlagerichtlinie.

Das Portfolio für eine lange Zukunft: Wie könnte es aussehen?

Eine Anlagestrategie, die über Jahrzehnte oder sogar dauerhaft funktionieren soll, muss robust, einfach und anpassungsfähig sein. Ein überkompliziertes Portfolio mit Dutzenden Nischenprodukten ist hier fehl am Platz. Ein bewährter Ansatz ist die Core-Satellite-Strategie.

Der Kern (Core): Das Fundament

Der größte Teil des Portfolios, oft 70 bis 80 %, fließt in einen oder zwei breit gestreute, globale Aktien-ETFs. Klassiker wie der MSCI World (Industrieländer) in Kombination mit einem Emerging-Markets-ETF oder direkt ein allumfassender FTSE All-World bilden die globale Wirtschaftskraft ab.

Für den ausschüttungsorientierten Einsatz in Stiftungen oder Familiendepots ist etwa der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Distributing (ISIN IE00B3RBWM25) ein gängiger Baustein. Er bildet den FTSE All-World mit rund 3.700 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern physisch ab, schüttet vierteljährlich aus und hat eine laufende Kostenquote (TER) von 0,19 % pro Jahr (Quelle: justETF und Vanguard, Stand Juli 2026). Als thesaurierende Alternative für die reine Vermögensvermehrung existiert derselbe Index in einer Accumulating-Variante. Das ist eine Beschreibung, keine Kauf- oder Anlageempfehlung.

Die Satelliten (Satellites): Die Beimischung

Um den Kern herum können gezielt kleinere Positionen, die Satelliten, platziert werden, um das Portfolio zu stabilisieren oder Akzente zu setzen:

  • Anleihen-ETFs: Ein Anteil an hochwertigen Staats- oder Unternehmensanleihen reduziert die Schwankungen des Gesamtportfolios und liefert stabilere Erträge. Das ist besonders für Stiftungen wichtig, die auf regelmäßige Ausschüttungen angewiesen sind.
  • ESG-ETFs: Wie erwähnt eignen sie sich, um die Anlage mit den eigenen Werten in Einklang zu bringen. Für die jüngere Generation, die das Vermögen einmal erben soll, sind Nachhaltigkeitsaspekte oft entscheidend.
  • Themen-ETFs: Gezielte Investitionen in Sektoren wie Technologie, Gesundheit oder erneuerbare Energien können zusätzliche Renditechancen bieten, sollten wegen des höheren Risikos aber nur einen kleinen Teil des Portfolios ausmachen.

Die Entnahmeregel: Wie viel darf raus, ohne das Kapital zu verzehren?

Wer ein Vermögen über Generationen erhalten will, braucht eine klare Regel dafür, wie viel jährlich entnommen oder an den Stiftungszweck ausgeschüttet werden darf. Als grobe Orientierung wird in der Praxis häufig eine reale Entnahme von rund 3 bis 4 % pro Jahr genannt. Entscheidend ist die reale Betrachtung: Was du dauerhaft entnimmst, sollte die langfristige reale Rendite nach Kosten und Steuern nicht übersteigen, sonst schrumpft die Kaufkraft des Kapitals mit der Zeit. In schwachen Börsenjahren kann es sinnvoll sein, die Entnahme zu senken, um das Substanzvermögen zu schonen. Es handelt sich um eine Faustregel, kein Naturgesetz, und keine Garantie für dauerhaften Kapitalerhalt.

Praktisch umsetzen: Wo läuft so ein Depot?

Für ein langfristiges Familien- oder Stiftungsdepot zählen niedrige Kosten, eine breite ETF-Auswahl und Zuverlässigkeit mehr als kurzfristige Aktionen. Bei Trade Republic und Scalable Capital lassen sich global gestreute ETFs kostengünstig besparen und dauerhaft halten. Prüfe vor der Kontoeröffnung immer die aktuellen Konditionen sowie die für dich passende Depotstruktur, gerade bei Gemeinschafts- oder Stiftungsdepots gelten besondere Anforderungen.

Fazit: Denk dein Vermögen weiter

Der Aufbau von Vermögen mit ETFs ist ein Marathon, kein Sprint. Wenn du diesen Marathon aber nicht nur für dich selbst läufst, sondern auch für die, die nach dir kommen, bekommt deine Strategie eine neue Dimension. ETFs sind dabei mehr als nur ein Anlageprodukt. Sie sind ein Werkzeug für Klarheit, Fairness und Beständigkeit.

Sie vereinfachen die Vermögensübergabe, helfen Konflikte zu vermeiden und lassen sich sauber aufteilen. Beim Thema Steuern lohnt sich Ehrlichkeit: Einen "Step-up" auf Kursgewinne gibt es in Deutschland nicht, dafür sind die Freibeträge und die 10-Jahres-Regel echte Gestaltungshebel. Für Stiftungen sind ETFs ein solides Instrument, um Kapital real zu erhalten und gleichzeitig Gutes zu tun.

Der erste Schritt ist, deine eigene Anlagestrategie über den Horizont der Rente hinaus zu denken. Vielleicht ist der Gedanke an eine Stiftung oder einen klaren Vermögensplan für die nächste Generation der Anstoß, den dein Portfolio-Konzept braucht. Die Bausteine dafür liegen bereit: transparent, kostengünstig und teilbar.


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